Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 33 (21.11.1912)
- Date
- 1912-11-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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©rite 4. ^JSdtsche L-lk-sttMme." lassend, aus ihren Wohnstätten haben flüchten müssen, ersichlich, und der Hilfsverein hat dementsprechend gemeinsam mit der Grotzloge für Deutschland Ü. O. B. B. unverzüglich eine geeignete Hilfsaktion in die Wege geleitet. Zur Linderung der ersten Not sind 10.000 Frs. zur Verfügung gestellt worden. Da die vorhandenen Mittel gegenüber den umfangreichen Anfordcrungen nicht genügen, bittet er alle Freunde seiner Bestrebungen um möglichst reichliche Beiträge für diesen Zweck. Uebcr die Schrecken des Krieges und die Leiden, die der Krieg besonders auch über unsere Glaubensgenosten auf dem Balkan gebracht hat, gibt auch nachfolgender Brief, der noch vor dem Falle Salonikis an ein Mitglied des Vorstandes des Hilfsvercines gerichtet worden ist, beredte Auskunft. ״ ... Die Worte fehlen mir, um Ihnen die Schrecken und die Not der Zeiten, die wir durchleben, zu schildern. Saloniki macht den Eindruck einer Stadt in Trauer. Unsere Gemeinde, die durch die ökonomische Krise aller ihrer Mitglicder seit dem türkisch-italienischen Kriege bereits verarmt ist, befindet sich jetzt, seitdem der Balkankrieg mit allen seinen Greueln zum Ausbruch gekommen i,, in der allcrelendesten Lage. Die Stadt selbst sieht aus wie ein großer Friedhof. Wir Juden stehen vor der ungeheueren Aufgabe, solidarisch Hilfe zu leisten, und sind doch völlig unfähig, sie zu erfüllen. Es handelt sich zunächst um die bedürftigen Familien der israelitischen Soldaten, die ohne Mittel zurückgeblieben sind und die buchstäblich Hungers sterben müssen, wenn ihnen nicht Hilfe gebracht wird. Dazu kommt die große Schar cingewanderter Juden, die vor dem Kriege aus dem Innern geflohen sind und mit jedem Zuge ankommen. Es sind Arme, Greise, Frauen. Kinder, Kranke, ganze Familien aus Karaferia, Jstip, Uesküb usw., die ihr Hab und Gut im Stiche gelasien haben. Es ist ein namenloses Elend mit seinem ganzen Gefolge von Schrecken, Trauer und Hilflosigkeit. Und es kommen alle Tage mehr. Wir sind schon überschwemmt; das Publikum gibt; es opfert sich auf, denn es leidet gleichfalls unter der schrecklichen Krise." Infolge N׳<״ immer neuen Schreckensmeldüngen, die ais «׳'len Teilen der kriegführenden Staaten komme״ b״t der Hilfsvcrein der Deutschen Juden ge׳- e״׳ichaftlich mit der Großloge für Deutschland V 0. B. B. die erste Rate für das Hilfswerk auf 23.000 Frcs. zu erhöhen beschlossen. Gegenüber der Größe des Elends, das von Tag zu Tag wächst, ist auch diese Summe nur sehr geringfügig. T'her werden alle Glaubensgenossen gebeten, ׳> ׳׳^e״e reichliche Spenden für die Opfer des Bal'o»''׳ ׳eges einzusenden. Die Geldse״dungen sind zu richten an: Commerz- und Diskonto-Bank, Dcpositenkasie C, Berlin, Charlottenstr. 47, oder an den Vorsitzenden des Hilfsvercines der Deutschen Juden, Herrn Dr. James Simon, Berlin, Tiergartenftraße 13a, und an den Präsidenten der Großlöge für Deutschland U. O. B. B., Herrn Gehcimrat Timcndorfcr, Taubenstraße 16—18. Auch die Alliance Jsraelite Universelle hat für die jüdischen Opfer des Balkaukriegcs 23.000 Frcs. bewilligt. Vom Schächten. Der Londo. .r Ticrschutzverein hat in der letzten Zeit eine lebhafte Agitation gegen das rituelle Schächten entfaltet. Es entspricht ganz dem praktischen Wesen der Engländer, daß sie es nicht beim theoretischen Kampfe bewenden ließen, sondern vergleichende Studien über die verschiedenen Tchächtmethoden Vornahmen. Vor׳,gc Woche wurde nun die Vorführung der vcrschicdcncn Schächtmcthodcu im Londoner Schlachthause in Gegenwart eines großen Publikums vorgenoutmen. Auch die Vertreter der jüdischen Gemeinde wurden hierzu eingeladen. IL׳ ist nun interessant, daß sämtliche Methoden, welche die vo.lerigc Betäubung des zu schlachlei.den Viehes bezwecken, vollständig versagt habe», und selbst die