Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 15 (11.7.1912)
- Date
- 1912-07-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Jüdische ValkSstimme Nr. 15. Äuäapeüer Nachrichten. Budapest. Bor einigen Jahren war Graf Paul Szapaiy Gouverneur von Fiume, und da die dortige, Judengemeinde eine neue Synagoge bauen wollte, bat der Rabbiner den Grafen, er möchte ihm einige Empfehlun» gen an reiche Glaubensgenossen in Budapest geben. Graf Szapary gab ihm Empfehlungen an Baron Albert Wodianer, an Baron Harkarth und noch einige gewesenes Glaubensgenossen des Rabbiners. — Ein gleicher Fall hat sich jetzr er-ignet. Eine kleine oberungarische Gemeinde. will eine», Tempel bauen und entsendet deshalb einige! Delegierte nach hier, um bei reichen Glaubensgenossen um Beitrüge vorzusprechen. Da erinnerte sich einer der Deles gierten an einen ־ ehemaligen Schultollegen, der jetzt Geistlicher ist. Den bat er um Empfehlungen. Der Geistliche gab im Empfehlungen an etwa 3V Budapest« .Einwohner, an denen er selbst in der letzten Zeit die Laufe vollzogen hatte. Diese wurden von den Delegierten der Reihe nach angegangen, aber überall begegneten sie sehr unangenehm überraschten Mienen. Wenn ein Jude sich einmal hat taufen, lassen, lüßr er sich un gerne an die Religioa die er verlassen hat, und nun kommt der Geistliche selbst, der sie getauft hat, und erinnert sie an ihr Judentum. Sie waren auch tatsüchlich alle furchtbar empört, und einige beschlossen sogar, ihre Empörung in einer geharnischten Schrift an den Pfarrer zum Ausdruck zu bringen. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHEh UNGS GESELL- SCHAFT, WIEN, L ASPERNPLATZ 1 im-eigenen Palais. — Versichertes Kapital drka 380 MUlonen. Reserven drkm 113 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesncbt. — fianaralagantur: Karl Bloudak, Brünn, Krnpfengasse 18/20 Unser neuester Tarif mit 5% jShr.icb fallender garantierter Pifimie Gcneralagentur für Wien, I., Aspeinpiatz 1, Leiter David Nebenzahl. Sub Direktion für Prag, Ferdinandsgasse 20, neu, Leiter Robert Gerstei. Sub-Direkbon für Lemberg, Szaj- DOcba 3, Leiter LQbl Taubes. Nrünner Nachrichten. Jüdischer Turnverein in Brün«. Wir geben mit nachstehendem den Sommettumpian des Brunner Jüdischen Turnvereines bekannt, aus welchen wir als besonders beachtenswert die Einführung des Zöglings und MlttelschülerturuenS hervorheben wollen. EL ist für die jüdische Jugend ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn dieselbe unter erfahrener und sachgemäßer Aussicht, dem Turnspotte huldigt und ist es wohl zu «hoffen, daß möglichst viel Teilnehmer sich an den angeführten Turnstunden einfinden werden. Zum Zöglingsturnen wäre zu bemerken, daß in dasselbe Knaben im Alter von 8—12 Jahren ausgenommen werden. Knaben, die am ZöglmgSturven teilnehmen wollen, haben: einen Beitrag von 1 Krone zu entnchten. Mittelschüler können dasselbe kostenlos frtquentiereu. Der Sommerwrnplatz hat vom 15. -. M. Gültigkeit. Turitstunden: Herreururnen: Dienstag und Donnerstag von 8—*/210 Uhr. Dameuturncu: Samstag von 8—72*0 Uhr. Mittelschülerturnen: Dienstag und Donnerstag von */28—9 Uhr. Zöglingsturuen: Dienstag und Samstag von 5—7 Uhr. Vorturnerstunde: Samsmg von von 7—8 Uhr. Leicht« atletische Uevuugeu für Mitglieder und Mittelschüler: Dienstag und Donnerstag von 7—8 Uhr. Silberne Hochzeit. Dieser Tage feierten die Eheleute Sngmund Bogad das Fest der silbernen Hochzeit. Au» diesem- Anlaffe hat He« Bogad den jüdischen Vereinen Spenden zutummen lassen. Dem Vereine Machsike Hadas spendete H«r Bogad K 30—, wofür ihm an dieser Stelle vester Dank gesagt sei. Verein Machsike Hadas Brün». Mittwoch 17. Juli abends 7 Uhr Vorstandssitzung. Die Herren Äusschußmitglieder werden ersucht zuverlästig und vollzählig zu erscheinen. An die geehrten Herrn Mitglieder und Freunde des Vereines ergeht die höfliche Bitte» bei jeder sich darbittenden Gelegenheit der WohlfahrtSeinrichtnngen deS Vereines gütigst zu gedenken, und zumindest die TelegrammablösungSvlanquette zu benützen. Dieselben sind stetS vorrätig bei Herrn Josef Bergmann, Kaufmann, Neugasse 3, Roßbach, Chocoladengeschäft, Rennergaffe Nr. 18 und