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Jüdische Volksstimme · 1912-09-05 · Heft 23 (5.9.1912) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 23 (5.9.1912)
Date
1912-09-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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SeiteL. Jwische VoWstimme Nt. 23 daß die verschiedenen palästinensischen Gesellschäften finanziell sehr gut stünden und wichtige Stützpunkte für das zionistische Kolonisationswerk bildeten. Auch das Mitglied des Engeren Aktionskomitees Dr. Schemarja Lewin, Berlin, wandte sich in sehr scharfer und wirkungsvoller Weise gegen den Geist, von dem die Kritik der palästinensischen Arbeiten getragen sei. Der Bezalel sei kein rein geschäftliches Unternehmen. Wenn ein Mann wie Nathan Strauß aus Amerika, der erst unter den Eindrücken seiner Paläslinareisc Zionist geworden sei, für den Bezalel 50.000 Franken gespendet hat, so wolle er damit keine geschäftlichen Erfolge erzielen, sondern nur mit dazu helfen, daß in Jerusalem 500 jüdische Familicm-sich redlich von ihrer Hände Arbeit nähren, wie dies schon jetzt der Fall sei. Kolonisatorische Fragen wie die, mit denen es die zionistische Organisation zu tun habe, können nicht von heute auf morgen gelöst werden, sondern erfordern viele Versuche und vor allen' Dingen Mut und Entschlosienheit, an die notwendigen Arbeiten hcranzugehen, selbst auf die Gefahr hin, bei einzelnen Aktionen geschäftliche Verluste zu erleiden. Solche unvermeidliche Verluste müßten überwunden werden. Äaplausky-Äaplan, Wien, der Führer der zionistischen Arbeiterpartei Poale - Zion, erörtcrtc in einem gründlichen Referate eine Reihe kolonisatorischer Poblemc, auf die er bei seinem jüngsten dreimonatigen Aufenthalt in den jüdischeu Kolonien Palästinas gestoßen ist. Er fordort für die Jerusalemer Kunstgewerbeschule Bczalel, die sich zu einem großen Fabriksbetrieb ausgewachsen habe, die Einführung einer Arbeitsordnung, sowie die Errichtung von Filialen in Sased und Liberias, damit auch die dortige arme jüdische Bevölkerung in produktive Berufe übergeführt werde. An der Palestine Land Development Company sei nicht der Umstand zu kritisieren, daß die Verluste erlitten hat, sondern daß ihr für ihre großen kolonisatorischen Aufgaben nicht das erforderliche Kapital zur Verfügung gestellt worden sei. Der Redner besprach sodann noch verschiedene Fragen des Arbeitcrschutzcs und erörterte eingehend die nächstcnc Pläne der Nationalfonds-Vcrwaltung, welche große Aufwendungen für Häuserbau und Agrarkredit vorsehen. Die Sitzung wurde um 8 Uhr abends geschloffen. Am Sonntag nachmittag fand ferner eine Sitzung des Großen Aktionskomitees statt, in der laufende Angelegenheiten besprochen wurden. Am Montag den 2. September wurde die Generaldebatte fortgesetzt, worauf Dr. Artur Hantkc, Berlin, über Organisation, Propaganda, Ich tröstete sie, so gut ich konnte. Doch die Tränen kamen mir in die Augen. — Weine nicht, sprach sie. Wir alle muffen sterben, und in Angesichts des großen Sterbens, das wir im Meere sahen, wäre mein Tod nur gering. . . . Wir schwiegen beide. Nach einer Weile begann sic wieder mit leiser Stimme: Ich will als Jüdin sterben . . . versprich es mir . . . Unter Juden will ich ruhen . . . Damit dereinst meine Eltern auch auf mein Grab kommen. Ein Weinen würgte mich in der Kehle. Ich konnte nicht reden. Jedes ihrer Worte schnitt mich, wie ein Messer, tief ins Herz . . . Am nächsten Tage war Ella gestorben. . . Ich hielt mein Versprechen. Ich ließ sie als Jüdin zur ewigen Ruhe bringen. . . Es war ein sonniger Frühlingstag, da man sie holen kam. Ich folgte allein ihrer Bahre. Und ich fühlte mich so unglücklich, so verlaffen. Ich konnte auch an nichts denken. Mein Hirn war blind und taub . . . Nun stand ich an ihrem Grabe und hörte Gebete murmeln . . . Ich verlor die Besinnung und fiel hin vor das offene Grab. . . .... Das war vor fünf Tagen. Nun sitze ich da, einsam und allein, und schreibe an dich. hung pflichteifriger und