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Jüdische Volksstimme · 1912-07-11 · Heft 15 (11.7.1912) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 15 (11.7.1912)
Date
1912-07-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Hüte'2 SK.W Gold oder Eisen gewesen sei. Aber sie tun nichts, um die Spitze unschädlich zu machen. Die neuen Angriffe des HammmbuodeS, sind lästige Maledictionev, die Mt . ihrem ekle» Ge- Wäsche wiederkehren, hat mau sie auch wiederum zu Nichte gemacht. Es ist widerliH auf diese» gemeinen Unsinn antworten zu müssen uud -eS ist traurig, das un'sre WirtLvölker immer wieder von Neuem daran glauben; woher das ״Muß" sich ergibt. Die ewige Spaltung in zwei Lager ist schuld daran, daß es in keinem zur richtigen Arbeit kommt. Und die Orchodoxen sollten dort, wo sie in der Majorität. willig Eins werden, mit den Fortschrittlern, demnach in ihrer lleberzahl alle Reform beseitigen. Aengfiüchkeit ist hier nicht am Platze. Die Assimilanten der Neuzeit werden an ihren Söhnen und Töchtern, durch sie gestraft werden. Die Orchodoxen sind zu viel vom Kampfe in Anspruch genommen, im Hause fehlen sie. Und auch sie werden durch chre Kinder bestraft werden. Wenn auch in ganz anderer Form. Die Affimilanten werden chre Ungerechttgkeit durch gute Kinder büßen, die Orchodoxen ihre Nach, läsiigkeft durch unftomme. ES gibt drei Hauptarten von Juden: Solche die eS sind und reden. Weil sie es sind, soll ihnen Verzeihung zuteil werden. Solche die es sind und schweigen. Das ist das Beste, weil sie handeln und schaffen. Die Dritten sind eS nicht und neunten den Mund voll, u« ihre Paffivr'tät zu beschönigen. Sie verdienen Schlitze. Das künf. tige Geschlecht wird sie chnen geben. ES ist ungebührlich und verfehlt den Volks- Verrätern und ReligiouSflüchtigen entgegenzutreten, denn Frieden gebietet die Thora — sagen sie... Es wäre zum Lachen, wär'S nicht so unendlich bitter. Unsere Jungen, lastet sie in Ruhe l Sind sie nicht religiös — strafet die Alten! Jene wußten Es verlief alles großartig. Der Tempel war gesteckt voll, bis auf die Gaste hinaus drängte sich die Schar der Neugierigen. Der Kantor sang sein schmelzendstes ״Mi-adir", der Rabbiner hielt die rührendste TrauungSrede, und Salme Strimpl äußerte wiederholt zu feinem Nachbar seine höchste Befriedigung Wer das GeÜngeu der schönen Feier. Als der HochzeftSzug den Tempel verließ, drängte er sich mit den andern vor, um gesehen zu werden und seine Gratulation mit den übrigen vorbrigen zu können. Aber in diesem Augenblicken wurde «hm durch das Stoßen der ungeduldig sich Hemudrängenden oder sonst durch einen tückischen Zufall der ohnedies nicht festsitzende Hut vom Kopfe geworfen und während' er bemüht war, den AuSreißer wieder zu erhaschen, hatte der größte Teil der Hochzeitsgäste den Tempel verlaflen. Salme Strimpl war nun unschlüssig, was er . tun sollte. Im Hochzeitshauft herrschte entschieden jetzt der größte Rummel, es war nicht angezeigt, sich dabin zu begeben, auch sollte e» nicht dm Anschein haben, als ob er als erster sich ,zum Esten" einstellte. DaS vernünftigste war, fo entschied er sich, nach Haufe zu gchen und dort abzu warten, bis er gehott würde. Dmn geholt mußte er werden, darüber gab er sich nicht dem leisesten Zweifel hin. Wenn alle, so würde ganz gewiß Fräulein Rosa nicht an ihn vergessen. Er zündete sich also bedächtig eine der er. haltenep .Hochzeitszigarren" an und blieS mit offensichttichem Behagen den Rauch von sich, in langsamen Schrittm seiner Bchausung zusteuernd. Bor derselben schritt er eine Zritlang noch auf und nieder, damft alle in der Gaffe eS schm können. welch feiner Kraut er rauche, dann begab er noch, sahm noch, was Judmtum, was SchabboS sei und habm eS diesen Mmubtz 'Die Jung«!sichen nichts Weh»; seid fach, daß sie sich .bemüh«, etwaS zu stadem Und irren sie auch noch,;sie lmmnen sicher zurück. Schimpft weniger cmseiuauder l Suchet redlich nach einem gemeinsamen Band-!