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Jüdische Volksstimme · 1912-08-01 · Heft 18 (1.8.1912) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 18 (1.8.1912)
Date
1912-08-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4. Jüdische Bolksstimme Nr. 18. der jüdische unbeugsame Wille und die jüdische Schaffenskraft mit all ihren Tugenden und Ge» brechen. heiratet, und eines Kellners geworden, die sämtlich, wie Musial, polni.che Katholiken sind. Es sind dies die 22jährige Protistuierte Szafranska geh. Wenn Herzl uns nichts als sich selbst gebracht! Urbaniak, ihr Ehemann, der frühere Fleischergeselle hätte, so müßten wir -ihm auch schon dafür ein \ SzafranSki, der sie vor einigen Monaten geheiratet ewiges dankbares Angedenken bewahren, er war!hat, und der Kellner BoleSlaus Kutzner, der mit ein Lichtstrahl in unserem Dasein, er zeigte uns jenem befreundet war -und gleich nach der Mord- und der Welt wie ein Jude beschaffen sein könne. 1 tat verschwunden ist. Das übel beleumundete Paar HerzlS Gestalt wird zum Mythos, eine Ge statt, die je herlicher erscheint desto weiter wir uns von ihr entfernen. Im intimen Gespräch hörte ich zuweilen von Manchem, der Herzl sehr nahe stand und gut kannte auch von deffen Fehlern sprechen. Dem sind nun doch einmal alle Sterblichen unterworfen, Fehler zu haben, die von den Andern gesehen werden. Ich meine dann, daß es doch nicht richtig wäre, wenn wir uns selbst Herzl kleiner machten, denn ° hätten wir keinen Herzt gehabt, wahrlich wir hätten ihn uns erschaffen müssen. Diese Bemerkung wurde aber mit beinahe zorniger Entrüstung zurückgewiesen. Einen Herzl kleiner machen? das kann man nicht, selbst wenn man seine Fehler in Betracht zieht. Wir müssen auch nicht Herzl größer machen, denn er war wirklich groß, wir hätten Herzl nicht erschaffen können, denn er war einzig. DaS ist das Urteil guter Herzlkenner, die auch seine Fehler und menschlichen Jrrtümer gesehen haben. Wir aber fragen: Ist es denn möglich, daß dieser einzige Herzl der letzte seiner Art gewesen sein soll: daß in ihm der letzte große Jude erschienen ist? Herzl, ein Produkt des jüdischen Volkes bürgt uns dafür, daß er Nachfolger haben wird Mit einem Appell Herzl nachzustreben, schloß Redner die Versammlung. hatte zur Zeit des Mordes eine Wohnung in der Schwalbenstraße etwa 100 Schritte von dem Fundorte der Leiche - entfernt. Sie kamen gleich nach der Auffindung der Leiche in den Verdacht der Täterschaft, mußten aber wieder aus der Haft entlassen werden, da sie ihr Alibi Nachweisen konnten. Gleich darauf gaben sie ihre Wohnung auf und brachten ihre Möbel auf einem Speicher unter. Durch große Geldausgaben und luxuriöses Austteten fielen sie dem mit der Ermittlung beauftragten Polizeikommiffär Mädelmann-Berlin auf, der sich die frühere Wohnung und die auf dem Spreicher untergebrachten Möbelstücke der SzafranSkis genauer ansah. Die gründliche Untersuchung förderte nun allerlei Verdachtsmomente zutage. Insbesondere zeigten sich an dem Bette, dem Sofa, an den Wänden, die inzwischen durch Tapetenreste ausgebessert waren, und auf den Dielen zahlreiche Blutspritzer. Diese genügten, um die Festnahme der SzafranSkischen'Eheleute wegen Verdachts des Raubmordes zu rechtfertigen; des Kutzner hofft man in kurzem habhaft zu werden. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Mörder ihr Lesen Sie den,Kleinen Anzeiger". Opfer absichtlich in einer Weise hinschlachteten, die geeignet war, unwissende und kritiklose Köpfe an einen ״Ritualmord" glauben zu lassen. Die Untersuchung dürfte bald auch hierüber Klarheit verschaffen. Jedenfalls steht fest, daß, wenn die Presse und die jüdische Gemeinde von vornherein nicht so überaus energisch gegen die Annahme eines ״Ritualmordes" Front gemacht hätten, die jüdische Bevölkerung in Posen und Umgebung unberechenbaren Gefahren entgegengesehen hätte. WIEN - vorm. Hotel Romania ■ =■ - Neu eröffnet! Wien II., Kleine Sperlgasse Nr. 5. 