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Jüdische Volksstimme · 1912-11-21 · Heft 33 (21.11.1912) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 33 (21.11.1912)
Date
1912-11-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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״Jüdische BolkSstimme." Teile S Rr. 33. hat der Verstorbene gleichfalls regen Anteil genommen.. Straßburg. Gleich den Geistlichen der christlichen Bekenntnisse sollen auch die Rabbiner in Elsaß-Lothringen eine Aufbesserung ihrer Ge- Halter erhalten. Wie verlautet, soll das Höchstgehalt von 3400 Mark auf 3050 Mark festgesetzt werden. Berlin. Am 8. d. starb im 70. Lebensjahre Herr David W o l f f. Der Verblichene, der den lebhaftesten Anteil an allen jüdischen Dingen genommen hat, war seit 30 Jahren Großsekretär der Logen des Ordens Bne Brith, zu deren Mitbegründer er zählt. Als Sekretär der Großlöge hat er ganz außerordentlich verdienstvoll gewirkt. Der Verblichene gehörte auch dem Vorstände des Vereines für Arbeitsnachweis seit dessen Begründung an; desgleichen war er Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Jüd. Erzichungsanstalt für geistig zurückgebliebene Kinder in Beelitz seit deren Begründung sowie einer Anzahl anderer jüd. Vereine. Tie Beisetzung des verdienten Mannes erfolgte unter zahlreichem Trauergeleite am Montag den 11. d. M. An seinen: Grabe hielt Herr Rabbiner Dr. Blumenthal die ergreifende Trauerrede. Ferner sprach der Präsident der Großloge, Herr Geheimrat Timendorfer, der dem entschlafenen treuen Mitarbeiter an dem großen Werke der jüdischen Logen Worte des Dankes und treuen Gedenkens ins Grab nachrief. Stettin. Der hier verstorbene Direktor Karl Ticdcrichs hat den Armen der hiesigen jüdischen Gemeinde 10.000 Mark vermacht. Cassel, 10. November Hier wurde eine Ortsgruppe der Agudas Jisroel gegründet, der 53 Mitglieder beigetreten sind. Das Referat hielt Herr Bankier M. Elias. In den Vorstand wurden gewählt, die Herren M. Elias, Viktor Löweitstem und Referendar Talberg. München. Auch hier veranstaltete dieser Tage die Redaktion von ״Ost und West" einen jüdischen Volkslicderabend, der sich eines zahlreichen Besuches zu erfreuen hatte. Gar vielen Besuchern sind hier wohl erstmals diese chaffidischen Melodien und jargonischen Volkslieder zum Gehör gekommen, und die Beifallsbezeugungen haben auch bewiesen, datz die Melodien und Gesänge nicht nur verstanden, sondern auch gefühlt wurden. Der zahlreiche Besuch war um so erfreulicher, als cs hier das erste Mal war, datz man es gewagt hatte, mit einer solchen Veranstaltung vor die Oeffcntlichkeit zu treten. Wenn auch langsam, bringt man doch nach und nach in der Metropole Bayerns jüdischen Darbietungen immer mehr Interesse entgegen, — unbestreitbar ein Verdienst des Zionismus. Rom. Die Regierung hat dem Lberrabbincr Dr. Margulins in Florenz als Obmann des Falascha-Komitecs mitgeteilt, datz sie in Eritrea kostenlos ein Terrain zur Erbauung der Falascha-Schule zur Versügung stellt. New Dort. Hier ist von London der jüdische Gelehrte Pros. Israel Abrahams eingetroffen, um für die Verbreitung des Claude Montefiorescheu Judentums tätig zu seim Er wird N^hl mit den negativen Erfolgen, die Claude VE.׳ tefiore vor zwei Jahren hier hatte, wieder abziehen. Kairo. Der Herzl-Klub und eine andere jüdische Vereinigung in Kairo haben beschlossen, dort eine Jüdische Uinversität zu gründen. Es hat sich ein Direktionsausschuß gebildet, bestehend aus Vertretern der beiden Vereine und aus Lehrern. Arürmer Nackrickten. Jüdischer Turnverein, Brünn. Anläßlich der stattgehabten Eröffnung der neuen Turn- Halle findet am Sanistag den 23. November um 0 Uhr abends im Saale der Schwechater Bier- Halle ein Tanzabend statt. Schriftliche Einladuugen werden keine versandt. Gäste sind bestens willkommen. Toynbeehalle. Sonntag den 24. November 1912, uni 5 Uhr nachmittags, findet im Saale des Mährischen