Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 34 (28.11.1912)
- Date
- 1912-11-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Erscheint jeden Donnerstag. XIIIll. Jahrg. NnmWr 34 Bezugspreise Aür iösterreich-llugarn. halbjährig . . Srouen b20׳ aansiSBtia ......... Stonen 10•— Deutschland, ganzjäh^g. Mwck 10 — Rußland, ganzjährig. Rubel 650־ Balkan, FraÄweich.Franks 12•— Einzelne Nummer 20 d._ Herausgeber: Max Hickl. Inserate: die 8 spaltige Peritzeile 3U k. r n hhändler, ch! Vertretung: Ctt» Klemm. Leipzig. Pastiva kNisatonro Nr. 312.842. TrschSstStzelle. Wu»: l., Rotrnturmstiaße Nr. St. Telrpho« 3009/VIIl. Sprechstunden von 10—12 Uhr Unser langt« redaknonelle Beiträge werden nicht honorier! Manusknpken ist Rückporto deizuiugen Brünn—Budapest. ' 18. Kiste« -rk'3 Prag—Lemberg. Aus dem Inhalte: Pragensia. —Meidet die Renegaten. — Zum Niedergange der mährischen Kultusgemeinden. — Schilderungen aus dem Prerauer Ghettoleben. — Vom Kriegsschauplätze. — Brunner Nachrichten. — Korrespondenzen. — Rundschau. — Das Schachtverbot und die Liberalen. — Eingesendet. — Sacher Mas och: Jüdische Musikanten. — Max Rieden, Wien: Chanukalied. — Pros. D. A. Deutsch: Exegetisches zum Wochenabschnitt Wasischlach. — Rabb. S. Wolfssohn: Die Umschreibung des Tetragrammaton. Bücherbesprechungen. Pragenfia. Eigentümliche Begriffe von Freiheit haben sowohl Deutsche wie Tschechen in Prag und Bähmen überhaupt. Beide wähnen sich bedrückt einer durch den andern verkürzt und rufen nach Freiheit der nationalen wie individuellen Ent- Wicklung. Man sollte nun annehmen, daß Deutsche wie Tschechen billigerweise das, was sie selbst an streben, auch einer anderen Minderheit, z. B. den Juden, ohne weiteres zugestehen werden. Weit gefehlt! Im Asemitismus wie Äntisem:- tismus reichen sich die beiden einander besetzdenden Stämme die Hände, in Engherz'gke't und nach krassestem Egoismus riechender Besetzdüng jüdischen Geistes und jüdischer Wirtschaftskraft. Die tschechische "Universität z. B., die bei ihrer Gründung (1882) in Hofrat Zucker eine Leuchte juridischen Wissens hatte, konnte es nicht über sich gewinnen, ihn auch zum Rektor zu Feuilleton. Jüdische Musikanten. Von Sacher Mas och. Was die Zigeuner für Ungarn, das sind die Juden für die polnischen und kleinrujsischen Länder. Wir brachten, solange mein Vater an der Spitze der Lemberger Polizei stand, den Somrnec jedesmal in dem nahen, sehr hübsch gelegenen Dorfe Winiki zu. Nach den Märztagen des Jahres 1848 verließen wir Galizien, und als ich 1857 das erstemal wieder in meine Heimat und nach Lemberg kam, besuchte ich mit Vorliebe den freundlichen, von herrlichen Waldungen umgebenen Ort, an den sich die schönsten Erinnerungen meiner Kindheit knüpften. Jeden Sonntag spielten in der Kartschma, der Schenke, welche einem Juden gehörte, jüdische Musikanten zum Tanz, und die Mädchen und Burschen aus dem Dorfe drehten sich lustig auf den Dielen der Schänkstube und stampften mit den schweren Stiefeln, daß die bunten Röcke und die bebänderten Zöpfe der Tänzerinnen hin- und herflogen. wählen, denn er hatte einen ״Makel": er war Jude! Und die Herren gehen seitdem weiter, sie gestatten keinem Juden, sich zu habilitieren, außer er bringt den für das Wißen in Oesterreich wichtigsten Beleg bei — den Taufschein. Die Namen Kraus, Glücklich und Fischer mögen zuni Beweise genügen. Daß es-in diesem Belange auf der deutschen Alma mater Pragensis nicht besser steht, erhärtet die Tatsache der Habilitierungen und Ernennungen — getaufter Juden, beweist der langwierige Kamps um die Besetzung der Lehrkanzel nach dem verswrbenen Hosrat Przibram, einenp Juden. Dessen Nachfolger darf um keinen Preis ein Jude werden und besäße er die wissenschaftliche Befähigung eines Prof. Singer oder Münzer. Drei Absagen hat sich die Fakultät bereits gefallen lassen müssen und noch-immer kann sich die Kommission auf den berufenen Kandidaten nicht einigen. Der Freisinn der Tschechen, die sich so gern auf die einzig Freisinnigen ausspielen, knickte sofort in sich zusammen, als jüngst von Polna die Nachricht kam, der wahre Mörder der Agnes Hruza sei gefunden worden. Was da die führende tschechische Presse leistete, grenzt an das Unwahrscheinliche, das aber in diesem Falle leider Ereignis wurde. Narodni Listy, einst das Organ der wirklich liberalen Sladkowsky und Barak, Czeske Slovo, das Organ des bedrückten Volkes — lagen sich trotz des sonstigen Antagonismus in den Armen, höhnten die Juden und winkten ihnen ab. ״Mit der Revision des Hilsnerprozesses ist es nichts! Im Volk (im tschechischen) ist der