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Jüdische Volksstimme · 1912-08-22 · Heft 21 (22.8.1912) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 21 (22.8.1912)
Date
1912-08-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Jüdische Volksstimme Nr. 21 seitens der Polen verlangt ist nicht einmal wahr, sondern direkt aus den Fingern gesogen. Es ist das eine Handlung, die sich selbst am besten richtet, ein Verrat, der nur in Pfefferkorns historisch überlieferter Niedertracht sein Analogon findet. Der Verräter Rosenberg zählt die jüdischen Ausdrücke auf und ignoriert ganz und gar die entsprechenden polnischen Pen» dantö. Ec ignoriert sie und vergißt dabei auch die jahrhundertelange Schmach, die uns Juden von den Polen angetan wurde; von denselben Polen für die Freiheit dieselben Juden gekämpft, für die sie begeistert ihr Blut vergossen und ihr Leben Hingaben. Ein Faktum dem selbst die eingefleischesten polnischen Judenftesser ihre Anerkennung durch Errichtung eines Berek Josselowitsch-Denkmals nicht versagen konnten. Rosenberg sieht oder will in seiner Rachsucht nicht die Gegenseitigkeit in der Geringwertung sehen. Und vielleicht kann er es auch nicht sehen. Denn er selbst ist in seiner ganzen Schändlichkeit nichts anderes, als ein Teil jener jüdischen Jammermasse Galiziens, die die entwürdigende und erniedrigende EntnationalisierungS- und EntfremdungSarbeit der Polen und der jüdischen Asstmilanten gezeitigt bat. Er ist selber deren beredtester und zugleich — erbärm׳ lichster Ausdruck. In der verächtlichen und verräterischen Tat Rosenbergs liegt ein gut Teil jüdisch-galizischer Tragik. A. E. R—r. Städtchenstimmung. Von Nathan Leiter. Ich weiß eS ja; der Herr Redakteur ist mir böse. Er hat mir meine Bezüge eingestellt. Ah?! Die Herren Mitarbeiter horchen interessiert auf. Nur nicht erschrecken, meine verehrten Kollegen von der Feder. Es sind bloS die üblichen Bezüge eines gelegentlichen jüdischen Feuillewnisten gemeint. Das GratiSexemplar.Wenn ich gerecht sein will, so hat er auch Grund böse zu sein, der Herr Redakteur, Anderthalb Jahre habe ich meinen Degen. Pardon! meine Feder nicht in Tinte getaucht und von mir kein Lebenszeichen gegeben. Der Herr Redakteur hat glauben können, daß ich inzwischen Fett angesetzt habe und unter die Spießer gegangen bin und da wäre er großmütig genug blos böse zu sein, er könnte mich dann auch verachten. Es ist aber dem nicht so. Ich bin der Kunst treugeblieben. Komme ich da jüngst in Tarnopol inS Caffe — diejenigen, die da erwartungsvoll meinen, daß nun etwas von der berühmten Tarnopoler Moral kommen wird werden eine Entäuschung erleben lässig blitzten die Funken und zerrissen den dunkeln Himmelsgrund. Der Kapitän ließ die Boote klarmachen. ״Nur aus äußerster Vorsicht", erklärten die Offiziere. ״Rettungsgürtel umlegen!" wiederholten sie den Befehl des Kapitäns. Am Vorderdeck lag Eis, und in einiger Entfernung sah man einen Eisberg auS den Fluten hoch emporragen. Und nun wußten wir, daß ein ernster Unfall dem Dampfer wiederfahren war. Doch wir glaubten trotzdem an keine Gefahr. DaS Schiff war an einen Eisberg gestoßen, und hat dabei Schaden gelitten. Die Boote waren bereits herabgelassen, doch keiner wollte cinsteigen. Man wähnte sich viel sicherer auf dem großen Dampfer als in den kleinen Booten. DaS erste Boot stieß ab, kaum zur Hälfte gefüllt. Vorne senkte sich der Dampfer langsam. Und jetzt erst begannen wir an Gefahr zu glauben. Wir hatten ReltungSgürtel umgelegt. Die Musikanten kamen herauf, setzten sich auf die Stühle und begannen wieder zu spielen. Sie spielten lustige Weisen. Sie wollten die heitere Stimmung erhalten. Sie spielten unabläffig und schienen sich um nichts zu kümmern. ES war ihr Beruf, den anderen lustig aufzuspielen. Sie taten es auch jetzt. — und sehe einen sehr blaffen Jüngling mit wallendem schwarzen Haar. Hm, interessantes