Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 16 (18.7.1912)
- Date
- 1912-07-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 Jüdische BoMstbmse Veite 8. der verstorbene David Ritter v. Gutmann war, hat den Hof- und GerichtSadvokaten in Wien, Dr. Adolf Stein, zum Präsidenten gewählt. Gleichzeittg wurden Herr Wilhelm Ritter v. Gutmann, der Enkel des Verstorbenen und Herr Moritz Edler v. Kuffaer alsMitglieder des Kurawriums kooptiert. Kcilnnee Rackrickten. Ferialkurse bei Machfike hadas. Mit Rücksicht auf die kurze Dauer dieser Kurse und auf die Eigenartigkeit des Beiuches derselben wurde ein neuer, den Vethältnissen angepaßter Lehrplan ausgearbeitet, der zwar an den Fleiß, und die Arbeitslust der Lehrkräfte. ganz außerordentliche Anforderungen stellt, aber hoffentlich auch gute Resultate zeitigen wird. ES ist nur zu wünschen, daß möglichst viele Schüler daran teilnehmen. Der Unterricht wird vollkommen kostenlos an jedes jüdische Kind erteilt, welches sich zum Besuche eines Kurses meldet. Einschreibungen finden täglich im Veremslokal Adlergasse 12 vor dem Abendgottesdienste statt Promotion. Herr Oskar Karpelis, Rabbinatskandidat an der Hochschule für die Wissenschüft des Judentums zu Berlin, ist am 11. d. im Festiaale der Karl-Ferdinands-Universirät zu Prag zum Doktor der Phtlosophie promovtert worden. Spareinlagen gegen günstigste Verzinsung werden entgegengenommen: Jüdische Volksdank für Mähren und Schlesien Brünn, Krapfengasse 19. Bestellungen auf Gebet-, Andachtsducher, Machsorim, Chamoschim, Techinoth, Kinoth, Selichvth, Tallessim Tefillim, Mesusos, Religionsbücher, Barmizwahgeschenke werben entgegengenommen. Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Brünn, Adtergasse Nr. 9. Beachten Sie den kleinen Anzeiger unseres Blattes — Ankündigungen haben besten Erfolg. Emgesenäet. Geehrter Herr Redakteur! Bor einigen Tagen wurde im großen Brünner Gemeindetempel ein ״Requiem" sur eine reiche Frau abgehatten. Es wundert mich, daß Sie über diese Erfindung nicht berichten, welche das Protzentum von Landpomeranzen und ausgehe ckr haoen. Sie werden wohl mu Recht einwenden, daß sich hier wenig Fantasie und die armseligste Erfindungsgäbe gezeigt habendaß die ganze Variete- Nummer auf die ungeschickteste Nachahmung fremder Einrichtungen hinausgelaufen ist, und daß es lächerlich wäre, diese Posse ernst zu nehmen; aber es wäre doch an der Zeit, die Schächer aus dem Tempel zu jagen. Mn graoltutischem Ernst haben die Herren ihre Rollen gespielt und die Gemeinde frommer Lämmer haben mit Schassgedutd staneri. Zcy vrn neugierig aus die weiteren Fortschritte im Brunner Tempel! Brünn 15. Juli 1912. Ergebenst Lt. D. Aum. d. Red.: Das Requiem fand nach Schluß unserer letzten Nummer slatt, so daß wir darüber nicht berichten kvnnien- Urvrigens hauen wir nicht gerne davon gesprochen, weit wir uns aus Lllkalpalriotismus die,er Rinderet schämen- Wir bitten unsere Freunde unv Leser bei EilUanfen und BeftrUungeu sich jrverzru aus die ״Juotsche Volkssumme" zu verusen und in erster Linie diejenigen Firmen zu verncksichligen, die in unserem Blatte inserieren. Ouäapester Uackrickten. Budapest- -Lee ä/iagifuai har bas V9«.