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Jüdische Volksstimme · 1912-10-31 · Heft 30 (31.10.1912) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 30 (31.10.1912)
Date
1912-10-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. assssa .30׳.Nr ׳ - . ׳ ,-: '־,_ , ".Jüdische Bolksstimme״ ״!ir: ־'.'-. ׳ . A. H. Majer Reifer den Vorsitz. — lieber den Werdegang der Organisation, über ihre Leistung, über ihre Ziele und Ideale sprach A. H. I a u k l in meisterhafter Weise und in vollendeter Form. Bb. Gottlieb toastierte auf die A. H. A. H. und auf die Garste in gelungcncr Weise und erntete reichen Beifall. Nachdem noch die einzelnen Vertreter der Organisationen und des akademischen Vereines «Emunah" gesprochen hattcn, wurde der Officialis geschlossen. Der Organisation .,B'nci-Zein" gebührt der öffentliche Dank und die Herzlichstc Gratulation zu dieser Veranstaltung. R. G. Versammlung der .,Agudath Jisroel", Wien. Montag den 21. Oktober l. I. fand im Festsaale des Hotel Continental eine große Verfammlung der ״Agudath-Jisroel" statt. Sie war für halb 8 Uhr abends anberaumt. Lange vor der festgesetzten Stunde war der Saal von Gästen überfüllt. Die Eröffnung der Versammlung verzögerte sich bis 8 Uhr, weil zur selben Zeit die Ueberführung der Leiche des Herrn Simon Buchwald stattfand und viele dem edlen Toten das letzte Geleite gaben. Der Vorsitzende Dr. Reiniger widmete nach Eröffnung dem Verstorbenen einen herzlichen und tiefempfundenen Nachruf und hob seine besonderen Verdienste um die Fürsorge armer Kranker und deren rituelle Verköstigung hervor. Die Versammlung hörte in tiefer Bewegung den Nachruf stehend an. Auf den Gegenstand der Versammlung übergehend, begrüßte der Vorsitzende die Erschieucnen, namentlich die Herren Rabbiner, Kultus- Vorsteher, Vercinsleitungen, Professoren, Vcrtreter der Presse und andere illustrc Gäste. Er stellte der Versammlung Herrn Dr. Arnold Klein, Rabbiner aus Nürnberg, vor, der durch seine Vorträge der ״Agudah" schon manchen Erfolg gebracht und sich auch hier in uneigennütziger Weise in deren Dienst stellte. Von stürmischem Bcifalle begrüßt, ergriff der Referent das Wort, um über das Thema: ״Die Weltorganisation der gesetzcstreuen Judcnheit" zu sprechen. Der Redner führte etwa folgendes aus: ״Der Gedanke der ״Agudah" — des Zusammcnschlusscs aller gesetzcstreuen Juden — sei nicht künstlich in das Volk getragen, sondern auf dem Urboden jüdischen Pflichtbewußtseins und Lcbensdrangcs in der Volksseele selbst entstanden. Man hört von Leuten die Bemerkung, diese Idee sei ihnen auch gekommen, sic hätten sie schon längst ausgesprochen. In Kattowitz konnte man fcststellen. wie tief empfunden die Sehnsucht nach dieser Neuschöpfung ist. Mit eiemcntarcr Gewalt brach aus dem Herzen der Versammelten die Zustimmung zur Konstituierung hervor. Nicht zaahaftes, kühles Abwägen, sondern das Bewußtsein: die״׳Agudah" wird entsieben und bestebcn, weil sie da sein muß — gab der ״Agudah" Dasein. Was sind die Ziele, Aufgaben, die sich, die ״Agudah" zu stellen hat? "י In Anlehnung ack»cine Gcbctstclle, die in dreifacher Bitte um die Erhaltung des jüdischen Volkes fleht, erörtert der Referent drei Aufgaben der neuen Organisation. Sic will arbeiten an der Behebung des Wirtschaftlichcn Elends in Ländern der?tot. Woh arbeiten daran auch andere Organisationen, ihre Verdienste sollen nicht verkannt werden; aber Tatsache ist, daß ein großer Teil der östlichen Glaubensgenossen zu den bestehenden Organisationen kein Vertrauen gefaßt hat. Die Wirtschaftliche Frage hängt innig mit der Kulturfrage zusammen. Darum muß die Lösung von einer Seite kommen, von der die Notleidenden wissen, daß sie über die religiösen Werte so denkt, wie diese selbst. Für die bestehenden Organisationen sind die Hilfsbedürftigen Objekte der Fürsorge, in der ״Ägudah" sollen sie Subjekte der Hilfe sein, sollen ihr Schicksal durch Abstimmung selbst ordnen helfen. Ein besonderes Augenmerk ist auf die