Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 19 (8.8.1912)
- Date
- 1912-08-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Jüdische Volksstimme Nr. 19. Aorrejponäeazen Gödmg. Das Programm des Studententages und des Stiftungsfestes ' der jüdisch-akademischen Ferialverbindung ״Gamala" in Göding ist folgendermaßen sestgesttzt worden. I. Dienstag, den 13. August 1912, 9 Uhr abends. Begrüßungsabend im Hotel Central. II. Mittwoch, den 14. August, 81/* Uhr früh. Beginn des Studententages. Tagesordnung. 1. Referat über nationale Erziehung. 2. Referat über Aufgaben des zionistischen Studenten. 3. Referat über Betätigung des jüdischen Studenten in politischer Beziehung. 4. Organisation. 5. Jüdische Moderne. 6. Eventualia. 1 Uhr gemeinsames Diner im Hotel Central. 3 Uhr nachmittags Fortsetzung der Beratungen des StudeutentageS. 9 Uhr abends Festkneipe der Gamala. Donnerstag, den 15 August vormittags Festkonvent, abends 8 Uhr Festkommers. Mkolsburg. In der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes beklagt sich ein Boskowitzer über den Niedergang des religiösen Lebens in BoSkowitz. ES ist manches leider wahr, aber Boskowitz macht da keine Ausnahme, diese traurige Erscheinung findet man leider in allen alten mährischeu Gemeinden. Eine Sache ist mir, der ich auch ein Boskowitzer bin, auffallend. Wenn ein Augehöriger einer alten Gemeinde in die Fremde zieht, dort viele religiöse Gebote selbst vernachlässigt, so ist es dann eigentümlich, wenn er sich dann über den Niedergang der Religion in der Heimat beklagt. Ja, mein lieber Herr, deine Landsleute haben in deiner ehemaligen Gemeinde dasselbe getan, was du in der Fremde tatest, nämlich die heiligen Gebote übertreten. Warum regst du dich deswegen aus? Es kommt mir gerade so vor. wenn jemand am JahrzeitStage in einen Tempel hineinstolpert, sich bitterlich über die Lücken, die die Synagoge aufweist, äußert. Würden alle die, die in einem solchen Falle sich über den schwachen Tempelbesuch beklagen, selbst das ganze Jahr in den Tempel gehen, denn wahrlich würden die Tempelräume nicht so verödet dastehen. Bei dieser Auseinandersetzung will ich nur gewöhnliche Redensarten beleuchten, ohne jedoch die Person deS mir unbekannten Berichterstatters zu kritisieren. Auch hätte ich eS gerne gesehen, wenn letzterer ein Mittel angegeben hätte, um dem Zurückgehen des religiösen Lebens Einhalt zu tun. Meines Erachtens nach wären gewandte Redner zu berufen, welche mit Feuereifer für ihre Religion schwärmen, um unsere GlaubenSgenoffen zu erwärmen für die angestammte Religion. Für die Ortsrabbiner, den guten Willen vorausgesetzt, ist diese Aufgabe undankbarer, da man an deren Ermahnungen gewöhnt ist und diese deshalb wenig Wirkung ausübt. Em fremdes Element regt die Neugier an, alles strömt herzu, um seinen Worten zu lauschen und ein Erfolg ist dann nicht ausgeschlossen. Proßnitz. Die am 29. Juli d. I. stattgefundenen Chargeuwahlen des jüd.