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Jüdische Volksstimme · 1912-10-24 · Heft 29 (24.10.1912) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 29 (24.10.1912)
Date
1912-10-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4.__ ״Jüdische Bolksstimme." Nr. 29. daß Dr. Bondy sein ganzes Vermögen deutschjüdischeu Vereinen zugewcndet, daß er 5000 K für deutsche Schulen, 5000 K für den ״Bund" (?) bestimmt habe und, um diese Lügen schmackhafter zu gestalten, fügt er hinzu, daß Dr. Bondy sein Geld meist an Czcchcn verdient habe und im Jahre 1876 Kassier der Czeska zidovska jcdnota gewesen sei. Der 20״. Vek" sagt cs, das gegenügt, cs als Lüge zu kennzeichnen. Ucbrigens referiert der ״Czech" über die Eröfsnung der von Kommerzialrat Wcinmann gegründeten Lesehalle in Aussig unter der Ucbcrschrift ״Gift aus Judaca". Was dergleichen Blätter schreiben ist entweder Gemeinheit oder Dummheit; cs ist nicht immer leicht, richtig zu klaffifjzicrcn, so wenn der 20״. Vek" einerseits den Talmud und seine Bekenner lächerlich zu machen sucht durch eine phantastisch ausgcputztc Geschichte vom milchigen Löffel, der in den Fleischtopf fiel und auf der anderen Seite eine lange Erzählung bringt, worin ganz ernsthaft über die Heilkraft der Wundcrqucllcn von Lourdcs berichtet. Unter das Kapitel Dummheit gebärt wohl die Auslassung über Zionismus, der nach dem Fachgelehrten dieses trefflichen Blattes nichts anderes bezwecke, als die Gojim zu betrügen und sic dazu heranzuzichcn, auf ihre Kosten die den Juden heiligen Stätten Palästinas ausgraben zu lasten. Dummheit ist cs ivohl auch, wenn der 20״. Vck" nach seinen schon so oft angcstclltcn Versuchen immer wieder gegen den alte» Judcnfricdhof hetzt, Dummheit, wenn er der Prager Stadtgcmcindc vorhält, sic solle die Kapelle des katholischen Friedhofes in bcstcrer Ordnung halten und dabei darauf hi,!weist, wie christliche Weiber den jüdischeu Friedhof in Ordnung halten. (Oder will der 20״. Bck" diese Weiber um ihr Brot bringen?) Zum Kapitel Gemeinheit gebärt hingegen die Hetze gegen die Jude», die von der Stadt mit Lieferungen bedacht werden, während die kleinen Gewerbetreibenden nur das Vergnügen haben, die Lauen des Repräscntationshauses zu tragen, denen der Staat die Handschuhlicfcrungcn für die Armen übertrage. Gemeinheit und Dummheit vereinigen sich in den Notizen, die dem Smichotvcr deutschen Gymnasium mehr jüdische Schüler zuschrcibcn als cs überhaupt Schüler hat, die das skandalöse Verhalten des Wiener Ilniversitätsproscstors Wagner gegen einen polnischcn Juden, der seine Ordination aussuchte, billigen, sic erreichen ihren Gipfelpunkt in dem langen ״wissenfchastlichcn" Artikel ״warum die Christen Antisemiten sein müssen" der betont, daß der Antisemitismus sich nur gegen die ״pharisäischen orthodoxen Juden", gegen die ״fanatischen Sklaven des Talmud"!vcndct, der i» Hus Wiclii Luther Judaristcn sicht und Wahrmund und Cbambcrlain als seine Autoritäten zitiert. Wo solche Autoritäten ins Feld geführt werden, da können Bebauptungen nicht überraschen, wie, das; alle Juden von Juda, dem Sohne Jakäbs, abstammcn usw. (Uebrigcns ist diese Nummer wegen eines ihrer vielen Hctzartikcl konfisziert worden.) Ich zweifle aber nicht, das; der 