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Jüdische Volksstimme · 1912-07-11 · Heft 15 (11.7.1912) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 15 (11.7.1912)
Date
1912-07-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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9W+ Sette 8. Kr. 15 Exil der zehn Millionen Inders die dem historischen, wirklichen Judentum zwar langsam, aber umso sicherer verloren gehen. Wo das Physische GÄn» aufhört, tritt äugenbllcküch ein intensivere», geistiger an seine- Stelle. Das ist der Schmerz, der u n S zu Boden drückt! Mit dem Gelde, welches die Westjuden für Luxus hinauswerfen und daS die Mich« Juden in Bestechung und Amerikaspesen auSgeben müssen, v um ihr Leben fortfristen zu können, wäre uns allen geholfen. Das ist das Golus. Wenn ihr in eurer Seele einen Thorastaat gründen werdet, dann wird ihn Gott in Wirklichkeit gründen. Nicht durch Ausschließung, durch Zusammenschluß wird uns geholfen. Verweiset nicht alles Höhere in Vergangenheit und Zukunft. Und wenn wir zerklüftet und zerrissen und gedaukenloS sind, so mögen wenigsten» unsere Kinder glücklicher und glaubensstark werden, mögen s i e wenigstens für das Sinaijudentum heranwachsen. ילד ילד לנו׳ בן נתן לנו Wim, 17. Thamus. L Grünhut. Prager Brief. Bon hier aus ist wie gewöhnlich nichts InterefsanteS zu bericht« Vereine und Korporationm halten schon ihr« Sommerschlaf und nur die autisemiüschm Blätter sind in der Lage interessante Neuigkeitm und Smsationen zu bring«. In der sauerm Gurkenzeit mtfaltm sie ihre auch im Winter viel gepflegte Erfindungsgabe zu wahrer Virtuosität. Wenn man so die Spalten des ״Ezech" durchfliegt, findet man immer was Nme». Ob er jetzt seinm im Geiste armm und doch so unseligm Lese« da» Märchm auftischt, wie seit dem Jahre 1877, seit der Bewilligung des Grundbesitzes für Juden in Galizim bereits 75 Prozent des galizischen GmndbesitzeS in die Hände der Juden übergegangen ist, oder ob er ihnen seine Freude, mitteut über dm in der Laibacher Handelskammer von einem slovenischklerikalen Kammerrat gestellten Antrag auf Aus- -uahmegesetze und wirtschaftlichm Boykott ge die Juden ist völlig gleichgilüg, die Judm mü.. ihm über die schwülm Sommermonate hinweghelfen. UebrigmS vermißt man auch in der sogenannten judmliberalm- Presse die richtige Be- Wertung de» slovmischkerikal« Antrages in Laibach. E» hatte doch darauf hingewiesm werden müssen, daß dieser Antrag den StaatSgrundgefitzen schuurftrakS zuwiderlauft, aber weunS sich nur um Judm handelt, üherfieht man in der bürgerlichm Preffe solche Kleinigkeitm, tut» doch die Behörde, die sonst gleich bei der Hand ist, Korporaüonm wegm Ueberschreitung ihrer Sompetenzm aufzulöf« nicht besser. Die Liwgmut des Zensors autisemiüschm Ausfällen gegenüber ist wahrhaft bewunderuS» wert. Was der arme k. k. Zensor da alle» die Presie pasfierm läßt um ja nicht als Judmfreuud verschrieen zu werden grmzt ans Fabelhafte. Dafür bietet eioe einzige Nummer de» ״XX. VSk“ genügend Beweise. So find in einer Nummer enthalten ein langer Auffatz über den Jndm als Fremdling, der eine Ausnahmestellung der Juden fordert und erst den Enkeln eines zum KatholizismuS, Protestantismus oder einer ander« Ko.> fession (welch schöne Toleranz eine» katholisch« Blatte») übertretmm Jud« die volle Geichberechtiguug gewähr« uriH, ein Artikel über die Unverläßlichkeit uud BertraumSnnwürdigkeit der jüdischen Aerzte, der alle allen Ammmmärch« gegm Talmud und Schulchanaruch enthält, dm wir dm Aerztekammem zur Kenntnisnahme empfehl«, ein Auffatz, der die Türkei gegen Judm und Zionisten aufhetz« will usw. Wenn es sich um Tschechm Handels sind die Behörd« viel schärfer, wie bemühte mau sich z. B. offiziell den Verdacht der Burschakmhetze von den Tschechen zu nehmen. Die Studentenschlägerei, die im Gefolge