-akad. Ferialvereines ״Giskalah" in Proßnitz ergaben folgendes Resultat: JUC. Max Sdorowltz, Präses; cand. phil. Paul Altar, B1ceprä>es; jur. Robert Steckler, Schriftführer. Aus dem Rechenschaftsberichte des abtretenden Präses ergab sich, daß die ״Giskalah" wieder auf ein erfolgreiches Semester zurucksieht, in dem viel intern zwmst.sche Arbeit geleistet wurde. Alle jüdischen Abiturienten der hiesigen Mittelschule, die in Proßnitz wohnen, ttaten unserem Vereine bei, so daß die gegnerische Feri> alis auch nicht ein Mitglied erhielt. In heurigem Semester plant die ״Giskalah" neben interner Arbeit auch mit einer großen geselligen Veranstaltung in die Oeffentlichkett zu treten. Wir bitten die lieben Brüder und Gesinnungsgenossen schon heute davon Kenntnis zu nehmen. Zuschriften sind an die Adresse: ״Giskalah", Proßnitz, Schloß zu richten. Marienbad. In Marienbad fehlt es zurzeit noch an einer zionistischen Organisaüon. Nun strömen aber Menschen aus allen Ländern hier zusammen und es wäre zweckmäßig, daß man von der Leitung aus für Propaganda hierseldst sorgt. So wollte dies Jahr die zionistische Agitation hier nicht recht in Fluß kommen. Mit der Ankunft des Herrn Blitz aus Berlin hat sich das zionistische Leben etwas belebt. Man hörte allgemein, daß Herr Blitz Palästina kennt. Die Zionisten scharten sich um ihn und er gab instruktive Autschlüsfe und fand offene Ohren, vor allem, als er einen öffentlichen Vortrag über Palästina hielt Seine Ausführungen waren so überzeugend, so fesselnd und schön, daß er das ganze Publikum Zionisten wie Nichtzionisten hinriß. Man hört noch täglich in nichtzionistischen Kreisen den Vortrag sympatisch besprechen. In dieser Versammlung sprachen hier auch: Herr'Dr Htymann aus Berlin, Herr Dr. Beudersky aus Kiew und Herr Mintz aus Rostow a. D. Die Versammlung war eine äußerst gelungene. Herrn Blitz sei hiermit nochmals der Dank ausgesprochen. Am Ende spendete die Versammlung etwa 50 Kronen für den Nationalfond. NIEDERLÄNDISCHE LEBENS VERS1CHERUNGS GESELL- SCHAFT, WIEN, I. ASPERNPLATZ 1 Im eigenen Palais. — Versichertes Kapital drfca 380 Mlllonen. Reserven drka 113 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht — Unser neuester Tarif mit 5°.0׳ jährlich fallender garantierter Prämie- Generalagentur für Wien, 1., Aspernplatz 1, Leiter David Nebenzahl. Sub Direktion für Prag, Ferdinandsgasse 20, neu, Leiter Robert Gerstel. Sub-Direktion für Lemberg, Szajnocba 3, Leiter LObl Taubes. Nachod. Samstag, den 27. Juli d. I., feierte unser alloerehrter Vorsteher Herr Jakob Pick seinen 80. Geburtstag. Da derselbe gegenwärttg im Bad Kudowa weilt, fand Sonntag, den 28. Juli, die׳ Gratulationskour statt. Der gesamte Vorstand, der Herr Rabbiner Dr. Sicher, die Lehrer und Kantoren begaben sich zu Wagen ,׳ach Kudowa. Der Borsteherstellvertreter Herr Gustav Schur schilderte das Schaffen und Wirken des Jubilars während der langen Zeit seiner Tätigkeit als Mitglied deS Borstandes und als Vorsteher unserer Gemeinde. Hierauf schilderte Rabbiner Dr. Sicher in markanten Worten das erfolgreiche Wirken des Vorstehers als Privatmann, als Vorsteher der Gemeinde und schließlich sein Wirken für die Gesamtheit des Judentums. ״Iwri onoucni“ war sein Wahl'pruch und er trat immer für daS Judentum mutvoll ein auch in Zeiten der Gefahr; er hielt jederzeit die Fahne seines Stammes hoch. — Hierauf trug Herr Kantor Lebowitsch mit klangvoller Stimme einen Mischeberach vor und Herr Oberlehrer Bäuml dankte dem Jubilar für