Gesicht sage ich mir. Neugierig wie ich nun einmal bin — bitte fragen Sie meine Kostgeberin. die wird es bestätigen, daß ich immer neugierig bin und den blanken Tellergrund sehen muß — frage ich wer das sei: — Ein Künstler, wird mir bedeutet. Ec schreibt Verse und leidet Hunger. DaS Hungerleiden ist doch eine große Kunst... Er schlürft neben seinen Mittagsschwarzen, notabene MtttagSschwarzen und nicht etwa Nachmittagsschwarzen. Ich stelle mich ihm vor, drücke seine kollegiale Hand und sage entschuldigend: '— Bin Berufskollege, wenn ich auch ein etwas leichteres Genre pflege. Ich leiste mir nämlich zu Mittag eine Melange und schreibe bloS Feuilletone. — Wegen dieser üppigen Lebensweise wird man mich doch nicht Spießer schelten. Der Herr Redakieur hat auch glauben können, daß ich vielleicht meinen Wohnsitz in ein besseres Jenseits verlegt habe. Ich hätte aber dann gewiß mein Testament gemacht und ihm die bekannten Hei» nisch'en Garderobestücke vermacht, denn ich hätte doch den Rabbonen-Kadisch nicht missen wollen. Also raus damit! Was ist dann der Grund des langen Stillschweigens und Nichtschreibens? Schlamperei! Ich habe vergessen am Kopfe mein Domizil zu setzm, dann hätten Sie den Grund meines Nichtschreibens gleich erraten. Prsemislany, im Ostgaliziichen. — Sie gähnen schon? Ja, mir geht es auch so seit ich hier weile. Ich gähne immerfort. Ich gähne und schlafe. Zur Ab- Wechselung schlafe und gähne ich. — Sie sind aber schon schläfrig; Sie nicken ja ein. Bitte, machen Sie es sich auf dem Sofa bequem. Aber nur vorsichttg, denn es ist ein altes Mobilarstück, wenn es auch keinen Antiquitätenwert darstellt. DaS Bett ist auch älteren Jahrgangs. Und eben vor einen halben Stunde ist mir mit dem Bette ein Unglück passiert. Mein Unglück ist des Herrn Redakteurs Glück. Vor einer halben Stunde — der historischen Genauigkeit wegen sei bemerkt um elf Uhr nachts — habe ich eS mir bequem machen wollen und mich gemächlich im Bette ausgestreckt. Da geschah das Unglück — das Bett ging in Trümmer. Ich habe das edle Tischler- Handwerk nicht erlernt und weiß mir keinen Rat. Ich werde wohl morgen bei der QuartterSftau in energischer Weise Beschwerde führen, aber was hilft mir das jetzt. Ich weiß auch im Voraus die Antwort: — Sie sind ja nicht in den Himmel gefallen, wird es heißen. Sie ist nämlich witzig meine Quartiersftau. Nichtdestoweniger setzt sie mir am Sabbat jämmerlich schlechte Fische vor. Jedenfalls kann ich jetzt nicht schlafen. Es ist aber jetzt auch nicht Gähnezeit. So muß ich halt feuilletonisieren. Vom Gähnen und Schlafen selbstverständlich. Den Lesern steht es aber frei Eben kam der Washingtoner Millionär vorbei. ״Nur keine Furcht!" rief er den anderen zu. Dem Dampfer geschieht nichts. Keiner hörte auf seine Worte, denn das Bewußtsein der Gefahr begann allen aufzudämmern. ״Wie kann man denn mit so einer Geschwindigkeit fahren, wenn man Eisberge in der Nähe vermutet", meditierten viele. ״Kein Wunder, wenn das Schiff untergeht. So ein Zusammenstoß in voller Fahrt. Die dumme Rekordsucht!" Manche standen wortlos da, und sahen drein, als kümmerte sie nicht all dies, was um sie vorging. Sie schienen resigniert, oder gedankenlos. Andere wieder jammerten. Und dazwischen hörte man die Befehle der Offiziere. All dies mengte sich zu einem sonderbaren Chaos. Plötzlich kamen Heizer und Diener aus dem Unterdeck heraufgestürmt: Wasser ist im Kohlenraum, schrien sie, und drängten nach den Booten. Die Offiziere zogen die Revolver hervor und zwangen die Meuternden zu Ordnung und Ruhe. ״Zuerst steigen die Damen in die Boote!" befahlen die Offiziere, ״nur Damen!" Ella hatte sich an mich geklammert und stammelte: ״Ist wirklich Gefahr?" Ich schwieg, denn ich wußte keine Antwort. die Reihenfolge nicht einzuhalten, während ich vom Schlafen spreche, können sie gähnen und umgekehrt. Ein anderes Thema kann ich mir