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Jüdische Volksstimme · 1912-09-19 · Heft 25 (19.9.1912) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 25 (19.9.1912)
Date
1912-09-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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/ . k«i; 2,__״jüdische Bolksstimme." 921.25 bath, so alt wie die Weltschöpfung, ist Wurzel und Mittelpunkt des Judentums, mit dessen Heilighaltung steht oder fällt das Judentum. Wenn nun der שבת שבתן bei der Heilighaltung des Sabbath uns findet, wenn wir nun diesen שבת heiligen, weil er gleichzeitig שבת שבתן, wenn an diesem שבת die Gottcshäuser gefüllt, in denen an allen anderen Sabbathe» uns eine geradezu schauererregende Leere entgegenstarrt, dann müssen die entweihten Sabbathe als unsere lautesten Ankläger vor Gottes Nichtcrthron gegen uns auftretcn. Und die entweihten Sabbathe sind die höchsten Würdcnträger, die in einer dunklen Ecke des Gottes- Hanfes stehen, in Trauer gehüllt, das Werk der Sühne erschweren, an dem Ernst unserer Reue zweifeln lassen. Und das ist ja auch im Geiste unserer Weisen aufgegangen, wenn sie am Tage der Versöhnung ein Wort des Gottesmannes Jesaja uns reichen, das die Weihe des Sabbath als das höchste Gut preiset, mit welchem Gott das Judentum beglückt. ״Wenn am Sabbath deine Tritte rasten, wenn Gewerbe ruhen an meinem heiligen Tage, du dann Sabbath Wonne nennst, Gottes Heiligung verehrst durch Rasten vom Weltgetümmel, die Seele von eitlem Wunsch, der Mund von leeren Reden schweigt, dann sinbest du Wonne beim Ewigen." Den Sabbath, so fügen unsere Weisen erläuternd hinzu, nenne Lcbenswonne, dann ist der Versöhnungstag der hochgeehrte, Gott geheiligte Tag. Denn soll der Ncrsönhungstag uns edler, besser machen, dann müssen die Sabbathe des Jahres geweiht und geheiligt werden. Raubet dem Judentum den Sabbath, was kann ihm dann Jaumkipurim sein? Ein Tag der Buße, der morgen schon beim Entweihen des Heiligsten uns findet. Das Leden weihen, unsere Arbeitstage heiligen, das stille, süße Glück der Sabbathfreude zu spenden, die Tränen zu trocknen, die Wunden zu heilen, das vermag der Sabbath allein. — Der Sabbathwcihe redet Jomkippur-schabbos das Wort, zuruscn will er uns: Wollt ihr rein werden, rein bleiben, dann nennet den Sabbath Wonne, dann raubet dem Judentum nicht den herrlichsten Schatz, die kostbarste Perle: ״Den Sabbath." Zum Verfall der mährischen Judengemeinden. Beim Durchblättern der letzten sechs Nummern der ״Jüdischen Volksstimine" fand ich Arlikcl von allen Seiten über den zunehmenden Verfall der mährischen Judengcmeinden vor. Ilcbcrcinstimmcnd wird hier die Ansicht vcrtreten, daß die mährischen Gemeinden stark dem Bestärkt durch den Umstand, daß. als der Brand die Bornheiincr Pforte erreicht, der Wind umschlug, und so die Christen verschont blieben, sah inan in ihm allgemein ein besonderes Strafgericht. Der Rabbiner erklärte: ״Wir Juden erkennen den Brand als eine uns aufcrlegte Strafe an." Der 24. Tebeth — der Brandtag — war fortan ein Buß- und Fasttag. Besondere Klagelieder und Bußgcbete geben den Gefühlen ergreifenden Ausdruck. Die Erinuerung an den großen Brandtag wurde weiter fcstgehalten durch Münzen. Der Maler Nothnagel hat das Unglück in einem Gemälde dargestellt, auf welchem der Rabbi und zwei Schüler von Büchern zur flammeudcn Sonne aufschauen. Dem Wiederaufbau der Judengasse stellten sich große Schwierigkeiten entgegen. Die Spannung zwischen Bürgern und Juden war so groß, daß die Drohung laut wurde, man werde die Juden in die Flammen werfen, wenn wieder Brand entstände. Da nahm sich Kaiser Josef der Zweite der bedrängten Juden an. Am 18. März 1711 wurde unter Trommclschlag ein Erlaß des Kaiser verkündigt. Nach diesem mußte der Rat für die Sicherheit der Juden Sorge tragen und den Wiederaufbau der Gasse fördern. Erst nach Ostern wrude vom Rate der Stadt endgültig die Erlaubnis zum Wiederaufbau der Gasse erteilt. Verfalle Hinneigen und ebenso zutreffend werden auch die Ursachen geschildert. Es wäre nun