Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 29 (24.10.1912)
- Date
- 1912-10-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. ״Jüdische Bolksstimme." Nr. 29 den Sachverhalt zu fälschen. Wird nun Mafchkcwitsch nach seiner Rückkehr die Schuldigen in den Anklagczustand versetze» und den unschuldigen und kranken Bcilis srcilasscn? Die Antwort auf diese Frage möchten wir nicht geben. Vielleicht kennt sie augenblicklich noch Maschkcwisch selbst nicht. Jüdische Freiwillige in der Türkei. Tausend jüdische Freiwillige haben sich der türkischen Regierung zum Kriegsdienst angeboren. Tie Blätter haben diese Meldung vcrzeichnet und von offiziöser Seite wurde sie bestätigt. Tie Tatsache kann jeden Zionisten nur herzlich freuen, beweist sie doch, das; unsere Emigranten sich 1111 neuen Lande als Zugehörige zum grasten türkischen Reiche fühlen, das; sie also die Heimat gesunden haben, welche von ihnen gesucht wurde. Sie sind bereit, den Fahnen des neuen Vaterlandes zum Siege zu verhelfen und wollen teilhaben, an der grasten Befreiungstat. Tic^Juden haben in allen Heeren als Soldaten Tüchtiges geleistet, sie werden auch der türkischen Armee keine Schande bereiten und gleichzeitig eine Tankespflicht abtragen. Tie Türkei aber wird cinsehen, das; die Förderung der jüdischen Einwanderung für sie nur von Vorteil ist, weil sie ihre loyale u. hilfsbereite Untertanen schasst. Plenarversammlung des Agudas Jisrocl- Komitees. Frankfurt a. M., 20. Oktober. Am Sonntag und Montag, den 13. und 1-1. d. M. fanden stark besuchte Plcnarversammlnngen des provisorischen Komitees der ״Agudas Jisroel" statt. Zn den darüber hinausgehendcn Wünschen ans Beschränkung des passiven Wahlrechtes für die gesamte Aguda wurde folgende Resolution gefasst: ״Tas provisorische Komitee erklärt: 1. Tic ״Agudas Jisrocl" will alle gcsetzestreuen Juden aus dme Erdeurunde umfassen. 2. In die Verwaltnngskörperschaften der ״Agudas Jisroel" sind alle Mitglieder wählbar, die in Gesinnung und Tat aus dem Boden des gesevcstrcnen Judentums stehen. :!. Tas ״Provisorische Komitee" fühlt sich nicht berufen, diese Bestimmungen einschränkend zu interpretieren, überlässt es vielmehr jeder der in der gesetzestreuen Jndenheit vorhandenen Richtungen, ihren Standpunkt ans dem verfassungsmästigen Wege vor den zuständigen Organ'cn innerhalb der Aguda zur Geltung zu bringen." Ter zweite Verbandlungstag brachte zunächst die Beschlustsassung über die Ausarbcitung der Satzungen. Eine fünfgliedrige Kom- Mission wurde mit der .Herstellung eines Vorentwurses aus Grund der in Kattowitz angenom- ,neuen ״Grundlinien" und der ״vorläufigen Bestimmnngen" beauftragt. Ter Vorcntwurs soll nach Annahme durch das provisorische Komitee dem rabbinischen Rate vorgelegt und alsdann der öffentlichen Kritik unterbreitet werden. Tie gleiche Kommission wurde mit der Ausarbeitung eines Normalstatuts für die Ortsgruppen beaustragt. Eine Anzahl aktueller organisatorischer Fragen ,Bildung doppelter Ortsgruppen in Gorstslädtcn, Franengrnppcn, Studenten- und Jngcudgruppen > fanden ihre Erledigung im Sinne möglichst weitgehender Bewegungsfreiheit der verschiedenen Jnteressentengrnppen bei Fest- Haltung der einheitlichen Organisation. Um die Beitragszahlung in kleinen Bionatsbeiträgen zu ermöglichen, sollen Agudas Jisroel-Markcn zum Einklebcn in entsprechende Zwölf-Felder-Karten ansgegeben werden. Weitere Beschlüsse galten der Organisation des Kastenwesens und der Kontrolle. Znm .Hauptkassier wurde Herr Leo Wreschner, in Fa. Beer, Sondheimer und