Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1912-08-22 · Heft 21 (22.8.1912) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 21 (22.8.1912)
Date
1912-08-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2621806-2621807-2621828--1663-2622721
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Wiener Erscheint jeden Donnerstag. XI»l. Jahrg. Nummer 2t iä- Bezugspreise: Für Österreich-Ungarn. halbjährig . . Kronen 5 20! ganzjährig.Kronen 10— Deutschland, ganzjährig. Mark 10— Rußland, ganzjährig. Rubel 6 50 Balkon, Frankeich.Franks 12— Einzelne Nummer 20 h. I Herausgeber: Max Hickl. 3 Inserate: die 6 spaltige Petitzeile 30 k. > Buchhändlerische Vertretung: Otto Klemm. Leipzig.! Geschäftsstelle, Wien: I,, Rotenturmstcaßs Nr. 31.! Telephon 3UV0/V1N. Iprechstunden von 10—12 Uhr. j Postsparkassakonto Nc. 312.842. ן llnverlangteredaktionelle Beiträge werden nicht honoriert. Manuskripten ist Rückporto beizusügen. .! Brünn—Budapest. Wien, Prag—Lemberg. - ».. — ' ' ־יי־־ י־ ־־ ־ ־ י ■ - -r■ר Aus dem Inhalte: Josef Pfefferkorn redivivus! — Lorenz Scherlag. Brief eines Schiffbrüchigen. — Nathan Leiter. Städtchenstimmung. — Eine Erwiderung. — ״Er hat gerettet." — Der internationale Eugenisten. kongreß und die jüdische Hygiene. — Raubmord in Rischon le Zion. — Wiener Nachrichten. — Korrespondenzen. — Zionistische Konferenz in Berlin. — Brunner Nachrichten. — Rundschau. — Streiflichter über die Lage der Handelsangestellten. — Dr. F. R. Heinschel. Lemel. Joses Pfefferkorn redivivus! (Die Tat eines Ueberläufers.) Eine historische Reminiszenz: Es war gerade vor 400 Jahren. Die Kreuzzüge, die so viel Ungemach über die Juden gebracht hatten, waren vorüber, die Wogen fanatischen Judenhasses hatten sich geglättet und in der deutschen Christenheit wenigstens einer wisiensfeindlichen Dummgläubigkeit Platz gemacht. DaS behagte nun den Dominikanern ganz und gar nicht. Diese wollten den glimmenden Judenhaß der phlegmatisch gewordenen Deutschen zum lohenden, verderbenbringenden Feuer anfachen und waren nur noch um ein geeignetes wirkungsvolles Mittel zu diesem heiligen Zwecke verlegen. Ein solches fanden sie in Josef Pfefferkorn, einem aus dem Gefängnis entlassenen jüdischen Einbrecher, der denn auch die Taufe annahm und sich willig dazu hergab, unter dem Schutze der Kölner Dominikaner seine ehemaligen Glaubensgenossen all' der Verbrechen zu zeihen, die die Kölner Dunkelmänner ihm zu diktieren für gut fanden und unausgesetzt sie und ihr Schrifttum zu verleumden und zu begeifern, bis eines Tages der edle Mönch Reuchlin ihm und seinen verlegenen Feuilleton. Brief eines Schiffbrüchigen. Lorenz Sch er lag (Lemberg). (Fortsetzung.) ״Warum nicht davon sprechen", fiel ein Millionär aus Washington ein. ״Es ist interessant über gruselige Sachen zu reden. Und so ein Eclebnis wäre recht originell. Nicht war Herr Poet?" sprach er, an seinen jungen blondhaarigen Nachbar gewendet. ״Der war ein Dichter und sehnte sich nach Erlebnissen, um sie dann in seinen Romanen bändigen zu können." ״Es wäre einzig", sprach der Dichter, und seine Blicke leuchteten. ״Wie gerne möchte ich so ein Erlebnis mitmachen, aber nur bei heiler Haut... So zum Beispeil als Zuschauer ..." ״Nur als Zuschauer? das wäre nichts!" negierte der Washingtoner Kaufmann. ״Da