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Jüdische Volksstimme · 1912-08-29 · Heft 22 (29.8.1912) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 22 (29.8.1912)
Date
1912-08-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sekte 2 Indische Bolksstimme Tu. 22 Prager Brief. deutsche Kaiser bei Rothschild in Frankfurt zu Besuch weilt, das läßt bei ihm die gute Laune Am 22. August fand in einem Wirtshausc über den fetten Bissen, der ihm gelegentlich des ’ Eine Erwiderung. Mit dem Artikel ״Eine Erwiderung" iu der iii der Gerstengasse eine Protestversammlung baldigen Prozesses gegen Dr. Reimann bevorletzten Stummer der ״Jüdischen Volksstimme" der Prager tschechischen christlichsozialen Partei steht, nicht aufkommen. Auch ein Bericht über beabsichtigt ein Jsch Jehudi, dem Laien, wie gegen die Konsiskationspraxis der Staatsaneine Gerichtsverhandlung in Wien, bei der acht er mich dort, ob mit Recht oder Unrecht nennt, waltichaft. Ter Hauptredner war der Redakteur Advokate namens Kohn intervenierten, verdirbt eher eine Kriegserklärung zu geben, als mit des 20. Vek Mysliwetz, der in einer langen Rede ihm die Stimmung; vielleicht erquickt es ihn, § Ruhe und Ueberlegung zur Verbesserung der tatausführtc, wie die Christen in Österreich von der Regierung drangsaliert werden, damit nur die Juden zufricdengeslellt werden, wie mit zweierlei Mast für Christen und Juden gemessen werde, wie jüdische Zeitungen alles verösfentlichen dürfen, während die wirklich christlichen Blätter verfolgt, unterdrückt und konfisziert werden. Ganz unerträglich sei die Konsiskationspraxis gegenüber den tschechisch-christlichen Blättern iu der letzten Zeit geworden. Die Urfache sei das Einschreiten eines tschcchisch-jüdischeu Vereines beim Justizininister. Es wurde dann auch eine Resolution im Sinne des Refereuten gefaßt. Interessant ist, daß in derselben Nummer, die den Bericht über diese Protestversammlung enthält, auch gleich einige Belege für die strenge Konsiskationspraxis der Staatsan- Waltschaft gegenüber dein 20. Vek enthalten sind, so vornehmlich der Abdruck der schon im Jahre 1802 in einer — unter Patronanz des Königgrätzer Bischofs Boynych gestanden — Zeitung erschienenen erlogenen und erdichteten zwölf Ratschläge von Rabbinern an ihre Glaubensgenossen, wie man am besten die Christen unter die jüdische Gewalt bekommen könnte. Noch einige Kleinigkeiten, wie judcnsrcsserische Nachrichten aus England, Rußland, Vergleiche zwischeu Rothschild und Schwarzenberg mrd die Empfehlung einer großen Reihe von antisemitischen Broschüren und Büchern befriedigen die Bedürfnisse des dünnnstcn und ungebildetsten Teiles des tschechischen Volkes. Nobler führt sich diesmal der ״Novy Vek" ein. Er bringt ein Feuilleton von Herrn Phil, cand. Jar. Sigma ״Zur Charakteristik der tschechischen Juden. Man erkennt den Philosophen in der ersten Zeile; da wird nämlich konstatiert, es gibt keine tschechischen Juden. Den Inden, die Tschechen sein wollen, traue man ja nicht; denn die Unaufrichtigkeit und Nerlogenhcit der Juden gegen Nichtjudcn ist eine erwiesene Tatsache, die der philosophisch durchbildete Verfasser an einem klassischen Beispiel neu erweist. Man denke nur, ein jüdischer Mitschüler hat dem Herrn cand. Phil, bei seiner vor 17 Jahren erfolgten Matura gesagt, er wolle Mediziner werden und jetzt ist er Rabbiner, eine größere Verlogenheit ist undenkbar. (Nur eine kleine Anfrage an Herrn Sigma! Hat er nicht vor 17 Jahren seinen Mitschülern gesagt, er wolle Doktor der Philosophie werden und ist jetzt cand. Phil.? Oder hat er gleich damals nur daran gedacht, cand. Phil, zu werden?) Der Czcch ist darüber ungehalten, daß der zu hören, daß cs in Wien einen Namen gibt,! sächlich obwaltenden Mißverhältnisse bcizutraden noch inehr Advokaten tragen, den Namen ‘ gen. Mir lag es ganz fern, einen Streit 311 Löwi. j protjojicrcn, und es ist auch jetzt nicht meine Bürgermeister Husak in Teplitz hat sich die Absicht, weiter hierüber