5 Minuten vom Stadtzentrum, in unmittelbarer Nähe des Nord- und Nordwestbahnhofes. PRACHTNEUBAU! 100 ZIMMER. Elegantes Familienhotel. Zentralheizung. Kaltu. Warmwasser in jedem Zimmer. Bäder im Hause — Elegante Halle. Musik-, Schreib- und Lesezimmer — Exquisite und rituelle Küche. IM- Zimmer von K 3 60 aufwäits. -Witz Besitzer Karl Geiringer. Die Aufdeckung der Blutlüge in Posen. Das Größte Aufsehen erregte Ende Juni in Posen der rätselhafte Raubmord, der am Pfingst- Sonntag an dem 16 jährigen KausmannSlchrling Musial verübt wurde. Sein Tod war dadurch bewirkt worden, daß ihm gleichzeitig die Schlagadern an beiden Handgelenken geöffnet worden waren. Nicht lange dauerte es, so durchsckwirrten Gerüchte von einem ״Rttualmord" die Stadt, die besonders bei der niederen polnischen Bevölkerung ein williges Ohr fanden und, soviel wir wissen, auch von der polnisch-katholischen Geistlichkeit agitatarisch verwendet worden sind. Der Inhaber des Konfektionsgtschäftes, in dem Musial Lehrling war, ein jüdischer Herr Kessel, der auf die polnische Landkundschaft angewiesen ist, wurde von dieser daraufhin streng boykottiert und hat durch diesen Boykott empfindlichen Schaden erlitten. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde sah sich deshalb veranlaßt, eine Belohnung von 2000 Mk. auf Entdeckung des Mörders auszusctzen. Nun hat der anfangs so rätselhafte Mord, Dank den Bemühungen des Berliner Kriminalkomissärs Mädelmann, seine lange erwartete Lösung gesunden. Der unglückliche juttge Musial ist das Opfer einer Dirne, eines Zuhälters, den sie ge- Die Empfänger werden ßöftichst ersucht, das Abonnement einzusenden. ww WM >ין Die Reichsduma der Zukunft. Rußland ist das Land der Experimente, nicht der ehrlichen Versuche im Dienste der allgemeinen Wohlfahrt, sondern der politischen Kunststückchen, um das Volk von seinem Elend abzulenken und es irrezukühren. Das Volk! Das ist ja in Rußland ein Wert ohne Inhalt, eine leere Attrappe. Der Hof gebietet und die getreuen Kreaturen vollziehen gegen klingende Anerkennung seine Befehle. Die ganze Duma ist nichts weiter wie eine Komödie, ja, eine furchtbar häßliche Komödie. Die verflossene Reichsduma war die Duma der Bauern, nicht etwa ein Parlament für die Interessen der armen Bauern, sondern die Korruption der Bauern zum Verrat an den Lebensinteressen ihres Standes. Nun soll jetzt eine Pfaffenduma folgen, um den Fanatismus gegen das Volk mobil zu machen. Es wird geplant, eine große Anzahl von Geistlichen in die Duma zu entsenden, um im Namen der Religion die mörderische Politik des Zaren zu sanktionnren. Die Juden haben in Rußland nichts m hr zu hoffen und zu fürchten, und es kann ihnen gleich sein, wer die Statisten dieser traurigen Komödie sind. Ihr Wahlrecht ist ihnen beinahe ganz verkümmert und unter welchem Namen sie bedrängt sind, — das macht keinen großen Unterschied. Aber — alles Unrecht rächt sich', — das ist die Logik der Geschichte. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHER UNGS GESELL- SCHAFT, WIEN, I. ASPERNPLATZ 1 im eigenen Palais. — Versichertes Kapital drka 380 MUlonen. Reserven drka 113 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter »erden überall gesucht — Generalagentur: Karl Bloudek, Brünn, Krapfengasse 18/20 Unser neuester Tarif mit 5% jähr ich fallender garantierte, Prämie Generalagentur für Wien, 1., Aspemplatz 1, Leite! David Nebenzahl. Sub Direktion für Prag, Ferainandsgasse 20, neu, Leiter Robert Oerste!. Sub-Direktion für Lemberg, Szajnocha 3, Leiter Löbi Taubes. Üomfpom! et *5 cn Göding. Die jüdisch-akademische Ferialverbindung ״Gamala" in Göding feiert am 15. August ihr 20semestriges Stiftungsfest. Auch für dieses Fest, wie für den am vorangehenden Tage stattfindenden Sludententag der Mähr.