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Jüdische Volksstimme · 1912-10-10 · Heft 27 (10.10.1912) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 27 (10.10.1912)
Date
1912-10-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 27. ״Jüdische Bottsstimme." Seite 8. Welt sein. Das Kommando des ungarischen Honved-(Landwehr)Asyls hat dem Museum eine Liste derjenigen jüdischen Invaliden aus dem Jahre 1848/41) zur Verfügung gestellt, welche seit dem Jahre 1872 in diesem Asyl Unterkunft fanden. Von allen den 31 Invaliden lebt heute nur noch ein einziger in dem Asyl, es ist dies der 83jährige Leopold Sternhuck, der sich jedoch erst seit fünf Jahren in dem Asyl befindet. Eine Panik in der Synagoge. Aus Terspol wird gemeldet. Während des Gottesdienstes in der hiesigen Synagoge entstand infolge einer aus einer umfallenden Petroleumlampe herausschlagenden Flamme in der überfüllten Frauenabteilung eine Panik. Vier Frauen wurden erdrückt und 23 verletzt, von diesen drei lebensgefährlich. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNG^ GESELL- SCHAFT, WIEN, I. ASPERNPLATZ 1 Im eigenen Palais. — Versichertes Kapital drka 380 Mlllouen. 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Hierauf erteilte der Vorsitzende Herr Med.-Dr. Reiniger dem Juristen Mar Jung das Wort, der der Meinung Ausdruck verlieh, daß das volle Erfassen des Judentunis unbedingt eine intensive Pflege der hebräischen Sprache und jüdischen Kultur in sich schließe und deshalb bat. die ״A.-J." möge auch diese Punkte in ihr Programm aufnehmen. Einige vom jur. Jung mißverstandene Aeußerungen des Refereuten werden vom Vorsitzenden berichtigt und der Antrag Jungs: ״Die Wiener A.-J.-Gruppe möge einstimmig den Wunsch äußern, daß die ungarischen Gesinnungsgenossen, analog der Wiener Gruppe, jeden Juden als Mitglied in ihre Landesorganisation aufnehmen, der sich zum traditioncll-gesetztestreuen Judentume bekennt, gleichgültig ob er der orthodoxen Treunungsgemcinde oder einer anderen Gemeinde angehört", von letzterem auf Ersuchen des Vorsitzenden zurückgezogen. Der Vorsitzende bemerkt hierauf, daß ihm alle gesetzestreuen Juden willkommen seien und daß er gerade von den an stramme Disziplin gewähnten religiösen Zionisten viel erwarte. Herr Wolf Pappenhcim erläutert die Maßnahmen des Provisorischen Komitees in Frankfurt und erteilt wertvolle Ratschläge bezüglich Agitation usw. Am Schlüsse seiner'Rede wendet er sich unter stürmischem Beifall der Versammelten gegen den Kulturzionismus eines Ben Jehuda und Achad Ha-am. Diese Kritik war für die anwesenden Anhänger Achad Ha-ams deren einer ihn als ״den größten Juden" bezeichnete, das Zeichen zum Beginne von Kontra- Versen, die schließlich ganz persönlicher Natur wurden und den anwesenden Zionisten mit Recht den Vorwurf des Vorsitzenden zuzog, daß sie nicht imstande wären, sachlich zu polemisieren. Ein Vorwurf, den er selbstredend dem Zionismus als solchem nicht machen wolle. In der Panse, die hierauf cintrat, kam es zu lebhaften Auftritten zwischen Pro- und Kontra-Leuten. Immerhin hat die Versammlung mit einem Erfolge geendet, der nicht übersehen werden darf. Aus den vielen Kämpfen des Anfanges wird sich die ״A.-J." Hindurchringen müsien zu dem Ziele, das ihr als letztes vorschwebt: die wahre jüdische Volksbewegung zu werden. Hervorgehoben sei, daß der Vorsitzende Herr Dr. Reiniger den Vorsitz in wahrhaft vornehmer Weise führte und alle gegnerischen Ansichten freimütigft zu Worte kommen ließ. Herr Gabriel Fürst suchte durch seine begeisternde Rede, die als Hauptaufgabe: innere Arbeit, nicht Kampf gegen andere Organisationen hinstellte, die Anwesenden zum Anschlüsse an die ״A.