Emigranten zu richten. Es wandern aus dcu Ländern der?tot jährlich viele Tausende in übereeische Länder. Viele gehen dem Judentum veroren, weil es ihnen an sittlichem'Halt fehlt und auch an Gelegenheit, die Forderungen des jüdichen Religionsgesetzes zu beobachten. Hier hat die Orthodoxie die Pflicht zu wirken. Sie will und muß an der materiellen Erhaltung des Judentums arbeiten. Die Anstellung jüdischer Bergarbeiter in den Kohlengruben Schlesiens, die/die Säbbath- und Speisegesetze dabei beobachten können, zeigt, daß auch auf diesem Gebiete vieles erreicht werden kann. Eine zweite Aufgabe ist, die früher vorhandene, nun aber verlorene ideale Einheit der jüdischen Gemeinschaft herzustellen. Die Entfremdüng zwischen Ost und West ist zu groß geworden. Der Ostjude glaubt gar nicht, daß im Westen wahre Thora-Treue lebt. Der Wcstjude stellt sich den östlichen Bruder als kulturlosen, wirklichkeitssrcmden Menschen vor. Das ist ein ungesunder Zustand. Es schlummert im Ost-Judentume eine große Summe von Intelligenz, die durch Organisation der jüdischen Allgcmeinhe:t dienstbar gemacht werden kann. Als dritte Aufgabe, die für die ״Agudah" charakteristisch ist u. ihr erst besonderes Gepräge verleiht, ist die Misiion, alle sich bietenden׳ Aufgaben im Geiste des gesetzcstreuen Judentumes zu lösen, für Erhaltung desselben zu arbeiten. Die Jugend in West-Europa wendet sich vielfach vom traditionellen Judcntume ab, weil dieses zu wenig an den großen praktischen Fragen des Tages arbeitet. Die Jugend will aber sich auf diesem Gebiete betätigen. Die Jugend im Osten dagegen wird geblendet vom Glanze der europäischen Kultur, die sic oft aus o.Iaubensfcindlichen Quellen kennen lernt, geht dc׳n väterlichen Erbe verloren. Da kann nur die Verbittdung des Ostens mit dem Westen Helsen. Der kulturgesättigte Westen kann zeigen, daß der im Besitze der Zeitkultur das Judentum zu halten versteht, daß das Judentum keiner Kultur zurücksteht. Die Jugend des Westens wird ein Arbeitsfeld gewinnen und ihrerseits Gelegenheit haben, den reichen Thoraschatz des Ostens bewundern und erstreben zu lernen. Die ״Agudah" tritt nicht als Kampforganisation auf. Sie wendet sich an alle Thora- und icsetzestreuen Gesinnten und fordert sie zur Mitarbeit auf." Stürmischer Beifall folgte den Worten des Redners. In der nun anschließenden Diskussion nahm Herr Dr. Heinrich Schreiber das Wort, ver die Grüße und Wünsche der Kultusgemeinde überbrachte. Die Herren: Rabbiner Dr. Feuchtmang, Stern, Bernhard Hofbauer traten in warmen Worten für die ״Agudah" ein. Herr Plaschkcs ist für die ״Agudah" doch wünscht er die Pflege des nationalen Gedanken. Großes Intersse erregen die Ausführungen des Herrn Ist- Vor Austerlitz, der sich als Misrachist bekannte. Er begrüßte es mit Freuden, daß die ״Agudah" keine Kampforganisation gegen andere Organisationcn im Judentume sei. Er hoffe in beiden, sowohl in der ״Agudah" als auch in der Misrachi .rsprießlich arbeiten zu können. In einer glänzenden Replik bespricht Herr Rabbiner Dr. Klein alle vorgcbrachtcn Bcmcr- .ungcn. Vorsitzender sagt unter rauschendem Beimll der Versanunlung dem Redner den wärmsten Dank und schließt die Versammlung.;Nachdem sich eine große Anzahl von Mitglien der ״Agudah angcschlossen hatten, fand im Pinkas Restaurant (Hotel Newyork) ein gemütliches Abendessen statt, das von zahlreichen Neden gewürzt, bis Mitternacht währte. Diskonto-Gesellschaft bei der Nordösterreichischen Bank für Industrie, Handel und Landwirtschaft, regis1־ rierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung in Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Bankgeschäfte, hauptsächlich auch für den Eskompt offener Buchforderungen unter den allergünstigsten Bedingungen. In der vorigen Nummer dieses Mattes war das Testament des in Prag verstorbenen Philantropen MUDr. Salomon Bondy, eines wahrhaft empfindenen Juden, veröffentlicht. Natürlich nützte das erzbischöfliche Organ in Prag ״Czech", die