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Jüdische Volksstimme · 1912-09-26 · Heft 26 (26.9.1912) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 26 (26.9.1912)
Date
1912-09-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. ״Jüdische Volksstimme." Nr. 26. Zionismus; nun die Ungnade ist schließlich zu ertragen. Ob der offene Brief in der ״Volksstimme" an die Erste böhmische allgemeine Versicherungsgcsellschaft diese Wirkung gehabt hat, oder andere Faktoren, wissen wir nicht, aber jedenfalls ist cs zu begrüßen, daß der 20״. Vek" nicht mehr am Gerüste dieser Versicherungsgesellschaft plakatiert wird; es ist wohl ohne Zweifel, daß in unserem alten winkeligen Prag, wo jeder Hund seinen Eckstein findet, auch dem 20״. Vek" bald ein solches Veilchen im Verborgenen fühlt, aber es wird doch etwas verborgener sein müssen. Interessant ist die Erörterung, die die Er- Hebung des Kaiserlichen Rates Enmnuel Singer voin Neuen Wiener Tagblatt in den Adelstand in der tschechischen Presse findet. ״Ceske Slovo" mutmaßt, daß diese Notabilisicrung wcgen der Förderung des Eucharistischen Kongresscs durch Herrn v. Singer erfolgt sei; die Vorstellung, ein Judcnblatt als Protektor des Eucharistischen Kongresses, bringt unseren wackeren 20״. Vck" in Helle Wut. Auch die jüdischen Feiertage legen sich ihm auf die Nerven, weil sie durch die vielen geschlossenen Läden den überwiegcnden Anteil der Juden am Prager Geschäftsleben zeigten. Im übrigen ist der 20״. Vek" diesen Sonntag wieder konfisziert worden wegen eines aufhctzcndcn Artikels, der christliche Mütter davor warnen sollte, ihre Kinder jüdischen Dienstgebern anzuvertrauen. Auch in der deutschen Gesellschaft geht es nicht viel besser zu. Der Fall der ״deutschen Sportbrüder", den das Montagsblatt schon zweimal zur Debatte gestellt hat, ohne ein Echo auch nur in der liberalen deutschen Presse zu finden, beweist deutlich, daß den Deutschen, wenigstens den radikalen, ihr Antisemitismus wichtiger ist, als der Nationalismus, lieber mit den Tschechen paktieren, als mit deutschen nichtjüdischcn Vereinen! die letzteren 30.000 bis 35.000 Köpfe zählen) auf ihre Lust zur Rückkehr in die Heimat sondieren ging und das wenig ermutigende Ergebnis nach Hause brachte, das schon aus Wirtschaftlichen Gründen zu erwarten war. Bei weitem lobenswerter ist die literarische Propaganda, die darauf abzielt, zunächst die intimen geistigen Beziehungen aufzuzeigen, die das hauptsächlich im Orient zerstreute japanische Judentum mit der alten Heimat bewahrt hat. Als besonders wertvoll ist hier neben des Senators Agel Pulido Werk Espanoles in patria der von Rodolfo Gill herausgcgebene ״Jüdisch-spanische Romanccro" zu nennen, der weiteren Kreisen die bisher in Monographien und gelehrten Zeitschriften zerstreuten Beweisstücke zugänglich machen will, die den Alphardi als Träger echt spanischer Geisteswerte dokumentieren. Denn die in Gils Romanccro gesammelten Volks- und Wiegenlieder sind mit wenigen Ausnahmen — unter ihnen ein Veschneidungslied, das den König Nimrod gegen den noch ungeborenen Abraham den gleichen Anschlag schmieden läßt, den Pharao gegen Moses und Herodes gegen Jesus im Schilde führten — Erzeugnisse rein spanischer Volks- Poesie. Höchstens, daß bisweilen ein arabisches, türkisches oder persisches Wort auf das Wanderschicksal derer hinweist, die ihnen durch die Jahrhunderte der Verbannung solche Treue bewahrten, daß heute die jüdische Romanze, und darin eben liegt ihr hoher Wert, den einzigen Beleg für die inetrischen Formen der alten