-J." zu bewegen. Es ist zu erwarten, daß gleich ihm andere tatkräftige und berufene Männer agitatarische Mithilfe leisten werden, um so mehr als sein Erfolg wirklich bemerkenswert ist. Lehrer Schwertfinger forderte Anschluß an den Misrachi und entschiedene Betonung des Nationalen. Er erntete lebhaften Beifall. Herr Diamant sprach in ähnlichem Sinne. Nachdem der Vorsitzende die Anwesenden noch aufforderte, sich beim provisorischen Kassier als Mitglieder eintragen zu lassen, schloß er die Versammlung. Eine Feuer-Sitzung am Roschhaschonoh in der polnischen Synagoge in Wien. Am ersten Abend des Roschhaschonoh knapp vor Ende des Gebetes, zog sich der Vorstand korporativ von der Synagoge in einen Nebenraum zurück, was unter dem andächtigen Publikum Aufsehen erregte. An der Tagesordnung stand die Frage ״Bawir Schenuder alvir Chasen schein". Ter Obmann, Herr Max Rosenfeld, schilderte erbittert die aufregende Szene, die sich an demselben Tage zwischen ihm und dem Herrn Oberkantor Schorr abgespielt hatte. Herr Schorr konnte aus Uebermut und Neid nicht verschmerzen, dag auch sei-; nein Kollegen, Herrn Feuer!zweiter Kantor), laut Beschlug des Borstandes cnoch seit Mitte des Sommers) das Recht zuerkannt worden war, bei der Thoraverlesung Spenden anzunchmen. Er fand es für zeitgemag, gerade am Erew-Roschhaschoiwh vor der Hauptsaison, den Obmann mit einem Besuche zu überraschen und versuchte mit aller Gewalt, durch seine Fabeln, denselben zu beeinflussen, den obigen Beschluß zu stürzen und knüpfte daran Bedingungen, die auf eine völlige Enthebung Feuers von seinem Amte hinauszielten. Ta der Obmann, ein gerechter und einsichtsvoller Mann, sich gegen diese schreiende Ungerechtigkeit sträubte, kam es zu einer ungeheuren Aufregung, so dag derselbe sich gezwungen sah, noch an demselben Abend eine Borstandsitzung abzuhalten. Trotzdem der Obmannstellvertreter, Herr Zolles, und Gesinnungsgenossen wie immer unter dem absoluten Einflug des Herrn Schorr standen, hörte man am nächsten Morgen bei der Thora- Vorlesung ״Bawir Schenuder awir Chasen scheni" in vollendeter Form und überdies mit Ersolg erschallen, ein Beweis, dag Herr Feuer sich infolge seiner kantoralen und menschlichen Eigenschaften eines bedeutenden Anhanges der Mitglieder erfreut. Tie Konkurrenz beim ״Bawir Schenuder" zwischen dem Herrn Oberkantor und seinem Kollegen war also eine sehr lebhafte; mehrere kleine Gruppen hatten sich gebildet, die teils lachenden, teils schadenfrohen Blickes dem Getriebe folgten. Es ist nicht uninteressant zu bemerken, dag mitten aus einer kleinen Gruppe heraus die Stimme eines Borstehers sich vernehmen ließ, daß Herr Oberkantor Schorr ein Fixum von 0000 K bezieht. Nebeneinkommen vom Tempel MOV K und außerdem mindestcns 10.000 K von Beschneidungen, also ein jährliches Einkommen von 24.000 K hat; dazu kommt noch das Erträgnis von angeblich eigenen Kompositionen, die an allen Ecken und Enden, allerdings aufs Gecadewohl verstreut werden, und reichlichen Zufluß von seiten seiner erwachsenen und wohlversorgten Söhne, während Herr Feuer, ein armer Bater von vier kranken, auf ihn allein angewiesenen Kindern und Mann einer leidendcn Frau, über ein Jahreseinkommen von kaum 2000 K verfügt. Ter traurige Ausgang der Sache ist, daß der Obmann infolge der Aufregung erkrankte und seine Temission überreicht hat, was einen großen Perlusk für die Synagoge bedeutet. Ein unparteiischer, wahrer Patriot der Synagoge. Wien. Ein wahres, animiertes Simchas- Thora-Fest war es, das der hier seit etwa drei Jahren bestehende Verein ״Adaß-Jeschurun" anläßlich der Spende eines neuen Szefer-Thora seitens des Vereinsiiiitstüedes Herrn Leon Weinbcrg am Sonntag den 29. September veranstaltete. Nach Begrüßung der zahlreich Erjchieneuen, darunter Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang, Beruh. Hofbauer und andere Vertreter konservativer Vereine durch den Obmann Herrn Jur.