käme man ja um das Schönste, um das Gruseln. Ich fürchte nicht das Gruseln und auch keine Gefahr. Sehen Sie mal diesen Stein sich an", sprach er. Er wies einen Ring vor, darin ein riesiger Brillant blau funkelte, wie ein leuchtendes Pfauenäuge. ״Ich fürchte nicht das Gruseln", wiederholte er. ״Dieser Ring hier besitzt eine tragische Bsr- Hintermännern daS schmutzige und verräterische Handwerk legte. Allerdings hatte unt.rdes der Streit sich jahrelang hingezogen und selbst der Kaiser Maximilian und der Papst wurden zur Entscheidung über die Stichhältigkeit der Psifferkorn'ichen Verleumdungen angegangen. Daß kann dieser Kampf mittelbar zur Revision des Christentums und der Entstehung des Protestantismus führte, ist bekannt. Das Bild dieses charakterlosen, unwissenden und lügenhaften WichteS aber, der sich nicht gescheut hat, wider seine Glaubensgenossen in Wort und Schrift verlogene Anschuldigungen zu erheben, har uns die Geschichte erhalten.... Die Geschichte gefällt sich in Wiederholungen. Und so ist denn dieser Tage in Galizien dem großen Pfefferkorn ein kleiner Nachfolger, gewissermaßen eine zweite Auflage seines würdigen Vorgängers in Miniaturformat erstanden. Auch ein getaufter Jude: Adolf Rosenberg aus Tarnow. Bor wenigen Tagen hat er um feilen Lohn einen Artikel über die Juden und ihr Schrifttum in einem Rzeszower antisemitischen Käseblättchen veröffentlicht, daS nun in Tausenden von Exemplaren unter den Bauern gratis verteilt wird. Ueber die Wirkung kann kein Zweifel sein, da Rosenberg auf Grund seiner boshaften und erlogenen Anschuldigungen von den Polen Rache an den Juden und deren wirtschaftliche Boykottierung verlangt. Und schon haben auch die größeren, judenfresserischen Preßhyänen, diese ״autoritativen" Verleumdungen dummgläubig nachgedruckt. Deshalb und nur deshalb ist es notwendig, diesem schändlichen Treiben des Ueberläufers entgegenzutreten. Das — sagen wir — friedliche Zusammenleben von Polen und Juden wird durch eine merkwürdige Plattform bedingt und das ist Abhängiggangenheit und hat schon manchem daS Gruseln beigebracht. Er wendete den Ring, daß er unheimlich funkelte... Den Ring trug als erster ein türkischer Sultan, den man vom Throne stürzte. Dann kaufte ihn ein spanischer Juoe Habib. der bald darauf im Meer ertrank. Seine nächste Besitzerin war Marie Antoinette, die am Schafott endete. Darauf trug diesen Ring die Prinzessin Lamballe, die auf der Straße ermordet wurde. Dann erstand ihn ein Amsterdamer Juwelier der sich bald darauf erhängte. Und nun trage ich diesen Stein. Und ich fürchte nichts. .. Er lächelte selbstbewußt. ״Ist eS möglich, daß oas Schfff sinkt?" fragte eine Dame den vorübergehenden Kapitän. ״Nach menschlicher Berechnung unmöglich." ״Ausgeschlossen!" bekräftigte der Amerikaner. Eines morgens, da ich wieder mit Ella am Sonnendeck stand, wehte es kalt vom Meer her über, und wir froren in der Sonne. Es hieß, daß wir uns Eisbergen näherten, die um diese Zeit hier im Meere herumschwimmen. Gegen Abend zog der Vollmond über den Himmel, und es funkelte weithin, wie flüssiges Silber. Und tausende Sterne blinkten am Himmel. Kein Wind wehte. Die Musik spielte heitere Weisen. Und eine junge hübsche Schauspielerin trug einige französische keit von einander und so paradox es auch