Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 17 (25.7.1912)
- Date
- 1912-07-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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־;־■< ■r <-־-.:׳•־^<7'י<׳׳"ל^י*"-־?י?’“־! Nr. 16 Jüdische B-lksstimme Seite 5. Bevölkerung sich von ihnen abgewendet hat. Ein-! mal aber wird doch die Sonne auch die öfterreichische Finsternis verscheuchen und die heutige Wirtschaft der Christlichsozialen kann nur dazu beitragen, auch dem Dümmsten die Augen zu öffnen und zu zeigen, wie es mit der Gerechtigkeit dieser Partei aus sieht. Prag den 17. Juli. Sonntag den 14. d. .M. verschied hier plötzlich an einem Herzschlage Frau Anna Knöpfetmacher, Gattin des ob seiner Frömmigkeit und Gelehrsamkeit bekannten und allgemein geachteten Rabbiners Herrn Pros. Salomon Knöpselmacher. Die Verstorbene entstammte einer sehr alten angesehenen Prager Gelehrtenfamilie; ihr Vater Rabbi Juda Teweles war der letzte jener großen Gelehrtengeneration, die sich die Thora nicht zum Broderwerbe bedienten, sondern seinen Lebensunterhalt durch seiner Hände Arbeit als Uhrmacher erwarb. — Die am 16. Juli stattgefundene Beerdigung bot ein beutliches Bild der Wertschätzung, deren sich die Verstorbene im Leben erfreut hatte. Im Bahnhofe würdigte Rabbiner Dr. Brody den schweren Verlust, den die Hinterbliebenen und die jüdische Allgemeinheit durch den Tod erleiden; am offenen Grabe hielt der älteste Sohn Herr Rabbiner Friedr. Knöpselmacher einen herzergreifenden Nachruf. Prag den 21. Juli. Frau Dr. Fanni Tauber, die Witwe des seligen Oberrabbinerstelloertreters Dr. Moritz Tauber, des letzten Rabbiners der Neusynagoge ist heute einem langen schweren Leiden erlegen. Die Verblichene hat sich in vielen Humanitären Vereinen hervorragend bestätigt, so als Borstandsdame des Vereines der frommen Frauen, der israelitischen Ferienkolonie, des Mädchenfreitischvereines rc. Die große Bibliothek ihres Manne» hat sie vor Jahren der israelitische» Kultusgemeinde geschenkt. Komotau. Am 6. Juli fand im Wintergarten des Cafe Habsburg zur Feier des Gedenktages des Ablebens Theodor Herzls eine interne Gedenkfeier des jüdischen Volksvereines statt- Die Gedenkrede hielt Herr Rabbiner Dr. Krakauer. Der Redner entwarf in formell- und inhaltlich glänzender Rede ein Bild des Lebens und Wirkens Theodor Herzls sowie seiner unsterblichen Verdienste für das jüdische Volk. In begeisternden Worten wies er darauf hin, daß dieser Genius des jüdischen Volkes die Lösung des jüdischen . Problems in großzügiger Weise vom nationalen Gesichtspunkte aus angebahnt und schloß seine den Toten verherrlichende Rede damit, daß er den Wunsch aussprach: Wenn auch Herzl tot sei, sein Geist in seinen Nachfolgern weiter leben möge Nach dieser Rede, die tiefen Eindruck auf die Zu׳ Hörer machte, folgten Vorträge des Herrn Artur Porges, der seine Vortragskunst in den Dienst des Abends stellte. Einige Dankworte des Obmannes Herrn Dr. Hirsch schlossen den weihevollen Abend. Budapest. (JsraeUtifche Ferienkolonie.) Am 3. Juli versammelten sich in der Schule in der Sip-utcza 190 Mädchen» die 3ג/נ Uhr die Reise nach Diosjenö, in die Kolonie des israelitischen Ferienkolonievereines antreten. Am l. August werden ebenso viele Knaben dorthin geschickt. Berlin den 19. Juli. Heute starb hier längeren Leiden Herr Rabbiner Dr- Aron Ackermann, der durch fast 2V Jahre das Rabbinat der Gemeinde Brandenburg a. H. bekleidet hat. Der Verstorbene, der erst im 45. Jahre stand, hat eine reiche wissenschaftlich literarische Tätigkeit entfaltet. Seme letzte Arbeit war eine eingehende Darstellung