vortrefflicher Kanzclredncr, hat Finanzen und Budget berichtete. Für Dienstag sind Referate über die kulturelle Tätigkeit in Palästina sowie über den Jüdischen Nationalfonds vorgesehen, ferner Aufsichtsratssitzung und Generalversammlung der Jüdischen Äolonialbank. Die Mittwoch-Sitzung wird hauptsächlich der Besprechung der zionistischen Jugendpropaganda gewidmet sein- In der diesmaligen Sitzung des zionistischen Zentralkomitees wird auch Zeit und Ort des nächsten (11.) Zionistenkongresses bestimmt werden. Im Anschluß an die Sitzungen findet Dienstag den 3. September eine Beratung des Zentralkomitees sowie des deutschen Landeskomitees der Organisation für hebräische Sprache und Kultur statt. Znaimer Brief. Am 31. August fand in Znaim ein von ״jüdischen Hochschülern" veranstalteter musikalischer Albend mit Tanz statt, der die Gründung einer jüdischnationalen Studentcnorganisation einleiten sollte. Der Unterhaltungsabend zeitigte dank der Mitwirkung der besten jüdischen Gescllschaft Znaims, der Konservatoristin Fräulein Spitz und anderer hervorragender Kunstkräfte einen recht guten Erfolg. Es wurde fleißig getanzt und auch der Nationalfond bekam seinen Teil, außer der Ikationalspcnde und dem Umstande, daß die Besucher und mitwirkenden Äunstkräfte des Festes nur Juden waren, zeigte das Fest kein jüdisches Gepräge. Auch mit der Gründung einer jüdischnationalen Studentenorganisation blieb es beim ehrlichen Wollen. Man wollte bloß gründen und wußte nicht was, ob Verein oder Verbindung, man war sich überhaupt nicht einmal über die notwendigste Grundlage im Klaren. Den Vertretern der verschiedenen jüdischnationalen Verbindungen enthüllte sich ein Stück nacktes Elend, denn so schlecht, wie es in Znaim um die zionistische Bewegung bestellt ist, dürfte es in keiner Stadt Oesterreichs, wo eine größere Judengemeinde ist, sein. Trotzdem gerade ein maßgebender Faktor großes Interesse und eifriges Bemühen für die Sache zeigt, haben die Znaimer Juden, denen der Teufel und sein Anhang die Hölle genug heiß macht, kein Interesse für die jüdischnationale Sache. ״In alten Urzeiten" soll auch einst in Znaim der Zionismus geblüht haben׳, doch wie man in Znaim versichert, soll durch radikales Auftreten das Ganze verdorben worden sein. Jedenfalls besteht nun in Znaim nicht das geringste, das das Jntereffe der Znaimer Juden für die jüdischnationale Sache zeigt. Still Ich habe sonst niemand auf der weiten Welt. Ich empfinde jetzt blos einen Wunsch: nicht denken und vergeffen können . . . Mir ist so bitterweh. Und immer wieder frage ich mich: War es ein Traum, oder war es Wahrheit? Und ich finde keine Antwort. Ist das ganze Leben nicht ein Traum, aus dem wir sterbend erwachen? . . . Wann ich heimkomme, weiß ich nicht. Ich kann nicht Ella hier allein lassen, in der Fremde. Ich bin jeden Tag bei ihr. Auf ihrem frischen Grabe blühen Astern und Nelken. Ich verweile dort stundenlang. Und wenn ich heinikomme, denke ich wieder an sie. Ich betrachte ihr Bild und kann es nicht faffen, daß dieses herrliche junge Leben nun zu Ende ist . . . Ich wollte, du wärest jetzt bei mir, damit ich mein Haupt in deinen Schoß lege und mich ausweine . . . wie einstens, als Kind. Doch ich kann nicht mehr weinen. Meine Augen sind trocken, wie die Wüste . . . Lebe Wohl, Mutter! Und ich bitte dich, geh in den dortigen Tempel am nächsten Freitagabend, und laffe Lichter zünden ... Ich bitte dich, tu es, wenn du auch eine Christin bist. Sic wollte als Jüdin sterben, und wir wollen sie als Jüdin betrauern. Lebe wohl, Mutter! Dein Artur. ergeben in ihr Schicksal streifen die Znaimer Juden die Provokationen des ״Mahnruf" und der Teufelgarde ein. Die wenigen Leute aber, die jüdischnational sind, trauen sich agitatorisch überhaupt nicht heraus. Die Jugend hat wenigstens den guten Willen; doch alle schreckt als Popanz das einstige, allzuradikale Auftreten" und nur so kann es passieren, daß unserer Bewegung Kräfte verloren gehen, die imstande wären, recht Ersprießliches zu