|ud) der Pester 'äauBucmeiuöe, öie ^uhressabvenrwn tum bO.Ouu ou| lOU.Uuo }turnen zu erhöhen, m Anberrachl der ״grotzen lutrureUen Mrffton", dte die Gerneutve ersum, gunsng ernbtgr, Budapest- Die FamUie Kohner wurde durch den untzurtskyen itütug üte Ävrome verliehen. nld.l)hl<ls^tt0l8ct1L Lbotnä v bhäicnbiv Uhuaot5tLLbUlrttl, Wlt-IN, 1. A0t׳fcKftPLAiZ 1 im eigenen Paws.- — Versichertes Kapital cirka iöU Millonen. Reserven cirka 114 iVtiUioncn Kronen» — Billigste tarne, Autarocitcr werden uoerail gesucht« _ ßeneiaiagentuuNarl biouaek, brünn, Kraptangasse 18/20 Uuaei uuuui Tarn tun 00/״ jaur.tcu laucnacr gaiantieiler tm W1t-11, t., AapcmpiaU t. Leitet Uaviu ricüc11Lu-J. &uo Uiickliua tilr Frag, retaiU'iiiüsgasae 20, neu, Letter Koucrt Uerste,. buD-Liiiektiuu iür Lemberg, bza!- DOUia 3, Leu« Löoi Taubes. An Eltern und Vormünder! Nach dem Schulschluß tritt an viele die Frage heran, was soll aus unseren Jungen werden. Bei der Wahl des Berufes soll der Wunsch des Knaben berücksichtigt werden, denn der Erfolg ist ausgeschloffen, wenn man für ein Fach bestimmt wird, für das man keine Neigung hat, oft wühlt aber der Junge einen Beruf, zu dem er nicht geschaffen ist oder seine geistige Beranlangnng nicht paßt. Darum muß neben der Vorliebe des Knaben für die Berufswahl auch die reifliche Ueberlegung von Eltern und Bormündern bestimmend sein. In den letzten Jahren hat fich die Jugend maffen- Haft dem Studium zugewendet, und darum ist eine lleberprodutrion von Absolventen verschiedener Lehranstallen geschaffen worden, für die Stellungen nur schwer zu haben sind. Im Handwerkerstände haben immer noch tüchtige ausgediidere Menschen ihr gutes Fortkommen gefunden, und immer noch wttd stets eine gute Handwerkerttaft gesucht. Der Unterzeichnete Hilfsverein jüdischer Handwerker für Mübr.-Ostran und Umgebung hat es sich statutarisch zur Ausgabe gemacht, Knaben, welche Lust und Liebe zum Handwerk haben, verläßliche Lehrstellen zu besorgen. Beim Borstande oben dezerchneten Vereines haben sich bewührre Lehrmeister aller Handwerke angemeldet, welche brave Jungen zu tüchtigen Handwerken auSbrlden wollen. Der Hilfsverein wird sich durch die ganze Dauer der Lehrzeit die Aussicht über den Lehrling Vorbehalten, daß derselbe nicht nur sein Handwerk vollkommen erlernt, sondern auch in Bezug auf Sitten und Moral nicht leidet. Eltern und Vormünder! Wendet euch Vertrauensvoll an den HUssverem jüdischer Handwerker in Mühr.- Ostrau, derselbe besorgt unentgeltlich die Lehrstelle bei küchligen braven Meistern. Mittellose und Waisenknaben werden, wenn sie brav und fleißig sich aufführen, vom Verein nach Tunlichkeit unlersrugr. Anmeldungen sind an den Vorstand des Hilfs- Vereines für südische Handwerker in Mähr. Oftra« schriftlich zu richten. Dr. Rudolf Ratbolicky gew. Helfer der k.edllg.AvlrNung dei LandeilnsnKenanrialt wohnt: €ck« Terdinandsflasse und 3 odannergarre <* w« «,«>» -» ordiniert täglich von 2 vir 4 Uhr nachm,?ernsprecher Kr. 603. Korrejponäenzen. Boskowitz Nach vieljähriger Abwesenheit von meiner