Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 30 (31.10.1912)
- Date
- 1912-10-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 30. ,jüdische BolkSstimme." Seite 0. den Ritualadvokaten Dr. Baxa in Prag, der, im Hilsnerprozetz in demagogischer, herostratischer Weise uns Juden schweren Schaden zugefügt hat. Die Juden sollen ihn wieder in Gnaden ausgenommen haben und suchen seinen Rat zu welchem Behuse Baxa in Dr. Fleischmann einen jüdischen Konzipisten aufgenommen hat. — Letzteres beruht leider auf Wahrheit; ein aus einer frommen Familie stammender Jude in Diensten eines Judenfeindes! Ist das nicht eine ebensolche traurige Erscheinung wie die jüdische Klientel des ärgsten Gegners unseres Glaubens? Unsere materialistische Zeit fördert übrigens eigenartige Charaktere zutage. Wie uns ein Augen- und Ohrenzeuge berichtet, lebt in Wckelsdorf ein Notar namens Georg Epstein, ein getaufter Jude. Statt seinen Verrat am Glauben vor der Oeffentlichkeit zu verdecken, tritt der Mann öffentlich als — man lache nicht — Christlichsozialer auf, der auf Grund seines jüdischen Vorlebens auf seine ehemaligen Glaubensgcnosicn weidlich schimpft. Glaubt er dadurch in den Augen seiner neuen Glaubensgcnossen, der Christen, an Ansehen oder Freundschaft zu gewinnen? Wir bezweifeln es. Das alte Wahrwort sagt: Man liebt den Verrat, verachtet aber den Verräter. W. K. eignete! Lehrkräfte hervörgehoben. Die Versammlung faßte eine Reihe wichtiger Beschlüsse und genehmigte zum Schlüsse den vom vorbereitenden Komitee eingebrachten Satzungsentwurf für den jüdischen Turnverband Palästinas. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNGS GESELL• SCHAFT, WIEN, I. ASPERNPLATZ 1 Im eigenen Palais. — Versichertes Kapital drka 380 MlUontn. Reserven drka 113 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Unser neuester Tarif mit 5W0 jährlich fallender garantierter Prämie Qeneralagentur für Wien, I., Asp: nplatz 1, Leiter David Nebenzabl. Sub Direktion für Prag, Ferüin ndsgasse 20 neu, Leiter Robert Gerstel. Sub-Direktion für Lemberg, Szalnoeba 3, Leiter LObl Taubes. Jüdische Turnkonferenz in Palästina. An! 29. September fand in der Aula des Hebräischen Gymnasiums in Jaffa der erste Vertretertag der jüdischen Turnerschast Palästinas statt. Zu der Tagung waren über 30 Delegierte aus verschiedenen Städten und landwirtschaftlichen Kolonien erschienen. Tie Eröffnungsrede hielt Herr Goldschmidt aus Jerusalem, der die bisherigen Fortschritte der jüdischen Turnbewegung in Palästina skizzierte und als Zweck der Versammlung den organisatorischen Zusaminenschluß der bestehenden Maßnahmen zur Ausbreitung der Turnbewegung-in Stadt und Land bezeichnete. Herr Abieser Jellin erstattete den Rechenschaftsbericht des vorbereitenden Komitees. Herr Naphcha berichtete über den Jerusalcmer Turnverein, der bis jetzt 272 Mitglieder zählt, darunter 27 aktive Turnerinnen. Eine besondere Turnabteilung hat der Verein f. die Zoglinge der Talmudschulen (Jeschiboth) eingerirhtet. Dieser Abteilung gehören jetzt 27 Turner an. Der Verein nimmt auch im öfentlichen Leben Jerusalems eine geachtete Stellung ein und hat außer dem Schauturnen zum Besten des ״Roten Halsmonds" eine Reihe von geselligen Abenden, Ausflügen, öffentlichen Versammlungen, Vorträgen usw. veranstaltet. , .. Her Salvar berichtete über den seit Jahresfrist bestehenden Turnverein in der Kolonie Pethach-Tikwah. Lehrer I. Teller teilte mit, daß aiich in der Kolonie Rechoboth vor kurzem eine Z.urngruppe ins Leben gerufen worden sei, der fast die ganze Jugend angehört. Es fehlt dort an einem geeigneten Turnlehrer. Aehnlich lauteten die Berichte der Vertreter der Kolonien Rischon le-Zion, Sichron-Jakob'und Neß-Zionah. --urnlehrer