die höchste Zeit, Abhilfe zu schaffen. Es ist nun die Frage: Ist es noch möglich? Wenn ja, wie und auf welche Art ist die Durchführung am vorteilhaftesten. Ein einzelner wird Wohl äußerst wenig zustande bringen, wohl aber vermag eine Gesamtzeit viel zu leisten. So wäre nun als wichtigster Faktor in erster Linie die Journalistik heranzuziehen, die sich zur Aufgabe macht, jüdische Interessen zu vertreten, daß sie die Zustände der mährischen Judenschast näher in ihrem Wirkungskreise bringe, daß sie unosono gegen die Mißverhältnisse und Mißwirtschaft so lange hinarbeitet, bis endlich Ordnung geschaffen wird. Freilich müssen die Vorschläge oder die Art und Weise, wie hierbei vorzugehen ist, geeinigt werden, damit der Antrag der einen Zeitung nicht von der anderen wieder bekämpft wird, d. h. es darf die Angelegenheit nicht bloß als Stoff zum Ausfüllen eines Blattes benützt werden, sondern mit Ernst und Würde dem Ziele zur Verbesserung der traurigen Lage hingeao beitet werden. So nun ist der Journalistik gleichsam die Führerschaft gebührend eingeräumt und wie ich glaube, als wichtigster Faktor hiefür zu gewinnen, der Mühe wert. Ein zweiter höchst wichtiger Faktor wäre Wohl das Kuratorium des mährischen jüdischen Landesmassafondes. Alljährlich werden Tausende und Tausende zur Erhaltung der jüdischen Gemeinden von den Kuratorien verausgabt, immerhin ein genügender Anhaltspunkt, sich mit den Verhältnissen näher zu beschäftigen und nicht so ruhig mit ansehen, wie die Führer der Gemeinden durch Vernachlässigung der Obliegenheiten zum Verfalle hinarbeiten, einstens hat wohl das löbl. Kuratorium Stellung genommen, indem Inspektoren ausgestellt wurden. Der Zweck war jedoch insoweit verfehlt, als die Inspektion sich bloß auf eine Religionsprüfung beschränkte, die von den Rabbinern und Lehrern stark gehaßt wurde. Eine Annäherung in dem Bestreben zielbewutzt vorzugehen lag aber doch immerhin in der Errichtung der Institution selbst vor, ich würde denn doch wiederum der Einrichtung das Wort zusprechen, jedoch aber müßte der Wirkungskreis erweitert werden. Im vorliegenden Falle hätte sich die Inspektion bloß auf eine Art Beobachtung mit Nachfolgender Berichterstattung zu beschränken. Das Augenmerk wäre daraus zu richten ,ob das für den Religionsunterricht und für die mit demselben im Zusammenhänge stehenden gottesdienstlichen Verrichtungen verausgabte Geld auch erfolgreich verwendet wird und wie weit sich das Intcresse der Gcmeinderepräsentanz hierfür zeigt, nämlich für den Religionsunterricht und für den geordneten Gottesdienst, erst von dem günstigen Resultat sollte die weitere Subvention abhängig gemacht werden, Gemeinden, die von ihrer Repräsentanz sich dahin führen lassen, daß Kinder heute mit 11 Jahren aus der Volksschule nach fünfjährigem Unterricht austreten, ohne noch jüdisch beten zu können, ohne zu wißen, was zu jeder Zeit gebetet wird, daß sie nicht einmal die wichtigsten Gebräuche, Feste und Gebote kennen, Gemeinden, in denen der tägliche Gottesdicnst nicht abgehalten werden kann, weil sich nicht 10 Männer vorfindeu, verdienen nicht, erhalten zu bleiben und wären besser, je eher dem Verfalle prciszugeben, damit die Subvention anderen würdigeren Gemeinden zugewendet werde. Ist es den gar zu schwer für eine Gemeindevertretung, zehn Männer zusammenzubekommen? Doch wäre es die erste Pflicht, daß diese mit gutem Beispiele voranginge, es ist doch ein leichtes, drei Männer jeden Monat aus ihrer Mitte zu wählen, die die Verpflichtung übernehmen, jedesmal nach Tunlichkeit einzuspringen, so oft einer oder der andere beim Gottesdienst fehlen sollte. Wer sich in eine Kultusvertrctung wählen läßt, muß Kultusangclcgenheiten vor Augen haben, muß sich nach Tunlichkeit damit beschäftigen und wird gewiß seine Befriedigung in seinen zufriedenstellenden Leistungen, die durch die Inspektion auf dein Wege durch das Kuratorium den einzelnenGemeinben alljährlich betanntgegeben werden müßte, ferner müßten die Inspektoren vollkommen unabhängige unbefangene, achtunggebietende