Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 19 (8.8.1912)
- Date
- 1912-08-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische BoMsttmme Nr. IS. Seite 3. ältlich untersucht, desgleichen im Knappschaft-- lazarett in Kattowitz. Karlsruhe. Kürzlich legte Herr Rabbiner Dr. Schiffer in einer eindrucksvollen Ansprache beim MorgengotteSdievst die Bedeutsamkeit der nach langen Vorarbeiten nunmehr in die Tat umgesetzten AgudaS-Jisroel-Jdee dar, behandelte in kurzen Zügen die Ziele und Arbeitsgebiete der neuen Organisation und forderte zu allseitigem Anschluß auf. Dieser Appell hat sowohl innerhalb unserer Gemeinde sowie darüber hinaus lebhaften Anklang gefunden und es haben sich bereits eine große Anzahl Herren zum Eintritt in die hier zu bildende Ortsgruppe bereit erklärt. 'Memel. Das hiesige jüdische Krankenhaus ist eine Rettungsstätte für die Kranken des nahen ruffischen GrenzbezirkeS. Die Unglücklichen kommen krank und hilflos an unsere Tore und begehren Einlaß. Nur der Augenzeuge kann sich von solch bitterem Schicksal eine gebührende Vorstellung machen. Würden wir ihnen die Aufnahme in unsere Anstalt verweigern, so würden sie nach dem übrigen Deutschland auswandern, womit eine Einschleppung von Krankheiten notwendig ver- Kunden wäre. Die positive Wohltätigkeit, welche unsere Anstalt betätigt, ist überaus wertvoll. Jahraus, jahrein heilen wir viele Kranke und Gebrechliche und geben unglücklichen Kindern, Vater und Mutter heil und gesund zurück. Würde dies nicht der Fall sein, so würden viele Familien zusammenbrechen und einem namenlosen Unglück preisgegeben werden. Wir vertreten demgemäß keine lokale Angelegenheit, sondern eine Kulturaufgabe, an deren Lösung jeder Edeldenkende mit Rat und Tat mithelfen müßte. Unsere Finanzlage ist aber leider nicht günstig. Wir sind dauernd auf die jährlichen Beiträge von auswärts an gewiesen, welche naturgemäß bedeutenden Schwankungen unterliegen. Ja, in diesem Jahre mußte sogar Herr Rabbiner Dr. Stein eine Propagandareise unternehmen, sonst wären wir weit im Rückstände geblieben. Dem gegenüber haben wir zu betonen, daß unsere Ausgaben bedeutend gestiegen sind. Die vermehrte Krankenzahl, die erhöhten Gehälter, Preissteigerung der Lebensmittel, unabweisbare bauliche Reparaturen und Beränderungen haben unsere Ausgaben derart vermehrt, daß wir auf eine Erhöhung unseres Einnahmeetats unbedingt bedacht sein müssen. Unser sehnlicher Wunsch, einen Pavillon für Jnfektionskrankheiten zu besitzen, ist damit wiederum in weite Entfernung gerückt. Auch sonstige andere notwendige Ergänzungen mußten zurückgestellt werden. Frau Geh. Komurerzienrat Henriette Becker in Berlin begründete gemeinsam mit ihren Kindern, Herrn Dr. jur. John Becker und Frau Dr. Maria Becker, eine dauernde Krankenbettstiftung. Zu diesem Zwecke stellten uns die Genannten gemeinsam eine Summe von 10.000 Mark zur Verfügung. Herr Rudolf Moste und Herr Direktor Dr. Georg Minden in Berlin spenbeten je 1000 Mark. Im März 1911 wurde Fräulein Therese Markus vom Berliner Schwesternheim auf den Posten der Oberin berufen. Das Kuratorium des jüdischen Krankenhauses bestehe aus den Herren: Tobias Abelmann, S. CH. Bernstein, Dr. med. Max Hurwitz, Jakob Lippmann, Aachen, Rabbiner Dr. Isaak Stein, Landesgerichtsrat Wechselmann. Straßbnrg. Vom jüdischen Museum. Dem jüdischen Museum (Niklausstaden 23) sind auck in letztvergangener Zeit wiederum .verschiedene Zuwendungen gewacht, worden, so z. B. ein silberner Hawdolohleuchter, ein Chanukaleuchter von hohem künstlerischen Werte von Frau Jules Mache in Paris, ein sehr altertümliches Schofar mit hebräischer Inschrift von Herrn Singer-Dreyfus in Osthofen u. a. Die Mitglieder der Gesellschaft für die Geschichte der Israeliten in Elsaß-Lothringen (Jahresbeitrag 8 M.) haben freien Eintritt und können auch die übrigen Sammlungen des Elsäffischen Museums besichtigen. Anmeldungen nimmt entgegen Herr Simon Bloch, Gerbergraben 