Gewerbevercines ein Vortrag des Herrn Dr. M- Friediger, Rabbiners in Pohrlitz, über das Thema: ״Emanzipationsbestrebungen der Juden im 18. und 19. Jahrhundert" statt. Lormfeier: Anläßlich der zehnten Wiederkehr des Todestages unseres heimischen Dichters Hieronymus Lorm veranstaltet die Jüdische Toynbeehalle an! 1. Dezember de-tz^eine Lormfeier. Näheres folgt in der nächsten Nummer. Mathias Acher über die moderne jüd. Literatur. Samstag den 16. d. M. trat die Jüdischakademische Rede- und Lesehalle Heuer mit ihrein ersten literarischen Vortrage in die Oeffentlichkeit. Dr. Nathan Binbaum sprach über ״Tie jüdische Literatur". Welch großes Interesse dieses Thema bei der jüdischen Bevölkerung wachrief, zeigte schon der große Besuch. Mit der vollsten Aufmerksamkeit folgte man den glänzenden Ausführungen, die ihre Wirkung nicht verfehlten. Redner.wußte es in ausgezeichneter Weise, an der Hand trefflicher Beispiele die Anwesenden von der Existenz einer spezifisch jüdischen Literatur zu überzeugen und ihnen den Gedanken wachzurufen, daß man auch durch die jüdische Sprache den zartesten, wie auch wildesten Gefühlen Ausdruck verleihen kann. Er verwies daraus, daß gleich jeder anderen Literatur, auch die jüdische einen natürlichen Entwicklungsgang durchmacht. Bei der jüdischen Literatur ist die erste Entwicklungsstufe das Volkslied gewesen. Die Dichter wie auch die Literarhistoriker wissen das Volkslied entsprechend zu würdigen, weil sich darin die Charaktereigenschaften des Volkes in der natürlichsten und urwüchsigsten Weise wiederspiegeln. Um nicht den engen Rahmen eines Vortrages zu überschreiten, mußte sich Redner darauf beschränken, nur die wichtigsten Repräsentanten auf den einzelnen Gebieten der Literatur hervorzuheben. So nannte er CH. N. Bialik, der in faszinierender Weise das Gemütsleben des jüdischen Volkes zu schildern vermag. Als einen der würdigsten Vertreter der Lyrik bezeichnete er M. Rosenfeld. Seine beiden Gedichte ״Mein Jüngele" und ״Sturm" sind funkelnde Edelsteine, in denen sich die zartesten und wildesten Regungen der Seele zum Ausdruck kommen. Auch in den anderen Dichtungsgattungen nannte er Vertreter, wie H. Peretz, Tchalom Asch, die sich auf mehreren Gebieten versucht haben, aber nur in den mustergültigen Novellen und Skizzen Hervorragendes geleistet haben. Auch den Werken des Mendel Mocher-Seforim tat Redner in anerkennenswerter Weise Erwähnung. Nicht zuletzt nannte er Schalem Alechem, aus depen ״Maisses" ein unverfälschter Humor hervorsprudelt. Auch die sich entwickelnde jüdische Büstne ließ der Vortragende nicht unerwähnt. Als einen Repräsentanten der Dramatik erwähnte er Gordin, dessen Werke aber in dramatisch-technischer Hinsicht viele Mängel aufweisen. Redner schloß mit dem Wunsche, die jüdische Jugend möge ihr Streben dahin konzentrieren, sich selbständig in den reichen Born der jüdischen Literatur vertiefen zu können, denn nur diese gestattet uns einen tieferen Einblick in die feine Seelenstruktur des jüdischen Volkes. Nachklängezur Wiener Religionslehrer-Bildungsanstalt s. A. Aehnlich wie es jetzt der Türkei infolge Mißwirtschaft ergeht, erging eS der seinerzeit von der Wiener Kultnsgemeinde errichteten Lehrerbildungsanstalt. Auch sie mußte vom europäischeu Bode nverschwinden. Zu den Gefangenen zählt aber in erster Reihe die Wiener Kultusgemeinde, die auch zur Zahlung von Existenzkosten, d. h. zur lebenslänglichen Erhaltung sämtlicher Zöglinge von der ״Wiener Lehrerstimme" kriegswörtlich verurteilt wurde. Tie Wiener Lehrerstimme" vom 15. November d. I. bringt eine ebenso witzige wie ernste Ermahnung an den Vorstand der Kultusgemeinde, die mit dem beachtenswerten Befehlssätze: ״Löblieher Vorstand! Schütze dein Kostkind! Tue Geld in seinen Beutel" schließt. Tie Wiener Kultusgemeinde hatte mit der Errichtung einer Lehrerbildungsanstalt Großes leisten wollen und wieder was es der modernen ״Schochad", ״Protektion" genannt, der