der Sokolfestlichkeitm erfolgte, hat auch jüdische Märtyrer der guten dmtschen Sache gezeitigt. E» find auch ein paar jüdische Burschaken geprügelt worden, fteilich nur oberflächlich! Ein« tragikomischen Abschluß fand« übrigens die Raufereien in einem Duell zweier jüdischteutonischer Recken. Der Berichterstatter der ״Bohemia" warf dem de» ״Prager Tagblatt" vor. daß er die deutsch» Interesse« nicht «ergisch vertrete. Folge davon ein Duell der Kenn Kisch und Katz, in deff« Verlaufe jedmfall» "'sche» Blut für die deutschradikale Sache vorm. Hotel Romania Neu eröffnet! Wien II., Kleine Sperlgasse Nr. 5. 5 Minuten vom Stadtzentrum, in unmittelbarer Nähe des Nord- und Nordwestbahnbofes. PRACHTNEUBAU! 100 ZIMMER. Elegantes Fsmillenliotsl. Zentralheizung. Kaltu. Wannwasser in Jedem Zimmer. Bäder im Hause — Elegante Halle, Musik-, Schreib- und Lesezimmer — Exquisite und rituelle Küche- OT» Zimmer von K 3*60 aufwärts. -MD Besitzer Karl Sairingar. Wiener JRacftricftteii. Wien. Die Monatsschrift ״Der jüd. Handelsangestellte" schreibt: ״Auch die Wi«er Börse ist eine jener dem Handel dieuendm Korporaüonm. in dm« für jüdische Angestellte kein Platz ist, da sie bei der Aufnahme von Beamten erst nach dem Taufschein und dann erstn«h der Fähigkeit ftagt... Daß auch der Taufschein Bedingung bei der Aufnahme eine» Beamten ist, ist empörend. Wir brauchen unS ja nur den Börsenrat, die maßgebende Instanz für die Aufnahme von Beamt«, änzusehm, um dieses Urteil gerechtfertigt zu finden Da fitz« im Börsenrat Leute, mit den urgermanischm Namen Bachrach, Boichan. Engel, Feldmann, Kolisch, Krau-, Pflaum, Popper (der Eucharistm- Popper), femer 3 Stem s tutti quanti und schließlich auch Herr Wilhelm Anninger, der, wmu wir uns nicht sehr irr«, Präfidmt der Oesterr israel. Union gewes« ist. Wir wiff«, daß die Mitglieder des hohen BörsmrateS vom RachauS-AnüsemiüSmuS und vom wirtschafttich« AnüsemiüSmu» sehr jU fürchten habm, also Mitgefühl für d« , .! auf die Verwertung seiner Arbeitskraft aogewies«« Judm (dm der wirtschaftliche AntisemitiSmuS die Möglichkeit dieser Verwertung in furchtbarer Weise erschwert), dies« Leut« nicht selbstverständlich erschemm muß. Wmu die Herrm aber nicht die Ohrfeige, die sie sich selbst in ihre feisten Gesichter verfitzen, spür«, dann wollen wir ihn« sag«, wie unsäglich erbärmlich uud würdelös ihr Vorgehen ist. Wir verlangen von niemaudem, auch von jüdischen Börsmrätm nicht, Gnadm oder Privileg!«, wa» wir aber sordem, ist Gleichberechtigung und gleiche Behandlung." Kiudttspital der israelitische» KultuSgemeinde in Wie«. Ja der DimStag den 25. Juni stattgehabtm Plmarfitzung de» Kultusvorstandes wurde über die Besetzung der Stelle eines dirigiermd« Primararztes in dem n« zu errichtend« KiudeSspital der israelisch« Kultusgemeinde beraten uud beschloffm. Auf Grund eine» eingchenden Referate» wurde der vom ärztlichen Komitee, von der KinderspitalSkommiffion uud sohin vom Bertreterkollegium dem Plmum primo loco vorgeschlagme Dozent Julius Zappert zum dirigierend« Primararzt bestellt. Diskonto-Gesellschaft bei der Nord&sterreichischen Bank kür Industrie, Handel und Landwirtschaft, registvierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung In Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Baakgeschälte, hauptsächlich an« für den Eskompt offener Buchforderungen unter den allergünstigsten Bedingungen. Die Gebetbuchfrage und die Mitteiluuge» d«S Jsr. Landeslehrerveines. Die Julinummer des Fachorgan» de» Jsr. Lande»lehrervereineS für Böhm« bringt ein« Arükel über die Gebetbuchzmsurierung aus der Feder einer — wie sich eine Margiualbemerkung der Redaktion ausdrückt — anerklwuten Autorität ״um dm über uns wie Preßhyänm hergefallmm Gegnern zu zeig«, daß vei uns stet» der Grundsatz gitt ״Audiatur et alters pars*, ohne für dies« oder