leisten. In Znaim gilt es nun, die Juden mit dem Zionismus, wenn auch nicht verschämt stammelnd mit der Miene eines ״Trau mich nicht", so doch ruhig und gemessen durch Vorträge und Broschüren, vertraut zu machen. Die jüdischen Bürger, wenn auch nicht alle, so dennoch ein Teil, müssen gewonnen werden, damit eine im nächsten Jahre zu gründende Studentenorganisation einen Rückhalt hat. Die Znaimer Juden müffen von ihrer Schlafkrankheit, die dank der Znaimer Verhältnisse, letal enden könnte, geheilt werden. Diesen Heilungsprozeß müffen aber alle Gesinnungsgenossen der nahen Orte, die über eine stramme Organisation verfügen, und die zionistischen Behörden befördern helfen. 5b. L. Zum Verfalle der mährischen Judengemeinden. Sehr geehrter Herr Redakteur! Ich ersuche in der nächsten Nummer Ihres geschätzten Blattes unter dem Titel .,Der Verfall der mährischen Judengcmeinden folgendes aufzunehmcn: Da Sic, sehr geehrter Herr Redakteur, nun schon einmal die Spalten Ihres Blattes über das Thema, toelchcs den Verfall der mährischen Judengcmeinden behandelt, geöffnet haben, so sei cs auch mir gestattet, als Mitglied einer einst sehr angesehenen und frommen, jetzt aber kleineren Judcngemeinde, der die Verhältnisse nicht nur hier, sondern auch in anderen mährischen Gemeinden kennt, über dieses Thema meine Ansicht hier zum Ausdruck zu bringen. Vor allem muh cs als eine betrübende Erscheinung angesehen toerden, daß gerade in jüdischen Angelegenheiten unter den Mitgliedern die größte Lauheit und Gleichgültigkeit herrscht. Wenn es speziell zu Kultusvertretungswahlcn kommt, so ist es zumeist ein Zirkel beffersituiertcr Männer, welche die Wahlen leiten, und infolge ihres Einflusses in gesellschaftlicher und pekuniärer Beziehung auch in den meisten Fällen die von ihnen borgeschlagenen Kandidaten wenigstens in den kleineren Gemeinden getvählt werden. Die so gewählten Kultusvertreter mögen persönlich sehr achtbare Männer sein, aber in religiösen Sachen sind sie zumeist indifferent und manche bekenncn sich ganz offen zu Gegnern der Gottesidee, das Gotteshaus besuchen sie nicht, oder äußerst selten, glauben, wenn sic in Budgetfragen ihr Votum abgegeben haben, ihre Pflicht voll und ganz erfüllt zu haben. Alles andere ist ihnen Hekuba. Ein anderer großer Teil der Gemcindemitglieder sagt aber, gehen unsere Vertreter als diejenigen, die doch berufen wären, und kraft ihres Ehrenamtes mit gutem Beispiel vorangehen sollten, die Institutionen der Kultusgemeinde zu heben und zu fördern, nicht in den Tempel, so gehen wir eben auch nicht. Was ist die Folge? Die Leere der Gotteshäuser schallt uns an Sabbathen und Festtagen entgegen: Die Kantorc, die bei uns in Mähren wohl sehr gut besoldet sind, denken sich, wozu sich anstrengen, wenn ohnedietz kein Vorsteher im Tempel anwesend ist. Unsere schönen und herrlichen Tempclgcsänge, die wir gewohnt waren zu hören, werden beschnitten oder entfallen ganz; kurz, der ganze Gottesdienst wird zu einer lächerlichen Karrikatur hcrabgewürdigt. Wenn unser Großmeister Sulzer hören würde, wie seine Gesänge verstümmelt werden, er würde sie sämtliche zum Teufel jagen. Bei derartig traurigen Verhältnissen mutz es anerkannt werden, daß in letzterer Zeit in einigen mährischen Gemeinden sich junge Rabbiner gefunden haben, die das Bestreben haben, das Judentum und seine Institutionen zu fördern und zu kräftigen. Wird das aber von seiten unserer Kultusvertrctungen gewürdigt? Im Gegenteil; es wird überall als reaktionär bezeichnet. Zur Jllustration dessen möge hier folgendes Beispiel angeführt werden. In der Gemeinde in P. ist ein neuer junger Rabbiner installiert worden. Als ein in jeder Bezie- Mährisch-schlesische Bank Brünn. Triften Nr. 3i0, IBiritte■. Fferdiliaildsgme Nr. 29 Ürinpten Kr. 10». fteriihH», verzinst EINLAGEN gegen Z II 01 gebundene Einlagen laut Übereinkommen- Baak- Hftrtiri vu»d in lnnWairr stertimiNg mit *T |2 |0 gwchgteaBerArt, Bfricn-u.Wechifrrgctctia■.

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