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Jüdische Volksstimme · 1912-10-24 · Heft 29 (24.10.1912) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 29 (24.10.1912)
Date
1912-10-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 29. ״Jüdische BolkSstimme." Seite 5. wenn diese von Libanons Lüften umweht ist, den jüdischen Volksbegriff erschöpft jedoch eine solche Versammlung nicht. Eine Judenversammlung wäre es nur dann, wenn es den Bedingungen des jüdischen Volkstums entsprechen würde. Und diese wären: Die Gotteslehre treu und lebendig im Herzen wahren und im Munde führen. Das Wohltun als die Abschaffung der Gotteshand pflegen und den Zusammenschluß auf solcher Basis gründen, daß dieser mit seinen Früchten und Leistungen nicht ein Spielball der Leidenschaften und Zeitstürme werde. Wenn die hiezu Berufenen und Auserwählten Israels, deren Herz am Ahnenbeispiel in heiliger Flamme sich entzündete sich eine Organisation aus dem uralten Fundamente Israel ״heraus" aufbauen, diese an die Jesaias erschauten und in; Geiste Gottes verkündeten drei Weltstützen lehnen werden, dann möge Zion seine Söhne und Töchter sammeln und auf den Zuruf Gottes lauschen, welcher lautet: ,אנד אתד ״Mein Volk bist Du'." Rabbiner Samuel Freifeld, Straßnitz. _vorm. Hotel Romania Neu erötfnet! Wien II., Kleine Sperlgasse Nr. I- 5 Minuten vom Stadtzentrum, in unmittelbarer Nä', des Nord- und N'ordwistbahnhofes. r*RACHTNEUBAU! 100 ZIMMEK Elegantes Familienhotel. Zentralheizung. Kaltu. Warmwasser in Jedem Zimmer. Bäder im Haus! — Elegante Hatte. Musik-, Schreib- und Lesezknme — Exquisite und rituelle Küche. SV Zimmer von K 3*60 aufwärts. Besitzer Karl Beiringer Josef Grob. US״ seinem zehnjährigen Schriftstellerjnbiläum 1912) Im tautbewegten, bunten Getriebe der Journalistik bringt jeder Tag eine wirre, sich förmlich stoßende Fülle und Mannigfaltigkeit von Eindrücken und schnellen Empfindungen, aber bevor sie zur Reife gedeihen, verschlingt sie die rastlos heranstürmende Flut neuer Sensationen; ihr Bild verwischt sich wieder, noch che es deutlich wurde. — Nur was so mächtig und stark an unsere Herzen pocht, daß es tief eindringt in unsere Seelen, uns gewärtig bleibl Tag und Nacht, das haftet dauernd im Innern. Was sich mit unauslöschlichen Zngen in uns cingräbt, das hat für uns Bedeutung und wird in uns leben. So gcskaltet ist die Wirksamkeit Joses Grobs in unserer jüdischen Tagcsliteratur. Tie unzähligcn Aufsätze und Feuilletons, die Grob im Laufe von zehn Jahren in amerikanisch-, russisch- und galizisch-jüdischen Blättern veröffentlichte, die ihm eigene launenhaft-satirische, mit echt jüdischem Witz durchtränkte Art seiner Behandlung von Tagesfragen in unscrem öffentlichen Leben, die grenzenlose Sympathie, die er bei unseren Brüdern im Osten genießt, sind deutliche Beweise dafür, daß der Jubilar für die jüdische Presse weit mehr bedeutet, als ein Journalist im täglichen Gebrauch des Wortes, daß Grob eine im jüdischen Leben fest wurzelnde, gern gesehene Erscheinung ist. Und so ist uns die Gelegenheit seines zehnjährigen Jubiläums ein freudiger Anlaß dazu, seine im Ticnste der jüdischen Ocffentlichkeit entfaltete segensreiche Tätigkcit an dieser Stelle entsprechend würdigen zu können. Es müßte mich natürlich zu weit führen, wollte ich mich in genauen Besprechungen und Untersuchungen der Werte, die Grob während seiner zehnjährigen Arbeit geschaffen hat, einlassen. Tatsache ist cs, daß keine Zeile, die wir von ihm lesen, eindruckslos an uns vorübcrgcht. Sei cs, wo er mit wehmütig lächelnder Miene in uns süße Erinnerungen aus unserer Jugendzeit wachruft, wo er mit gewandter Hand die alten, tief-ruhigen Schönheitcn unseres jüdischen Städtchens neu belebt und verjüngt, sei cs wo er seine Feder als Waffe nutzt im Kampfe gegen unsere äußeren und inneren Feinde, im Kampfe für die politischen und sozialen Rechte unserer Nation. Ueberall und immer hören wir seine Stimme, die ernst und eindringlich