46, hier. London. Der ״Daily Chronicle" bringt ein Interview mit Pastor Leithen, einem Geistlichen, der seine Tätigkeit innerhalb der Arbeiterbevölkerung auSübt und insbesondere bei dev letzten Streiks die Not unter den Arbeitern zu lindern bestrebt war. Pastor Leithen vermochte dem Journalisten gegenüber die große Herzensgüte der armen jüdischeu Nachbarn der Arbeiter nicht genug zu rühmen. ״Gestern" — so sagte er — ״sandte mir eine jüdische Familie eine ganze Ladung Brot und an den beiden vorhergehenden Tagen stellten mir die jüdischen Bäcker 500 bis 600 Laibe Brot zur Verfügung. Ein jüdischer Friseur in einer kleinen Straße brachte mir eine Liste von 25 Glaubens-;enoffen und erklärte, er könne die Liste bis auf;0 ergänzen. Diese 50 jüdischen Familien wollten )0 armen Kindern eine Woche lang jeden Tag »reimal die nötigen Mahlzeiten spenden. Es bot!eine Schwierigkeit, die erforderliche Zahl von hungernden Kindern zu bekommen, und sie er-!sielten alle dreimal täglich ihr Essen von den Juden." Diskonto-Gesellschaft bei der Nordösterreichischen Bank für Industrie, Handel und Landwirtschaft, registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung in Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Bankgeschälte, hauptsächlich auch für den Eskompt offener Buchforderungen unter den allergünstigsten Bedingungen. London. Einer der populärsten Führer der englischen Judenheit, Mr. D. Q. Henriques, ist plötzlich im Mer von 62 Jahren gestorben. Der Dahingegangene war an allen großen jüdischen Institutionen der englischen Metropolis als aktiver Mitarbeiter beteiligt. Im Juni 1910 überreichte er in Begleitung anderer Führer der Gemeinde )em neuen Könige eine Ergebenheitsadreffe. Mit dem gleichen Ehrendienste war er auch betraut, als König Edward VIIden Thron bestieg. Beachten Sie den kleinen Anzeiger unseres Blattes. — ~ Ankündigungen haben besten Erfolg. KunäjHau. Eine Epitaphiensammlnng von den alten böhmisch-mährische» jüdische» Friedhöfen. Heute gibt es schon zahlreiche jüdische Friedhöfe von einst blühenden oder auch kleineren alten Gemeinden, die verlaffen dastehen und nur höchst fetten mehr besucht werden. In ihren bemoosten, mehr oder minder gut erhaltenen Grabsteinen findet sich,manches interessante Materiale für unsere jüdische Kulturgeschichte. Große Brände, die in den meisten Gemeinden gewütet haben, vernichteten vieles was heute für uns das größte Interesse hätte; einzig und allein haben sich in den meisten Fällen die Epitaphien, so weit der Zahn der Zelt sie nicht verwischte, erhalten. Gerade in der schönen Sommerzeit ließen sich diese Inschriften kopieren, um dann in einem Zentralarchtv, etwa in der großen Wiener Gemeindebidliothek, hinterlegt zu werden. Eine Beschleunigung dieser Arbeiten wäre um so wünschenswerter, weil alte Sandsteindenkmäler dem Verwittern leichter ausgesetzt sind. Voller Spannung sieht man der Herausgabe der Dr. Wachsteinschen genialen Bearbeitung der Inschriften des derzeitigen ältesten Wiener jüdischen Friedhofes in der Seegasse im IX- Bezirke entgegen, dre den hier ausgesprochenen Wunsch eine allgemine Epitaphiensammlung zunächst in Böhmen und Mähren zu veranstalten, baldigst verwirklichen dürfte. Ist einmal mit Böhmen Diahren der Anfang gemacht und kommen dann die anderen Kronländer an die Reihe, so hätten wir ein corpu8 inscriptionum vor uns, dessen Wert nicht zu unterschätzen wäre. Vom Nürnberger deutsche» Sängerfest. Die d.utschnatioaalen Sänger aus Prag haben sich in Mrnberg die liberalen Landsleute konsequent vom Leid gehalten, sticht einmal in dem großen Festzug marjchiertrn sie mit ihnen gemeinsam, sondern sicherten sich einen Extraplatz. Die Liberalen waren natürlich gekränkt und fühlten die Zurücksetzung, aber die Kraft zur letzten Konsequenz fehlte ihnen. Mißmutig und mtt gesenkten Häuptern trottelten sie den arischen Sangesdrüderu hinten nach- Es geht eben nichts über ein dtckes Fell. Das Denkmal