Heimat, von Boskowitz, beschloß ich, meinen heurigen Urlaub hier zu verbringen, um die Naturschönhelt meiner Heimat, vor allem das gutjüdische Khilloleben zu genießen. Aber wie bin ich enttäuscht! Die Natur tst sich treu geblleben. Berg und Waw find herrlich, die Luft ist würzig wie ehedem, doch jenes prächtige, anbetungswürdtg weihevolle und gemüterfullie jüdische Leden ist verschwunden. Der Gottesdienst wird so schwach wie möglich besucht. Das Berhamidrosch — welches ehemals Tag und Nacht dem Gottesdienst gewidmet war — ist gesperrt. Und der Sabbat, welcher unsere Ahnen über den schwersten äußeren Druck gewaltig hinaushob, wird ohne äußeren Zwang» »licht gehalten. Gehen doch die Gemrrnderäte oder wie soust die Ortsgewattigen heißen mit leuchtendem Beispiel, mir gl.mmender Zigarre, voran. Charakteristisch ist der Borgang bet der Reparatur der Wasserleuung, welche am heiligen Samstag, von juolschea Arbeitern vorgenommen würbe. Dringend scheint die Arbeit nicht gewesen zu sein, da fte am Sonntag unterbrochen werden konnte. Uebrigens hätte man am Samsrag wenigstens von den jüdischen Arbeitern avsehen können. — Wenn ich am 9. Ab die Trauertreder von den verlorenen jüdischen Gütern lesen werde, dann werde ich auch mir Wehmut meiner lieben Heimat Boskowitz gedenken, wo m den Straßen die seligsten Erinnerungen geschändet unv die Heiligtümer entweiht werden. Kostet. Unser Ravvmer Herr Jakob Hoffmann wurde zum Rabbiner der Kuttusgememde Radautz gewählt und tritt in kurzer Zen sein neues Amt an. Sein Scheiden aus unserer Gemnnöe erweckt allgemeines Bedauern. Pohrlitz. Am 4. Juli d. I. verschied hier Frau Fturnt Schnabl tm Atter von 76 Jahren. Wegen ihrer seltenen Herzensgute erfreute sich die Berottchene allgemein der größten Wertschätzung aller Lchlchteu der hiesigen Bevölkerung. Freitag den 5. o. Mfand bas Leichenbegängnis statt. Aus nah und fern waren Verwandte und Freunde herbeigeeilt, um der Dahingeschiedenen das letzte Geleite geben. Im Trauerzuge bemerkten wir die Vertretung der israel. Kultusgemeinde Herrn Bürgermeister Rund, Herrn Bürgermeister Ellinger, Bürgerschuldirektor Tychy usw. In der Friedhofs- Halle hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Flesch aus Kanitz der Verewigten einen tiefempfundenen Nachruf. Die kantoralen Funktionen besorgte Oberkantor Roch. An Kranzabtösungsspenden liefen für wohltätige Zwecke ein: Jsraelitische Kultusgemeinde 30 Kronen, Familie Heinrich Ellinger 5, Albert Nassau 10, Karl Ellinger, Wien 10, Familie Hermine Schnabl 10, Frauenverein 10, Dr. Feldmann 30, Lundwig Groß und Frau 10, Heinrich Lampl 20, Familie Lotü Schweinsburg 10, Alexander Hammerschlag und Frau 10, Jakob Wlheim und Frau lO, Marie Lampet 10, Emil Löwenthal 20, Familie Fanni Schnabl 50. Familie Oberlehrer Bader 5. Nassau und Stern 20, Moritz Nassau 20, Doktor Emil Wolf 20, Moritz und Emma Schnabel 20, Dr. Moritz Schnabel 20, Leo Schnabl 20, Lud» wig und JoSzi Schnabl 20, Familie Spitz 5, Isidor Rosenbaum 5, Adolf Stöckl 2, im ganzen 402 Kronen. Olmütz. Die täglich erscheinende Olmützer ״Neue Mährisch-schlesische Presse" bringt am 