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Jüdische Volksstimme · 1912-09-11 · Heft 24 (11.9.1912) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 24 (11.9.1912)
Date
1912-09-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite S Nk2L ״Jüdische Volksstimme." das Recht und nichts als das Recht zu schützen, seine Stimme erheben würde, wenn das Recht gebeugt wird? Welche Schritte werden von der Staatsanwaltschaft eingeleitet, in einem Fälle, wo nicht ein einzelner geschädigt und in seinen Rechten verletzt wird; sondern alle Angehörigen einer voin Staate anerkannten Neligionsgenossenschast, also eine große Zahl von Staatsbürgern? Und was hat die Polizei unternommen, gegenüber Handlungen, die systematisch daraus abzielen, die breitesten Schichten des Volkes zur Feindseligkeit und zum Hasse gegen eine bestimmte •Mlaffc von Staatsbürgern aufzureizen? Nichts! Kein Advokat hat sich noch gefunden, der den Muth gehabt hätte, den ein Zola gezeigt, als er dem ganzen militärischen Klüngel Frankreichs sein ״J'accuse" entgegenschlcudert! — Kein Staatsanwalt ist bis nun aufgetreten, uin jene Missetäter zur Veranwortung zu ziehen, die den konfessionellen Frieden und das sriedliche Zusammenleben eines Volkes anzugreifen wagen, anzuklagen. Und auch von der Polizei ist bis nun nichts geschehen, jenen das Handwerk zu legen, die mit ihrer zersetzenden uni aufreizenden Tätigkeit die öffentliche Ruhe und Ordnung bedrohcn und erst in jüngster Zeit durch die Assichierung raffiniert konstruierter Nachrichten den Anlaß zu Ansammlungen geben, welche ein Kommunikationshindcrnis bilden. Das in Prag erscheinende Hetzblatt 20״. Vek", dessen Existenz den weitesten Kreisen wohl unbekannt wäre, wenn die ebenso unwahren wie perfiden, aus den schmutzigsten und blutrünstigslen russischen Hooliganblättern übersetzten Nachrichten nicht die niedigsten, tierischesten Instinktc der Massen ausreizcn würde, hat es sich zur Aufgabe gemacht, einen Antisemitismus in Prag künstlich zu erregen, von jener Art, wie er im dunkelsten Rußland heimisch ist. Wiederholt wurden zwar einzelne Nummern dieses Blattes konfisziert, aber das, was als ״nach der Konfiskation berichtigte Ausgabe" in die Oeffentlichkeit gelangt, ist so voll der lügenhaftesten, gemeinsten und — es fehlt das entsprechende deutsche Wort — perfiden Angriffen sowohl gegen die Juden als Religionsgemeinschast als auch gegen die jüdische Neligion, daß es tatsächlich wundernchmcn muß, daß das heimtückisch verstreute Gift des Rassen- Hasses im böhmischen Volke noch nicht tiefer Wurzel gefaßt hat. Wohl fordert unser Strafgesetz (8 122 b) den Nachweis, daß ״-der Religion öffentlich Verachtung bezeigt" werde, — (das Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich besagt: ..eine mit Korporationsrechten bestehende Religionsgesellschaft beschimpft.") und cs wäre schwer, den direkten Nachweis der ״Verachtungsbezeigung" bei den einzelnen Artiteln zu erbringen, es ist dies aber auch nicht notwendig. Zieht man die ganze Tendenz des Blattes in Betracht, die systematische Art und Weise, alles Böse und Schlechte, das vielleicht von einzelnen Juden verübt wird, einerseits der Gesamtheit der Juden zuzuschicbcn und anderseits als einen Ausfluß der jüdischen Glaubensiehren darzustellcn; erwägt man weiter das Milieu, in welches das Hetzblatt kommt und wie eine solche systematische Verhetzung auf wcniger gebildete und leichter empfängliche Volksmaßen wirken muß, dann muß wohl jedermann, ob Jurist oder Laie, die Uebcrzeugung gewinneu, daß es sich hier tatsächlich um ein: ״. . .der Religion Verachtung bezeigen . . . handelt. * * * Da cs dem biederen 20״. Vek" trotz aller krampfhaften Anstrengungen, — aus welcher Quelle die Mittel zur Erhaltung des Blattes fließen, ist sehr mysteriös, und wird in Prag viel von russischen