Volksgedichte bildet, bevor ihnen der lyrische Einfluß der Troubadours und Poeten die definitive Gestaltung gab, in der sie sich bis heute erhalten haben. Rodolfo Gill will seine Arbeit als ״inbrünstige Botschaft der spanischen Seele" an die Verstoßenen gewertet wißen. Ihm gebührt jedenfalls ein bevorzugter Rang in den Akten des Revisionsprozestes, unter besten Fürsvrechcrn sich heute die besten Rainen der spanischen Intelligenz vertreten sind. Wien, g■ vorm. Fotel Romania Neu eröffnet! Wien II.. Kleine Sperlgasse Nr. 5• 5 Minuten vom Stadtzentrum, in unmittelbarer Näht des Nord- und Kordwt stbihnhoies. r'RACHTNEUBAU! 100 ZW MER Elegantes Famillenhotel. Zentralheizung. Kaltu. 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Von da aus hat sich dann das Interesse gebildeter Kreise den chemals spanischen Juden überhaupt zugewandt. Die vor Jahren gegründete ״Association cbrcoespauola", begann sich wieder zu regen. Stelleniveise wurde sogar zu viel des Guten getan: mit Recht warnte die ausgezeichnete Schristtstellerin Earmen t>c Burgos vor unzeitigem Ucbercifer, als unlängst eine mit halbamtlichen Befugnisten ausgestattete Mission die serbischen und bulgarischen Spaniolen (die crstcrcn sollen etwa 8000, Krürmer Rac^rieklen. Das Sperren der Geschäfte. Wenn auch die jüdische Bevölkerung an Sabbathen und jüdischcn Festtagen ihre Geschäfte offen hielt, so war cs doch Brauch, daß zumindest an den Jomim Noroim die jüdischen Geschäftsinhaber die Lokale geschlossen hatten. In Brünn, leider wo alles Jüdische immer mehr und mehr in Vergessenheit gerät, hat sich die Unsitte eingebürgert, am Roschhaschono den ersten Tag, cventucll überhaupt nicht zu sperren. Dies allein genügte aber auch nicht mehr unseren assimilatorischen Juden. Nein, es fanden sich sogar eine Anzahl Kaufleute, die die Provokation begingen, auch am Jom Kippur offenzuhalten. Zu erwähnen wäre noch, daß ein großer Teil dieser Kanfleutc Juden zu ihren Hauptkunden zählen. Jüdische Advokaten, die jüdische Klienten zu ihren Kunden zählen, glauben auch, am Jom Kippur ihre Kanzleien offenhalten zu müssen. Direkt lächerlich wirkte es, an einigen Geschäft tcn Zetteln prangen zu sehen, mit der Ucbcrschrift ״Um 4 Uhr geöffnet." Sollen nicht auch die einzigen zwei Feiertage der Vergessenheit anheimfallen, so ist cs unbedingt notwendig, daß die maßgebenden Personen eine entsprechende Aktion cinleiten, um die jüdischen Kaufleute, Advokaten, Industriellen an ihre Pflicht als Juden zu erinnern. Alle Stationen, Konfessionen begehen ihre Fest- und Feiertage in würdiger Weise; der Arbeiter hält seinen Festtag, ohne Rücksichtnahme auf das Opfer des materiellen Verlustes. Sollten wir Juden, deren Väter für ihren Glauben, ihre Nation den Scheiterhaufen bestiegen, nicht mehr die Kraft besitzen, für unscre Ideale ein materielles Opfer zu bringen? Fürwahr, wir können dies nicht glauben. Wir wollen, milde gesagt, dies nur der Unwissenheit der jüngeren Generation .zuschreiben. Hier hättcn unsere Rabbiner Gelegenheit, sich im positivcn Sinne im Jntcrcste unseres Glaubens zu betätigen. Von der Kanzel herab müßten die Herren Rabbiner gegen das Offenhaltcn der Geschäfte auftrcten. Sic müßten auch darauf Hinweisen, daß cs nicht gestattet ist, wie es von einigen Besuchern des großen Tempels auch geschieht, mit Automobil oder Fiaker vor- und wegzufahren. Die Repräsentanten unserer Kultusgemeinde, die Vertreter der jüdischen Organisationen und nicht zuletzt die Herren der B'nei Berith-Loge inüssen auf die einzelnen Glaubengenossen einwirken, ihre