nicht wählen, denn hier geschieht sonst nichts. Ich bin ruhig. Um etwas Interessantes mitteilen zu können, ging, ich zum Rabbiner und wollte ihn intervieven. Ich traf ihn aber schlafend an und er konnte mir auf keine Frage Antwort geben, Der Kultusgemeindepräsident gab mir ein auhaltendes Gähnen zur Antwort. Die ganze Woche hindurch schlafen die hiesigen Juden und Sabath > nach Schalet gehen Sie am Abhange des Berges! spazieren und gähnen. Sonst geschieht nichts- Auch der Gemeinderat und die Po'.izei kann: ruhig schlaft n. Jüngst geschah cs. daß der Ge-- meinderat im festen Schlafe begriffen war, wWrend der Polizeikommissär Gähnezeit hatte. Er benützte den günstigen Moment, um das RathauS grundbücherlich an sich zu bringen^ Lueger war wohl ein gescheiter Kopf, aber so weit hat eS der Gewaltige Wiens nicht gebracht. Als der Gemeinderat erwachte tat er nichts dagegen, denn er mußte doch Gähnen. Jüngst ging er abends gähnend spazieren. Ich wollte eS meinen Ohren nicht trauen. Ich vernahm w׳e streitende Stirnmen. Ich freute mich auf da? Eceigniß gewaltig. Gewiß wird dort tüchtig gestritten u> d eine Keilerei wird unausleiblich die Folge sein. Endlich wird doch was geschehen. Die Polizei wird doch nicht dazwischen kommen, denn die hatte gerade Schlafezeit. Als ich aber näher komme, erlebte ich eine Enttäuschung. Auf vermeintlichen Kampfplatze fand ich blos zwei Backfische, die miteinander nur allzulaut hebräisch konverfierten. Ich war darüber sehr ungehalten. Gewiß ist es. sehr löblich, daß die jüdischen Mädchen hebräisch, konversieren, aber sie sollten es nicht in so lauten Weise machen und die Jdyelle von Gähnen und, Schlafen stören. Dagegen sind die hiesigen Zionisten ftiedliche Bürger und keine Stänkerer. Sie halten sich an der allgemeinen Regel. Sie gähnen und schlafen. Zur Abwechselung schlafen und gähnen sie. Eine Erwiderung. In der letzten Nummer der ^Jüdischen Volksstimme" ist ein ״Beitrag zum Niedergang der Judengemeinden in Mähren" betitelter Artikel erschienen, welcher die Klagen ftüherer Einsender wiederholt und erweitert. In diesem Artikel begnügt sich der Einsender — oder die Einsender, die Zahl schwankt leider — nicht damie, die alten Klagen zu wiederholen, sondern er zeigt auch das löbl. Bestreben, die Ursachen des Verfalles aufzudecken und Mittel zur Abhilfe anzugeben. Es ist jedenfalls sehr schön und löblich, daß sich Laime DaS Schiff neigte sich immer mehr nach Borne^ Wir näherten uns den Booten. ״Steig ein, Ella", bat ich sie. Die Offiziere drängten mich zurück: Nur die: Dame darf einsteigen. ״Ec muß mitkommen", erwiderte Ella in-, erregtem Tone, ״sonst bleib auch ich da." ״Nur Damen steigen ein", wiederholte der׳ Offizier mit der vorgestreckten Waffe. Ella klammerte sich an mich: ״Ich lasse dich nicht hier zurück." Ich bat sie, einzusteigen, doch sie weinte und umfing mich bebend mit ihren Armen. Es waren noch drei Rettungsboote übrig geblieben, und am Dampfer standen noch mehr als tausend Menschen, die alle Rettung heischten. Zumeist waren es Männer, denn fast alle Frauen waren in die Boote gestiegen. Manche wurden gewaltsam hineingedrängt. DaS alte deutsche Ehepaar stand abseits und schien sich um all dies nicht zu kümmern. Sie hielten sich beide mit den Armen umschlossen und sahen auf die weite Meeresfläche hinaus. Die Frau ließ sich keinesfalls von ihrem Manne reißen. Wir gehören zusammen, rief sie, so im Leben, wie im Tode. Ella sah zu ihnen hinüber: Die beiden! bleiben auch zusammen, sprach sie. Ich bleibe! bei dir. (Fortsetzung folgt.) Mährisch-schlesische Bank Brünn. Tritptwn Nr. 3i0, Mrteit». Rerdtaandsfme Nr. 29 Wagte« Hr. ICH, Wteteahtute. , verzinst EINLAGEN gegen / II 01 gebundene Einlagen trat Oberemkoonsen. Baak- Bficfcdvuad in lauicaier Rnrhnnng mä *f0| 2| ׳ gescbittenflcr Art,Bfc»cn-u.Wedatrrgnff1M0,

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