Co., znm Stellvertreter die .Herren Tr. S. Bamberger und Tr. S. Oppenbeimer, znm stellvertretenden Schriftführer Herr B. Stern gewählt. Eine ausgedehnte Tisknssion war dein Thema ״Presse" gewidmet. Von vielen Seiten wurde die Herausgabe einer deutschen Ausgabe des ״Hadercch" gewünscht. Die Versammlung schloß sich diesem Wunsche im Prinzipe an. Ten Nest der Montag-Vormittag-Sitzung 11(11)111 die Berichterstattung und Beratung über den Stand der Propaganda in Rußland, Galizien, Rumänien, Holland, Belgien, England, Amerika und Deutschland ein. Am Nachmittag gelangten die ersten Mastnahmen zum Eintritt in die praktische Arbeit zur Beratung. Für diese sollen neben dem bereits bestehenden Propagandafonds drei weitere Fonds gebildet werden, die den einzelnen Arbeitsgebieten entsprechen. Ter erste dieser Fonds, der Fonds für Thorazwecke und Erziehung, unter dem Namen יסוד המעלה קרן קימת לתורה ולהנזך entspricht einer bereits in Kattowitz gegebenen Anregung. Freudige Anteilnahme fand der Beschlust der gleichzeitigen Begründung eines Ercz-Jisroel-Fonds. Tas hierbei vorgelegte und zum Teile bereits geprüfte erste Projekt soll je nach dem Erfolge der Sammlungen für den Erez- Jisroel-Fonds unverzüglich in Angriff genommen werden. Endlich wurde die Errichtung eines Wirtschastssonds gutgeheistcn, der zur Durchführung von Arbeiten aus ökonomischem Gebiete dienen soll. Obgleich das ״Provisorische Komitee" sich im allgemeinen nicht für berechtigt hält, vor Vollendung der Organisationsarbeitcn aus den laufenden Mitteln der Aguda Subventionen zu bewilligen ,so sah sich die Versammlung doch veranlastt, in einigen ihr vorliegenden Fällen von diesem Prinzipe abzuweichen. Ten Schlust der Tagung bildet eine Ansspräche über den Termin und Ort des ersten Kongresses, der für das nächste Frühjahr in Aussicht genommen wird. Nachdem Herr Abrahams-Haag im Namen aller Anwesenden dem Vorsitzenden. Kommerzienrat Feist, für die Leitung der Versammlung gedankt hatte, schloß der Vorsitzende die Tagung. Wiener Äadwickten. Wien. Die Chargenwahl des Akad. Verb. ״Kadimah" für das laufende LX. Semester ergaben folgendes Resultat: Cand. ing. Jerome Baltinester, Präses; med. Felix Mandl, Vize- Präses; I. U. C. Hugo Erber. Bon den Toten der Woche. Am verflossenen Mittwoch wurde Herr Jakob .Herzberg, Obmann des Verbandes der Metallwaren-Fabrikantcn, unter überaus zahlreicher Beteiligung der Perwandten und Bekannten zu Grabe getragen. — Ehrw. Herr Rabbiner Tr. Israel T a g l i ch t schilderte in beredten Worten die Tüchtigkeit und Tugenden des Verewigten, der sich im Kreise seiner Bernfsgenosten hohen Ansehens erfreute, wie auch ein Vorstandsmitglied des Vereines dem Gefühle den Draner- und Teilnehmern mit den Familien-Angehörigen innigen Ausdruck verlieh. Er ruhe in Frieden! Tozent Tr. Siegfried M ekle r wurde ebenfalls unter großer Teilnahme seitens der Standeskollegen am gleichen Tage beerdigt und nach ergreifenden Rezitationen des ״Hazur" durch Kantor Schleifer würdigte jnr. Tr. Arnold Wassing die Verdienste und Vorzüge dieses Mannes, der erst vor Kurzem ein bedeutsames Werk über gricch. Tichtcr veröffentlichte. Tie Erde sei ihm leicht! Bereinigung der mährisch-schlesischen Fcrial- Bcrbinduugcu. Am 10. Oktober fand im Cafe Jägerhos, 0. Bez., Porzellangasse, die erste Präsidialkonferenz statt. In derselben hielt das Präsidinm GG. cand. phil. Isidor Goldberger im Namen des Ausschusses den Rechenschaftsbericht für das verflossene Jahr und G g.JUC. Emil Wachsberg den Kassabericht. Tem abtretenden