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Jüdische Volksstimme · 1912-07-25 · Heft 17 (25.7.1912) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 17 (25.7.1912)
Date
1912-07-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Jüdische BollSfttmme N».. 16 strömungen auch im Universitätswesen geltend gemacht haben und noch mache, hat der Verfasser drei von einander nicht unbeträchtlich oblieget.de Zeitpunkte als Basis für seine Ermittlungen gewählt: DaS Wintersemester 1874/75, in welchem von einem Einfluß jener Volksbewegung noch nicht die Rede sein kann, das Wintersemester 1889/90, die Zeit, ixt der der Antisemitismus auf der Höhe stand und schon einzuwirken in der Lage gewesen war, und das Wintersemester 1909/10, das annähernd den gegenwärtigen Zustand darstellt. Bei einer Vergleichung dieser drei Zeitpunkte ergibt sich ein in mehrfacher Beziehung interessantes Bild der Entwicklung. Es ist natürlich nicht möglich, das gesamte statistische Material, das der Verfasier verwertet, und die Schlußfolgerungen, die er daraus zieht, her wiederzugeben; es mag genügen, einige Hauptdaten über die Verteilung der jüdischen Professoren auf die einzelnen Universitäten zusammenzustellen. Folgende deutsche Universitäten haben und hatten bisher nie einen jüdischen Ordinarius: Leipzig, Münster, Würzburg, Tübingen, Rostock. Im wesentlichen unverändert geblieben (seit 1874) sind die Verhältnisie, was die Anstellung jüdischer Ordinarien betrifft: in Erlangen, Kiel, Marburg und Gießen; Verbeffert haben sie sich in Bonn, Halle und Jena und — in geringem Maße — in Straßburg, Königsberg und Göftingen. Verschlechtert haben sich die Verhältnisse in Berlin, an dessen Universität es 1909/10 keinen eizigen ordentsichen Professor jüdischen Glaubens mehr gab. ferner in Freiburg und besonders in BreSlau und Heidelberg. Während an diesen letztgenannten Universitäten die Zahl der jüdischen Ordinarien in ständiger Abnahme begriffen ist, hat merkwürdiger- oder nicht merkwürdigerweise die Zahl der getauften Juden, die in ordentliche Professuren einrücken, in demselben Verhältnis zugeuommen; und das Gleiche gilt, sowohl in BreSlau wie in Freibürg und Heidelberg, für die Extraordlnariate. Gegenwärtig (d. h. 1909/10 lehren an deutschen Universitäten 25 jüdische Ordinarien, und zwar in Königsberg 3, in Breslau 1, in Kiel 1, in Halle 2. in Göttingen 3, in Marburg 1. in Bonn 3, in Erlangen 2, in München 1, in Freiburg 2. in Gießen 1, in Jena 1, in Straßburg 4. Außerordentliche Profefforen jüdischen Glaubens gibt eS zurzeit 53. davon allein in Berlin 24,5 in Königsberg, 6 in Straßburg, je 3 in München, Freiburg und Heidelberg. Recht lehrreich ist es auch, mit dem Verfasser die einzelnen Fakultäten gesondert ins Auge zu fassen. Die Zahl der jüdischen Akademiker in der juristischen Fakultät war nie sehr erheblich. Der einzige Jude, der es an der Berliner Universität in der Juristenfakultät zum Ordinarius gebracht Hungen gebracht und es begann sich in den Städten der Uebergang von der Agrarzur Geldwirtschast zu vollziehen. Um diese Zeit taucht der Name Frankfurt zum erstenmal in der hebräischen Literatur auf. Doch auch diese Quelle aus dem XII. Jahrhundert berichtet nur von zur Frankfurter Messe ziehenden Juden. Christliche Quellen erwähnen eine dauernde Niederlaffung von Juden in Frankfurt erst am Ausgang des XII. Jahrhunderts. Wir entnehmen aus ihnen, daß die Fearkfurter Juden in Beziehungen zu denen Kölns standen. Diese Stadt war damals wohl der größte Handelsplatz Deutschlands und pflegte lebhaften WarenauStausch mit England, Frankreich und Italien. Die dortige Judengemeinde war die älteste Deutschlands. Das Kölner Schreinsbuch aus der Zeit von 1175 bis 1191 berichtet uns, daß ein Goldschmied namens Hermann vom Juden Gvttschalk auS Frankfurt die Hälfte an deffen Haus in Köln erworben habe. Dieser war demnach nach Frankfurt gezogen, vielleicht weil er hier auf leichtere Weise seinen Unterhalt zu finden hoffte. Und daß die Verbindung zwischen den Juden beider Städte auch noch für die Folgezeit nicht unterbrochen war^ das bewiesen andere Stellen des SchreinsbncheS. Eine dritte Erwähnung von Frankfurter