20״. Vck" diesen Gipfel an Dummheit und Gemeinheit bald übcrbieten, den Rekord, den er diesmal geschaffen, bald brechen wird. (Ich fürchte, ich auch. Anm. d. Setzerlehrlings). Zum Schlüsse noch eines. Pros. Robert Wolf Randniv ist ein Glouvcnszeugc des freien Gedankens geivordc»; er ist wegen der Verteilung der Josefsblätter verurteilt worden. Glaubenstrcuc ist ja schon lange sein Fach! Ans Ileberzeugung trat er einst ans dem Judentum aus, aus Ileberzeugung sprang er mit beiden Fügen!nieder hinein, lvic er cs zu seinem Avancement brauchte. Proßnitzer Brief. Prosiniti, 17. Oktober 1012 Sckion seit langer Zeit hatten wir jüdische» Handelsangcstellten unter dem Mangel einer jüdisch-gewcrkschasllichcn Organisation zu leiden, und ivcnn deshalb die ineisicn von uns unorganisiert bliebe», so fanden sich doch einige, die sich der sich ״international" nennenden Organisation, dem Zcntralvcrcin, anschlosten. Diese mutzten aber sehr bald cinichcn, das; man dort keine eigene Meinung haben dürfe, und nachdem sic sich nicht zwingen lasten wollten, waschechte Sozialdemokraten zu werden, zogen sie früher oder später die Konsequenzen. - Gemeinschaftlich mit diesen Kollegen beschlossen wir nun, uns ans jüdischer Basis gclverkschastlich zu organisieren und setzten uns zu diesem Zwecke mit dem jüdischeu Handlungsgebilsenverband, Zentrale Wien, in Verbindung. Derselbe entsandte Koll. Deutsch, welcher in einer, von jüdischen Angestellten zahlreich besuchten Versaminlung über ״Die Notwendigkeit einer jüdischen Handlungsgehilfenorganisation" referierte und gelang es demselben viele, die an diese Notwendigkeit nicht glaubten, durch seinen inhaltsreichen und rein sachlichen Vortrag hievon zu überzeugen. Durch das Referat angeregt, ergriffen einige Kollegen das Wort, um die unhaltbaren Zustände für die jüdischen Angestellten im Zcntralverein zu schildern, worauf sich der Obmann des Zionverciucs, Herr Julius Ncumann, das Wort erbat, um die Gründung einer jüdischen Handelsangestelltenorganisation namens der hiesigen Jüdischnationalen zu begrüßen und uns zur Teilnahme an den Arbeiten aus jüdischnationalcm Gebiete auszufordern. Hierauf erwidcrtc der Referent, daß die Jüdischnationalcn in uns wohl Mitkämpfer für die Gleichberechtigung der Juden finden, daß wir für die Hebung und Erhaltung des jüdische» Bewußtseins sorgen werden, daß jedoch Politik in unserem gewerkschaftlichen Verein keinen Platz hat. Nach Annahme der Resolution: ״Die am 13. Oktobcr 1012 in Proßnitz im Saale des Cafe Novi zahlreich erschienenen jüdischen Handclsangcstelltcn erklären, im jüdischen Handlungsgchilsenvcrband ihre gewerkschaftlichc Jntcrcflcnvcrtrctung zu erblicken. Die Versammlung fordert jeden jüdischen Angestellten zum Beitritt zum I. H. V. aus und verspricht, für die jüdische Gewcrkschast zu wirken" meldeten sofort 36 Angestellte ihren Beitritt zum I. H. B. an und wählten ein Proponcntcnkomitce für die Gründung einer Ortsgruppe des I. H. V-, woraus der Vorsitzende Koll. Schreiber die Versammlung schloß. Aus diese Weise gelangten wir Proßnitzer jüdische Angestellte aus den einzig richtigen Weg und erhoffen die baldige Erreichung unseres Zieles durch den Zusammcnschlutz aller jüdischen Kollegen, unsere jüdischwirtschaftliche» Interessen