Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 22 (29.8.1912)
- Date
- 1912-08-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Jüdische Bolktstimme Nr. 22. nen Integrität eines Grötzer-Portugals veranlaßten ihn, sich gegen eine große Zahl ausländischer Kolonisten auszusprcchcn. Von Kennern des Landes und der jüdischen Wanderungsverhältnisse wurde der Ansiedlungsplan des bekamtten Dichters Zangwil von vornherein für phantasrisch gehalten. Es ist eine durch langjährige Ersahrnng bestätigte Tatsache, das; die Juden sich sehr wohl zu Ackerbauern und Pflanzern eignen, das; sich aber größere jüdische Massen ans Europa nicht in der Wiese verpflanzen und ansiedcln lassen, wie Zangwill und seine ״Jcwish Territorial-Organisation" dies erstreben. In Palästina schreitet die jüdische Kolonisation vorwärts, weil sic dort mit der nationalen Bewegung des Zionismus zusammcnhängt. In anderen Ländern dagegen wenden die.Juden sich der Großstadt und großstädtischen Bernsen zu. ■-**‘.י•־.ja«׳ - vorm. Potel Romaria Ne«> eröMnei! Wien II., Kleine Sperlgasse Nr. 5- 5 Minuten vom Stadtzentrum, in unmittelbarer >2׳» des Nord- und Nordw stbihnhofes.!׳RACHTNEU8AU! 100 ZH MSR Elegantes Familienhotel. Zentralheizung. Kalt• u. Warmwasser in jedem Zimmer. Kader im Haus — Elegante Halle. Musik-, Schreib- und Lesezimm! — Exquisite und rituelle Küche. DM- Zimmer von K 3*60 aufwärts. ׳ (PJ Besitzer Karl Geiringer Bildungswescn in Palästina. seitdem die zionistische Bewegung sich in immer wachsendem Maße der Palästinaarbcit zuwendet, nimmt diejenige Einwandcrcrschicht in Palästina, die den besitzenden und gebildeten blassen zuzurcchnen ist, allmählich zu. In den letzten Jahren sind daher auch aus dem Gebiete des jüdischen Bildungswesens in Palästina entschiedcnc Fortschritte festzustcllen. Der Lehrerstand, der ja überall für die Volkserziehung und Entwicklung von hervorragendster Wichtigkeit ist, tritt in Palästina immer mehr in die Erscheinting. In diesem Jahre fanden in der Kolonie Sichron Jakob Lehrerkurse statt, die der Fortbildung des Lchrerstandes dienen sollten. Tie Kurse, tvelche die verschiedensten Lehrfächer umfassen <Hebräisch, Geologie, Botanik, Agrikultur, Phtzsik, Hhgicnc, Zeichnen, Gesang, Turnens, waren von 57 Lehrern und 20 Lebrerinnen besucht und hinterließcn den besten Eindruck. Ein Warnungsruf für arme Kranke. Ter Erste österreichische israelitische Hilssverein erläßt folgenden Ausruf: Die Krankenfürsorgc für arme Kranke bedarf seit langem einer interl.ationalcn Regelung. Ter Erste österreichische israelitische Hilssverein für arme Kranke hat es sich zur Ausgabe gemacht, die Krankenfürsorgefrage zu regeln, und im Vorstand dieses Vereins sind Beratungen im Zuge, diesbezüglich Aktioneu zu unternehmen, speziell den internationalen Agenten, die auf den Bahnhöfen der curopäischcn Hauptstädte ihr Unwesen treiben, muß in aller Entschiedenheit entgcgengctrcten werden. Wien ist einer der gesuchtesten Punkte der armen Kranken, da der Ruf unserer medizinischeu Fakultät und unserer Professoren und Ärzte bis in die entferntesten Winkel von Europa reicht. Ein armer Kranker trifft im Bahn- Hof ein, mit seinen letzten Mitteln, die er zusammengescharrt hat, tun Rettung zu finden. Er wird von gewissenlosen Agenten, die sich wie Htzänen an ihr Opfer halten, in Empfang genommen, und so lange von diesen gehalten, bis er aller Mittel entblößt ist. Tann fallen die armen Kranken gewöhnlich den öffentlichen Inslitutionen und Wohltätigkeitsinstituten zur Last. Ter Erste österreichische israelitische Hilfsverein für arme Kranke richtet nun an die europäische Presse die Bitte, durch Veröffentlichung dieses Warnungsrufes die Kranken auf diese Gefahr und gleichzeitig die Behörden auf das. unlautere Treiben dieser Agenten aufmerksam zu machen. Jeder Kranke, der nach Wien kommt, kann sich an den Hilssverein wenden, der ihm mit 9iat an die Hand geht und eventuell für notwendige Unterstützung sorgt. Die Adresse des Hilfsvercins ist: Wien, 2. Bezirk, Stephaniestraße Nr. 12. Ter Präsident: Dr. Salo Nappa- Port, Hof- und Gerichtsadvokat. Tie Vizcpräsideuten Med.