Blutaberglaube zu sehr eingewurzelt, also hübsch ruhig sein ....Und dann staunt man über die Roheit der Plebs! Uebrigens hat sich der Instinkt der tieferen Volksschichten in einem anderen Falle bester bewährt. Der Baron Dercseny, Herr auf Unter- Es waren vier Männer, welche das originelle Orchester bildeten, alle in langen Kaftans, mit langen Bärten und Löckchen zu beiden Seiten der Stirne, welche der Volkswitz ״Korkzieher" getauft hat. Svei äUere Männer spielten die Geigen, ein junger schlug den Cymbal und ein Greis mit weißem Patriarchenbart und blinden Augen entlockte der Baßgeige die . tiefen begleitenden Sie spielten die nationalen Tänze mit vielem Feier, wenn ich ihnen jedoch ein Paar Gulden auf den Tisch warf, auf dem der Cymbal stand, trugen sie jedesmal auf mein Verlangen hebräische Melodien vor. Die jüdische Musik und der jüdische Gesang vor allem haben sich nicht nur in der Synagoge erhalten. Neben den religiösen Gesängen gibt es, insbesondere bei den polnischen Juden, zahlreiche Volkslieder, teils dramatischen, teils balladenartigen Charakters, teils lyrisch, elegisch, teils komisch. Die letzteren kann man vorzüglich zur Zeit des Purim, des jüdischen Karnevals, - Diese hebräischen Melodien bewegten und fesselten mich jedesmal durch ihre Originalität und Schönheit und durch die seltsame Mischung einer kecken Laune mit orientalischem Schwer- Poczernitz, hat sich ins Mittelalter versetzt und hat einen jüdischen Geldagenten Norbert Groebl aus Wien blutig geschlagen. Noblesse oblige! Ter Prager Richter verurteilte den ״vornehmen" Herrn mit der Reitpeitsche zu 400 K Strafe. ״Herrenmoral" nannte das das Arbeiterorgan Pravo Lidu und würdigte die Gemeinheit des Barons nach Gebühr. Ein konservatives Organ Hlas Naroda, das seinerzeit dem Minister Bros nahe stand, ließ sich in 'Nummer 828 vom 28. November die Gelegenheit nicht entgehen, um tschechisch jüdelnd deni Juden eins am Zeug zu flicken, die Gefamheit der Juden zu verspotten und den Baron in Schutz zu nehmen. Krumme Beine, krumme Nasen spielten im Bericht des Gerichtssaalreferenten eine Rolle. Und das Blatl gehört dem Stadtrat Tr. Baschtyrz, dessen Abkunft von — gilben allgemein bekannt ist. Die vornehmen wie geineinen Tschechen sind im Judenhaß eins. Sprechen wir von gemein flugs meldet sich der klerikale 20. Vek. Natürlich schiebt dieses gesinilungsiofe christlichfoziale Lügenblatt den Juden wieder etwas in die Schube, was »rechten katholischen Ariern gebührt. Strafbaren Unfug nennt es die nackten Karyatiden ans dem neuem Hanse des Apothekers Adam aus dem Wenzelsplatz, allegorische Darstellungen der Pharmakologie, und Nuditäten auf dem neuen Rathaus in der Leonardigasse beim Klementinum. ״Das ist ein Stück jüdischer Moral, dem christlichen Volk eingeimpft. Die christliche Frau wahrte, solange sie nicht den jüdischen Schwindel kannte, ihr Höchstes .ihre Tugend, und der christliche Mann war Hüter des Familienlebens. Und dieses durch Zynismus zu zerstören, war stets die Aufgabe der —' Juden. Was wir ans den genannten Häusern sehen, ist mir eine Perherrlichung der Prostitution. Die betreffenden Hausherren müssen aber ein recht weites Gewissen haben." Ganz recht! Nur trifft eS kathomut. Ja, es war der musikalische Heinrich Heine und vielleicht noch mehr sein Vorgänger und Vorbild, der spanisch-hebräische Poet Jehuda ben Halewi, den mir diese jüdischen Musikanten zu hören gaben. Eines Abends in der Woche kam ich von der Jagd. Ich hatte auf dem nahen Teiche Wildenten geschossen, die im Sonnenuntergang ziehen. und kam, als es dunkel geworden war, an der Kartschma vorbei. Da hörte ich eine wunderbare Melodie durch die Luft ziehen. Sollten meine Juden ausnahmsweise an einem Werktag den Handel der Kunst geopfert haben? Ich trat ein und fand ein meckwürdiges Trio. Ein junger Mann, hoch und schlank ge wachsen, mit dunklem .ftaac und Bart, in einem langen schwarzen Talar, das kleine schwär?,e Samtkäppchen aus dem Kopfe, ein paar slimmernde, geniale Äugen in dem bleichen Gesicht, spielte die Geigen. Neben ihm stand ein blonder Knabe von kaum zehn Jahren, welcher dasselbe Instrument spielte. Er war hoch aufgeschossen ind sein ernstes Gesicht hatte nichts von der Frische, welche man an unseren Bauern meistens ieht, aber auch er hatte ein paar merkwürdige Augen, nicht so glühend wie die seines Vaters, Große Auswahl!! Synagogeuoruate auch Lusterkutteu «ud schöue seltene GelcgcnheitSkäufe im Spezialhaus für Gyuagogeuoruate Rudolf lSoldstcin. Wo«. II, *m**» Telephon 21990 (iuterurbau). Wiederverkaufer Rabatt! Reich illustrierte Preisliste»!