erfolgreich vertreten und unseren notleidenden Kollegen Helsen zu können. NIEDERLÄNDISCHE LEBENS VERSICHERUNGS GESELL- SCHAFT, WIEN, I. ASPERNPLATZ 1 Im eigenen Palais. — Versichertes Kapital drka 380 Mliionen. Reserven drka 113 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Unser neuester Tarif mit 5% jährlich fallender garantierter Prämie. Ccneralagentur für Wien, I., Aspe, nplatz 1, Leiter David Nebcnzahl. Sub Direktion für Prag, Ferdinandsgasse 20, neu, Leiter Robert 0erste!. Sub-Direktion für Lemberg, Lrainocha 3, Leiter LObl Taubes. Die Vorbedingungen einer jüdischen Organisation. -but tiefempfundener innerer Herzensfreude habe ich in der jüngsten Nummer dieses Blattes den innigst gutgemeinten Aufruf zu einer ״Organisation der gesamten jüdischen Bevölkerung" vernommen. Diese Organisation soll, dem hochlöblichen Vorsatze ihresJnitators nach, von solchen Personen geschaffen und begründet werden, denen es um die Zukunft und die Er- Haltung des Judentums zu tun ist. Meinem inneren Herzensdrange folgend, bin ich auch gerne bereit, meine schwachen Kräfte in den Dienst dieser hehren, nicht genug zu würdigenden moralischen Pflichterfüllung zu stellen.' Ohne die Absicht auch nur im Entferntesten die aufrichtige Begeisterung im Anstreben solch erhabenen idealen Zieles zu schwächen, fühle ich mich vcranlasst, einige Präsumtionen bezüglich der zu gründenden Organisation voraus zu setzen. Da die vornehmste Aufgabe und der Hauptzweck einer solchen Organisation selbstredend blos die intensivstc Fürsorge für die Zukunft und die Erhaltung des ״Judentums" sein könnte, ist es dringend geboten, bei dieser Gelegenheit zunächst festzustellen, in welchem Sinne und Zeichen dieser heutzutage ungemein dehnbare Begriff ״Judentum" aufzufassen sei. Ist etwa der rcligionsphilosophische Begriff dieses vielsagenden Wortes darunter zu verstehen, welcher der überaus regen Phantasie des Juden ohne eigentlichen Judentum, rückhaltlos einen umfangreichen Spielraum gewährt. Oder vielleicht jener berüchtigte Begriff der dem Juden die Offenbarung Gottes am flammenden Sinai als Mythos hinstellt, ihn ohne Thora, ohne Gottesfurcht und Religion im wahren Sinne dieses bedeutungsschweren Wortes, mit dem Epitheton ״Glaubenstrcu" adelt. Oh, dann wäre die in! Aussicht gestellte Organisation für die Religion schädlich und dem wahren Judentume gefährlich. Denn um in keine Selbsttäuschung zu verfallen, müsse der Wahrheit gemäß konstatiert werden, daß der eventuelle Zusammenschluß vieler zersetzender Elemente, keineswegs die erwünschte Sicherung ׳und .Festigung unserer im Laufe der Zeiten völlig morsch gewordenen Glaubensburg zur Folge hätte. Ein Jomkippur- und Maskirjudentum im Rahmen einer durch wahrhaft jüdischer Opferwilligkeit zu entstehenden Organisation, dann eventuell zu Ehrenstcllen gelangen zu lassen, ihnen Reigen und Heft in die Hand zu drücken, wäre geradezu ein Vernichtungskampf gegen das Judentum. Ja der letzte Todesstoß für das ohnehin schwerkrankc Israel. Um das zu behebende Ucbel an die Wurzel zu treffen, müßten, um mit unseren alten Weisen zu sprechen, die grundsätzlich für die Organisation laut genug das Wort führen בינם?