Rubeln gesprochen, — nicht gelungen ist, größere Beachtung und Verbrcitung zu finden, so benützte das Blatt die Gelegcnheit, daß in Kuttenberg ein Prozeß gegen einen Advokaten jüdischen Glaubens verhandelt wird, um eine große Ankündigungstafel an dem frequentesten Platze Prags, Ecke des Grabens und des Wenzelsplatzcs, am Bretterzäune des Neubaues der ״Ersten böhmischen allgemeinen Lebensversichcrungsaktiengesellschaft" anzubringen, auf der die heftigsten und gemeinsten Ausfälle gegen die Juden besonders hervorgchobcn werden. Es ist verwunderlich, daß die ״Erste allgemeine Lebensversicherungsaktiengesellschaft" als Bauherrin sich eine derartige Verschandelung gefallen läßt, dies um so mehr, als doch im Nerwaltungsratc dieser Gesellschaft Männer von solch ausgesprochen liberaler Gesinnung sich bcfinden, wie: Dr. F. Tonder, Exz. Dr. Fr. Fiedler, v. Kahler, Abg. Maschtalkä u. a. m., deren Intentionen doch ein derartiger Vorgang gewiß nicht entspricht. Nicht unerwähnt kann cs bleiben, daß sogar die Ankündigung der Aushängctafel infolge des aggressiven und beschimpfenden Tones der Konfiskation verfiel. Cherchez la femme (Suchet daS Weib.) Es ist nur selbstverständlich, daß derjenige der liest, über das Gelesene nachdenkt und zu einem Resnltat gelangt. Niemand kann aber das Resultat seines Nachdenkens als völlig maßgebend ansehen. Dies würde Despotismus und einen Hemmschuh für das Weiterdenken bedeuten. Da jedoch der in der Nummer 32 der ״Jüdischeu Volksstimme" veröffentlichte Artikel ״Beitrag zum Niedergange des Judengemeinden in Mähren" mehrere Erwiderungen nach sich zog, die noch Erweiterungen und Ergänzungen gestatten, möchte ich es versuchen, dieses in nachfolgendem zu tun; natürlich — vom Standpunkte meiner, wie bereits erwähnt unmaßgebenden Anschauung aus. Ben Soma stellt die unwiderlegliche Be- Häuptling auf, daß zur ganzen Lebenszeit auch die Nächte mitgezählt werden müssen. Aber eine ebenso unwiderlegliche Tatsache ist es, daß das Weib auch ein Faktor ist, mit dem ein jedes Volk rechtncte und rechnet. Dieser Umstand darf demgemäß auch bei den Juden nicht außer Acht gelassen werden. Um das Judentum nach außen hin würdig zu vertreten, muß das Heil von innen kommen; sonst gleicht die Erhaltung der äußeren Form — gemaltem Faulholz. Und dazu ist das Weib der berufenste Faktor. Das Weib als Hausfrau, Mutter und Erzieherin. Ein schön geleiteter Gottesdienst hat gewiß viel Erhebendes für und an sich; aber die Zugehörigkeit zum Judentum macht er nicht aus. Es gab und gibt noch heute viele Menschen, namentlich die außerhalb der Judengcmeinden wohnen, die von Lithurgie kaum eine blasse Vorstellung haben, speziell Frauen sind in dieser Hinsicht verkürzt. Man muß von Verkürzung sprechen, denn-sie können sich nicht an der die Lithurgie umgebenden Poesie berauschen. Jndeß verflüchtigt sich auch diese im Kampfe ums liebe Brot, ja, das Bcdürfnis nach Gesang und Orgelton verschwindet, wenn der Kopf vor Sorgen schwirrt. Aber ein viel einfacheres, für jeden leicht zu handhabendes Bindemittel ist da, das auch beiden Geschlechtern als solches bekannt ist. Das Kaschrus ist cs. Diescs Mittel zum Erreichen des Zweckes würde unfehlbar dazu beitragen, die jüdische Gemeinschaft zu erhalten, und böte die wichtigste Basis zu all dem, wonach die Artikel 32—35 rufen, vielmehr worüber sie Kritik üben. Und dieses Mittel ist der jüdischen Hausfrau in die Hayd. gegeben. Keine Entschuldigung ist stichhältig, aus welchen Gründen immer sie vorgebracht wird. Es ist des jum,cyen Weibes von heute unwürdig, wie es die vorgeschriebenen Gesetze handhabt. Oder sollte das gebildete Weib das Verletzende in dem Nichteinhalten des Kaschrus nicht empfinden? Dies ist nicht leicht denkbar. Menschen, die die Krone der Wissenschaft ziert, bewundern an alten Ausgrabungen