eifrigsten Mitglieder des Tier- Vereines mußten konstatieren, daß das Vieh bei diesen Methoden viel länger und viel größere Schincrzcn leidet, als bei der jüdischen rituellen Schlachtmethode. Ein Vorstandsmitglied des Verbandes der englischen Tierschutzvereine sah sich denn auch veranläßt, einem Vertreter der jüdischen Gemeinde gegenüber öffentlich die Bemerkung zu machen: Die jüdische Schlachtmethode hat die Probe siegreich bestanden. Das wird nun der ganzen Hetzkampagne gegen -das rituelle Schächten in diesem Lande ein unrühmliches Ende bereiten. Hoffentlich wird ihm die Zukunft recht geben. Rr. 33. Eine prophetische Ankündigung des Krieges gegen die Türkei für das Jahr 5673 (1912 13) im kabbalistischen Buche Sohar. Im alten kabbalistischen Buche Sohar zum Bibelabschnitt Wajera im Anschluß an den Vers betreffend Jsmael wird für das Jahr 5673 ein großer Krieg gegen die Türkei und eine Versammlung mehrerer Könige in der überwundenen Hauptstadt Konstantinopel angekündigt. Eine hervorragende jüdische Mathematikerin. Aus Kiew wird berichtet: An der hiesigen Universität hat dieser Tage die jüdische Hörerin Jsabella Abramowicz das Hauptexamen für mathematische Wissenschaften mit solch ausgezeichnetem Erfolge bestanden, daß das Profesiorenkollegium der Universität beim Unterrichtsministerium um die Erlaubnis ansuchte, Fräulein Abrainowicz behufs weiterer Ausbildung zur Professorin für Mathematik an Hochschulen an der Universität belasien zu dürfen. Für den Fall, daß diese Erlaubnis, wie vorauszusehen ist, von der Regierung nicht erteilt werden sollte, wird Fräulein Abramowicz im Auslande ihre Studien fortsetzen. Statistisches zur jüdischen Prozentnorm an den russischen Bildnogsanstalten. Von unserem Petersburger Korrespondenten. Jüngst ging ein zynischer Witz des russischen Bildungsministers durch die Presse. Eine jüdische Frau hatte diesen Gemütsmenschen zu seiner Errettung bei einem Zusammenstoß beglückwüuscht und daran die Bitte geknüpft, der Minister möge ihrem Sohne den Besuch der Universität gestatten und darauf prompt die Antwort erhalten, der Stoß sei zu schwach gewesen, um die Prozentnorm erschüttern zu können. Jedenfalls ein bezeichnender Ausspruch! Man kann daraus schließen, welche ungeheuren Schwierigkcitcn die Juden zu überwinden haben, wenn sie über die Prozentnorm an den Hoch- und Mittelschulen Aufnahme finden wollen, und daraus ersehen, welch ehrendes Zeugnis ihnen die folgenden Ziffern ausstellcn. An der Universität Odessa bilden sic 24 Prozent, Petersburg 11 Prozent, Kiew 18 Prozent, Charkow 11 Prozent, Warschau 10 Prozent, an den anderen fünf russischen Universitäten 5—8 Prozent der Gesamtzahl der Hörer. Bedenkt man, daß an den größten Universitäten die kleinste Prozentnorm vorgeschrieben ist, so für Kiew 8 Prozent, Pctersburg und Moskau 3 Prozent, so sollten alles in allem höchstens 6 Prozent jüdischer Hörer inskribiert sein, tatsächlich bilden aber die 4244 jüdischen Studenten fast 11 Prozent der rusiischeu Universitätshörer. An den sechs rusiischen Techniken sind 1000 Hörer, d. i. fast 10 Prozcut, inskribiert, während die Prozentnorm Petersburg und Moskau nur 3 Prozent, für die anderen Techniken nur 5 Prozent zulasten. An den vier tierärztlichen Schulen bleiben die jüdischen Hörer hinter der Prozentnorm zurück, nur in Warschau übersteigen sie sie bedeutend. An den russischen Gymnasien beträgt die jüdische Schülerzahl 12.000, sie bilden fast 10 Prozent der Gesamtschülerzahl (in einzelnen Städten, wie Warschau freilich fast 26 Prozent, Odessa 19 Prozent, Wilna 16 Prozent; an den Realschulen gibt es fast 5000 jüdische Schüler, d. i. gleich 8 Prozent der Gcsamtschülerzahl, in Warschau freilich bilden sie 37,1 Prozent der Realschüler. Alles in allem gibt es in Rußland 5300 jüdische Hochschüler und 16.980 jüdische Mittelschüler, unter russischen Verhältnisten gewiß ein ehrendes Zeichen für den Bildungsdrang unserer verfolgten Brüder. Mißlitz. Dienstag den 2. Kislew wurde unter allgemeiner