Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 19 (8.8.1912)
- Date
- 1912-08-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. Jüdische Volksstimme Nr. 19. Gotusblüten. Las ״Berliner Tageblatt" brachte vor kurzem folgende Annoncen: Graf, aktiver Offizier, 40 I. alt, schöne, große, elegante Erscheinung, schuldenfrei, wünscht Lebensgefährtin, bevorzugt Jüdin, auch Witwe, Barmitgift nicht unter 3,000.000 M Strengste Diskretion Ehrensache. Off. V. K. 9982, Expdt. S. W. * Einsamer solid. Kavall.-Offizier sucht Heirat mit gleichges. Dame m. groß. Vermögen (bei Jüdin Taufe nicht nötig). Off. u. O. 14.754 Has. u. Vogler. Frankfurt a. M. Heirat. Ich suche Bekanntschaft jgr. Dame bis 25, groß, wirkt, ahnsehnl. u. häuSl., heit. Wesens. Auch Jüdin german. Typus angen. Bedarf eS hierzu noch eines langatmigen Kommentars? Sind die Juden noch immer so dumm, daß ste für die Millionenerbiu eine passende Partie durch die Zeitung suchen müssen und beglückt sind, wenn ein schuldenfreier Adeliger (Vermögen scheint der Kavalier allerdings nicht zu besitzen) sich herabläßt, in diesem Falle — für 3 Millionen I — eine Mesalliance: zu schließen. Die Toleranz geht soweit, daß sogar ״die Taufe nicht nötig" ist. Wir sind gerührt über soviel Edelmut und Toleranz. Nur schade, daß wir uns für zu gut halten, als einer solch schimpflichen Be- Handlung zuzustimmen. Und das Verhalten von Assimilanten, die noch immer das nötige Rückgrat nicht gefunden haben, wollen wir nach Kräften niedriger hängen. Bielleich finden sich dann auch allmählich bei unfern oberen Zehntausend die Erkenntnis, daß solche Liaisons von jedem Standpunkt aus betrachtet, ganz unglaublich niedrig sind. Krankkeilen cier Nerven, ries Wagens, Darmes etc. werden mit Erfolg in Dr. Hutbans Sanatorium in TISCHNOWITZ kuriert. — Prospekte. Eine Verordnung gegen den Luxus. Einen Einblick in die eigentümlichen Verhältnisse Galiziens bietet ein Aufruf, der von angesehenen Persönlichkeiten der galizischen Judenhcit erlassen wird, um dem Luxus zu steuern, der sich bei jüdischen Hochzeiten breit macht. Derselbe lautet: ״Wegen der schlechten Zeiten, in denen sich heute die jüdische'Bevüllerung befindet, möge sich möglichster Einfachheit und BcscheidenheU in der Lebenshaltung befleißigen. In einer hier abgehaltenen Versammlung, die von fünfhundert Person en dc>ucht war, waren wir alle darüber einig, daß die Steigung zum luxuriöse» Leben Schuld an dem wirtschasllrchcn Niedergänge der jüdischen Bevölkerung ist, auch daran, daß sich die Verheiratung der Linder immer schwieriger gestattet. In einem Lvmrtee, dem 10 angesehene Persönlichkeiten angchüren, wurden daher auf Grund der vielfachen vom Publtlum gestellten Anträge folgende 7 Bestimmun» gen getroffen: 1. -Der ״Streimel" (Kopfschmuck) hes Bräutigams darf nicht mehr als 100 Lronen tosten, die der Vater des Bräutigams zu tragen hat, während der Schei» lei vom Later der Braut bestritten werden muß; 2. die zwischen dem Brautpaare gegenseitig ausgelauschten Geschenke dürfen 10 Prozent dev Mitgift nicht überschreiten; 3. Es darf der Braut ein separates Kleid zum Zwecke der Trauung nicht angeserligt werden. Ebenso bars die Braut am Trauungslage leinen Schleier tragen; 4. man soll auch ferner leinen Badchon (Lusllgmacher) mehr bei Hochzeiten anstellen. Die Hochzpusrajet soll so zusammengeslellt sein, daß große Ausgaben für