Geschäfte an den Jomim Noroim geschlossen zu halten. Noch auf ein Moment sei hingewiescn. Aut zweiten Roschhaschonotage soll ein großer Teil unserer Vorstandsmitglieder dem Gottesdienste über- Haupt nicht beigewohnt haben. Wir haben Abstand genommen, Namen anzuführen und hoffen aber, daß die angeführten maßgebenden Faktoren, um einem gänzlichen Verfalle des Indentums in Brünn vorzubeugen, im Sinne UNserer heutigen Ausführungen rechtzeitig cingreisen werdet:. * Löbliche Redaktion! Im Interesse der Sicherheit der an den hohen Feiertagen den neuen Tempel besuchenden Frauen, ersuche ich uin freundliche Aufnahme folgender Zeilen: Die Frauengalerie, die zwar sonst eine gähnende Leere aufweist, ist an den hohen Feiertagen derart überfüllt, daß bei der kleinsten Kleinigkeit eine eventuelle Panik zur größten Katastrophe führen kann. Die Gänge sind gleichfalls überfüllt, und sind die zwei schmalen Ausgänge, die zum Haupttore führen, keinesfalls geeignet, auch nur beim geringsten Andrange ein Verlasten des Bethauses in entsprechender Zeit zu ermöglichen. Es ist unbedingt notwendig, daß auf den beiden Galerieseiten, Notausgänge, die in die Ottgasse münden, hergestellt werden. Ich bin überzeugt davon, daß die verehrliche Leitung unserer Kultusgcmeinde, dieser gerechtfertigten Forderung entsprechen wird. Genehmigen Sie den Ausdruck der vorziiglichen Hochachtung I. N. Das Verkaufen von Blumen am Jom Kippur vor den beiden Spnagogen ist eine derartige Unsitte, daß es höchste Je.it ist, diesem Unfug zu steuern. Es ist zu erwarten, daß die ntaßgebenden Faktoren int nächsten Jahre entsprcchcnde Vorkehrungen treffen werden. Mitteilungen des Vereines Machsike Hadas, Adlergaste 12. Der Bevölkerung wird hiermit zur Kenntnis gebracht, daß die dreiklastiae, unentgeltliche Bibclschulc des Vereines am Dienstag den 8. Oktober eröffnet wird. Volks- Bürger- und Mittelschüler erhalten unentgeltlichen Uttterricht im Beten, Bibelüberschen und Naschi. — Anmeldungen sind an die Vereinsleitung, Adlergae 12. schriftlich, eventuell Sonntag den 20. Oktober von 10—12 Uhr. Montag den 30. Oktober von 5—6 Uhr mündlich einzubringen. Desgleichen werdeit Anmeldungen für den Mädchenunterricht cntgegengcnommen. Die Schüler erhalten die Lehrbücher unentgeltlich. Jeden Montag und Donnerstag, 8 Uhr abends, Talmudvortrag. Jeden Samstag vor Mincha Schiur Vortrag. Gäste willkommen. Bibliothek des Beth Hamidrasch. Die Bücher der Bibliothek stehen jedermann täglich von 4 Uhr nachmittags zur Verfügung. Bücherspendett werdeit mit Dank ctttgegengenommen. Peo-Brockensammlung. Die jüdische Bevölkerung wird auf diese Institution aufmerksaut gcntacht und ttttt Ueberlastung von Kleidern, Schuhen nsw. gebeten. Barmizwah-Untcrricht. Konfirntandeit erhalten unentgeltlichen Unterricht, desgleichen gratis Talles, Tcfillim und Gebetbuch. Maskir. Donnerstag den 3. Oktober, 0 Uhr vormittags, Haskarahfcier int Bethause des Vereines Machsike Hadas, Adlergaste 12. Delegrammablöstingsformulare sind zti bestehen durch: Rudolf Meisl, Krapfenqasse, Josef Bcrgntann. Neugaste, Kanditengcschäft Roßbach, Ncnnergaste. Eventuelle Spenden sind an Herrn Rudolf Meisl, Krapfcngastc, zu senden._ Krankheiten der Nerven, des Magens» Darmes etc. werden mit Erfolg in Dr. Ktitban* Sanatorium ln TISCHNOWITZ kuriert — Prospekte. Die schönste Schrift in nfirzesteT Zeit erreicht jedermann! K k. beb. aut, Schrei&schult Pr0fC$S0r Rudolf ROUbitSCbCR H. k.»ecid.$cl)rirte?cpcrte Prafl, lüenzeisplatz 47 ■g “»Ä

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