seine eifrige Sorgfalt um die israelitische Schule und sein mutiges Eintreten für dieselbe. Herr Jonas Lewilh trug die Wünsche der Chewra-Kadischa vor. Tiefgerührt dankte Herr Jakob Pick für diese Huldigung. Wien. (Ehrung des Oberkantors Jos. Morgenstern.) Anläßlich der ersten Jahreswende seiner Amtstätigkeit versammelten sich die Freunde deS Herrn OberkantorS Morgenstern im Zeremoniensaal des Leopoldstädter Tempels, um vor dem Freitag-Abend-Gottesdienst den Oberkantor zu beglückwünschen. Vom Oberdirigenten Herrn Heimann namens der Sänger herzlichst begrüßt, bewnte er die Anhänglichkeit an ihn, der heute auf das erste Jahr rühmlichen Wirkens zurückblicken kann, worauf der Oberkantor gerührt dankte und die Empfindung steter Zusammengehörigkeit bestätigte. Aus der Reihe der Betsitzbtsitzer richtete Herr Dr Nachanson herzliche Worte an den Oberkantor und überreichte als Ehrengeschenk einen mit Widmungsworten auSgestattcten Siberpokal als äußeres Zeichen allgemeiner Anerkennung und Wertschätzung. Es erfülle ihn dieses Zeichen mit Stolz — meinte der Oberkantor Morgenstern — und blickte in dieser Ehrung die erste Errungenschüft. Namens der persönlichen Freunde nahm Professor Nascher das Wort, um in eindringlicher und herzlicher Rede die Verdienste und das reiche Können Oberkantor Morgensterns zu kennzeichnen und mit dem tiefempfundenen Glückwünsche, in dessen Amen die Anwesenden begeistert einstimmten, fand diese intime Ehrung ihren Abschluß. Taruow. Vergangene Woche fand ein seit längerer Zeit andauernder Kampf zwischen der Gemeindeverwaltung und den Metzzern unserer Stadt ein glückliches Ende. Die Metzger hatten bisher Koscher- und Trefesleisch in den gleichen Lokalen verkauft. Dem Versuche unseres energischen Gemeindepräsidenten EliaL Baron, diesem Mißstande abzuhelfeu, setzten die Metzger hartnäckigen Widerstand und schließlich den Streik entgegen. Dank der zähen Ausdauer der Gemeindeverwaltung, die von der ganzen Gemeinde bei ihrem Kampfe leb Haft unterstützt. wurde, ist eS nunmehr gelungen, den Widerstand der Metzger, ohne daß sie die Preise erhöhen konnten, zu brechen. — Mit knapper Not sind wir einer Ritualmordpanik entrönnen. Ein christliches junges Mädchen, denunzierte die Frau eines hiesigen Mohels bei der Polizei, sie habe vor Peffach in Anwesenheit des Rabbiners ein ' christliches Mädchen geschlachtet. Die Polizei veranstaltete eine Haussuchung in dem Hause des Model, um schließlich zu erklären, die Denunziantin sei geisteskrank. Diese Tatsache hätte der Polizei auch vor der veranstalteten Haussuchung. die leicht Unruhen hätte Hervorrufen können, bekannt sein müffen. Budapest. Honvedminister Hazay hat verordnet, daß man bei der Affentierung auf die jüdischen Feiertage Rücksicht nehmen solle und am 12. und 13. September keine Militärstellung vornehme. Neutra. Jakob Läufer, ein ftommer jüdischer Gutsbesitzer, wurde, als er über die Eisenbahnschienen setzen wollte, vom vorbeibrausenden Zuge erfaßt und samt Frau getötet. Berlin. Ein ftivoler Diebstahl ist auf dem Begräbnisplatze der jüdischen Gemeinde in Weißenfee verübt worden. Nachts drangen zerstörungssüchtige Buben auf den Friedhof und machten sich an die Zerstörung eines der