-Tr. Flesch, Mcd.-Dr. Natansohn. Besuch des neuen Gouverneurs von Jerusalem in den jüdischen Kolonien Palästinas. Vor vierzehn Tagen wurde, wie bereits berichtet, in der Kolonie Nischon-Lezion ein jübischer Wächter in seiner Wachthütte ermordet aufgefunden. Wahrscheinlich hatte cs der Mörder auf das gute Gewehr des Wächters abgesehen und hatte sich in der Nacht hinterrücks hcrangcschlichen und ihn getötet. Da die lokale Behörde nicht energisch genug zur Ergreifung des Mördcrs schritt, wandten sich gie Kolonisten durch Vermittlung des Herrn Antcbi an den neuen Gouverneur von Jerusalem, Muchidi Bey, der vor 14 Tagen sein Amt angetrctcn hat. Der Gouverneur nahm sich der Sache sogleich mit größtem Nachdruck an und fuhr in Begleitung des Herrn Antcbi selbst in die Kolonien. Er besuchte Rcchoboth, Nischon-Lezion und Pethach- Tikwa und sprach über den fortgeschrittenen Zustand dieser Kolonisten und über die Ordnung in den inneren Angelegenheiten seine höchste Bewundcrung aus. In Nischon-Lezion berief er die Kolonisten zu einer Versammlung in das Beth- Am und setzte ihnen in einer längeren Rede auseinander, welche Maßregeln sie zur Verstärkung ihrer Sicherheit ergreifen sollten, um Fälle, wie den vorhergehend erwähnten unmöglich zu machcn. Er riet ihnen, bei der Regierung um das Recht nachzusuchen, sich als Munizipalität zu organisicren. Dadurch würden sie das Recht bekommen, eigene jüdische Fcldwächter und Gendarmen anzustcllen, um sich dadurch absolute Sicherheit zu verschaffen. Außerdem riet er ihnen, die Ermächtigung der Negierung zur Errichtung eines Telephonnetzes zwischen den Kolonicn anznsuchen, damit im Notfälle die Wächter der einen Kolonie leicht nach der anderen Kolonie berufen werden können. Er versprach den Kolonisten, daß, wenn sie ihre Gesuche an ihn richten, er dieselben ohne weiteres gcnchmigen würde. Er empfiehlt denjenigen Kolonisten, die noch nicht ottomanisch seien, sich naturalisicreu zu lassen, weil sic dadurch in den Besitz aller staatsbürgerlichen Rechte kämen. Ter Pascha hat zwei volle Tage in den Kolonien zugebracht und hat bei der Fahrt von Nischon-Lezion nach Pethach-Tikwa auch das Stadtviertel Tcl-Awiw und das hebräische Gymnasinm besucht und seine große Befriedigung über das von den Juden hier Geschaffene ausgedrückt. Tie Reise des Paschas hat unter den Kolonisten eine lebhafte Bewegung hervorgcruken, und viele Kolonisten, die sich bisher nicht entschließen konnten, um ihre!:Naturalisation bei der Regierung cinzurcichcn, haben sich jetzt dazu entschlossen. Es scheint, daß endlich, nachdem man lange Zeit vergebens auf eine verständige Würdigüng der jüdischen Arbeit in Palästina seitens der Regierung gewartet hat, jetzt endlich ein besseres'Verständnis dafür vorhanden ist. Natürlich muß das uns ein neuer Ansporn sein, auf dem betretenen Wege fortzufahren und wciterhin alle unsere Kräfte für die Entwicklung Palästinas einzusctzcn. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNG^ GESELL- SCHAFT, WIEN, I. ASPERNPLATZ 1 tm eigenen Palais. — Versichertes Kapital drka 380 MUlonen. Reserven drka 113 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Unser neuester Tarif mit 5<V0 jährlich fallender garantierter Prämie Oeneralagentur für Wien, I., Aspe, r, platz I, Leiter David Nebenzabl. Sub Direktion für Prag, Ferainandsgasse 20, neu, Leiter Robert Q erste!. Sub-Direktion für Lemberg, Sza]- nocha 3, Leiter LSbl Taubes. Keine jüdischen Reserveoffiziere im österreichischen Heer. Das triviale, aber darum nicht minder wahre Sprichwort von den bösen Beispielen, die gute Sitten verderben, hat durch einen Erlaß des Neichskriegsministers wieder eine