jmm Partei zu ergreifen". — Man muß gestehen, daß der sachlich und mit gründlicher Wissenschaftlichkeit geschriebene Arükel ohne dies« Marginalschmuck entschieden bester gewirkt hätte. Nicht die Stilistik dieser Randglosse soll hier Gegenstand der Kritik sein, sonde« e» soll nur gegm die Unterstellung Protest erhoben werdm, daß der Abwehrartikel gegm Rabbiner Stimmer au» der Feder eines Gegner» des LaudeSlehrervereineS stamme. Die Redaküon der Mitteilung« sollte in der Wahl ihrer Entrüstung-- auSdrücke dmn doch etwa» vorsichtiger sein und wirklich« Gegnern durch Worte wie ״Preßhyänm" keine Handhabe bieten zu üefer« uud eiugehender« Untersuchung« über Umfang und Inhalt dieses Worte». Warum erscheint der autoritative Arükel erst jetzt? Warum hat die verehrliche Redaküon sich nicht schon ftüher an die anerkannte Autorität gewendet, um den Brandarükel Stimmers wenigstm» einigermaßen zu paralysier« und so der ganzen unerquicklichen Diskussion ein« versöhullch« Abschluß zu geben? — Gegm eine wissenschaftliche Behandlung der Gebetbuchftage, wie sie in dm letzt« Artikl zu Tage tritt, hält« wohl selbst wirkliche Gegner nicht viel einzuwenden gehabt Wenn die» hier dennoch in ganz bescheidenem Maße geschieht, so betrifft es nur jmm Passus, in welchem so ganz en pssssnt dem H. Rabb. Stimmer, aber auch deffen Widerpart etn kleiner Hieb versetzt wird. ״Man sieht au» dem wenig« hier Borgevrachtm, daß die Erörterung dieser Dinge sehr alt ist und nicht erst auf Herrn Rabb. Sün mer und J«e, die ihm mehr oder minder ausführlich und richüg erwidert habm, gewartet hat" — so schreibt der Gewährsmann der Redaküon der Mitteilungen. — Man muß allerdings zupeben, daß im ArükeL der ״Jüd. Bolkrstimme" die Frage nicht mit der breiten Ausführlichkeit und mit dem üefer« Eingehen auf die Quell« behandelt wurde als es nun in den Mitteilung« geschieht Allein wo wurde in jenem Arükel der BolkSstimme der Anspmch erhoben, daß die Behandlung dieser Dinge u« sei? Der Autor war sich wohl bewußt daß diese Erörterung schon sehr alt sei und nicht erst auf ihn gewartet habe. Daß er sie etwas populärer gestaltet hat ist dadurch begründet, weil die Volksstimme ein für die breitest« Schicht« und für die Orffmtlichkeit bestimmtes Organ uud nicht ein Fachblatt ist, wie die Mttteilungm, welche die Plattform für str«g wiffenschastliche Erörterung« sein sollen. — Der anerkannte Gewährsmanu stellt so nebenbei, gleichsam in einem Aufwasch«, auch die Richtigkeit jener Ausführungen in Frage; eS wäre nun an ihm gewesen, dieses sein Urteil strickte und präzise durch d« "»inweis auf die Fehlerhaftigkeit zu begründ«. >er aufmerksame Leser wird jedoch finom, .daß I dieselben Gedanken, zum Teil dieselben au» dem Talmud ungezogenen Stell« find, die der Gewährsmann freilich in reicherem Maße zum Ausdruck bringt — Wie wenig dem Autor jene» Arükel» in der ״BolkSstimme" daran geleg« ist, sich in Gegmsatz zu dm Mitteilung« zu stellen, mag aus dem Umstande hervorgeh«', daß er ich ausschließlich mit dem Arükel Stimmer beaßt und gegen die Mitteilungen uud der« Remküon kern Wort geschriebm hat, da» selbst der!ZeinfÜhligste und Feinhörigste als Ausdruck geljeimer oder offmer Gegnerschaft auffaff« konnte, e» sei d«u, daß da» noch immer lebhaft empfundme Bedauem über die Aufnahme solcher Artikel wie j«eS de» Her« Rabbiner» Sümmer zu einer solch« Auffassung Anlaß geb« könnte. In Bezug darauf muß hervorgehoben werden, daß da» ״audiatur et altera pars* absolut nicht am Platze ist; und dieser Meinung dürste dieses oder jmes Mitglied der Redaküon der Mitteilung« gleichfalls sein. Herrenwäsche nach Mass und Herrenmodewaren kaufen Sie am besten Im Spezialgeschäfte der Firma ״Derby״ V. DRESLER, Brünn Krapfengasse 24-26. Nur apparte Neuheiten. Feste Preise.

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