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Jüdische Volksstimme · 1912-09-05 · Heft 23 (5.9.1912) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 23 (5.9.1912)
Date
1912-09-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 23 Seite 3. es sich dieser Mann zur Aufgabe gestellt, die so arg dernachlässigten Gemeindeinstitutionen nach Kräften zu fördern. Als erstes ging er daran, sich auf das Kaschrus umzusehen, durch Mischnah usw. Vorträge den Besuch des Gotteshauses zu fördern, ferner an Sabbathen vor dem Minchagebet, den zu Muffaph verlesenen Thoraabschnitt mit Kommentar zu erklären, Jugendgottesdienst einzuführen, Vorträge religiösen und weltlichen Inhalts zu halten für Erwachsene beiderlei Geschlechtes usw. Als Hauptaufgabe seines Berufes stellte er sich aber, der Jugend ein religiöses Wiffen beizubringen, sie zum fleißigen Besuche des Tempels anzuspornen, und so in den jugendlichen Herzen den Gottesglauben und ihre Zugehörigkeit zum Judentum einzuimpfen. Nun höre man aber, wie einzelne Mitglieder unserer :Repräsentanz diese Neuerungen ausgenommen haben. Ein angesehenes Mitglied der Kultusvcrtretung bezeichnete das Kaschrus überhaupt als Rückschritt; ein 2. Mitglied. bezeichnctc diese Mischnah-Perck-Vorträge als ganz reaktionär; ein drittes, als er zufällig Jahrzeit hatte und gesehen hatte, daß an Werktagen während Mincha und Maariw eine hübsche Anzahl von Gläubigcn versammelt war, um seine Vorträge anzuhüren, rief voller Bestürzung: ״Man macht ja polnische Juden ans unscrne Gemeindcmitglicdern!" Ja, was dem Ganzen die Krone aufsetzte, war der Beschluß der Tempe!Verwaltung: Aus ..Sparsamkeitsrücksichten" dem infelge der Vorträge Mchrgcbrauch der Kerzen an langen Abenden Einhalt zu gebieten. Es ließe sich noch vieles anführen, aber aus diesen einigen Beispielen mögen die P. T. Leser ersehen, mit welch antijüdischen Gesinnungen man es in den meisten mährischen Gemeinden bei unserer Kultusrepräsentanz zu tun hat. Soll dem Verfalle der mährischen Judengemeinden Einhalt geboten werden, so wäre es Pflicht aller fortschrittlichcn und konservativen Elemente, sich zusammcnzufinden, jeden Streit zwischen ihnen, wo cs sich doch nur um äußere Gcbctformeln handelt, zu vermeiden, und den Kampf mit den judenschädlichen Elementen aufzunehmcn. Als Repräsentanten müßten sie sich derpflichten, dem Gottesdienst, wenn es ihnen nur mög-!ich ist, bcizuwohnen, durch Anstellung eines stimmbegabtcn, gutgcschultcn Kantors den Gottesdienst zu heben und feierlicher zu gestalten, den Kantor zu verpflichten, daß er zu jeder Zeit in würdiger Weise seine ihm übertragenen Dienstobliegenheiten erfüllt, den Rabbiner in allen seinen religiösen Bestrebungen tatkräftigst zu unterstützen, vielmehr anzueifern; insbcsondere muß unser Hauptaugenmerk auf die Jugend gerichtet, dem hebräischen und Religionsunterrichte mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, durch Ab- Haltung von Jugendgottesdicnstcn und religiösen Vorträgen bei unserer Jugend die Liebe zu unserem Glauben cinzuschärfen; nur so können unsere, dem sicheren Verfall nahen Gemeinden wieder gehoben und gerettet lvcrden. , Jwri. Eine neuartigejüdisch-akademische Verbindung in Oesterreich. Ein kleine Anzahl gesetzestreuer jüdischer Akademiker haben den Entschluß gefaßt, nach dem Muster der in Deutschland bestehenden ״Vereinigungen Jüdischer Akademiker" vorerst an der Wiener Universität, mit der Zeit aber auch in anderen Universitätsstädten Oesterreichs und Ungarns, ähnliche Verbände ins Leben zu rufen. Das vorbereitende Komitee wird sich demnächst in einem Aufrufe, in welchem Ziel und Bedeutung des zu gründenden Verbandes gewürdigt sein sollen, an die jüdischen Abiturienten wenden. Ebenso sollen einzelne Persönlichleiten, wie Rabbiner usw. ersucht werden, dem Verbände mit Rat und Tat beizustehen, namentlich aber ihren Einfluß bei den Herren geltend zu machen, die auf Grund ihrer Lebensanschaunng die neue Gründung als die jüdische akademische Verbindung schlechthin ansehen müssen. Kollegen, die bereit wären, für die neue Vertundüng Propaganda zu machen oder sonstige Mitarbeit zu leisten, mögen sich wenden an Jur. Mar Jung. Ung.