10. Juli d. I. unter der Spitzmarke ״Ihr Programm" einen Hetzaritkel allerschlimmster Sorte gegen die Juden. Die Niedrigkeit, von welcher dieser Artikel diktiert ist, läßt sich absolut nicht überbieten. Die Einleitung befaßt sich mit den bekannten anüsemitischen tölpelhaften Berläumdungen der Juden, denen der Liberalismus, die Sozialdemokratie und Freimaurertum zum Borwurf gemacht wird. Den Hauptteil des Artikels bildet aber die Lüge, mit welcher dachristlichsoziale Blatt einen namenlosen ״Rabbi" in Lemberg erfindet um demselben eine ebenso blödsinnige wie bluttünstige Rede in den Mund zu legen. So hat noch kein Rabbi und überhaupt kein Jude gesprochen oder gedacht, aber die christlichsoziate ״Neue Mährisch-schlesische Presse" lügt den Stumpfsinn in ihrem eigenen Jargon zusammen, um zugängliche Leser wenn möglich zu täuschen und für ihre Zwecke zu präparieren. Wenn unter den Lesern dieser Zeitung auch urteilsfähige Menschen find, die einen Funken von von Ehre und Rechtsgefühl besitzen, so müßten dieselben die ״.N. M.-schl. Presse" mit Ekel wegwerfen. Marienbad. Zu Ehren des Todestages des seligen Dr. Herzl fand im hiesigen großen Tempel am 20. Tamus eine erhebende Trauerseier statt. Die Synagoge war bis aufs letzte Plätzchen mit einem drstinguietten Publikum gefüllt. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Diamant hiett eine zündende Gedenkrede, die auf alle Anwesenden einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Er pries Herzl als größten Juden des vorigen Jahr- Hunderts, der das jüdische Selbstbewußtsein zu heben verstand, ״ein Fürst in Israel" sich in den Dienst seines Volkes stellte und der als Mann des Rechts für Wahrheit, Recht und Gerechtigkeit eingetteten und diese auch für uns Juden zu fordern wagte. Mir Bezug auf einen Ausspruch Herzls wies Redner mit Geschick darauf hin, daß es Herzl gelungen ist aus dem verachteten ״Indenjungen" selbstbewußte ״junge Juden" zu bilden. Mit emem ApeU, das Andenken Herzels dadurch zu ehren, indem wir seinem uns vorgezeichneten Ideal nachstreben, schloß Herr Rabbiner Dr. Diamant seine fulminante Rede. Die kantorale Funktton versah Herr Goldberger unter Orgelbegleitung mit großer Verve. Nicht unerwähnt möge bleiben, daß der hiesige geehrte Kulmsvorstand den hellerteuchteten Tempel zu diesem Zwecke bereitwilligst zur Verfügung stellte uud Kulms- Vorsteher Otto Wolfuer und Tempelvorsteher Franz Beck der Feier beiwohnten. Kali». Die Tage der BergelMng um des Gedankens. Zeitgemäße Bettachtungen zu den Klageliedern und den Trostesabbalen. Bon Dr. Hermann Klein, Oberrabdiner in KiSmarton. Verlag von Sänger u. Friedberg in Frankfurt a. M. — Das Verbot des Gesetzesstudiums am 9. Ab wird von den GesetzeStehrern bekanntiich dahin begründet: ״Die Worte der Tora erfteuen das Herz, denn es heißt Ps. 199: Die Anordnungen Gottes find gerade, erfreuen das Herz". Zu solchen Jrrantwotten, die das Herz erfteuen, schon dadurch, daß sie die Geradheit des Verfaffers befunden, der das Tadelnswerte mit selteuer Offenheit geißett, ohne zu verletzen, gehören die vorliegenden Bettachmngen, deren Gediegen-