Küchen- und Servierungsperjonal oermreden werde»; b. Frauen dürfen mchl mehr mit Hüten rn der Synagoge oder im Lereinshauje erscheinen; 6. aus einem ״Sochor" darf tcui Bier serviert werden; 7. berm sog. Ehnjuna Kldoujch in» dem der Hvchzeu vorangeyenten Sadkarh) sollen die Gäste irur mrr Zuckertucheil und Ersrischungen bewirtet weiden. Nachminags soll der Bräutigam nur von sungen Leuten besucht werde.,." Ein Liebesbrief aus der Zeit des Erz- Vaters Abraham. Die Kunstzeitschrift ״Ameriean anliquarian״ bringt Mitteilungen über Ausgrabungen in Aegyprcn und Chat» däa, durch die ungewöhnlich interessante Dolumcnle äf>e. bas Gefühlsleben der Bewohner des Landes zu den Zeiten des Erzvaters Abraham uns bekannt werden. Die wiffenschaftlichen Ausgrabungen, die von einer amerikanischen Gesellschaft geleitet werden, haben bis jetzt ein reiches Material, besonders über das Leben der Frauen vor mehr als 2000 Jahren, zutage gefördert. Wir erkennen daraus, daß die Frauen Chaldäas zu jener Zeit sehr viele Rechte hatten, ihr Gelb allein verwalten konnten, Geschäfte führten, Klagen anstrengten, ja sogar das Amt eines Vor» mundes verwalten durften. Die Frauen lebten damals in einer Frecheit, die sich zum großen Teil noch heute in verschiedenen Ländern nicht haben. Ein ungewöhnliches Interesse erweckt unter allen den Zeugen vergangener Jahrtausende ein Liebesbrief, der mehrere 1000 Jahre alt ist und ungefähr zu den Lebzeiten des Erzvaters Abraham geschrieben sein dürfte. Wir haben bei den letzten wiffen» schaftlichen Ausgrabungen vielfach Liebeslieder gefunden, die sicherlich den Zweck unserer heutigen Liebesbriefe hatten. Die heutige Vorstellung von Liebesliedern, die gleichsam unpersönlich sind, tvenn sie auch Gefühle zu einer bestimmten Frau ausdrücken, trifft auf die damalige Liebeslyrik nicht zu. Die Liebeslieder von damals wurden jedenfalls nur zu dem Zweckgeschrieben, um der ange» dichteten Frau übergeben zu werden, und ihr so in persönlichster Form brieflich eine Mitteilung zu machen. Aus diesem Grunde ist der in Chaldäa gefundene Liebesbrief von ungewöhnlichem Jntereffe, da hier zum erstenmal ein Brief auftaucht, in dem ein liebender Jüngling seine Geliebte ansprtcht und ihr allerlei Mitteilungen macht. Der Schreiber tvohnte in Babylon, die Empfängerin in Sepharvoni (heute Sippara), wo der Brief gefunden wurde. Er lautet folgendermaßen: ״An die Dame Sasbuya richtet Gimil Marduk folgende Worte: ״Möge der Eon» nengott und Marduk Dein Leben ewig dauern laffen. Ich schreibe, weil ich Nachricht über deine Gesundheit haben möchte. O sende mir Mitteilungen darüber nach Babylon, wo ich lebe und dich nicht sehen kann, was mich sehr bekümmert. Sende mir auch Nachricht, wann du zu mir kommst, dann werde ich glücklich sein. Komme im Monat Macheschwan! (Das ist ungefähr unser Monat Oktober.) Mögest Du ewig leben um meinetwillen!" Im Monat Macheschwan fanden in Babylon die großen Gottesdienste und Feste statt. Darum dürsnm viele Bewohner der kleinereri Städte und des Landes in diesen Tagen nach Babylon gekommen sein. Röntgen-)nstitut Durchleuchtungen der Brust «ud Baucheiugcweidc. Photographien bei UufuA. Verletzungen, Gelenksu. Knochenkrankheit««. Heilbehandlung bei verschiedenen chr«. nischen Krankheiten. Speziakarzt Dr. Hugen Kodon, Br Lu«, Großer Platz 3, (Bankhaus Telephon 144t (tulernebant» 1912 Wochenkalender 5672. X!Aug. Festtage הפטרה M D F S :ז 7 8 9 10 פרק ששי׳ מברכי] החדש׳ דאה עניה כועדה S nr 11 M כט 12 יום כפור קטן׳ ע־ב -דז אלול D י* 13 1 א׳ דראש חדש-Tag R. t!h. M א 14 ׳ — ב׳ דראש חדש-• Tag 9j. 6y. D F כ 15 16 א• יי א״י־י דןר$ן : 'S ד 17 פרק ראשו;׳ יטופט־ש ם;חסבם! -s HaiMiie in Ung.