den Geist, der sie einst schuf; und das jüdische Weib gräbt spottend das Alte und Ehrwürdige ein? Dabei spricht noch der Umstand mit, daß man mit dem Kaschrus sowohl die Schönheit als auch die Gesundheit mit cingräbt. Ist ein Weib nicht mit einer Priesterin der Häuslichkeit zu vergleichen, unter deren Händen die simpeln Geschirre zu Weihgefäßen werden, wenn des Weibes Dunstkreis das Judentum׳ ist? Und welche Früchte zeitigt nicht die damit verbundene Gesundheit? Schönheit ist Kraft, und Kraft ist Macht, und Macht bringt Bewunderung, ja Unterwerfung mit sich. Und dieses Mittel hat das jüdische Weib in seiner Hand. Kein Mann ist so grausam, auf der völligen Auflösung einer Bedingung zu bestehen, die seine persönlichen Interessen nicht tangiert. Zu seinem Lob sei gesagt, daß er sich fast immer in den Nahmen seiner Häuslichkeit fügt. Daß der Rahmen nicht zu eng zu drückend sei, obliegt der Intelligenz der Hausfrau. Kaschrus, Heiligung des Sabbath rc. kann nur das Weib in seiner Häuslichkeit durchführen. Ein Mann geht nie weiter, als ihm gestattet wird. Und tut es dennoch einer, so gehört er gewiß in einem der bekannten vier Gemütsarten; nämlich unter: die Ruchlosen. Das Ruchlose am Menschen äußert sich aber auch bei anderen Dingen und erweckt gewiß kein Vertrauen. So gesunken ist das Judentum noch nicht, daß es Ruchlose zu seinen Repräsentanten wählt, aber die Vernachlässigung in der jüdischen Erziehung bringt solche Schädlinge hervor. Es dient keiner jüdischen Mutter zur Ehre, wenn sie ihre Kinder in christlichen Pensionaten untcrbringt. Die christlichste Erziehung ist nicht imstande, durch Jahrtausende Ererbtes, Typisches auszumerzen. Und. eine Wohltat belveist sie ihrem Kinde auch nicht. Der Charakter des Kindes wird verbildet, zu einem Zwitterding ist er. geworden. Einem Zwitterding kann man niemals voll vertrauen, und ohne volles Vertrauen ist kein irdisches Glück denkbar. Und um das Glück dreht sich doch alles- und selbst die in religiösen Dingen skrupelloseste Mutter betet um das Glück ihres Kindes. Und sie selbst ist es, die ihm den Boden hierzu entzieht. Wo soll es seine Wurzeln einlassen? Vielleicht in dem ihm fremden Boden? Da muß cs notwendig verkümmern. Denn fremd ist und bleibt es immer im Kreise eines Volkes mit dem es gar nichts gemein hat. Der Feuergeist Julius Cäsar .sagte: ״Lieber in meinem Dorf der Erste, als in Rom der Zweite." Warum strebt die jüdische Mutter danach, ihr Kind dahin zu erziehen, immer als gelitten betrachtet zu werden, wo es doch mit so einfachen Mittel zum ersten, richtunggebenden werden könnte. Die Freiheit birgt das höchste Glück. Und für die Freiheit muß man erzogen werden. Die verlangt nach Kraft. Und wieder eröffnet sich dem jüdischen Weib eiir weites Feld. Das der Erzieherin. O, es muß keine diplomierte Erzieherin sein, nein, sie erziehe durch das Beispiel. Das Beispiel hat sich noch immer als der beste Lehrer erwiesen. Unsere Herren Rabbiner von der Kanzel aus, und die Herren Neligionslehrer von der Schule aus liefern bloß die Theorie. Aber die größten Dinge verdanken ihr Dasein dem Experiment. Man vereine nur die Schule und Haus, und man wird es erleben, daß wir wieder eine Judengemeindenrepräsentanz erzielen werden, auf die man stolz wird sein können. Der Einfluß des Weibes wird das Judentum erhalten — oder niederreißen. Tischnowitz, im Elul 5672. Jeanette Bauer. ä ם li ם foX°T°l a|d|a|ja|ajJ0|Dg080|a|al[ctj I Sternhofi bestes aller Bitterwässer. |0|ם|ם|0|ם|ם|ם|0|ם|ם|ם|0|ם|0|ם|ם|ס| Mährisch-schlesische Bank Brünn. Tritpfcm Nr. 380, Dlrdttt—. . HerdhuuidsgMSe Nr. 29 Kr. lOtj, Wietototob«, - verzinst EINLAGEN gegen Z 1j üj «*mm gebundene Einlagen laüt-OberehyEeaaea^BMk- HfiKfceivund ’«« lautaMier Rtdmung *r 12 |0 gcschäitenBcr Art. 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