Gelegenheit, dem großen Toten, an dessen Größe bie~ Kumpane des antisemitischen Organs nicht heranreichen, eins zu versetzen und schloß den Erguß mit dem Palackyschen Losungs- Wort ״Halt, 8vüj k svemu". Ganz richtig, lieber ״Czech"! Da hat z: B. der Dompropst Würfel in Prag Hunderttausende Gulden für allerhand Stiftungen hinterlassen, aber ausdrücklich nur für Katholiken, desgleichen der im Vorjahre verstorbene Hlavka, der Juden vom Genuß seiner Studentenstiftung grundsätzlich ausgeschlossen hat. Die bösen Juden! Die Aerzte Fischl, Bunzl, Tabor haben Hunderttausende für Aerztestiftungen ohne Unterschied der Konfession geschaffen, die Leopold und Babette v. Lämmeschen Stiftungshäuser für Armesind je zur Hälfte für Juden und Christen bestimmt. Und der verstorbene Bondy hat für die deutsche Sektion 6000 K testiert, 80.000 K die Lämmelstiftung und einen weiteren Betrag für den interkonfessionellen Taubstummenverein. Es ist das jüdische Herz, das uns so handeln Heißt, lieber ״Czech", Eng- Herzigkeit im Wohltun kennt der von deinen Kumpanen drangsalierte Jude nicht, da er, dank deiner unchristlichen Hetze, Not und Elend sattsam kennen gelernt hat. Uebrigens ist dieses sogenannte erzbischöfliche Organ sofort bereit, Blasphemie zu begehen, wofern es nur einen Juden angreifen kann. Selbst das katholische Sakrament der Taufe ist ihm nicht beilig und es spricht in der Hetze gegen Direktor Max Reinhardt ruhig vom ״getauften Juden Baron Berger, Direktor des Burgtheaters in Wien" und von ״Mar Reinhardt, der seine Stirne auch mit einigen Tropfen Weih- Master benetzen ließ." Andererseits sind ihm ober Konvertiten vom Schlage eines Krchlickp, besten Vater Jude war. wie' Prof. Arne Novak in ..Nar. Listy" darleat, und Frau Therese Novak, Schriftstellerin in Prag, willkommen. ״Eine solche Astimilation lasten wir uns gefallen," schmunzelt der dickbäuchige, weinrote ״Crech". Wir füaen noch einen ihm genehmen Fall binru: Julius Fever, einen der gefeiertsten tichech'siben und auch — katholischen Dichter, besten ״Marienaarten" erst beuer im Kloster Stobow vor dem Kardinal und dem Hochadel einige Male onsacsnbrt wnrde. lind die Muttre dieses ..wohr- Haft katholischen" Dichters war eine — Jüdin! Daß südis-be Tüchtiakeit unter den Tschechen eber anerkannt wird, ols unter den Dentschen. beweist der Umstand. daß z. B. im Marktsteck Roustuvom bei Wottitz der orthodore Jude Herr Adolf Rosenrweig neben dem Gemeindovorsteher Grafen Artur Aichelbnra ols erster Ratsherr im Geweiriderat stbf. eine Stelle, die er schon durch ne״n Jahre bekleidet, wählend e rdnrch fast 2F> Jahre Mitaliod des Ortsscknilrotes ist. Herr Rosernweig ist Obmann des Net- Vereines Reustnvow, einer Filiale der Kultusoemeinde Wottitz. Wenioer erfreulich berührt eine Nachricht des ..90. Vek". dollen in diese,n Blatte aor oft Ermähnuna oelchiebt. Wir nohmon das S....- oraan nicht ernst, da wir tschechische Stimmen ansühren können, die es entsvrechend chorakterisieren. ..Jihoo-oske Listv" kBudwoisl meinen. ..das Blatt sollte eiaentlich ..14. Jahrhundert" hoillon und nicht ,.9st. JabAumdert". denn die Kultur" dos Blattes entsvricht nicht der neuen Redakteur ist der berüchtiote Wenrel Mvll'Neo. und das entschuldint olle unaohoure Grobboit dos Inhaltesklerikale llnaeschlochtheit des -^--oistsichsorialen Blattes. Kein anstäudiaer Mensch nimmt den Schund in die Hand." Etzenso scharf aeht das ״Scho" mit dem Blatt 1״ Ge- ׳׳icht. dos in seiner Blödheit selbst den Rrimator Grosch nun Juden stempelt, Alles ist iüdisch, läalich ein neuer Ritualmord aus rullischen kle- ׳'rkolcn Blättern. So ein Blatt fürchten die In- V״ nicht und die anderen klerikalen Blätter Zachen es aus. 20״. Vek" ist ein Feiiben derAeit." Die Nachricht, um die es sich handelt, betrifft vie schönste Schrill kürzester Zeit erreicht iedermannin! K• k. ded. aut. Schreibschule Professor Rudolf Roubltscbek « » Prafl, Wenzelsplatz 47

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