Ausschüsse wurde einstimmig das Absolutorium erteilt. Hierauf wählte die Präsidialkonfercnz aus ihrer Mitte den Arbeitsausschuß für das laufende Jahr, welcher sich folgendermastcn konstituierte: Obmann: cand. Phil. I. Goldberger (Massada); Vizeobmann: JUE. Emil Wachsberg (Hessiana); Schriftführer: cand. ing. B. Würbik (Emunah); Kassier: cand. Phil. Leo Spitz (Hatikwah): Beisitzer: cand. ing. L. Reiß (Gamalah). Korrespondenzen. Göding. Zu unserem letzten Artikel bemerkt die ״Gödinger Zeitung", daß es den jüdischen Gemeindeausschüssen durchaus nicht an Mut gefehlt habe, gegen den Antrag des Bürgermeisters (dem Ncalschulprofessor E. Vogel die Überlassung eines Lchrzimmers in der Realschule zu verweigern) zu stimmen, sondern daß sie nicht der zionistischen Partei angehörcn, hingegen als treue Mitglieder der deutschfortschrittlichcn Partci hiezu keinen Anlaß gehabt hätten. — Ja, hat denn jemand behauptet, die in Rede stehenden Herren seien Zionisten? Ihre politischen Ansichten sind sattsam bekannt und die Gödinger Juden werden nach Jahren daran zu tragen haben. Nichtsdestoweniger hätten sie darauf hinweisen müssen, daß die politische Parteistellung des um das Lchrzimmer Ansuchenden in diesem Falle nicht in Betracht komme, denn keiner von ihnen wird sich der Meinung verschließen können, daß einem Professor, der jahrelang an einer Realschule wirkt, unter allen Umständen ein Lehrzimmer in der eigenen Anstalt zur Verfügung gestellt werden müsse. Tie Verweigerung war eben nicht fair und trifft überdies alle Teilnehmer der Sitzung ahne Unterschied der Konfcssion. Natürlich hat der Schreiber dieser Zeilen die Empfindung, daß in erster Reihe Juden dazu berufen waren, ,aufzutreten, um gegen ein Unrecht, das einem Juden geschieht, Stellung zu nehmen. Aber der Herr Bürgermeister delretiert Ablehnung des Ansuchens und da gehörte eben ein bißchen Mut dazu, seine Meinung vorzubringen. Und das; der gefehlt chat, behaupten wir natürlich und geben damit nur der Meinnng Ausdruck, welcher alle rechtlich denkenden Inden Gödings sind. — Uebrigens können wir auch etwas Erfreuliches melden. Anläßlich der letzten Feiertage haben einige jüdische Bürger zum erstenmal Tempelspenden zugunsten des jüdischen Nationalsonds gemacht. Wir beglückwünschen diese wackeren Herren herzlichst und hoffen, das gute Beispiel wird Nachahmung finden. T. Krankkeilen 6er Nerven, des Magens» Darmes etc. werden mit Erfolg in Dr. Rutbans Sanatorium in TISCHNOWITZ kuriert — Prospekte. iJricf&al'ten der Kedaülion. Tagblattleser, Prag. Daß das Prager Tagblatt in so nnqualifizierbarer Weise über den Vortrag Tchemarja Lewin berichtet, darf Sie nicht wnndernehmen. Tie Herren nehmen gerne Geld von jüdischen Abonnenten und Jnserenten, damit haben sie für ihr großes jüdisches Publikum genug getan. Vielleicht finden Sie ans diesem Anlasse einige Hundert Prager jüdische Abonnenten, die dem Tagblatt ihre Meinnng sagen. Tas würde wirken. — Tr. Wolf-!01)11. Erscheint in der nächsten Nummer. — Einige Beiträge mußten wegen Raummangel znrückbleiben. — Mehrere Einsender. Wird nach Ankunft unseres Herausgebers erledigt. Eingehen det. Löbliche Redaktion! Gestatten Sie einem Kabbalisten an Ihre gelehrten Leser eine Anfrage zu richten: Es ist mir nämlich unbekannt, woher die Abkürzung des vierbuchstäbigen Gottesnamen, die auch im Targum gebräuchlich ist, stammt. Ich meine die durch Toppel-J ausgedrückte Abkürzung oder Umschreibung des Gottesnamen. Achtungsvoll Ein Kabbalist. 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