Orloff berichtete über den Stand und!Z0 Entwicklung des jüdischen Turnvereines in >;affa, der über eine geübte aktive Turnerschaft von 60 Mitglieder verfügt. Ein Zweigverein wurde jüngst im jüdischen Stadtviertel Tel-Awiw gegründet. Im Anschluß an die verschiedenen Berichte entwickelte sich eine rege Aussprache über den Arbeitsplan und die nächsten Aufgaben der jüdi- ,chen Turnerschast Palästinas. Es wurde insbesondere die Notwendigkeit der Ausbildung ge- Der Sadagorer Hof und der Balkankrieg. Aus Czernowitz wird geschrieben. Am Hofe des Sadagorer Wunderrabbi gibt es jetzt schwere Sorgen. Bekanntlich sind die Mitglieder der weltberühmten Familie seit undenklichen Zeiten ottomanische Untertanen. Nun besteht die Befürchtung, daß anläßlich der Einberufung aller im Auslande lebenden ottomanischen Untertancn bis zunr 42. Lebensjahre in den Krieg, auch die Mitglieder der Sadagorer Zadikfamilie, zu denen auch die Rabbis von Czortkow, Hussiatyn, Ottinie usw. gehören, eine Einberufung bekammen werden. Hinsichtlich derjenigen Mitglieder der Familie, welche einen Nabbinatssitz innehaben, nimint man an, daß sie im Sinne der türkischen Gesetze vom Kriegsdienste befreit sein werden. Hingegen erwarte man, daß die übri gen Mitglieder der weitverzweigten Familie ihre Einberufung bekommen werden. Bisher ist eine solche nicht erfolgt, und wie verlautet, werden jetzt zwischen Sadagora und den! Großrabbinat der Türkei Verhandlungen über einen Modus Procedendi unterhandelt, da großes Gewicht darauf gelegt wird, die türkischen Gesetze auf das Genaueste zu respektieren. Ministerpräsident Poincare und die Behandlung jüdischer Reisender in Rußland. Aus die von der französischen Menschenrcchtsliga an den Ministerpräsidenten Poincare gerichtete Aufsorderung, er möge aus Grund der französisch-russischen Handelsverträge von 187-1 und 1905 bei der russischen Negierung in der Angelegenheit der Pässe der franzöfischen Juden interventieren, erwiderte Ministerpräsident Poincare in einem eingehenden Schreiben, daß er eine derartige Intervention für unnütz und gegenstandslos ansehen muffe, da in dem Vertrage vom Jahre 1874 ausdrücklich erklärt werde, daß die Vertragsbeslimmungen in keiner Weise die politischen und sonstigen Vorschriften bezüglich der Behandlung der Ausländcr beeinträchtigen können. Ucbrigens werde auch den katholischen Priestern nur durch besondere Ermächtigung seitens des ruffischen Ministeriums des Innern in Rußland Einlaß gewährt. So wünschenswert auch eine liberale Abänderung dieses Vorgehens wäre, so zeige doch der vollständige Mißerfolg (?), den die Vereinigten Staaten von Nordamerika in der gleichen Angelegcnheit erfahren haben, ganz unziveideutig, daß jede Intervention Frankreichs unangebracht wäre. * * Wie wenig in Wirklichkeit von einem Mißerfolg der Bemühungen Amerikas zur Erlangung einer bessereu Behandlung seiner jüdischen Bürger in Rußland die Rede sein kann, geht aus einem Bericht hervor, den die ״R. I. K." von ihrem New Docker Berichterstatter erhält. Danach hat der amerikanische Botschafter in Petersburg, Curtis Guild, Ir., der zurzeit in Washington aus Urlaub weilt, dem Präsidenten Taft vor kurzem über die Vorschläge der russischen Regierung betreffs der Erneuerung des gekündigten Handelsvertrages Bericht erstattet. Wie in gutinformierten, der Regierung nahestehenden amerikanischen Blätter versichert wird, sind die bisher mündlich gepflogenen Verhandlungen des Botschafters mit den zuständigen ruffischcn Stellen soweit gediehen, daß demnächst zu einer schriftlichen Weiterbehandlung der Angelegenheit vorgcgangcn werden soll. Nach den Gepflogenheiten der ruffischen-Tiplomatie finden nämlich derartige schriftliche Unterhandlungen erst