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Jüdische Volksstimme · 1912-11-07 · Heft 31 (7.11.1912) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 31 (7.11.1912)
Date
1912-11-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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PUWMFWP 5S^ ^Ü3 Seite 4. ״Jüdische LoNSstimme." Nr. 31. 1/ [ i fp! i? 1 ■] ז¬?] I׳: j j 1 i 1 ן : j Prager Brief. Der geehrte Verfasser der ״Pragensia" hat in seinem letzten Artikel dem Schreiber der Prager Briefe eigentlich eine kleine Lektion erteilt. Er ist der Ansicht, daß man den 20״. Nck" nicht ernst nehmen darf und dass er in der Volksstimmc zu häufig erwähnt werde.. Er mag Recht haben, ich nehme ihn auch nicht ernst, aber leider gibt es Leute, die dumm genug sind, ihn ernst zu nehmen und darum darf man ihn nicht unterschätzen. Zumal in unseren Tagen, wo die Zeichen sich mehren, dass der Antisemitismus wieder von oben -herab begünstigt wird. Solche Zeichen sehen wir alltäglich. Ich erinnere nur an die widersprechenden Entschcidungcn, die ein ungesetzliche dem Katholizismus entfremdetes Kind als katholisch erklären, bei einem unter den gleichen Verhältnissen dem Judentum entfremdeten, der katholischen Kirche zugeführten Kinde aber sich an eine Formalität halten, um das Kind der Kirche zu erhalten. Die Gleichberechtigung der Konfession wird auch nicht immer im Sinne der Staatsgrundgcsctzc ausgefasst, sonst könnte cs unmöglich zu Debatten kommen, wie der letzthin in der deutschen Sektion des Landesschulrates geführten. Man sollte doch meinen, unsere Volksschule als Simultanschule könne doch unmöglich Schüler anderer Konfessionen zu katholischen Rcligionsübungcn anhalten, man sollte meinen, dass bei den vorgcschriebencn alltäglichen Schulgebcten Rücksicht auf die Gefühle nichtkatholischcr Kinder gcnommen werden mühte. Weit gefehlt! Der Vertreter der Protestanten im Landesschulrate, der die herrschende Praxis, katholische Gebete von den Kindern sprechen zu lassen, abgcschafst wissen wollte und die Einführung allgemeiner nichtkonfcssioncller Gebete beantragte, wurde im Landesschulrate, dank der Dirinicrung des Vorsitzenden — cs ergab sich nämlich Stimmcngleichheit — nicdcrgestimmt. Dr. Bendicner als Vertreter der Juden meldete wohl eine Amtscrinncrung für das Plenum des Landesschulrates an, ob cs helfen wird, wissen wir nicht, aber bei dieser Gelegenheit könnte auch zur Sprache gebracht werden, dass die Schulzimmcr der Volks- und Mittelschulen fast durchwegs mit katholischen Emblemen geziert erscheinen. Ein Zeichen der Zeit erblicken wir auch in dem Umstande, dass der erste Stellvertreter des Prager Bürgcrmeistcrs mit Bezug auf die auch von uns gebrachte und glossierte Notiz des 20״. Vek", betreffend den scligen Dr. Sal. Bondv, sich beeilt hat, in einem ״mit dem Ausdrucke voller Hochachtung" gezeichneten Briese ״den geehrten Herren" von der Redaktion dieses noblen Blattes ״zur freundlichen Information" mitzutcilcn!» dass Dr. Salomon Bondy niemals Mitglied des Stadtvcrordnctcnkollcgiums war. Ucbrigcns waren bei den letztwöchcntlichcn Wahlen ins Stadtverordnctcnkollcgium auch einige Juden als Kandidaten ausgestellt, freilich nux von den oppositioncllcn Parteien, die dadurch sich die jüdischen Stimmen sichern wollten; sie sind natürlich mit der ganzen Opposition durchgcfallcn. Dagegen haben viele Juden ihre Stimmen für einzelne der freiheitlichen Kandidaten der Rathanspartci abgegeben. Hoffentlich bleiben die Gewählten auch nach der Wahl liberal. Der 20״. Vck" fügt in der letzten Zeit seinen vielen Dumhcitcn einige neue Istnzu; so sind cs vor allem die Juden, die zum Balkankricgc Hetzen, weil sic an den Waffenlieferungen verdienen wollen, sie sind auch schuld, wenn gute christliche Blätter (solche sind nur der 20״. Vck" und einige ganz wenige) konfisziert werden. Die Juden werden halt immer bevorzugt, das sehe man am besten daran, wie rücksichtsvoll die jüdischen Schlächter von der Vcrwaltung der Zcntralschlachthallc behandelt werden, wo sic immer nur als Herren in der höflichsten Form angcsprochcn werden. (Der 20״. Vck" ist nämlich der Ansicht eines Pilsner Gcmcindcgcwaltigcn, der Schochet sei nur ein Flcischcrgchilsc.) Besonders scharf zieht der 20״. Vek" gegen die tschechischen Juden her, denen er nicht