-Dr. Siegfried Halberstamm und Ausfertigung der letzten Buchstaben der neuen Thora-Rolle durch Mitglieder und Ehrengäste, wurde vom Oberkantor der Schiffschul Herrn Leopold Müller in feierlicher Weise in Begleitung seiner Meschorerim, unter Leitung des ein. Kantors Schabsol Weiß der Gesang beim Oeffnen der Bundeslade vorgetragen. Hierauf folgte die gelungene und gediegene Festrede des ehrw. Herrn Tr. Jul. Bach und die geistvolle, formvollendete Ansprache des Vereins-Maggid Herrn Berth. Rosenstein, sowie auch die Rezitation der üblichen Psalmen durch Vereinskantor Ehrlich. Mit dem hebräischen Kaisergebet, vorgetragen vom Herrn Oberkantor Leopold Müller, schloß die schöne, erhebende Feier. —11. Todesfall. Montag den 30. v. M. wurde Frau Emilie v. Pfeifer, die bestbekannte Philantropin, im hohen Alter von 77 Jahren zu Grabe getragen und scharten sich um die Bahre ihre Angehörigen, darunter der Sektionsrat im Ministerium, Herr Dr. Alfred R. v. Pfeifer u. v. a. Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann hob in seinem Nachrufe besonders die Tugenden und Vorzüge der Verstorbenen hervor, und Oberkantor Morgenstern versah die liturgische Funktion in erhebendster Weise. Sie ruhe sanft! —n. Wien-Brigittenan. Nach einmaligem Probevortrage im Bethause des Humanitären Bildungsvereines ״Ansche Daß we Zedek" wurde Kantor Leo Rosenzweig, früher in Großwardein, einstimmig akzeptiert. Die Hütte des Friedens. Unstreitig hat der humanitäre Verein ״Einheit" in der hiesigen Stadt die schönste Laubhütte errichtet, welche wunderbar dekoriert, eine wahre Augenweide bildet. Sie bietet aber auch zugleich die einfachste Lösung des schw. Problems — nämlich die Harmonie der darin weilenden Nationalitäten —- denn unbedingt wirkt die nächste Umgebung fesselnd auf den streng national gesinnten Juden ein und so unterscheiden sich ganz wohl die bähmischen und mährischen Juden (Moravtschik) von den polnischen, ungarischen und vollständig von den deutschen. Hier aber, ans heiligem, nentralen Boden vertragen sich alle ganz gut miteinander — auf Grund der Idee guter Gastfrcundlichkeit und Brüderlichkeit. So möge es auch draußen im Kampfe des Lebens gehalten werden! —n. Verein jüdischer Hochschüler Mensa aeademica Jndaica, Wien, 9. Bez., Pramergasse 31. Freitag den 18. Oktober l. I. findet um 7 Uhr abends in unserem Vereinslokale. 9. Bez., Pramergane 31. die dritte ordentliche Plenarversammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Vrotokollverlesung. 2. Rechenschaftsbericht. 3. Neuwahl des Vereinsausschusses und Wahl dreier Revisoren. 4. Eventualia. Bleibt die Plenarversammluna beschlußunfähig, so ist die, eine halbe Stunde später stattfindende Plenarveriommliing mit derselben Tagesordnung für alle Fälle von der Zahl der Mitglieder unabhängig beschlußfähig. Dr. Rudolf RathoiicRy ge«. Leiter der I.ehirg. Abteilung der Candeokrankenanstalt wohnt: €cke yerfllnatidsflasse und 30banne$ga$$e <> »»>«, w«w«) ordiniert täglich von 2 dir 4 Uhr nachm. Jenuprecher Nr 603. Prager Sladmcftien. Zufolge Aufrufes auf Seite 0 der diesjährigen Nr. :17 sind für die Witwe nach dem Handlungslommis Ludwig Pick, der an den Folgen einer Schwämmevergiftung im Prager israelitischen Krankenhaufe im Spezial-Geschäft in Strumpf־ u. Wirkwaren. Alleinverkauf von gestrickten Anzügen. Strümpfe, Socken, Handschuhe, Sportartikel Berthold Herrmann MM Brünn, Herrengasse Nr. 8—10. SM m » m ra

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