-Brod, Mähren. Esperanto und Antisemitismus. Wie Antisemitismus auf Esperanto heißt, wissen wir niwt. Vielleicht ist diese Sprache noch so glücklich, kein Wort für diese geistige Modekrankheit zu besitzen. Aber — der Begriff des Antisemitismus ist leider auch in den Kreisen der Esperanto-Borkämpfer vorhanden. 'Auf dem letzten Kongreß hat es sich gezeigt, daß auch hier allmählich der antisemitische Geist Eingang findet und, wie überall, Unheil stiftet. Jüdische Kreise beklagen sich, daß man ihnen nicht als besondere jüdische Gruppe einen Vortrag einräumte. Nun ist diese Art, sich überall vorzudrängen und die jüdische Zugehürigheit zu betonen, wo sie nicht nötig ist, gänzlich verfehlt. Wir nchmen es also nicht sehr tragisch, daß diese Forderung abgelehnt worden ist. Man soll sich seines Judentums nicht schämen, man soll es aber auch nicht zum Gegenstand des Konfliktes machen. Ganz anders aber ist es, wenn man die jüdischen Elemente mit voller Avsicht verdrängt, weil man sich einrcdet, der Sache dadurch gute Dienste zu leisten. Es ist ja bekannt, daß der jüdische Arzt Dr. Zamenhos aus Warschau der eigentliche Gründer und wigenjchaftliche Förderer des Esperanto ist. Er hat sein ganzes Leben dieser Sache gewidmet. Das wurde auch von allen Seiten anerkannt und man feiert diesen Gelehrten in allen Tönen. Man wollte cs aber nicht ivabr haben, daß dieser Gelehrte ein Jude ist. Mit dem Momente, wo es bekannt lourde, daß Tr. Zamenhos Jude ist, war seine Stelle erschüttert. Auf dem letzten Kongreß mußten wir cs erleben, daß dieser Mann ivegen seines jüdischen Glaubens vom Platze weichen mußte. Tr Zamenhos erklärt in einer langen Rede, daß er sich von der Leitung der Bewegung im Interesse der Sache zurückziehe. Das klang sehr geheimnisvoll. Deutlimer aber wurde der Präsident des Krakauer Kongresses, Tr. Mikolajski. Er erklärte in einer Lembergec Zeitung, oaß Dr. Zamenhos von der Leitung zurücktrete, weil er der Meinung sei, daß es für die Esperonto-Bewegung hinderlich sei, wenn ein Jude an der Spitze der Bewegung stehe. Wie sehr dieses Opfer des Begründers des Esperanto menschlich geschätzt werden mag, so wird man doch das Gefühl nicht los, daß diese: Entschluß nur durch einen Druck von außen erzielt lvcrden ist. Man ersieht also auch hier, daß der Jude wohl gut genug ist. die Bahn zum Ziel zu ebnen, daß inan ihm aber keine große Rolle nach außen gönnt. Das Esperanto ist wohl eine neue Sprache, aber cs scheint, als wenn es doch noch sehr fern vom Ziele einer wirklich modernen geistigen Bewegung ist. «01-kU liia* WIEN: vorm. Hotel Romania Neu eröffnet! Wien II., Kleine Sperlgasse Nr. 5 5 Minuten vom Stadtzentrum, in unmittelbarer Näh• des Nord- und N'ordwi stbahnhofes. t׳RACHTNEUBAU! 100 ZIV MER Elegantes Familienhotel. Zentralheizung. Kaltu. Warmwasser in jedem Zimmer. 