für Herr und Fran Isidor Strauß. Das Komitee zur Errichtung eines dauernoen Denkmals für die bei der ״Titanic"- Katastrophe ertrunkenen Eheleute Isidor Strauß hat aus Anregung des Kassaverwalters Jakob H. Schiff beschlossen, zum ewigen Andenken an die Genannten in Broadway im westlichen Ne^york einen großen öffentlichen Park zu errichten, der den Namen der Verstorbenen tragen wird. Den Park wird ein Brunnen mit allegorischen Figuren, welche die Vorzüge der Verstorbenen symbolisieren werden, zieren. Herr Professor Caimi in Athen hat es sich zur Ausgabe gemacht, die jüdische Bevölkerung Griechenlands durch eine Zeitung in griechischer Sprache mit den Ereignissen im jüdischen Leben der Gegenwart ständig bekannt zu machen. Die neue Zeitung heißt ״JSrailitiki AethipheorosiS״ und erscheint einmal im Monat. Jüdische Karrenhaufierer in Amerika für die Errichtung öffentlicher Märkte. Etwa 800 jüdische Karrenhausierer hatten sich am 14 Juli nachmittags in Central Palace Hall eingefunden, um die Frage der Errichtung öffentlicher Märkte, in welchen alle Hausierer finden sollen, zu venfilieren und nahmen zu Schluß der Versammlung Resolutionen an, welche diese Einrichtung besür- Worten, allerdings nicht, ohne daß sich zum mindesten ein Dutzend Stimmen dagegen ausgesprochen hätten. Joseph Barondeß leitete die Sitzung und sprach zu verschiedenen Malen zu Gunsten der öffentlichen Markthallen, wobei Dr. Hirsch MaSlainsky ihm sekundierte. Die Verhandlungen fanden auf Antrag Herrn Barondeß in jüdischer Mundart statt; wie der Vorsitzende erläuterte, weil sich sonst vielleicht der eine oder andere Zeitungs-Berichterstatter bewogen finden könne, unangebrachte Spässe loszulassen, wenn einer der Redner sich der englischen Sprache nicht ganz mächtig erweise. Von den Rednern einer, Max Rosen blatt mit Namen, der die Landessprache vollständig beherrschte, protestierte gegen diese Verfügung, doch wurde er schließlich überstimmt. Ein anderer Sprecher führte aus, daß nur 5000 Hausierer lizensiert seien, während 25000 Hausierer ihrem Gewerbe nachgingen und fragte zum Schluß, ob man etwa die übrigen 20 000 ins Wasser werfen wolle, auf welche Frage ihm die Versammlung die Antwort schuldig blieb. vr.BudoifBstdsikkv gew. Leitet in I.cdlrg. Abteilung Ser ranaeruranuenanrlalt wohnt: kclre Terdinand$9a$$e nnd 3 odannesgarre <• »«׳«,-> oidittttrt täglich von 2 vir 4 Uhr nachm. JernsprecDer Nr 603. Einweihung der Teppiche. Man schreibt uns: ״Auf meinen vielen Reisen habe ich schon oft Gelegenheit gehabt, sehr viele jüdische — orthodoxe und reformierte — Institutionen kennen zu lernen. — Was ich aber gestern hier in der ״Neuen" Gemeinde zu B. gesehen habe, das widerspricht selbst Rabbi Akibas Ausspruch: ״Es ist alles schon dagewesen." Also: ich kam da etwas zu spät zum Gottesdienst, deshalb frug ich meinen Nachbar, was der Rabbiner da predige, es sei doch heute nichts besonderes. Der gab mir wie selbstverständlich die Antwort: ״Der Teppich dort vorne wird eingesegnet!!— Beinahe wäre ich herausgeplatzt vor Lachen, weshalb ich mich schnell aus diesem ״Gotteshaus" entfernte, wo man vor lauter Neuerungssucht nichts anderes mehr erfinden kann als Teppiche einzusegnen, anstatt zu beten." i Sternhof i bestes aller Bitterwässer. Eine offzielle Statistik über die Juden Ut Indien. Wie dem soeben erschienenen offiziellen jtatlstische» Jahrbuche in London zu entnehmen ist׳ betrug die Zahl der Juden in Indien im Jahre 1911 insgesammt 20980 Personen. Und zwa! 10813 männliche und 10167 weibliche öer größte Teil dieser Juden, 15081, wohnt in der Präsidentschaft Bombay, darunter 3747 in '«^en. Größere jüdische Kolonien sind überdies in Bengal (1992), Burma (1024). In den Eingeborenen-Staaten der Präsidentschaft Bombay leben 1023 und in den Eingeborenen-Staaten der Präsidentschaft Madras 1243 Juden. Bon den Letzteren leben 1175 in . den Eochin-Staaten. Soeben erschienen: ״Hictls Jüdischer VolMalender"