*צדיקים ״ נ א ה להם ונאה לעולםDie Versammlung der Gerechten bietet erbaulich Schönes für sie und für ihre Mitmenschen", lautet ihr Mahnruf, müßten vorerst jene Auserwählten sich organisieren, denen Thora, Religion und Glaube innerstes Eigentum des Herzens, Ileberzeugung und Gesinnung, nicht blos gedankenloses Wort der Lippen sind. Die ״Jeremiadcn" über den Verfall der Religiosität sind verklungen. Es sollten nun die ״Jerniijahus" dastehen und hervortreten, durchdrungen von dem Glaubenseifcr, heiliger Begeisterung und furchtlosem Mute jenes von seiner Zeitgenossen verkannten und vielbedrängtenProphetcn, und mit Hintansetzung ihrer sonstigen Interessen, dem alles zerstörenden und verheerenden Nihilismus und der Jrrercligiösität in den Häusern Israels schonend und versöhnend aber mit vollster Entschiedenheit zu begegnen und entgegen zu treten. Es müßten allerdings נביאי אמת sein. Und diese näher und genau zu kennzeichnen, finden wir einen untrüglichen Gradmesser in der heiligen Schrift, dieser nicversiegenden Quelle des reinsten Glaubens und Wissens. Unsere Thora schildert den נביאי אבות mit wenigen eklatanten Worten. Dessen Streben und Wirken rüstet sich niemals von ״außen-herein", sondern stets, von ״innen-heraus", nämlich: Derjenige, welcher wirklich und wahrhaft im Namen des Ewigen des Gottes Zeboauth handelt, wird uns, da das Judentum seine religiösen und sittlichen Kräfte nicht von Auswärts zu schöpfen braucht, niemals mit fremden Sitten und Bräuchen kommen, sondern vielinchr sich bestreben, das Judentum durch die eigenen Kräfte und Lebenssäfte zu stählen und zu stärken. Jene fünfzig Gerechte um derentwillen der Allgütige der ganzen Gegend die himmelan schreienden Sünden zu vergeben und zu sühnen vor unserem Erzvater Abraham sich bereit erklärte, wollte der Weltenlenker בתק־ העיד in Mitten der Stadt wissen und finden. Also außerhalb des Gotteshauses. Mithin wird uns in markantester Weise unzwciheutig nahegclegt, daß dieaus einer Lethargie urplötzlich erwachte Begeisterung, Sinn und Herz für Glauben und Religion, sich keineswegs blos auf dein Gottcshause und der diesem in mancher Hinsicht gleichgestellten Rcligionsschule beschränken dürften. Vielmehr müßten die wahren Diener Gottes in Mitten der Stadt auch dem Judentume das Beispiel eines von Gott durchdrungenen gottgefälligen Lebens bieten, so es ihnen um die Zukunft und den gedeihlichen Fortbestand des Judentums ernstlich und aufrichtig zu tun sei. Nur dann kann sich das Judentum mit ״meinem Volke", mit dem Gottcsvolke und dessen organisatorischen Aufgabe identifizieren, wenn die Organistion auf den drei vielbewährteu Säulen der Welt תורה עבודה ונ״דז fest und sicher beruhen wird. Ein religionspolitisches Bestreben, in Folge dessen gelungene, form- Vollendete, schön abgerundete Reden gehalten, jedoch ohne nachhaltige Wirkung verhallen würden, könnte durchaus nicht zum zuerftrcbeuden Ziele führen. Die Abhaltung eines sögenannten ״Judentages" mag wohl das jüdischnationale Denken und Fühlen weich berühren, I Die Enste Schrift in Kürzester Zeit erreicht jedermann! K• K. beb. aut. Scbrelvrcbule Professor Rudolf RoubltscbeR« «.»«,1.s-1״m«,p»,- Prat! 47 Dach auswärts »rleflicber Unterriay, um14?l*p1a14 ritw natb elg ger.gercb.INetbtzde

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