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Es darf nicht vergessen werden, daß in Rußland über- Haupt höchstens zwei bis drei jüdische Abgeordnete zit erzielen sind. Diese Abgeordneten müßten sich aber als die wirklichen Vertreter der Judenheit und des Judentums legitimieren können. Nirgends vielleicht tut es so sehr not, daß ein Jude die Interessen seiner Gesamtheit öffentlich vertritt, wie in Rußland. Es wäre daher sehr bedauerlich, wenn hier keine Einigkeit zwischen den Parteien erzielt würde. Den Vorteil davon hätten dann nur die Gegner. Denn selbst die liberale Partei sehnt sich nicht sehr nach jüdischen Vertretern. Tie Judcnheit in Rußland ist politisch ganz auf sich selbst angewiesen, und sie kann nur etwas erreichen, wenn sie klug und geschlossen vorgeht. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNGS-GESELL• SCHAFT, WIEN, L ASPERNPLATZ 1 Im eigenen Pakte. — Versichertes Kapital clrka 380 MlUoaea. 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Schön versendet anläßlich der heran- ״ahendc» hohen Feiertage an alle Geschäftsfreunde solgendcs Zirkulär: ..Hoher Feiertage wegen ist mein Bitreau geschlossen: am Donnerstag den 12., Freitag den 1:1״ 2a»,Stag den 1-1״ Samstag den 21., Donnerstag den ->״׳ Freitag de» 27״ Samstag den 28. September, Donnerstag den Freitag den ■I. und Samötag den 5. Cfiober." Ein Vorgehe», das namentlich in unserer muterialistischen Zeit nicht genug gewürdigt werden kann und Zeugnis ablegt von altjüdischem Opfermut. Ung.-Ostra. Am 15. v. M. konnte sich die Judenschaff unserer ehrwürdigen Gemeinde einer erhebenden Feier erfreuen. An diesem Tage fand nämlich die feierliche Uebergabe der von Herrn Samuel Sonnenfeld anläßlich seines 70. Geburtstages gespendeten Thorarolle statt. Diese, in Jerusalem geschrieben, stellt ein Musterwerk palestinänsischer Heimarbeit dar und gibt uns ein klassisches Beispiel für die Entwicklung des Kunjtgeiverbes auf palestinänsischem Boden. Die aus Zedernholz gearbeiteten Hälter sind reich mit Einlegearbeiten versehen und zeigen in der Ornamentik die heiligen Stätten unserer alten Heimat. Die Feier begann mit einer Festsitzung des Gemeindeausschusses, in welcher dem Spender der Dank der Gemeinde ausgesprochen wurde. Nach der Festsitzung begab sich der GemeindeanSschuß unter Führung des Herrn Vorstehers und Bürgermeistcrs 2. Adler zum Hause des Spenders, >vo sich bereits die gesamte Gemeinde und viele ausivärtige Gäste versammelt hatten und wo die Schuljugend unter Leitung des Herrn Schulleiters Leopold Süß Spalier bildete, um die Thorarolle in festlichem Zuge einzuholen. Es tvar ein erhebender Anblick, als der Fcstzug sich in Bewegung setzte und die alten Häuser unserer Judcnstadt mögen vom Wiederaufleben echten jüdische» Lebens sich zugeraunt haben, als in feierlichem Zuge unter dem Baldachin die neue Rolle zum Tempel getragen wurde und aus dem Wege dahin hebräische Weisen des Tempelchores der freudigen Bewegung alter - Beteiligten Ausdruck gaben. | Im Tempel, der zu diesem Anlässe mit tropischen! Pflanzen reich geschmückt war, übergab der Spender ■ mit bewegten Worte» die neue Thorarolle samt kostj barer Ausschmückung in Verwahrung der Gemeinde, woraus der Herr Kult::׳!, rsteher Herr I. Diamant de» Dank der Gen!r׳:!dr aussprach. Nunmehr >.rgriis der zu diesem Anlasse besonders berufene Festprediger Herr Rabbiner Dr. S. Friedmann aus Troppau das Wort zur Festrede, in der er von dem Satze: .,Ki miziaun teze tauro" ausgehend, die seltene Stunde würdigte. Diese Rede, ein Meisterwerk der Konzeption, hinterließ bei allen Anwesenden einen tiefen Eindruck» da ,»t Herzen kommend, zum Herzen gesprochen wo Mit dieser :lied Hte die Feier ihren Höhepunkt Spezial-Geschäft in Strumpfu. Wirkwaren. Alleinverkauf von gestrickten Anzügen. Strümpfe, Socken, Handschuhe, Sportartikel 88 Berthold Hertmann Brünn, Herrengasse Nr. 8 10.

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