klingen mag. gegenseitige Geringschätzung und Verachtung. Letzere sind sogar etwas selbstverständliches, eine Nuance im Gefühlsleben der beiden nebeneinander wohnenden Nationen, ohne die ein ruhiges Zusammenleben wohl gar nicht denkbar wäre. Es ist das eine gegenseitige Geringwertung, die im ganzen öffentlichen Leben Galiziens zum Ausdrucke kommt und am klarsten vielleicht in jenen Teilen der Sprachen beider Nationen sich äußert, welcher dem Verkehre miteinander gewidmet ist. ES ist eben nicht anders. Zwischen Juden und Polen, von denen die ersteren trotz ihrer sonstigen Ueberlegenheit ihre Ohnmacht gegenüber der zahlenmäßigen Uebermacht und Gewalt nur zu wohl fühlen, war dieier geringschätzige Ton in gegenseitigen Verkehr geradezu Notwendigkeit, wenn überhaupt ein einigermaßen erträgliches N beneinanderleben möglich sein sollte. So spricht denn seit jeher der Pole im Gefühle seiner Macht, zum Juden nicht anders als von oben herab, herrisch verächtlich und der Jude antwortet ihm überlegen spottend, die Verachtung, die er nur zuwohl fühlt mit gleicher Gering'chätzung und mit beißendem Hohn heimzahlend. Und dieses sonderbare Verhältnis ist bereits durch die Tradition überliefert und wird auch von Generation zu Generation nach kleinen Geplänkeln des Hasses immer wieder und wieder als Berkehrston quasi sanktioniert. Ja es findet dieser Berkehrston sogar je nach der BildungSstufe bereits eine eng umschriebene Nuanzierung. Und diesen Teil des jüdischen Sprachschatzes greift der chemalige Jude Rosenberg heraus und vauscht sonst harmlose Aeuß-rungen zu Kapitalsbeleidigungen auf. zu Verbrechen, die nicht anders von den Polen gesühnt werden könnten, als durch die wirtschaftliche Vernichtung der Inden. Und ein großer Teil der Ausdrücke für die er Rache Lieder vor. Man applaudierte. Es war gegen Mitternacht, da man began i sich zur Ruhe zu begeben. Ich ging mit Ella noch am O oerdeck herum. Wir taten dies stets vor dem Schlafengehen. Die Luft war kalt wie sonst niemals. Da verspürten wir plötzlich einen heftigen Stoß, als ob der Dampfer jah aufzuckte. Und bald darauf hörten wir ein dumpfes lautes Rolle». Ich fragte einen vorbeieilenden Offizier nach dem Grund. ״Es wurde wahrscheinlich eine Maschine unigeschaltet", erwiderte er und eilte von dannen. Bald bemerkten wir einen zweiten Osf׳z׳ec, der eilig herauskam. Sein G-sichtsaurdruck ichien verstört. ״Wis ist geschehen?" fragte man ihn. ״Nichts, ein kleiner Unfall, der bald behoben sein wird." Inzwischen waren mehrere auf Deck gekvmmen. Sie hatten ebenfalls den Stoß wahrgenommen und kamen den Grund zu erfahren. Wir wußten, daß sich irgend etwas ereignet hatte, doch keiner hatte Furcht. Wir hatten volles Vertrauen zur Sicherheit des Dampfers. Der Kapitän stand oben auf der Kommandobrücke und erteilte allerhand Befehle. Uno bald sah man über der Telegraphen zelle lange Funken aufgrellen. Es war der Marconiapparat. Unab Große Auswahl!! Synagogeuornate auch Lüsterkuttc» uud schöne seltene Gelegeuheitskäufe im Rudolf Goldstein, Taborstraße 54 Spezialhaus für Synagogenornate Lieferant zahlreicher in und ausländischer Kultusgemeinden und k. k. Feldrad bi ner Telephon 21990 (iuterurban). Wiederverkäufer Rabatt! Reick» ♦ L

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.