der Geschicke des Münzmeisters Lippoid. Die Beerdigung findet Sonntag am Friedhofe der Adaß Jis roel statt. Karlsruhe. Das von dem Oberrat der Jsrae liten zum Andenken an die goldene Hochzeit des Großherzogpaares begründete Friedrich Luisen- Hospitz in Dürrheim, dem höchgelegenen Solkurort Europas, wird am 28. Juli seiner Bestimmung übergeben werden. Der Bau und seine Einrichtungen entsprechen den höchsten Anforderungen der Hygiene. Die Anstalt, die 70 Kinder und erwachsen« Mädchen aufnehmen kann, ist während des ganzen Jahres geöffnet. Der Pensionspreis beträgt Juli bis Mitte September 4 Mark täglich für Bemittelte und Badekosten und 100 Mark vierwöchentlich für Unbemittelte, in der übrigen Zeit des Jahres Mark 325 täglich beziehungsweise 75 Mark monatlich. Adresse für Anmeldungen: Verwaltungskowmission für das Friedrich Luisen- Hospitz in Bad Dürrheim, Karlsruhe, Stefanien straße 9. Homel. Die Ortsgruppe der Gesellschaft ״Chovebe Sephath Eber" veranstaltete dieser Tage unter Mitwirkung der Lodzer hebräischen Liebhaberbühne eine Aufführung von Gutzkows ״Uriel Acosta" in hebräischer Sprache. Die Aufführung fand im Stadttheater vor ausverkauftem Hause statt; Es herrschte ungeheure Begeisterung und das Publikum konnte sich an Ovationen und Hervor rufen der Darsteller nicht genug tun. Jekaterinaslaw. Wie im russischen Reiche ״freie“ Dümawahlen gemacht werden und welchen Gebrauch die Juden, die im Besitze des Wahlrechts sind, davon machen können, xtluftriert fol geuder Vorfall: Dieser Tage bestellte der Gouverneur von Jekaterinaslaw den Rabbiner der jüdischen Gemeinde zu sich und jagte ihm, wie höre, beabsichtigten die Juden an den bevorstehenden Dumawahlen tätigen Anteil zu nehmen und die Progressisten zu unterstützen. Die Juden hätten anscheinend die Lehren der jüngsten Vergangenheit schon vergessen... Der Gouverneur forderte den Rabbiner auf, seine Glaubensgenossen darauf aufmerksam zu machen, daß ihre Teilnahme am Wahlkampfe böse Folgen für sie haben könne... Deutlicher kann man es nicht sagen! Warschau. Große Empörung hat hier das Vorgehen einiger jüdischer Fabrikbesitzer hervorgerufen. In den großen Schuhfabriken unserer Stadt, deren Eigentümer Juden sind, werden christsiche und jüdische Arbeiter beschäftigt. Bisher eierten nun die christlichen Arbeiter am Sonntag und die jüdischen am Sonnabend. Einige Fabrikbefitzer fanden schon seit längerer Zeit an diesem Zustande keinen Gefallen und erschwerten in jeder Weise die Arbeitsbedingungen derjenigen jüdischen Arbeiter, die die Sabbathruhe beobachteten. Nunmehr entschlossen sich die Fabrikbesitzer zu einem radikalen Mittel. Sämtliche jüdischen Arbeiter mußten sich schriftlich verpflichten, auf die Sabbathruhe zu verzichten und mit ihren christlichen Kollegen am Sonntage zu feiern. Wer die Erklärung nicht unterschrieb, wurde einfach an die Luft gesetzt. Unter diesen Umständen sehen sich zahlreiche jüdische Arbeiter genötigt, dem Machtgebot ihrer Brotherren zufolge und sehr gegen ihren Willen den Sabbath zu entweihen. Man befürchtet, daß das böse Beispiel der jüdischen Schuhfabrikanten auch in anderen Industrien, z. B. der Kleiderkonfeklion, die gleichfalls zum großen Teile in jüdischen Händen ist, Nachahmung finden wird. Adolf Höchberg und dem Vorsteher der Großwardeiner orthoxen Gemeinde Alexander Ullmann die Baronie verliehen. K. Dr. Rudolf Ratbolicky ge«. Leiter der I.cvirg.HdteNung der Tanderlrranlrenan5talt wohnt: Ecke yerdlnanflsgasse und 30banncsgassc <-»««1 «,«»;-> ordiniert tägiiev non r vir 4 VH, nachm. Fernsprecher Nr. 803. Bukarest. Bisher waren sämtliche