-Schlcsischen Ferialverbindungen gibt sich in zionistischen Kreisen unserer Provinz lebhaftes Interesse kund. . Nikolsburg. Die I. A. V. Hebronia in Nikolsburg veranstaltete am Samstag der 27. Juli im Garten des Cafe Glogau einen von durchschlagendem Erfolge begleiteten Vortragsabend. Nach Eröffnung durch den Präses der Vereinigung jur. Josef Glogau ergriff Herr Dr. Max Oser das Wort zu einigen einleitenden Worten. Das Thema des Vortrages ״Die Strömungen im modernen Judentum" brachte dem Redner, Herrn Profissor Tr. Alfred Spitzer, nichtendenwollenden Beifall. Die überzeugende Redekunst des Vortragenden sowie der gediegene Stoff seiner Ausführungen verfehlten ihre Wirkung auf die überaus zahlreich erschienenen Gäste nicht. Nicht minder exzellierte Herr jur. Fritz Deutsch, der mit wahrhaft schauspielerischer Eleganz Gedichte von Rosenfeld und den berühmten Monolog aus ״Gutzkows-Urivl Akosta" vortrug. Die Darbietungen der Herren Otto Pisk und jur. Paul Knöpfmacher folgte von Seiten Publikums dankbare Anerkennung. Erwähnt sei noch Herr Lehrer Zwicker, der in einer kurzen Ansprache auf die Religion als Bindemittel des Judentums hinwies und mit seinen Ausführungen reichlichen Beifall erntete. Die I. A. V. Hebronia kann mit Stolz auf diesen Erfolg zurückblicken, der zionistischen Idee a er wird unter den N kolsburgern manch treuer Anhänger erworben. Prcrau. lieber Veranlassung des ״Jüdischer Nationalv.rcin, Wien", tagte hier am 27. Juni eine Vertrauensmännerversammlung mit Zuziehung der Vertreter beider jüdischen Gemeinden. Der Referent Gg. Dr. Hermann Kadisch, entwickelte in halbstündiger Rede das Programm des jüdischeu Nationaloereines und die nächsten Aufgaben, deren Erfüllung die politische Situation in Oesterreich den Juden zur Pflicht macht, besprach den Ausbau der Kultusgemeinden zu jüdischen Volksgemeinden und ihre Eingliederung in eine straffe Reichsorganisation. In der darauffolgenden lebhaften Debatte gaben der Präses der israelitischen Kultusgemeinden Herr Max Mayer, sowie der Bürgermeister Herr Emanuel Klein ihrer Zustimmung zu den Ausführungen des Referenten Ausdruck. Ein fünfgliedriges Komitee, das den informativen Verkehr zwischen den Mitgliedern des Nationalvereines und der Wiener Leitung herzustellen und fleißige Werbearbeit für den Nationalverein zu leiten hätte, wurde eingesetzt. Wir hoffen, die Herren recht bald an der Arbeit zu sehen! Neichenberg. Mittwoch, den 17. Juli, veranstaltete der hiesige zionistische Volksverein ״Theodor Herzt" eine Herzlfeier. Herr I. U. C. Felix Seidemann (Töplitz-Schönau), Mitglied des Vereins jüdischer Hochschüler Bar Kochba in Prag, der die Festrede hielt, schilderte den Werdegang und die Persönlichkeit Hetzls sowie die Bedeutung seines Werkes für die Gesamtjudenheit. Der Vortragend erntete lebhaften Beifall. Zum Schluß wurde eine Sammlung für den Herzlmald eingeleitet. Wien. Herzl Klub. Sonntag den 4. August 1912 findet auf der zur Bieglerhütte (Dornbach, Andergasse 71) gehörigen Festwiese und im großen Saale im Zeichen Mögen David ein großes Sommerftst statt. Programm: 1. Auf der Festwiese: Konzert, Gymkhanaspiele, Damenschönheits- Dainenrauch-, Herrenhäßlichkeitskonkurrenz, Juxpost, geheimnisvolle Tombola, Koriandolikorso usw. 2. Im Festsaale: Konzert, Kabarett, Liedervorträge und anschließend Tanzkränzchen. Ein Teil deS Reingewinnes fließt dem ״Jüdischen Nationatfonds״ zu. Beginn 724 Uhr nachmittags. Straßentoilette. Karten im Vorverkaufe ä K —70 sind erhältlich bei den Mitgliedern des ״Herzl-Klub" sowie im ״Jüdischen Volksheim", II., Stefaniestraße 12, tm ״Zionistischen Zentralbureau". IX., Türkenstraße 9, im Cafe ״Marienbrücke", I., Franz Josefs- Quai, im Cafe ״Stefanie", II., Stefaniestraße 2 und an der Kassa ä K 1—. Beste Straßenbahn- Verbindung vom Schottentor Wagen bis Andergosse. Von dort zur Festwiese 5 Minuten zu Fuß. 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