statt, nachdem im mündlichen Meinnngsaustausch eine gewiffe Annäherung zwischen den beiderseitigcn Standpunkten erzielt worden ist. Jedenfalls hat, wie in gutuntcrrichtcten politischen Kreisen Amerikas verlautet, Rußland seine Bereitwilligkeit ausgesprochen, die amerikanischen Wünsche in Erwägung zu ziehen und die Erneuerung des Handelsvertrages auf neuer Grundlage anzustreben. Nun ist cs vollkommen ausgcschloffen, daß Amerika den im Vorjahre gekündigten Vertrag erneuert, ohne daß Rußland hinsichtlich des Hauptbeschwerdepunktes der ungleichen Behandlung seiner jüdischen Burger, weitgehende Konzessionen macht. Dr. Rudolf KaMcky ge«, rette» dt» I.cbirg. flbRilung der randeruranuenaarrstt wohnt: €cke yerdiitaiidsflasse und 30Danne$aa$$e t-».!» ordiniert täglich 0011 r bl» 4 Uhr nach«. Jtrasprecher Nr 803. Bon ber modernen hebräischen NebersetznngSliteratur. Soeben ist hier das zweite Sammelbuch ״Jefeth", enthaltend Uebertragungen von Meisterwerken der Weltliteratur, erschienen. Als die gediegenste Arbeit der Sammlung wird allgemein I. CH. Brenners Uebersetzung von Gerhart Hauptmanns ״Einsame Menschen" angesehen. Wer die fein nuancierte Sprache Hauptmanns kennt, wird die Entwicklung der neuhebräischen Sprache zu würdigen wissen, in der jetzt mit Erfolg eine solche Arbeit durchgeführt werden kann. Brenner hat bereits im ersten Sammelbuch ״Jefeth" Hauptmanns ״Michael Kramer übersetzt und im dritten Bande soll ״Fuhrmann Henschel" erscheinen. Leider sticht Wilkanskys Uebersetzung von ״Dichtung und Wahrheit" gegen seine Werther-Uebersetzung unvorteilhaft ab, obwohl auch hier unverkennbar ehrliche Arbeit geleistet worden ist. A. S. Rabinowitz hat die ״Memoiren aus einem Totenhause" von Dostojewsky übertragen. Wie immer, kommt es auch hier Rabiuowitz vor allem auf eine flüssige, gemeinverstündliche Sprache an. Von dem ergreifenden Poem Lermontoffs ״Dämon" hat A. Solodar den ersten Teil veröffentlicht. Rabbi Benjamin hat Emersons Aufsatz über Shakespeare aus dem Englischen übertragen. — Alles in allem bedeutet auch das zweite Sammelbuch eine ansehnliche Bereicherung der hebräischen liebersetzuugsliteratur, und es wäre zu wünschen, daß das dritte Buch nicht lange auf sich warten läßt. Jüdische Ackerbaukolonien in Palästina als türkische Munizipalitäten. Gemäß der Anregung des neuen Gouverneurs von Jerusalem, Muhaddi Bey, hat sich die Kolonie Rischon le-Zion im Verein mit dem benachbarten Neß-Zionah (Wadi-Chauin> als Balladie lMunizipalität) im Sinne des türkischen Gesetzes konstituiert. Auch die Kolonie Rechoboth ist zur Balladie erhoben worden. Sowohl hier wie in Rechoboth kamen hierbei die neueingewanderten jemenitischen Juden, die sämtlich ottomanische Staatsbürger sind, zustat, ten, da das Gesetz die Erteilung der MunizipalitätSrechte an das Vorhandensein einer grüßereu Anzahl von Neichsangehörigen knüpft. Ter Baufonds für das hebräische Gymuasium in Jerusalem. Tie von den galizischen Jioinsten cingelei tote Sammlung zur Schaffung eines Baufonds für das hebräische Gymnasium in Jerusalem hat bisher einen Betrag von nahezu 10.000 K ergeben. Die Sammlungen sollen fortgesetzt werden, bis die Summe von lOO.OOO K aufgebracht ist. lim die Aktion hat sich insbesondere Herr Dr. G. Zipper aus Lemberg verdient gemacht, der seit ׳Monaten das ganze Land bereist, um für die Jerusalemer Anstalt in großzügiger Weise Propaganda zu machen. Krankkeilen der Nerven, des Magens, Darmes etc. werden mit Erfolg in Dr. Ruldanr Sanatorium - In TISCHNOWITZ kuriert — Prospekte. m m Spezial-Geschäft in Strumnfu. Wirk- Waren. Alleinverkauf von gestrickten Anzügen. Strümpfe, Socken, Handschuhe, Sportartikel Berthold Herrmann NN Brünn, Herrengasse Nr. 8—10. 881 IBI m a b 8