Juden haben wir aus dem Anfang deS XIII. Jahrhunderts. Sie bezieht sich auf ein sonst nicht bekanntes Ereignis. hat, war der 1898 verstorbene Haudelsrechtslehrer L. Goldschmidt. Mit Recht fragt der Verfasser, ob jüdische Honorarprofessoren wie Harburger» Loewen» selb,- Moffe, Rießer u. a. den Fakultäten nicht ebenfalls als ordentliche Professoren zur Zierde gereicht haben würden. Besonders greifbar und ins Auge fallend erscheint die Zurücksetzung der Juden in der medizinischen Fakultät, wenn man die unverhältnismäßig große Zcchl der jüdischen Privatdozenten und die immerhin nicht unerhebliche der außerordentlichen Profefforen mit der verschwindend geringen der Ordinarien vergleicht. Von einer einzigen Ausnahme abgesehen, ist feit 1884 kein Jude mehr zum ordentlichen Professor iu bet medizinischeu Fakultät einer deutschen Universität befördert worden. Fast alle großen jüdischen Mediziner die in den letzten Jahrzehnten dem deutschen Namen über die Grenzen ihres Landes hinaus Ehre gemacht haben, sind von der ordentlichen Professur ausgeschlossen geblieben. Munk konnte in jungen Jahren Mitgliä» der Akademie der Wissenschaften werden, zum Ordinarius hat er es, obwohl wiederholt von der Fakultät vorgeschlagen, nur an der Tierärztlichen Hochschule bringen können. Hirschberg. Mendel, Senator, um nur einige zu nennen, mußten oder müssen sich mit dem Extraordinariat begnügen. Weigert mußte sich an ein privates Institut begeben, Hugo Oppenheim zog es vor, auf ein akademisches Lehramt zu verzichten, um sich nicht weiter kränkender Unbill auSzusetzen. (Ein beachtenswertes Seitenstück zu dieser unverdienten Zurücksetzung der jüdischen Mediziner in den Fakultäten bildet die unverhältnismäßig spärliche Anstellung beamteter jüdischer Aerzte (Kreis-, Bezirks- und GerichtsäiHte) in Preußen und mehr noch in Sachsen. Baden und Hessen). Auch in der philosophischen Fakultät sprechen die Verhältniszahlen und Namen von Männern wie Steinthal, Lazarus, Jakob Bernays, Pb. Jaffe, Barth, Jastrow, Lassar-Cohn, R. M. Meyer, Praskaner und vielen anderen, die es trotz guter Lehrerfolge und tüchtiger, den Durchschnitt zum Teil weit überragender Wissenschaftsicher Leistungen nicht zur ordentlicher Professur bringen konnten, eine mehr als deutliche Sprache- Und, bezeichnend genug, geht überall mit dieser augenfälligen Zurückdrängung der Juden eine ebenso auffällige Bevorzugung der Getauften Hand in Hand. Justizrat Breslauer schließt seine eindringsichen, in ihrer ruhigen Sachlichkeit überzeugender Darlegungen, die sowohl um ihrer selbst willen wie als Vorarbeit für künfttge umfassendere Untersuchungen dieser Art von Wert sind, mit den Worten: ״Was die Juden in Deutschland für die Wissenschaft geleistet haben und Wir hören von einer Einkerkerung mehrerer Juden in Frankfurt. Auf die Kunde hievon begab sich Rabbi Elieser ben Joel-Ha-Levi dorthin, und es gelang ihm, die Gefangenen durch ein Lösegeld zu befteie». Es scheint, daß um diese Zeit die Frankfurter Judengemeinde keine unbedeutende Zahl hatte. Sie lebte ohne jede Anfeindung. Die Juden wohnten in dieser ersten Zeit im Süden der Stadt am Main, und zwar an der nach dem gegenüberliegeuden Stadtteil Sachsenhausen führenden Brücke oder unweit davon im Juden quartier. Die Hauptstraße erstreckte sich iu ostwestlicher Richtung, etwa von der Fahrgasse ans — zwischen Mehlwage und Fürsteneck — an dem jetzigen historischen Museum vorbei über die Saalgasse bis zu dem noch heute vorhandenen Heilig-Geist-Brunnen. Bon dieser Straße zweigten sich kleine Quergassen teils nach Norden zur Bendergasse, teils nach Süden zur heuügen Großen Fischergasse ab. In diesem Teile der Stadt herrschte der regste Verkehr, ein fortwährendes Gehen und Kommen. Ueber die Fahrgaffe wälzte sich der Strom der vom Norden oder vom Süden Deutschlands Eintreffenden. Der breite Mainfluß, bei dem Mangel an guten Wegen und bei der Unsicherheit der vorhandenen mit Vorliebe als Verkehrsstraße benutzt, war von Lastschiffen aller Art belebt und wirkte mächsig fördernd auf den Handel. Hier bot sich Gelegenheit zu reichen leisten, wird überall, nicht selten sogar von den Gegnern, anerkannt. Daß sie auf den