glauben will, dass sie aufrichtige Tschechen seien, man brauche nur einmal den jüdischen Friedhof zu besuchen, da werde man gleich sehen, dass höchstens zehn oder zwölf der unansehnlichsten Grabsteine tschechische Inschriften tragen. Wie er sicht, so schreibt er! Die gccbrtcn Herren Redakteure sehen fast noch schlechter als sic schreiben. Der 20״. Vck" als konsequent antisemitisches Blatt lehnt die Zugehörigkeit der Juden zur tschechischer Nation entschieden ab, der deutsche Volksrat, der ebenso antisemitisch aber weniger konsequent ist, sucht mi» Hilfe der jüdischen Vereine die sozialen Grosstatcn de׳ Prager Deutsche» zu vergröbern, er versendet an alle jüdischen Vereine Fragebogen, die für die deutsche Vcrcinsstatistik bestimmt sind. Er hat schon mehrfache Ablehnungen erhalten und da er ja nicht in der Lage i. Medaillen zu verteilen, wie weiland die Reichenberg Ausstellung, werden wohl auch die wenigen jüdische Vereine, die aus dieser Ausstellung als Deutsche sigr rierten, seine Fragebogen ignorieren. Der 20״. Vck" scheint nach'dem Worte unsere Alten — dass jetzt die Prophetie den Narren vorbehal tcn sei — auch in die Zukunft zu sehen, denn er brins in der letzten Zeit einen langen blödsinnigen Artikc über die jüdische Kabbala, der darin gipfelt, dass dijüdische Kabbala den Gebrauch des Blutes empfehle als hätte er gewusst, dass eben jetzt die vom Gerichte cinpffetzte Kommission der antisemitischen Gclehrtei in Petersburg erklärt, in den jüdischen Büchern sei kein Anhaltspunkt sür den Ritualmord zu finden, alt hätte er gewusst, dass gerade heute die Blätter die Nachricht bringen, dass der ״Nitualmord" in Ascherslcben nach zehn Jahren durch das Geständnis des Mörders seine Aufklärung gefunden, als hätte er geahnt, dass am 2. November 1912 nach dreizehn Jahren endlich die Unschuld Hilsners erwiesen werden wird. Dem 20״. Vck" vcrschlägt's nichts, er wird dessenungeachtet im Blute seiner Ritualmorde waten, aber seine Verlogenheit wird von immer weiteren Kreisen erkannt werden. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHER UNGS GESELL* SCHAFT, WIEN, L ASPERNPLATZ 1 im eigenen Palais. — Versichertes Kapital drka 380 MOlonen. Reserven drka 113 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Unser neuester Tarif mit 5% jährlich fallender garantierter Prämie Generalagentur für Wien. I., Aspc rplatz 1, Leiter David Nebenzahl. Luv Direktion für Prag, Feroinmdsgasse 20. neu, L.’iter Robert Gerste.. Luv-Direktion für Lemberg, Szaj- I nocha 3. Leiter Löbl Taubes. , Die Lösung der Jemenitenfrage. Die ״Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bringt in Nr. 245 folgenden Bericht aus Haifa: ״Der- Friedensschluß zwischen der Türkei und dem langjährigen Rebellen Imam Jahja — Vas sogenannte Jemenabkommen — hat eine interessante und für Palästina sehr bedeutsame Folge: die Juden des Jcnicn wandern!nassen- Haft nach Palästina aus. Während der Kämpfe zwischen dem Imam und den Türken haben die Juden des Jemen 4ict§ treu zur türkischen Regierung gehalten. DWHalb haben sie jetzt, wo der Imam durch das, Abkommen selbständiger Fürst geworden ist, seitcns des Imams Jahjas unter den schrecklichsten Verfolgungen zu leiden, so daß ihre Lebensbevingungen geradezu unerträglich geworden sind. Die Juden'haben zwar zu allen Zeiten viel von seiten der mohammedanischen Bevölkerung erdulden müssen, aber ihre jetzige Lage soll besonders im Nord-Jemen unhaltbarer denn je sein. Gegenwärtig wird von den dortigen Juden eine außerordentliche Steuer von 1000 Reals fl400 Franken) pro Jahr erhoben. Hiermit nicht genug, forderte der Imam Jahja in Sanaa von den Juden die Steuern von 40 Iah- ׳-en, d. h. für all die Zeit, in der dort die Türkei herrschte, was er damit begründete, daß das Land nun ihm gehöre. Da die Juden nicht zahlen tonnten — es handelte sich um etwa 140.000 Franken — drangen die Leute des Imam Jahja ׳n das Judcnviertel von Sanaa ein, verhafteten alle angesehenen Männer und warfen sie ins Gefängnis, wobei sie ihnen mit dauernder Haft drohten, falls sic die Steuer für 40 Jahre nicht entrichten würden. Erst auf Einsprache des Gencrals Jzzet Pascha ließ Imam Jahja die Gesangcnen frei, die grausamen Verfolgungen wurden jedoch immer heftiger fortgesetzt. Um die Lage richtig zu erfassen, muß man sich daran erinnern, daß