zu uns spricht, uns weckt und mahnt in rücksichtsloser Weise. Seine tiefinnere Wahrheitsnatur drängte ihn, nicht nur gegen die innerliche Fäulnis von heuchlerischen Grundsätzen geleiteten Affimilationskreise des Wiener Judentums, denen jeder lebensfähige, gesunde Kern des bewußt jüdischen Nationalismus verhaßt ist, mit der ganzen Wucht seines geißelnden Sarkasmus zu kämpfen, sondern auch — wenn er es nötig fand, — mit vollster Offenheit gegen den offiziellen Wiener Zionismus Stellung zu nehmen. Nicht minder bemerkbar ist sein Einfluß aus dem Gebiete der jüdischen Kulturpflege. Sein Verdienst ist es hauptsächlich, daß der Begriff ״jüdische Literatur" auch jenseits der Stephanie- Brücke gleichsam ״salonfähig" zu werden beginnt. — Aus dieser knappen Skizzieruug der charakteristischen Merkmale seines Schaffens erhalten lvir ein klares Bild der zehnjährigen Arbeit des Jubilars, die in ihrer Art eine harmonisch ganze war. Zehn Jahre schriftstellerischer Tätigkeit muß die jüdische Literatur sehr hoch einschätzen. Wir wollen jedoch hoffen, daß uns Grob das Beste noch schuldig geblieben ist und daß sein zukünftiges Schaffen mit reicher Ernte gesegnet sein wird. Ten Wiener Juden aber, denen der Name Grob noch nicht ganz geläufig ist, sei wämstcns empfohlen, sich mit dieser Persönlichkeit etwas näher zu befassen. Em. Tie jüdische Bevölkerung in Australien und Neuseeland. Tie Steuer-Einschützungsbogen für 1911 weisen einige interessante Zahlen bezüglich der jüdischen Bevölkerung in Australien auf. Folgende Tabelle enthält die Zahl der Juden in den verschiedenen Staaten von Australien und Neuseeland in den Jahren 1901 und 1911: Staat 1901 1911 Ncusndwales 0.-147 7.000 Viktoria 5.907 0.270 Oneensland 733 072 Südansrralici: 780 705 Westaustralien 1.259 1.700 Tasmania 107 130 insgesamt im eigentlichen Australien 15.239 17.287 Neuseeland 1.611 2.12S zusammen 10.850 19.415 Ter ״Hcbrew Standard" (Sydny) gibt hierzu folgeude Erklärungen: In Gesamt-Australien betrug die Zunahme der Juden in den letzten zehn Jahre» 1028 männliche und 1020 weibliche Personen, also nur 20-18 Seelen, währcnd die jüdische Bevölkerung von Ozeanien um 2ö(;r> Seelen zugenommcn hat. Tie einzige nennenswerte Zunahme ist die von Westaustralien, nämlich zirka 10״ Prozent, während die allgemeine Zunahme sich nur auf 13 Prozent in den zehn Jahren beläuft. Die Zunähme von Neusüdwales beschränkt sich nur auf Sbdneu, denn in den Landdistrikten ist die Zahl der Juden jetzt geringer als vor zehn Jahren. Neues aus Tel-Awiw. Auf Vorschlag der Bewohnerschaft des neuerbnuten jüdischen Stadtviertel ״Nachalath Benjamin" beschloß der Gemeinderat von Tel-Awiw, das Nachbarviertel ״einzugemeinden". Nachalath Benjamin, das zu den gemeinsamen Verwaltnngskosten einen einmaligen größcren Beitrag leistete, gelangt hierdlirch in den Genuß aller diejenigen kommunalen Vorteile, die das nach enropäischen Mustern verwaltete Tel-Awiw seinen Bewohncrn bietet. In derselben'Sitzung des Gemcinderates von Tel- Awilv lvurde ferner beschlossen, eine Konsumgenosscnschaft ins Leben zu rufen, wobei der Waad für die Hälfte des in Aussicht genommenen Aktienkapitals die Haftung übernimmt. Auch lvurde ein Komitee zur Ausarbeitung einer allgemeinen Bauordnung eingesetzt. Dr. Rudolf Katbolicky gev. Leiter der I.cbirg. Jlbttfiung der Eandtsuranlutiaiistalt wohnt:! kcke Terdlnand$aa$$e und i 50b3ttlt£$$a$$C («Roter Krebs«) j ordiniert täglich von 2 vis 4 Uhr nachm. Fernsprecher Nr 803. Der Gouverneur von Jerusalem bleibt auf seinem Posten. Ter neue Gouverneur von Jerusalem, Muhaddi Bey, hat bekanntlich bald nach seinem Amtsantritt die größeren jüdischen Ackerbaukolonie» in Judäa besticht und sich sehr anerkennend über die Leistungen der jüdischeu Kolonisten ausgesprochen, indem er ihnen gleichzeitig den Schutz der Negierung versprach und ihnen Ratschläge zur Erhöhung der öffentlichen Sicherheit in den Kolonien erteilte. Tiefe judenfreundlichen Aeußerungon des