Studierenden an der medizinischen Fakultät der Bukarester Universität von der Erfüllung ihrer Militärdienstpslicht bis zur Erreichung des 28. Lebensjahres befreit, damit sie ihr Studium ungehindert beenden konnten. Nunmehr hat das Kriegsministerium verfügt, daß die ״Fremden" von dem Genuß dieses Vorrechts ausgeschlossen bleiben. Die ״Fremden" — das sind bekanntlich in der Terminologie der rumänischen Gesetzgebung die jüdischen Bewohner des Landes, auch wenn sie bereits seit vielen Generationen in Rumänien ansässig sind. Die Folge dieser Ministerialverordnung wird also fein, daß die jüdischen Studenten nach ein- bis zweijährigem Universitätsbesuch ihre Studien unterbrechen müssen, um ihrer Heeres- Pflicht zu genügen. Man bedenke, die rumänischen Juden, die unter Fremdenrecht stehen — ohne daß sie einem ausländischen Staatsverbande angehören — müssen die Pflichten gegen das ״Vaterland" strenger erfüllen als die Landeskinder, die sich im ungeschmälerten Genüße .aller staatsbürgerlichen Rechte befinden. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERS1CHERUNGS GESELL- SCHAFT, WIEN, I. ASPERNPLATZ I Im eigenen Palais. — Versichertes Kapital cirVa 380 Milionen. Reserven cirka 113 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht. —■ Generalagentur. Karl Bloudek, Brünn, Krapfengasse 18/20 Unser neuester Tarif mit 5% jährlich fallender garantierter Prämie. Generalagentur für Wien, Aspetnplatz 1, Leitet David Nebenzahl. Sub Direktion Ihr Prag, Ferdinandsgasse 20, neu, Leiter Robert Gerstel. Sub-Direktion für Lemberg, Szajnocha 3, Leiter Löbl Taubes. er Kuäapestee Hadrnchtcn. Der Schochtimkongreff wurde heute unter starker Beteiligung eröffnet. Die Eröffnungsrede hielt Grogberg, das Präsidium führte Korein. Nach teilweiser stürmischer Debatte einigte man sich auf eine Resolution, die verlangt, I. daß auch der Schochet ein Mitglied in das Disziplinärgericht, das über jewetlige Streitfälle zivischen dem Schochet und seinem Vorgesetzten entscheidet, wählen kann, 2. daß d.r Schochet nach zweijähriger Dienstzeit das Desinitivum erhält, 3. daß dem Pensionssonds der Schochtim ein Zuschuß aus den Gabellaeinnahmen bewilligt werde. Budapest. Der König hat den Großgrundbesitzern Alfted Kohner, Eugen Kohner, Wilhelm Kohner und Dr. ragee Nachrichten. Rektor Rauchbergs Amtsführung. Das ״Montagsblatt a, B-" schreibt in seiner letzten Nummer: Im Vestibül des Earolinums hängt neben Ankündigungen verschiedener Art auch ein schönes, rechteckiges Stück Pappe, ausdem gedruckt stehr: ״Deutscher Männerturnverein in Prag. Mitglieder können nur Deutsche (arischer A b k u n s t) werden. Zum Eintritt und zur Teilnahme an den Uebungen ergeht hiemit die Einladung. Gesehen: Rauchberg. Der Herr Hofrat Rauchberg hat also gesehen und hoffentlich auch gelesen, daß sich der Deutsche Männerturnverein eine Extrawurst brät, er hat aber dennoch seine Unterschrift gegeben und dadurch den AuSgang einer Ank'ül digung aus akademischen Boden ermöglicht, die eine große Zahl vollwärtiger akademischer Bürger indirekt zurücksetzr und beleidigt. Ter oberste Vertreter der akademischen Behörden hat mit seiner Unterschrift gegen jedes Herkommen und gegen fttze Bestimmungen des Gesetzes den Antisemitismus offiziell anerkannt und gefördert. Es läßt sich hier nicht zur Entschuldigung heranziehen, daß eine Reihe von studentischen Verbindungen arisch ist und ihre Ankündigungen aushängt. Ihr Antisemitismus hat nicht die Anerkenttung der akademischen Behörden angestrebt, ist also inoffiziell und die Berbindungen haben die Neutralität des akademischen Bodens gewahrt, indem sie in