sie blind machte, so daß sie sich herbeiließ, erwachsene Volksschüler, durchgefallene Mittelschüler, Schüler, die kein jüdisches Wissen besaßen usw. in die Anstalt aufzunehmen. Tie Folge war, daß einige Lehrerkarrikatuxen erzeugt wurden. Die Gemeinde verdient also die Strafe, ihre Kostkinder (denn jeder Zogiing kostete 10.000 K) selbst zu erhalten. Jeder Versuch der Gemeinde, sich dieser Lehrer zu entledigen, scheiterte bis nun aus Protektionsgründen. Man darf also mit den Worten schließen: ״Löblicher Vorstands Verschließe auch fernerhin die Pforten deiner ׳schulen selbst vor den tüchtigsten Lehrern der Provinz, daß sie, ebenso wie ihre ausgezeichneten Lehrbücher, prinzipiell, um deine Protektionskinder nicht zu verdrängen, keinen Eingang finden; dafür werden auch die Gemeinden der Provinz deinen Zöglingen keineu Einzug gewähren und du wirst von der ״Lehrerstimme" genötigt werben, die Frucht, die Du selbst gezeitigt, auch selbst zu genießen. Eines. Ter Don Quixote ins Hebräische überseht! Das ist eine freudige Nachricht, die wir allen Freunden Der hebräischen Sprache bringen dürfen: CH. N. Bialik. der Meister der hebräischeu Dichtkunst, hat Den altberühmten Roman des Miguel De Cervantes, Ton Quixote De la Mancha, ins Hebräische übersetzt und der erste Teil dieser Uebersetzung ist soeben im Perläge ״Turgeman" in Odessa erschienen (Preis 75 Kopeken, zu beziehen Durch M. Ussyschkin, Odessa, Cherkonskaja 40.) Von diesem Verlage ״Turgeman" weis; man bei uns noch recht wenig, wie denn überhaupt unsere Judenheit auch dort, wo sie noch Hebräisch versteht und liest, von der m oder n e n hebräischen Literaturbe wegting wenig berührt ist. Ter Verlag wurde durch Die hochherzige Stiftung Der Witwe nach Moses I e i t l i n zum Andenken an ihren Mann begründet und hat den Zweck, Die besten Bücher Der Weltliteratur in hebräischer Sprache herauszugeben, und zwar in einer Bearbeitung für die I u g e n d. Es sind bisher folgende Werke in dem Verlage erschienen: ״Tom", aus dem Englischen übersetzt von I. CH. Tawjow, ״Tausend und eine Nacht", aus Dem Arabischen übertragen von David I e l l i n. ״Spartacus". aus dem Italienischen von S. Z a b o t i n s k i übersetzt und nunmehr also Der ״Don Quixote des Cervantes. Es sind denmach in Das Prograut in lauter Werke aufgenommeu, welche!ich längst als treffliche Jugendlektüre bewährt Haben. Tie Bücher sind gut gedruckt, schwerere Ausdrücke in Anmerkungen erklärt, so Das; sich diese Veröffentlichungen auch sehr gut Dazu eigneu. Die Kenntnis der Sprache zu pflegen und;u befestigen. Der Verlag ״Turgeman" bittet Die Freunde der hebräischen Sprache, seine Bücher zu verbreiten und Abonnenten ans Die Erscheinungeu des ״Turdeman" zu werben. «Iahresobonnement: 2 Rubel 10 Kop.» h. b. Diskonte Jesellschaft bei der Nordüsterreichischen Bank für Industrie, Handel und Landwirtschaft, registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung in Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Bankgeschälte, hauptsächlich auch für den Eskompt offener Buchforderungen unter den allergünstigsten Bedingungen. Wiener Kulmswahlen. Nach langen Verhandlungen bezüglich der bevorstehenden Kultuswahlen ist nun doch ein Kompromiß zwischen Der Kahalspartei itttD Dem zionistischen Wahlkomitee zustande gekommen. Danach werden Den Zionisten zwei Mandate in Den .Kultusvorstand eingeräumt und ilme» Das :liecht zugebilligt. Die Kandidaten für die ihnen zugestandenen zehn Prozent Manoate Der Bezirkskommissionen ohne Einspruch und!011־ stiger Bepantoffeluug seitens der Kahalspartei. selbst nominieren zu Dürfeu. Tie vereinigten Wahlkomitees haben einen gemeinschaftlichen Aufruf erlassen itttD fordern Hefrenwäsdie nach Mass und Herrenmodewaren kaufen Sie am besten im Spezialgeschäfte der Firma ״Derby“ V. DREStER, Brünn Krapfengasse Nr. 24—26. Nur apparte Neuheiten. Feste Preise.

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