glänzende Bestätigung erfahren. Bisher berief man sich int Deutschen Reichstage und anderwärts, wenn cs galt, die Eignung der Juden für die Offizierslaufbahn nachzuweiscn und der junkerlichengherzigen Auffassung der preußischen Heeres- Verwaltung entgcgenzutreten, mit Vorliebe auf das Beispiel Österreichs. Nunmehr soll jedoch die preußische Praxis in Österreich selbst Nachahmung finden. In der österreichisch-ungarischen Armee wurde bis jetzt jeder, der das Einjährigenrecht erworben und seiner Dienstpflicht ordcntlich genügt hatte, Reserveoffizier. Das soll nun anders werden. Ter Kriegsministcr hat nämlich einen Erlaß herausgegeben, worin gesagt wird, daß tadellose Dienstleistung, vorzügliche Absolvierung der militärischen Prüfungen und phyfische und geistige Eignung von nun ab keinen Anspruch auf Erlangung des Offizicrsgrades mehr begründen. Vielmehr sind in erster Linie das soziale und familiäre Milien sowie das Aussehen (in Preußen-Deutschland würde man sagen: ״die achtunggebietende Erscheinung") des Aspiranten in Berücksichtigung zu ziehen. Der neue Erlaß richtet sich in erster Reihe gegen das kleinbürgerliche Element. Gewisse adelige Kreise des Offizierkorps haben cs längst als eine ״Schmach" empfunden, daß es in der österreichischen Armee Reserveoffiziere gibt, dercn Mutter Trafikantin, deren Bruder Hand- Werker oder deren Schwester Näherin ist. Die Eiertanten-Schnüffelei ist auch in der Lsterreichischen Armee nicht unbekannt. Durch den neuesten Erlaß erlangt diese preußische Auffassung nun die höchste amtliche Sanktion. Uebrigens ist in keinem Staate die Abhängigkeit der Armee vom kleinbürgerlichen Elemente ein so ausgesprochenes, wie gerade in Oesterreich. Die Mehrzahl der aktiven Offiziere ist aus ihm hervorgegangen. Gar manche militärische Forderung ist im Parlamente lediglich deshalb bqwilligt worden, weil die Abgeordneten der Zustimmung ihrer militärfreundlichen kleinbürgcrlichcn Wählerschaft sicher waren. Der Erlaß verfolgt aber auch eine ausgesprachen antisemitische Tendenz. Wer sich darüber nicht klar sein sollte, braucht nur die Jubclartikcl zu lesen, mit welchen er seitens der deutschnationalen und christlichsozialen Presse wird unverhohlen der Freude darüber Ausdruck gegeben, daß der Erlaß die Handhabe bietet, um alle Juden von der Beförderung zu Offizieren auszuschalten. Es kann auch nicht der geringste Zweifel obwalten, daß in Zukunft mit Berufung auf die neuen Vorschriften den jüdischen Einjährigen die Befähigung abgesprochen werden wird. Das Staatasgrundgesctz hat bis nun antisemitische Militärbehörden daran gehindert, ihren judenfeindlichen Gefühlen völlig freien Lauf zu lassen, der neue Erlaß wird cs ihnen ermöglichen. Aorre^ponlienzen Brünn. Sonntag, den 1. September 1912, um 12H״ Uhr mittags im israelitischen Tempel, Stistgasse in Brünn die Trauung deS Frls Erna Kohn mit Herrn Jacques Sperrer statt. Unsere besten Glückwünsche. Die Red. Hollcschau. Am Sonntag den 11. d. M. fand zugunsten des hiesigen ״Jüd. Frauenvereincs", der in unserer Gemeinde unter Leitung der Präsidentin Frau Johanna Beer und der Vize- Präsidentin Frau Nabb. Dr. Freimann eine segensreiche Tätigkeit entfaltet, ein von Dilettanten veranstalteter Bunter Theaterabend statt, der einen glänzenden Verlauf nahm. Trotz der aus den Einladungen ersichtlichen Bestimmung des Reinerträgnisses konnte man unter den bei dieser Veranstaltung Anwesenden eine große Anzahl von Nichtjuden bemerken. Besonders zu erwähnen ist, daß zum erstenmal bei einer ausgesprochen jüdischen Festlichkeit dank der Vermittlung unseres allseits beliebten Arztes, des Herrn Dr. Sicgm. Knopf, Die schönste Schrift ln kürrerter Zeit erreicht jedermann! K K. veft. aut. Scftrei&schule Professor Rudolf Roubitscbek l,.s.»E-»,in»p«n« Praa IUei17eRhIat7 Kl nach auswärts örieflicfter Unterri«a, Wtll4tl»piai4 *1 netzt nach eig. ges. gercv. Methode.