bei Rudolf Meijl. Krapsengaste Nr. 4. Der «XX. VLK« im Geldnöten. Das vor einigen Monaten in Prag ins Lebm gerufene gemein antisemitiche Organ ״XX. V5k" gelangt zum Verkauf und es ist nur noch die Frage, wer — mehr dafür gibt. Redakteur Jungr verhandelte diesbezüglich bereits mit dem Kanonikus KordaL. Der gewesene Abg. MySlivec erklärt, daß Jungr nur auf eigene Faust gehanbeit hätte. ״Cesk£ Slovo“ aber erfährt darüber aus klerikalen Kreisen, daß eS um die Finanzlage des ״XX. Vgk“ recht blaß bestellt ist. Die Kaffen des Gründers Brabec, eines ruffischen Tschechen, sind nicht unerschöpflich, seine russischen antisemitischen Freunde sind enttäuscht, wie wenig ihr russisches Pogrom-Programm in Böhmen zieht und versagen jede weitere Hilfe. Zu dem hat der ,XX. VLk" keine Partei hinter sich; die katholischnationale besteht nur aus dem Papier des ״XX- V£k“. Ihre Anhänger auf dem Lande sind weder in der Lage, das Blatt zu «halten noch auch sonst verläßlich. Und der zu 90 Prozent blöde, barnummäßig angewiesene Antisemitismus zieht heute nicht mehr. Damm ist die Aktion JungrS nicht zu unterschätzen, denn er bildet mit dem Fabrikanten Brabec den ״XX. VSk“ und über diesen verfügt Brabec weil mehr als das gesamte Konsortium, welches « in seiner Tasche hat. Die Tschechisch-klerikalen lehnen das Blatt ab, weil eS die klerikalen Pläne gar zu dumm verrät und verficht. — Ob das Blatt einen Käufer finden und seine Tendenz ändem wird, ist fraglich. Wir glauben, eS wird sich noch eine Zeit halten, über die Juden schimpfen, bis ihm der Atem, das Geld auSgehen und es neben die vorausgegangenen Jundenfeinde sich zum Eingehen hinlegen wird... Der erzbischöfliche ״Cech“ in Prag über — Freiheit. In dem Prager PalackLfest widmete das erzbischöfliche Organ ״£ech“, das etwas weniger ordinär über die Juden fällt, einen Leitaufsatz, der sich mit PalacHS Ausspruch 8״vüj k sv£mu a vzdy die pravdy“, ״Jedes zum Seinen und stets der Wahrheit gemäß, beschäftigt". Und das Blatt, welches den Juden bei jeder paffenden oder unpassenden Gelegenheit in Gmnd und Boden stampfen möchte, zitiert folgende Definition deS ״Liberalismus״ durch PalockL. Dieser schrieb im Jahre 1875: Echter Freisinn äußett sich nicht im Hang zur Aufhebung der bestehenden Ordnung auch nicht zu Konspirationen und Angriffen sondern im ehrlichen Streben und Verlangen, jede Bedrückung und Knechtschaft in den Menschheit aufzuhebm; « ist immer und überall vertröglich, achtet die Freiheit ander« Menschen und führt in d« Anerkennung jeder Ueberzeugung zu keinem Unrecht und zu keiner Unredlichkeit. ״Cech“ höhnt sich selbst und weiß nicht wie. Der Bischof von London über die Hartuäckigkeit der. Jerusalemer Juden. Der Bischof von London, das Haupt der Judenmission sprach vor einigen Tagen in der ״Whitechapel« Judenmission" über die Aussichten der Mistiou im Orient und speziell in Jerusalem, wo er sich jüngst eine längere Zeit aufgehalten hatte. Er bellagte sich bitterlich über den im Orient!etzt wütenden jüdischen Patriotismus, der alle Bemühungen der Miffion zu schänden mache. Die Mission, so meinte der Bischof sehe jetzt sehr schlechte Tage. Gegen die alten Juden konnten noch geschickte Missionare aufkommen, die junge jüdische Generation im Orient und speziell in Jerusalem zeige sich hartnäckig und weise jede beffere Belehrung, die sie zur Seligkeit führen konnte, von sich. Daran sei teilweise der Zionismus, teilweise die Erstarkung eines unpolitischen jüdischen NationalismuS schuld. Der jüdische Nationalismus bilde die größte Gefahr für die Miffion im Orient, weil er mit Argumenten nicht zu bekämpfen sei. DaL Christentum habe aber auch eigentlich gar kein Recht, sich dieser neuen Tendenz im orientalischen Judentum entgegenzustellen und die Kirche denke nicht daran, patriotisch fühlenden Menschen ihr Teuerstes zu nehmen. DaS verschlimmere aber noch die Lage der orientalischen Judenmission. Also klagte verzweifelt der Londoner Bischof. ES mag noch hinzugefügt w«den, daß die Judenmiffion in London selbst jetzt sehr schlechte Tage sieht. Ihr altes Mittel, armen Juden ärztlich beizustehen, will nicht mehr verfangen. Die Ostjuden in der englischen