die Juden, wie bereits aesaat. während der ganzen Zeit, in der die türkische Negierung im Nordjemcn dominierte, und insbesondere wärcnd des langjährigen Gevlänkels mit dem Imam Jahja treu zur türkischen Regierung hielten. Dabei Hai ober die Negierung für die Juden im Jemen blutwenia aetan. das Schimmste für die Juden war es aber, daß man bei dem Friedenschluß mit dem Imam ihrer nicht gedachte. Um diesen Zuständen abzuhelfen, ist in hiesigen jüdischen Kreisen der Gedanke aufgelucht, die jemenitischen Juden nach Palästina! verpflanzen, und so sind bereits 1300 Famien aus dem Nord-Jemen hier eingewandert, ^enn auch Palästina noch lange nicht jene hohe 5tufe der Entwicklung in Landwirtschaft und Industrie, deren es fähig ist, erreicht hat, so kann as Land nach und nach immerhin auch Wirtchaftlich als Zufluchtsstätte für die 10.000 bis .2.000 Seelen aus dem Nord-Jemen, die am neisten verfolgt werden, dienen. In den hiesigen jüdischen Kolonien in der Stadt wie auf dem Lande finden große Sammungen und Wohltätigkeitsveranstaltungen zum Besten der bedrängten jemenitischen Juden statt. Es sind bereits ansehnliche Beträge gestiftet uorden. Die Juden Palästinas betrachten ihr Hilfswerk in erster Linie als nationale Sache. Dabei haben sie es nicht leicht, denn ihre Hilfelcistung ist für sie mit enormen Kosten verbunden, wenn man bedenkt daß nahezu die gesamte jüdische Bevölkerung vom Nord-Jemen sich zur Auswanderung nach Palästina anschickt. Jeder Jude verkauft dort sein Hab und Gut, so gut es gehen mag. In Fällen, in denen die Nichtjuden ihnen nichts abkaufen wollen, lassen sie ihre Habseligkeiten zurück und kpmmen vollständig verarmt hier an. Eine ganze Reihe rein jüdischer Ortschaften im Jemen soll bereits völlig verlassen sein. Die schwierigste Frage bei dieser Masseneinwanderung ist für die hies. Juden die der Unterbringung, denn in den jüdischen Kolonien macht sich ein furchtbarer Wohnungsmangel fühlbar. Aus diesem Grunde soll sich der ״Jüdische Nationalfonds" entschlossen haben, zum Bau von Jemenitenwohnungcn einen größercn Betrag beizusteuern, auch in Holland will man, wie in hiesigen jüdischen Kreisen verlautet, zu diesem Zweck eine größere Aktion unternehmen. Gelingt es, die einwandernden Juden des Jemens, deren Umgangssprache das Hebräische ist, in der richtigen Weise hier anzusiedeln, so würde es für diese eine Erlösung aus schlimmster Not bedeuten, zugleich für die jüdische Ko- Ionisation in Palästina aber von allergrößtem Nutzen sein. Die Lösung der Jemenitcnfrage würde somit sehr viel zur Stärkung des Judentums in Palästina beitragen." Krankheiten der Nerven, des Magens, Darmes etc. werden mit Erfolg in Dr. Kutbatt$ Sanatorium in TISCHNOWITZ kuriert — Prospekte. Wiener Jflacfiricfitcn Verein jüdischer Hochschüler ״Mensa academica Judaica", Wien, 9. Bez., Pramergasse 31. Donnerstag den 31. Oktober l. I. fand anläß- .ich des erstjährigen Bestandes der ״Mensa acaoemica Judaica" in deren Lokalitäten eine Feier statt, zu der auch als Vertreter der israelirischen Kultusgemeindc Herr Univ. Prof. Dr. I. Pollak und für das Kuratorium der Mensa Herr Generalstabsarzt Dr. I. Zuckermann erschienen waren. Auch hatten fast alle Wiener jüdisch-akademischen Vereine und Korporativ- »en Vertreter entsendet. Nachdem der Präses des Vereines med. I. Versler die zahlreich erschicnenen Gäste aufs herzlichste begrüßt hatte, nahm exp. acad. A. Emanuel Reiner das Wort zur Festrede. Derselbe wies darauf hin, daß die jüdische Ocffentlichkeit ursprünglich doller Skcpsszismus und Mißtrauen der Schaffung einer jüdischen Mensa durch die jüdischen Studenten zegenüber gestanden sei. Heute, nachdem die Mensa durch ihren einjährigen Bestand, durch die hohe, stets wachsende Zahl der täglichen Frequentanten, durch die Größe des jährlichen Umsatzkapitalcs (gegen 63.000 K) und durch die Sympathien, die sich durch eine hohe Mitzliederzahl dokumentieren, ihre Existenzberech- :igung, ihre Notwendigkeit und ihre Lebensfähigkeit bewiesen hat, wandte sich dieser Jnsti- Die Enste Schrill!türmt« Zelt erreicht iedertnannin! R. R. »eh. aut. Schreibschule Professor Rudolf Roubitscbek >»»»״,- Prad fflttl? *ל nach auswärts brieflicher Unterr,a8» W*H4mpiai4 rieht nach elg. ges.gesch.Methoae

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