eine Polemik zu führen, Gunst der ״Reichspost" verscherzt, weil er bei mein Streben ging nur dahin, die Ursachen des der Kaiserfeier im Tempel gewesen ist, obwohl Verfalles und Rückganges des Judentums in er Tübrer der deutschradikalcn Antisemiten sei.!den alt,7׳,?l17׳m,'irdiap77 1nÄl17-i,'ckw77 er Führer der deutschradikalcn Antisemiten sei. Daß die Deutschradikalcn Antisemiten von Partei wegen sind, hat überflüsiigerwcise die Reichs- Parteileitung, die Abgeordneten Stransky und Wolf bestätigt und so unnötigerweise ihre treue deutschliberale Gefolgschaft in Verlegenheit gebracht. Aus dieser Verlegenheit suchen sich die Liberalen zu helfen, indem sie für die Reichsersatzwahl in Neutitschcin einen eigenen deutschfreiheitlichen (freilich) aussichtslosen Kandidaten aufstellen. Im übrigen blüht der Antisemitismus überall innerhalb der schwarz-gelben Grenzpfähle und diese Schmach der Kultur ist oft das einzige Zeichen der Kultur weiter Länder. So z. B. in Galizien, wo der Antisemitisinus unter Patronanz der Landesregierung und Schlacht« das ganze wirtschaftliche Leben beherrscht. Die beiden vornehmsten galizischen Banken, die galizische Sparkassa und die Galizische Landesbank gehen mit gutem Beispiel voran; die galizische Sparkassa berechnet für einen Wechsel, der eine jüdische Unterschrift trägt, um ein halbes Prozent mehr, als für einen arischen, die Landesbank, die in der Kreditgewährung an polnische und ruthenische Genossenschaften sehr freigebig Kst, verweigert jüdischen Genossenschaften fast jeden Kredit. Die Bukowinacr Finanzlandesdirektion hat' den׳ ,Antisemitismus, sogars zu fruktifizieren versucht, indem sie einem Ädvokatcn eine höhere Steuer vorschrieb mit der Begründung, daß er unter zehn Advokaten eines Ortes der einzige christlich-rumänische sei und daruni anzunehmen sei, daß die christlich-rumänische Bevölkerung mehr Vertrauen zu ihm habe, er also eine ausgedehntere Klientel besitzen müsse. Was Hilst es, wenn wir erfahren, daß ein Erzherzog sich dafür eingesetzt habe, daß eine kirchliche Weihe einer Veteranenfahne stattfinde, ohne daß für die Benützung der Fahne konfessionclle Beschränkungen festgelegt werden, wenn andererseits ganz unvcr— (sagen wir) blümt verlautbart wird, Direktor Brahm habe die konfcssionellcn Bedenken, die gegen seine Anstellung als Burgtheaterdirektor obwalten, beseitigt, indein er vor einem halben Jahre Katholik geworden sei? den alten ehrwürdigen mährischen Gemeinden klarzulegcn und halbwegs Mittel und Wege in Anregung zu bringeil, die inöglicherweise mit der Zeit doch zum Bessern führen könnten. Meine unmaßgebende Meinung ging demnach dahin, daß die Kultusgemeindevertretung als Repräsentanz der Gemeindeinitglieder, die Herren Rabbiner, Lehrer und Kantoren vereint mit allen zu Gebote stehenden Mitteln ihre Wirksamkeit dahin entfalten mögeii, uni dem weiteren Verfalle Einhalt zu tun. Mit Phrasen und althergebrachten, abgedroschenen Witzen koniinen wir sicherlich nicht zun: Ziele, Wohl aber durch eine praktische Betätigung und wohlerwogenes und zielbewußtes Streben und Handeln. Ob ich wohl bei der Erforschung der Gründe des Verfalles gar so falsch gegriffen, indem ich die Funktionäre der Gemeinde mit hinein bezogen und ihre bisherige Tätigkeit, tatsächlich so schilderte, wie sie selbe bis allhcr entfalteten, überlasse ich dem Urteile der Leser des geschätzten Blattes, die sicher die Verhältnisse näher kennen, wir werden erfahren, ob sie in der Hauptsache beistimmen, oder auch so abfällig die Angelegenheit behandeln werden, wie der Jsch Jehudi. Wie die Leser sich erinnern, habe ich doch zunächst die Gemeindemitglieder, und zwar durch ihre Repräsentanz, beschuldigt und sind dieselben sicherlich nicht freizusprechen, vielleicht auch als Hauptursache zu betrachten, und auch hierin wäre das Uebel bei der Wurzel zu erfassen. Man müßte von dem Grundsätze ausgeyen, datz die jetzige Generation geradezu durch die überhandgenommene Vernachlässigung der Funktionäre