ihren Ankündigungen k.ine, einen Teil der Studentenschaft verletzenden Wendungen gebrauchen. Einem nichtakademischen Verein war eS Vorbehalten, diese Grundregel studentischen Anstandes zu verletzen und Rektor Rauchberg lieh seinem Namen dazu. Man wundert sich allerdings weniger darüber, wenn man weih, welche Fortschritte auch der akademische Antisemitismus gerade unter dem Rektorat des Hoftats Riuchberg gemacht hat, wenn man weiß daß die ״Germania" zu ihrem Feste oer Professoren jüdischen Glaubens oder jüdischer Abkunst nicht einmal mehr eingeladen hat, was sie früher aus Anstand und der Form wegen doch tat und daß der Rektor und die Mehrzahl der Professoren nicht soviel GerechtigkeilS- und Koltgialitälsgeist ausbrachten, um unter solchen Umständen aus die Teilnahme an der Feier zu verzichten. Vielleicht glaubt Rektor Rauchberg, daß solche Akte der Gehässigkeit die Disziplin unter der Stuoentenschafl heben und die Achtung vor ihren Lehrern kräftigen werden. Das Blatt schließt, indem es der Hoffnung Raum gibt, daß Rektor Rauchberg aus diese Feststellungen hin den Aushang wird entfernen lassen. Wir teilen allerdings diesen OpiimlsmuS nicht. Rektor Rauchberg hat während seiner ganze» Amtsperiode gezeigt, daß-ihm die Gunst der Antisemlten lieber ist, als die gute Meinung, die anständige Menschen von ihm haben konnten, trotzdem er sich bewußt sein muß, daß er die Einladungen zu den antisemitischen Festen nur seiner gegenwärtigen Würde zu verdanken hat und daß er nach Ablauf seiner Amtsperiode wieder in tiefste Bedeutungslosigkeit zurückoerfalle» wird. Jetzt ist ja das Anusjahr glücklich vorüber und dlelbt nur noch zu hoffen, daß der Nachfolger besser sein wird, als der Vorgänger. Schlechter kann er schließlich nicht gut seln. Rektor Rauchbergs Amtsperiode bleibt ein Schandfleck in den Annalen der Prager deutschen Universität. Beachten Sie den kleinen Anzeiger unseres Blattes. — Ankündigungen haben besten Erfolg. Jahresbericht des Kartells Prager jüd.- nationaler Berbindungen. Aus den Rechenschastsberichten, die der x der ״Jorbonia“ MUC. Gustav Munk und der x der ״Barisjia", MUC. Franz Eckstein, in den Generalkonventen hielten, entnehmen wir. Saß sich die zionistische Arbeit wie folgt verteilt: A. Borträge außerhalb der Berbindungen. A. H. Dr. H. Löw: Die Renaissance des Judentums (Warnsdorf). Jur. Emil Popper: Dte Zukunst Palästinas (Warnsdor!). Letztere gründete dortselbst eine Mittelschülerorgantjanoii, die auch späterhin von uns mit Vorträgen unterstützt wurde. Meo. Paul Gerstl: Die Puipheten als SchrtZsteller und Voiksmanner ^Prag). MU.E. Gustav Munk: Der Zionismus im Wandel der Zeiten. Jur. Eutil Popper: Tie jüdische Literatur (Warnsdptf). MUE. Franz Echtem: Die Praeztonisten. Tech», ttarl Nohn: Praktische Palästinaarbeit (Pilsen). Med. Aljreo Nohn: Bai Schem und sein Werk. Arch. Ernst Strotz: Der EhomeweziomsmuS (Leitmentz). Jur. Emil Popper: Persönliches Judentum jAussig). MUE. B. Neuvauer: Zionismus und die Türket (Tepiitz und Leumetttz). Jur. Lskar Ziffer: Die Persönlichkeit Martin Buvers. Jur. Paul Löwy: Der Judenstaat (Voiksoerein Eger). Med. Paul Gerstl: Assimilation Prager Milteljchuler. Techn. Ernst Gtbian: Pflichten des ztonistischen Eonleurstudenten. MUE. Franz Ecksteut: Bedeutung des Lag l-'omer-Festes. Jur. Emil Popper: Geistige Luomungen un Zionismus iWarnSdotf). Jur. Walter e-pitz: Ptatttjcher Zionismus (Voilsvetein Eger). Techn. Ernst Strotz: Heine und das °3»)e,uum (Aussig). Med. Paul Geist!: Propheten (utummua-. Meo | Gartenzaun: Dr. Franz Lppenheimer. Jur. Walter Spttz Achtung auf den kleinen Anzeiger! Ä