-Brod (Mähren) für Knaben mit separatem Kurs für Mädchen gelangt am 1• Oktober 1912 zur Eröffnung Außer intensivem Unterrichte in allen Handelsfächern wird auch jäd. Literatur unterrichtet. Für verlässliche Pensionen ist vorgesorgt. Anfragen erledigt der Vorstand. Ung.-Brod im Juni 1912. Der Kultusvorsteher und Gremialvorstand Brammer. RannaK-Hcllcr Johann Gottlieb, Brünn, —־״ Krautmarkt :. : Telephon Nr. 1122. Telephon Nr. 1122 im Ausschank nebst ״Pilsner Urquell“ ״Münchner Paulanerbräu“, welches zur geneigten Abnahme bestens empfohlen wird und in Gebinden sowie in Flaschen stets zu haben ist. 1■ 11■ in Brünn. Schülleraufnahme für das Schuljahr 1912/13 Die Einschreibung der Bewerber (Beweiberinnen) um Neuaufnahme in die Anstalt finden statt: a) Höhere Gewerbeschule: 4 Jahrgänge, Ein- — jährig- Freiwilligenrecht, vollständige Ausbildung in der Spinnerei, Weberei, Färberei, Appretur und in den frommerziehen Fächern. Montag den 16. September: Einschreibung von 6—10 Uhr vorm. Aufnahmsprüfung von 10 bis 12 Uhr vorm, und von 2—4 Uhr nachm. b) Abiturientenkurs: (Einjähriger Textilfachkurs ■ -- — ■ - -für absolvierte Mittelschüler und Schüler gleichgestellter Anstalten). Dienstag den 17. September von 10—11 Ühr vorm. c) Fachschule: für Spinnerei, Weberei, Fäiberei ~ ׳■ - .— ■ - und Appretur; je 3 Semeslerkurse zu ö Monaten. Dienstag den 17. September von 8—10 ühr vorm. d) Mädchenkurse: für Noppen und Ansnähen':;— monatlicher Tageskurs. Dienstag den 17. September von 3—4 Uhr nachm. e) Abendu. Sonntagskurse: Fachliche Fort- -— - — - ■ - - bddungsschulen für Spinner, Weber und Appreture) 2jährige Kurse. Sonntag den 29. September von!0—12 vorm., Montag den 30. September und Dienstag den 1. Oktober von 7—9 Uhr abends. Wechselstube der k. k. priv. Mähr, kscomptedank In Brünn, Grosser Platz II. An- und Verkauf von Staatsrenten,־ Pfandbriefen. Obligationen Aktien und Losen. Ein- und Verkauf von Valuten und Devise». Einlagen gegen Sparbücher oder zur Gutschrift im Konto- Lorrente. Belehnung von Wertpapieren. Die Abstattung kann auch in Teilbeträgen erfolgen., Elnlöfn ״g und Eskompte sämtlicher Coupons «ud verloster Effekten. Ucbcrnahme von Wertpapieren zur Lerwah uug und Bcrivaltung. — Vinkulierungen und Devinkulierungen von Wertpapieren für Kirchen, Stis. tungen und, Fonds von Körperschaften. — Beschaffung Von Militiirheiratsfautionen. — Safe Dcpoflts zur Aufbewahrung von Wertpapieren, Dokumenten, Schmuckgegenständen unter eigenent mehrfachen Verschlüße der Partei. Versicherungen von vcrlosbarcn Wertpapiere» gegen Kursvcrlust. Promessen zu allen Ziehringen, verkauf von Losen gegen TeilzahUmge». T^^_Lase_״ Margaretenhof BRÜNN, Rennergasse 12—14 Strompfs Wintergarten Krautmarkt 2, l. Sto . 818 trüb geöffnet. Täglich Konzert. Alle natürlichen Telephon Nr. 200 Mineral wässe r,B ru nnenproduk|B frisch von den Heilquellen bezogen und von der Sanität», behörde kontrolliert, empfiehlt das Sve»ial««fchäft Andreas Briinn. Rathausgasse. tampiglien sowie sämtliche erzeugt Franz Smejkal PJM Brünn, Markthallengasse (neben dem ßedoutengcbäude). 2.