Erbbegräbnisse. Die rohen Burschen rissen unter anderem sechs Bronzekttten von erheblichem Werte aus den Füllungen heraus und nahmen sie als Beute mit. Berlin. Das neue Krankenhaus der Berliner Jüdischen Gemeinde, das an der Exezier-, Schul- und Zumptstraße ersteht, ist im Rohbau ganz bedeutend vorgeschritten. Fast vollendet ist das an der Exezierstraße gelegene, von einem kleinen Turm bekrönte Verwaltungsgebäude, dessen Mittelbau iu Sandsteinverkleidung auSgesÜhrt ist. Die beiden an den Mittelbau sich anschließenden Flügelbauten sind in Putzbau hergestellt. Ebenso ist ein großer Teil der im Pavillonstil errichteten Gebäude im Rohbau vollendet. Das Krankenhaus enthält eine den modernen hygienischen Anforderungen entsprechende große Entbindungsanstalt. Breslau- Auch unsereren Breslauer Freunden ist bei ihrem rastlosen Eintreten für die neue Regelung der Sonntagsruhebestimmungen eia Erfolg geschieden gewesen. In der Handelskammersitzung stand nämlich die Sonntagsruhe auf der Tagesordnung und führte der Referent, Prof. Dr. Riefenfeld, u. a. folgendes aus: Da den gesetzestreuen Juden, die ihr Geschäft am Sonnabend geschlossen halten, bei Einführung der vollständigen Sonntagsruhe dadurch, dqß sie zwei Tage hintereinander ruhen müffen, großer Schaden entstünde, tritt der Regierungsentwurf iu § 4 dafür ein, daß für die jüdischen Angestellten am Sonntag eine fünfstündige Arbeitszeit mit der Maßgabe, daß die Geschäftsräume für den allgemeinen Verkehr geschlossen sind, gewährt werde. Durch verschiedene Handelsgehilfenvereine wurde gegen diese Paragraphen Protest erhoben, was die gesetzestreuen jüdischen Kaufleute — wie in anderen Städten so auch in Breslau — veranlaßte, demgegenüber fiir ihre berechtigten Forderungen mit Nachdruck einzutreten. Die Handelskammer möge sich daher mit dem Beschlüsse des Handelskammerausschusses einverstanden erklären, der da lautet: ״Die Handelskammer tritt energisch iu jedem Falle für die Aufrechterhaltung des § 1 des Regierungsentwurfes ein.“ Da sich kein Widerspruch erhob, konstatierte der Vorsitzende, daß die Handelskammer sich mit den Ausführungen des Referenten einig erklärt. Friedrichstadt. Ein jüdischer Veteran. Unter reger Beteiligung der israelitischen Gemeinde und seitens des Kriegsvereins wurde dieser Tage auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe der 91jährige Ziegelelbesitzer Wilh. Rowoldt, früher Einwohner unserer Stadt, zur letzten Ruhe geleitet. Der Heimgegangene war ein alter Veteran von 1848—50. Kattowitz. Jüdische Arbeiter in den Kohlengruben. Die jüdische Gemeinte Lodz hat kürzlich den ersten Trupp jüdischer Arbeiter in die Kattowitzer Kohleugruven entsandt. Es waren zunächst 60 Mann, doch soll die Zahl nach und nach bis auf 250 gesteigert werden. Der Warschauer Generalgouverneur ermäßigte die Paßgebühr auf einen Rubel für den Kopf, die nebst den Reisekosten von der jüdischen Gemeinde getragen wurde. Bor der Abfahrt wurden die jüdischen-Arbeiter in Lodz vir schönste Schrift in Kürzester Zeit erreicht jedermann! K• K. vev. aut, Zcdreivrcdnie Professor Rudolf Roubetcbck »״ -,,i-t-r-»,»,«!»«״- Pran Iü?tl7?kltlaf7 *7 n«c»' anrtvSm hrletlicher Unter riag, umtztl>p1a1z ncvt nach etg. ger. gerev. Methode