für das Judentum wenig Interesse zeigt, weil es in dem Wesen des Judentums gar nicht eingeführt, weil es, kurz gesagt, mit seiner Literaturgeschichte gar nicht im mindesten vertraut gemacht wurde. Von dem Zeitpunkte, wo der Privatunterricht ״des Cheder" ausgehört, hat man das Judentum sich selbst überlassen, ohne weiter zu erforschen, wie in moderner Weise das Iudentum aufrcchtzuerhalten wäre. Gewiß würde auch die Bekanntschaft mit Maimonides, Mendelssohn und sonstiger jüdischer Größen und Gelehrten auf das Gemüt und den Geist zuinindest ebenso einwirken, als die deutschen Klassiker das Gefühl für das Deutschtum belebten und einem Halbschlaf erwacht. Das Wasser kroch immer näher und näher, und immer senkrechter stellte sich des Schiffes Heck. Und alle, die vorne standen, schrieen auf. Die Flut hatte sie ergriffen Hunderte schwammen im Wasser herum. Sie schrieen herzzerreißend um Hilfe. Es galt, keine Zeit verlieren. Ich bemerkte in der Nähe einen Tisch. Ich hob ihn empor, und warf ihn ins Wasser. Dann sprang ich ins Meer. Es uinfing mich, wie mit eisigen Armen. Ich legte mich quer über den Tisch und begann aus Leibeskräften zu schwimmen, um aus den Bannkreis des sinkenden Schisses zu gelangen. Ich mühte inich fort in der Richtung der Boote, die wie dunkle Punkte in der Ferne zu sehen waren. Meine Arme schmerzten mich, und schwer ging mein Atem. Endlich erreichte ich ein Boot, halb erstarrt vor eisiger Kälte. Das Boot war voll Frauen. — Netten wir ihn, hörte ich eine Stimme. — Wir können nicht, sonst kippen wir selbst um, rief eine andere. Und wir retten ihn nicht, und ertrinken selbst. ... Ich fühlte meine Kräfte schwinden. — Wir müssen ihn retten, hörte ich wieder wie im Halbschlaf. Das Boot hielt. Meine schwindenden Kräfte erwachten jäh. Ich klamincrte mich ans Ruder und schwang mich hinein. Dann verlor ich die Besinnung. Als ich zu mir kam, blickte ich nach dem Schiss hinüber. Man sah blos seinen Rumpf dunkel emporragen. Es brannte dort kein Licht mehr. Und bald versank das Schiff. Ich dachte an Ella und erwartete mit brennender Ungeduld den kommenden Morgen. Ich wußte selbst nicht warum, doch ich erhoffte eine nahende Rettung. Sahen wir doch die Hilferufe, die der Telegrafist unablässig in die Ferne schickte. Eine eisige Kälte herrschte jetzt. Wir verbrachten so vier Stunden. Da sahen wir in der Ferne Lichter aufblinken. Und bald konnten wir erkennen, daß ein Dampfer sich uns näherte. — Rettung naht! schrieen wir erleichtert auf. — — Und bald sahen wir, wie aus allen Richtungen dunkle Punkte am Meere auftauchten, die alle, gegen den herrannahenden Dampfer zo gen. Es waren die umherirrenden Boote. Auch wir ruderten dem Dampfer entgegen. Da bot sich unseren Augen plötzlich ein schrecklicher Anblick dar: Rings um uns schwammen Menschen im Meere herum. Einige schienen noch zu leben, doch die meisten trieben mit starren Gliedern einher. Vor uns ruderten einige Boote. Dicht gedrängt saßen und standen darin Menschen. Einige Ertrinkende schwammen auf ein Boot zu. Sie lebten noch und bewegten ihre Hände und Köpfe. Sic schwammen auf das Boot zu. Und nun klammerte sich einer an das Boot mit beiden Händen. Und bald erfaßte ein Zweiter des Bootes Rand, und ein Dritter . . . Sie alle wollten sich retten. Sie hielten sich krampfhaft am Boot. Plötzlich kippte das Boot um, und alle Insassen fielen ins Meer ... Es war ein schrecklichcr Anblick. Verzweifelte Hilferufe drangen zu uns hinüber. Zurückrudern, zurückrudern! riefen erregte Stimmen. Sie kippen sonst auch unser Boot um. Verzweiflung stand grell in allen Gesichtern. Und alle Boote ruderten zurück, so schnell sie nur konnten, um aus den Bannkreis der im Meere schwimmenden Menschen zu gelangen. Schl. f. Mährisch-schlesische Bank Brünn! T»lft10n Nr. 380, IBrakS■». verzinst EINLAGEN BMkIvumI in 1 gegen Ferdinandsgasse Nr. 29 W«phan Hr. ICH, WmtkaattMm, gebundene Einlagen laut Oberemkommen. m

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