Metropole haben jetzt übnall ihre eigenen Polikliniken und ihre eigenen Armenärzte oder sie suchen die großen allgemeinen Kranken- Häuser auf. Die Zahl der jüdischen Kranken, die MissionSärzte besuchen, ist in den letzten drei Jahren auf ein Minimum gesunken. Der MiffionSarzt war aber immer der eigentliche ״Schadchen" zwischen dem armen Juden und der ״Mutter Kirche". Wenn die Londoner jüdische Gemeinde im Whitechapel mehr jüdische Verschallen errichteten und die Aermsten der Armen im Winter mit Kohlen versorgen würde, damit sie auf die Hilfe der Mission nicht angewiesen seien, könnte die Londoner Judenmistion morgen ihre Anstalten in Whitechapel schließen. Die Sabbatruhe der Newyorker Bäcker- Meister. Dem ״Israelit" wird aus Newyork gemeldet: D« Verband d« jüdischen Bäckermeister in New- York hat in seiner jüngsten außerordentlichen Generalversammlung in Anwesenheit von 100 Mitgliedern den einhelligen Beschluß gefaßt, von nun ab am Sabbat vollständig zu ruhen. Die Versammlung erließ an die jüdischen Frauen von New-Iork ein Zirkulair, in welchem die jüdischen Frauen höflichst gebeten w«den, sich diesem Beschlüsse zu fügen, da die Bäcker unter keinen Umständen am Sabbat arbeiten lasten werden. Der Beschluß der Bäcker ist infolge einer intensiven Agitation der ״Tomchei- Schabbos-Vereinigung" zustande gekommen. Diese Vereinigung wird nun nach diesem ihrem großen Erfolge ihre Tätigkeit bei anderen Gewerben fortsetzen und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß es ihr gelingen w«de, im Newyork« Eastend den Sabbat zu jenen Ehren zu bringen, in welchen er einstens bei den Juden gestanden hat. Pro Falascha-Kornitees. Unter Leitung seines Borsitzenden, Oberrabbiner Dr. Margulies, Florenz hat der engere Ausschuß des Pro Falascha-KomiteeS am 2. Juli in Berlin eine Eitznng gehalten, in der baS Arbeitsprogramm für die nächste Zurunst festgesetzt wurde. Nachdem die sehr befriedigenden Berichte über die bisherige Propaganda in fast allen europäischen Ländern und in den Bereinigten Staaten züglich zu beginnen. Im Oktober b. I. wird Dr. Faitlovich, dessen zwei frühere Reisen zu den FalaschaS von ... Kolonie Eryträa begeben, um von dort aus die Expedition zu den FalaschaS auSzurüsten und die notwendigen Borbereitungen für die Errichtung einer Schule einzuleiten. Bei den FalaschaS selbst wirb er sein Auaemerk hauptsächlich darauf lenken, eine größere Zahl junger Leute, die geeignet sind, später als. Lehrer unter ihren Landsleuten zu wirken, auszuwählen und der zu grünoenden Schule zuzuführen. Die Rundreise bei den FalaschaS wird einige Monate in A> spruch nehmen und Ende des Sommer» beendet sein. Dann soll sofort die Schule eröffnet werden und der Unterricht beginnen. Als Sitz der Schule ist Adigala in Aussicht genommen, das an der Grenze zwischen dem Reiche deS Negus und der italienischen Kolonie liegt. Bis zur Fertigstellung eines eigenen GebäudeS, für daS die italienische Kownialverwaltung den Grund und Boden zur Verfügung zu stellen bereit ist und die FalaschaS als Bauarbeiter herangezogen werden sollen, werden in landesüblicher Weise provisorisch Hütten und Zelte errichtet werden, die Lehrern und Schülern als Unterkunft dienen können. Dr. Faitlovich wird auf sein« Reise von zwei der von ihm früh« mttgebrachten und nach europäisch« Methode ausgeblldeten FalaschaS begleitet sein, die auch nach Eröffnung der Schule als Lehrer tätig sein werden. Die Mittel für die Expedition werden auS den bisherigen Erträgnissen der Propaganda bestritten werden können. So steht zu hoffen, daß nach vielfachen Hindernissen den FalaschaS endlich die von ihnen so sehr ersehnte religiöfe Unterweisung und die Derbindung mit den and«en Juden gewährt w«den können. Dr.RuMKatlttlicky gev. Leiter der T.eftirg. JHteilung der Landesirrankenanstalt wohnt: kcice Terdinandsflasse und Zobannrrgarre <>׳»״» «.««»-> ordinlen täglich von r dir 4 UDr nachm. Jernsprecber Nr. 603. Die schönste schrill in kürzester Leit erreicht jedermann! Hk. dev. aut. Sevreivrevule Professor Rudolf Roubctcbek uu«uu1־>nm«t״t־ Praä Ül£ll7£]£ftlaf7 £7 Dach auswärts drieklieder Unterrrag, WCll^isyiai^ 4/ E nach eig.ges.gesev.Methode