Universitäten zurückgedrängt worden find, wird eine spätere, vorurteilsfreiere Zeit nicht verstehen .... Prager Brief. Wir haben den letzten Brief geschlossen mit der Nachricht vom bevorstehenden Zweikampfe der beiden deutschen Recken Egon Erwin Kisch und Richard Katz; so schwer es uns auch fiel, haben wir nichts unversucht gelassen, um über den Ausgang dieses Teutonenkampfes genaueres zu erfahre» und unsere Leser zu beruhigen. Also der Verlauf soll folgender gewesen sein: die beiden Helden sollen durch nahezu fünf Stunden einander mit den Säbeln gekitzelt haben und dann unverletzt aber versöhnt mit gestärktem deutschem Volksbewußtsein geschieden sein. Die tschechischen Juden haben einen schweren Schlag erlitten, ein fortschrittlicher Tscheche, also gewissermaßen einer der ihren. Schulleiter Kutschers aus Cernotic bei Dobrichovic, vermietet seine Sommerwohnung cm keinen ״Israeliten"; darob ist der ״Rozooj" ganz aus dem Häuschen. Einen merkwürdigen Rat soll Rabbi Blochs österreichische Wochenschrift, wie die ״Reichspost" meldet, den jüdischen Abiturienten gegeben haben, sie mögen keiner deuffchfreiheitlichen Verbindung beitreten, weil eine solche Wohl deutsch sein will aber — vom Paradegoi abgesehen — jüdisch ist und ebenso einer jüdischnationalen, weil diese wohl jüdisch sein will aber deutsch bleibt; die Sache, scheint paradox, hat aber wie viele Paradoxe etwas für sich, besonders wenn man Komment und Duellzwang, die bei jüdischen Studentenverbindungen immer mehr in Geltung treten, betrachtet. Die tschechischklerikale Presse setzt ihre gehässigen, verdummenden Artikel natürlich fort; der ״Cech" ist in den letzten Tagen etwas zurückhaftender, weil er mit sich und der Welt zufriedener sein kann. So bereiten ihm die Nachricht von der Ausweisung von 500 jüdischen Studenten aus Kiew, die Nachricht von der konfessionellen Scheidüng der Volksschulen iu Czernowitz großes Vergnügen. Dazu kommt noch das Gefühl der Selbstbefriedigung, das die ״Cech"-Redaktion anläßlich ihrer jüngsten großen Entdeckung beseett; sie hat nämlich herausgefunden, daß der Erfinder einer unmöglich scheinenden Erfindung in Ungarn ein Jude ist, und zwar ist ihr dies nur mit Aufbietung ihres gesamten Scharfsinnes (das ist noch immer nicht viel! Anmerkung des Setzerlehrlings) gelungen. Der sungarische Erfinder trägt nämlich den Vornamen Aladar und es bleibt das unsterbsiche Verdienst der ״Cech"-Redaktion, die Identität Gewinn. Auch das politische und das religiöse Leben hatte hier seinen Mittelpunft. In dem Judenquartter befand sich die Häuptkirche der Stadt, die Bartholomäuskirche; hier waren das Rathaus und die Münze.' Schon daraus ergibt sich, daß das Judenqnartier keineswegs ausschließlich oder auch nur überwiegend von Juden bewohnt war, oder daß sie etwa gezwungen worden wären, wie es die späteren Zeiten mit sich brachten, abgesondert von dem christlichen Teil der Bevölkerung zu wohnen. Wenn wir sie zusammen und geschlossen in einem Quartier finden, so geschah dies nach ihrem freien Willen. Die das Mittelalter chärakterisierende Eigentümlichkeit, der enge Zusammenschluß der wirtschaftlich, religiös oder national Zusammengehörigen, kam dabei zu lebendigem Ausdruck. Schon aus dem Jahre 1241 allerdings erfahren wir viel mehr von den Frankfurter Juden, nämlich von ihrem ersten großen Unglück, der ersten Frankfurter Judenschlacht. Der Einfall der mongolischen Horden hatte die Volksmassen in Deutschland gegen die Juden gewalüg aufgeregt. Zwischen den Mongolen und ihnen suchte man nach einem Zusammenhang; man glaubte vielfach, jene seien ein Rest her verlorenen zehn Stämme Israels, die jetzt aus ihren Wohnsitzen ausgezogen wären, als Vorläufer der letzten Tage und des jüngsten Gerichts. In der Tat befanden sich im mongolischen Heere jüdische Volksstämme vom Chorasan; fteilich Mährisch-schlesische Bank Brünn. Teltphan Hr. 380, Dlmfcth». Ferdinandsgasse Nr. 29 IWeption Hr. IM«. Wttototptw. verzinst EINLAGEN gegen ■■■■*. g II 01 gebundene Einlagen laut Übereinkommen. Bank- $ücbe! v und in teufender Rechnung «ft *■P *T U V geschähe aller Art. Böracn-u.Wechsktgetchiftn.

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