Teilnahme, Frau Nany Neumann, eine Tochter des gottseligen Brünner Rabbiners Frischauer und Mutter des Herrn k. n. k. Oberst Josef Neumann und Dr. James Neumann, Wien, sowie des hiesigen Gemeinderates Berthald Neumann, zu Grabe getragen. Mit,dieser biederen, noch vom alten, jüdischfrommen Schlage stammenden Frau, die das 82. Lebensjahr erreichte, verliert unsere Gemeinde, eine stille Wohltäterin, ein nachahmungsvolles Vorbild, und unser Frauenverein seine Vizepräsidenten, welche die Zwecke uns Ziele desselben, besten Gründerin die Verblichene war, durch wohltätigen Sinn, sowie durch Werktätige Mitarbeit weitgehendst förderte. Gesegnet sei das Andenken, das wir stets in Ehren, dieser wahrhaft frommen, gottergebenen Mitschwester bewahren werden, auf welche die Worte 0er Anerkennung seitens der Zeitgenosten Jsaks, in dem vorletzten Wochenabschnitte anwendbar sind: ״ato, ato boroch adonaj", ״Du warst eine wahrhaft Gottgesegnete, Gottgerechte, Gottbegnadete" — sie sind das untrüglichste Zeugnis für das hohe Ansehen, besten sie sich unter uns erfreute und diese Verehrung ist sicherlich nur der Reflex ihrer reichen Tugenden — sei es, daß sie vom Glück, bis in die höchsten Sphären getragen, oder durch das Mißgeschick, bis in das innerste Mark tief getroffen wurde — die sie wohl als Erbschaft vom Elternhause übernomn en hat, die jedoch mit unverminderter Kraft, auch aus ihren eigenen Taten, aus ihrer eigenen herzenvollen Wirksamkeit, in die'weite Oeffentlichkeit hinausstrahlt! Und wie sie hienieden nur sanftmütig und nichts als nur friedfertig war, so ruhe sie dort sanft in Frieden! NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNG!»- GESELL- SCHAFT, WIEN, I. ASPERNPLATZ 1 im eigenen Palais. — Versichertes Kapital drka 380 Mulatten. _״״ Reserven «dilm liz Millionen Kronen. - Billigste Tarife, «U^M!NWTE° überall gesteht — Unser neuester Tarif mltjjfrlrcj OP?־״■ fallender garantierter Prfrnie. Oeneralagentur für Vlierr, Aspeirplatz I. Leiter Oavid Nebenzahl. Sub Direktion für Prag.Perainindsgasse 2a 1eu, Leiter Robert versteh Sub-Direktion für Lemberg, SzaP nocha 3, Leiter Löbl Taubes. Hauptagentur fflr Brünn, WawrastraBe 10. Leiter: Samuel Reininger. j Koritschan. (80. Geburtstag.) Morgen Don-; ucrstag den 21. November, feiert unsere kleine, aber alte Gemeinde einen c'.hebenden Festtag: ' den 80. Geburtstag unseres hochgeschätzten, wackereu Lehrers i. R. Herrn Josua Kollek. Möge j der Jubilar nächstes Jahr in ebensolcher Rüstigj keit das bevorstehende Jubiläum seiner goldenen 'Hochzeit feiern und noch viele Jahre in seinem lieben Koritschan weilen können! Budapest. Auf Veranlassung der Belgrader israelitischen Gemeinde beschloß die hies. Chewra Kadischa, auf ihre Kosten vier jüdische Aerztc nach Serbien zu schicken, um den verwundeten Scldaten, die aus Mangel genügender ärztlicher Hi sie elend verkümmern, rettend beizustehen. Unter den verwundeten Kombattanten nehmen die Juden einen unverhältnismäßig hohen Prozentsatz ein. Krakau. Vor kurzem starb hier nach längerer Krankheit der Präsident der Krakauer Handels- und Gewerbekammer, Herr Moritz Dattner. Der Verstorbene war seit dem Jahre 1885 Mitglied der Krakauer Handelskammer und seit 1907 der Präsident derselben. Die wirtschaftliche Entwicklung des Landes Galiziens ist zum grotzen Teile sein Werk. Dattner, der auch Ritter des Eisernen Kronen-Ordens und des Franz- Josef-Ordens war, gehörte viele Jahre hindurch dem Krakauer Gemeinderate sowie dem öfterreichischen Eisenbahnrate, Jndustrierate und zahlreichen von der Regierung eingesetzten Handels- und Jndustriekommistionen an. Kammer- Präsident Dattner genoß in allen gesellschaftlichen Kreisen große Achtung und Wertschätzung. Im jüdischen öffentlichen Leben von Warschau Die schönste Schrift kürzester Leit erreicht jedermann{!!! K k.. dev. aut. Zcvrelvschule Professor Rudolf Roubitscbek aa««!a, Praa iÜ£t17?Kt11af7 A7 Nach auswärts brlefllcfter Unterriag, Wtll4CI>p1a14 E nach etg. ges. gesch.Methode