Gouverneurs paßten den antisemitischen Kreisen, an denen leider auch in der Türkei kein Mangel ist, natürlich nicht in den Kram. In Konstantinove! machten sich dunkle Bestrebungen geltend, den neuen Gouverneur von Jerusalem bei der Zentralregicrung und in der Presse anzuschwärzen, um ihn womöglich gleich bei Beginn seiner ersprießlichen Tätigkeit von seinem Posten zu entfernen. Diese gehässigen Ouertreibereien sind glücklicherweise fehlgeschlagen. Der Pascha erhielt dieser Tage vom Minister des Inner», Dänisch Bey, ein Telegramm, in dem die Erwartung ausgesprochen wird, daß er seine nützliche Tätigkeit in Jerusalem mit Erfolg fortsetzen werde. Diskonto-Gesellschaft bei der Nordösterreichischen Bank für Industrie, Handel und Landwirtschaft, regist־ rierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung in Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Bankgeschälte, hauptsächlich auch rar den Eskompt offener Buchforderungen unter den allergünstigsten Bedingungen. Zum Fall Juschtschinski. Aus Kiew wird gemeldet: In diesen Tage» mnß nun endlich, wie eS neuerdings im konservativen Kiewljanin heißt, eine entscheidende Wendung im Falle Juschtschinski eintretcii. Tenn der Untersuchungsrichter für besonders wichtige Angelegenheiten Maschkewisch, der in den letzten Monaten die Enthüllungen Krassowstis und Brasul-Bruschkowskis »achprüft, ist nach Peiersbürg abgcreisl, um den Justizminister über de» Stand der Dinge zu berichten und lvohl auch die nötigen Weisuiigen einzuholen. Was dort heranökomme» wird, läßt sich schwer Voraussagen. Ist es doch bekannt, wie sebr sich der Justizminister nach oben und nute» für die Arrangierung eines Ritnalmordprozesseö engagiert hat, und die Haltung des von ihm entsandten Masckkeivitsch ertveckt schtvere Bedenke». So sind die Beschutdigungen. um derentwillen KrassowSki ins Gefängnis gesperrt ist, geradezu lächerlicher Art. Daß ihm seitens der plöblich gerechtigleitsliebenden Nntersnchnngsbebörde» nach Jabreu zur Lair gelegt tvird, ividerrechtlich eine» Revolnlio- ״är drei Monate der Freiheit beraubt zu habe», ist bereils gemeldet ivorden. Jetzt tvird eine andere gegen Krassoivski erhobene schwere Beschuldigitng bekannt: er soll nämlich für die Verwendung von > Rubel 13 Kop., die er cingezogen, keinen Beleg haben. Es ist aber niemand verborgen geblieben, tvesivegen Krassoivski hinter Schloß und Riegel übt. Ter verdienstvolle Rechercheur sollte kompromitiert werden. u11b wenn e-s nicht gelang, so sollte er ivenigitnes aus dem gegeiiivärtigeii Stadium der llnlersnchnng ausgeschaltet lvcrden. Nach tvie vor arbeiten nämlich die Riinalmord- Vertreter, insbesondere der schmählich dloßgeitetlte Staatsanwalt Tschaplinski, hinter den .Kulissen und erfreuen sich dabei der freiivilligen Hilfsarbeit der Pogromslifter Golnbeiv und Konsorten. Einen großen Skandal gedachten sie in den lebten Wochen gegen einen der Verteidiger von Beilis, Rechtsanivali Marolin, ,׳,u arrangieren. Die berüchtigte Wer« Tscherbysak, die lvirlliche Mörderin Jnschtschinskis, balle nämlich die Be hanptnng anfgeitellt, inan habe sie bestechen wollen, damit sie ein falsches Zeugnis ablegen sollte. Ter linlersuchungSrickicr Maschkewitsch unterzog deswegen den :tiechtsanwalt Margolin. der lange vor lleberiialnne der Verteidigung von Beilis inir der genaniile» ..Tome" eine Zusammenkliiift gehabt batte, hi» von ihr die Wabebeit berailsznbekominen. einem langen Verhör unfeiner Koitfroiitalioii mit der Tscherbnrjak. Das Resultat war für diese skandalös, da sic sich auch hier als Lügnerin entpuppte, und die Kampagne gegen Margolin ninßte aufgcgebeii werden. Es ist aber daraus ersichtlich, mit welchen kleinlichen Mitteln gearbeitet woeden in, um Spezial-Geschäft in Strumpfu. Wirk- Waren. Alleinverkauf von gestrickten Anzügen. Strümpfe, Socken, Handschuhe, Sportartikel Berthold Herrmann 88 Brünn, Herrengasse Nr. 8—10. 88 m 8 lil

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