Männer sein, Männer, die sich mit Hingebung der schweren Aufgabe unterziehen und stets das Bestreben zeigen, Ordnung zu machen, sowie dort aufzuräumen, dort, wo kein anderes Interesse fürs Judentum obwaltet, als zu herrschen und zu seinem Vorteile auszunützen. Wenn auch die Einrichtung einer derartigen Institution mit Opfern verbunden, so darf es nicht schwer fallen. Besser noch etwas erhalten, mit Kraftaufwand, als ruhig zuzusehen, wie alles in Trüinmer verfällt. Vom flachen Lande rekrutiert sich das Judentum in der Großstadt, wenn nun ein Material von oben geschilderten Kaliber die Zukunft des Judentums sein sollte, dann ist der Untergang bereits heute besiegelt. Eine vom Kuratorium richtig eingeführte Inspektion dürfte ehemöglichst zur Besserung der Verhältnisse führen. Die Gemeinderepräsentanz wird bald selbst zu prüfen ansangen, wie sie ihre Obliegenheiten versieht, und wie sie ihrer Verpflichtungen nachzukommen hat, woprit auch die Inspektion ihr Ziel erreicht haben wird. Kultusvertretung, Rabbiner und Lehrer müßten gemeinsam und programmäßig hinzielen, daß die Jugend als Juden erzogen, daß die Eindrücke unauslöschlich eingeprägt bleiben. Wenn das gute Beispiel der ordentlichen Fürsorge der Kultusgemeindevertretung stets obwalten wird, dann werden auch die Funktionäre verhalten sein, ihre Obliegenheiten zur Zufriedenheit zu versehen, dann wird es zu Ende gehen mit denjenigen Kantoren, die nicht für ihren Tempelgesang Schule zu machen verstehen, dann wird man nicht mehr anhören, daß den Tempelgesängen immer ein neuer Walzer oder ein Opernstück eingefügt wird, dann wird das Wiederkäuen im Vortrage, einem würdigen Vortrage Platz machen müssen. Es ist schon zum Skandal, wenn man anhören muß, wie der Kantor jeden Tag, jeden Sabbath das Gebet an anderer Stelle anfängt und immeranders endet, wenn er mit der.Kappe und halbzerrisienem Rock vor den Umod hintritt, wiewohl ihm in jeder Gemeinde Kappe und Kutte zur Verfügung gestellt wird. Er muß sich nicht mehr als Schnorrer, sondern als Gemeindebeamte fühlen und dcingcmäß sein Amt versehen und auftreten. Er muß lernen, um wenigstens das zu bieten, was die Alten längst ohne Mühe geboten haben. So ist der Kantor in seiner Stellung auch als wichtiger Faktor in Betracht zu ziehen. Einen Hauptfaktor bilden die Herren Nabbincr und Religionslehrer, die kraft ihrer Stellung dazu berufen und auserkoren sind, die Gemeinden in religiöser Beziehung zu leiten und zu führen. Freilich fühlen sich die Herren, namentlich, weil sie ihren Gehalt aus der Gemeindekassa beziehen und durch das Zufließen der Sporteln von Privaten in gewissem Abhängigkeitsverhältnis und lassen lieber alle krummen Wege gerade gegen, als in Kollusion zu geraten und Weichen feige vor jedem zurück, der es nur versucht, sich entgegenzustellen. Nein, nicht so darf er sich zeigen, sobald er das Desinitivmn erlangt, kann ihn! auch niemand das Haar krümmen, er kann mit Offenheit und mit Ausdauer sein Tun und Laßen verfechten, er kann in religiöser Beziehung schalten und Walten und vermag Vieles und Gutes für eine Genieinde zu leisten, ich möchte gerne den sehen, der sich gegen solche Pflichterfüllung auflehnt, da gibt es schon Wege genug, um solche Jndividuen auf den richtigen Weg zu bringen, mit Energie und Ausdauer und kraft seiner Autorität vermag der 3iabbiner vieles in den Landgemeinden durchzuführen, er muß es nur auch verstehen, durch Vorträge, durch Jugendunterricht und Belehrung die Leute an sich zu ziehen, dann wird er auch die richtige Stütze zu jeder Zeit finden. Er muß streng darüber Wachen, daß die Kinder seiner Gemeinde nicht als Amrazim in die Welt hinausgchen, dann wird er rühmreich für die Gemeinde gewirkt haben und sich Mährisch-schlesische Tstophan Nr. 810, BnJtttm. verzinst EINLAGEN gegen MRM v und in lanfcMler Bariini■[ Mit FferdfoandagaMe Nr. Bank Brünn. Hr. ICH. WmtouMatm. gebundene Einlagen last Übereinkommen. BankgeschifteaBerAft, Bgmcn-u.Wechilrrgrftia■ 1

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