- Wir habm ungeheuere Kraft und Fähigkeit in uns. seid klug, macht Frieden und eS wird sich Alles geben. Begeisterung ist vorhanden, sie versagt, weil der ewige Kampf zwischen Brüdern — abkühlt, IndifferenüSmuS schafft. Niemand braucht 'was preiszugebm. Lastet dem Fromm« fein« Glauben, er macht ihn glücklich, schadet euch nicht, bemühet euch, den Verirrten zurückzugeben. Nur dm Verrätern keine Gnade! Sonst aber lastet «er Bruderherz sprechen und ruftt liebevoll: So gewinnet ihr Mele! Seid einig, dann wird der Einige und die Einheit Euch helfm! Berlin Leo Jung. Zu de» drei Wochen. דור עני בי אין עחר Der tragische Aufschrei deS Prophet« Jeremia: ,Was fand« «re Väter für Fehl an Gott, daß sie sich von ihm entfernten und dem Mchtig« nachgieugen?!" zittert bis in unsere arme Tage hinein und die Schilderung, die uns Jesaja von seiner Zeit und Welt entwirft und die er seinem gewalügen BerufungSkapitel vorausschickte, um dieses verständlich zu machen, scheint faßt unserer Zeit entnommen. Zu der Trauer um deu Verlust des alten GlauzeS gesellt sich noch der Schmerz der Erkenntnis unserer heuügen Unzulänglichkeit, unserer Gedankmlofigkeit und der Verkennung deS Judentum«, wo ja gedacht wird. DaS Judentum krankt daran, daß die religiösen Judm nicht an die Gegenwart und die Abtrünnigen nicht an die Vergangenheit glaub« wollen. So Hab« wir auf der einen Seite die religiösen Juden, auf der anderen Seite den modernen Kölner Zionismus. In Italien verficht man unter Judentum eine Liste von Minister», hohm Staatsbeamten und Militär«, in sich in sein ,Junggesellenheim", das er bei der ehrbaren Witffrau Fradl Müller iunchatte. Der unerschöpfliche Wortschwall, mit dem sich diese über das große Ereignis auSüeß, kam ihm heute ganz weil eS es ihm immerhin über das peinliche Wart«- müflen hinweghalf. Aber eS wurde Spätnachmittag, eS begann Abend zu werden und uoch immer hatte sich memand gezeigt, der ihm Erlösung gebracht. Schon begann auch fei« Mag« ihn daran zu gemcchnen, daß er h«te nichts zu Mittag gegessen in Anbetracht all' der bevorstehend« Genüffe. Unberührt war« die Bohnmsuppe uud die Erdäpfelkaödl von Frau Müller iu die Röhre zurückgestellt worden. Wozu mit solch schlechtem Zeug anM«, wenn ein« die köstlichsten Leckerbist« erwarteten? Ja, nur nicht die Geduld verlier«! ES kam doch wirklich aus ein paar Miaut« länger nicht au! Man mußte sich ja seiner erinnern! Daun wird er sich zur voll« Tafel hinsetz«, wird sich nicht lange nöüg« last« und Herzhast zugreif« zu all dem Gut«, das ihm vorgesetzt würde. Aber Minute auf Minute verrann und kein Mensch ließ sich blicken. Ein bitteres Gefühl, etwa» wie Verzweiflung, begann allmählich in ihm aufzusteig«. Mau schi« also doch an ihn vergeffm zu haben! Nun. sollt« sie sich nur alles behalt«! Pah! DaS bischen Esten, man wird sich zu trösten wist«! Schließlich ist es ja doch.einerlei, womit man seinen Mag« anfüllt. Wmn dieser nur nicht knurrt! Mau hat schon schlimmere Dinge erleb« müff«! Und nur zögernd, weil immer noch mit der leis« Hoffnung im Herzen, daß doch im letzten Augmblicke der ,Retter iu der Not" sich zeig« werde, erließ er an Frau Müller die Frankreich die führenden Leute an der Börse. Wo Wer ist haS wirkliche Judentum? \ Bisher hat nur an ML den reichsdmtsche« Orthodoxie Len Beweis erbWchh dich sich Zeitgeist imd-Judentmn zu einen veiHrhtz ohne daß letzteres einen ZwangScuSgftich emgehen muß oder sich übechaupt iu ein« 9&tel von Jdeeu auflöst. Die Tage Her nationalen Trauer, w dm« wir uns bchnden, sollt« uns au» dem Alltag aufrüttelu und uns an unsere göttliche Sendung erinnern. Wir werden uns am neunten Ab wieder zur Erde setzen und wieder das alte Lied des Jchuda Halevy sing«, ob nicht Zion nach dem Wohl seiner Gefangenen frage. Fragen dmn wir nach dem Wohl Zious? Frag« wir nach dem Wohl der Gefangenen, die sich aus dm Feffeln des Unglückes, deS Unglaubens, des geistigen Elends, des Kampfes um das tägliche Brot nicht befteien könn«. In Döbling ruht einer ausvon dem Kummer und den Enttäuschungen, die ihm wiederfuhr«, weil er sich über b« fast dogmatisch worden« PassiviSmuS hmweazusetzen wagte und das Judentum nicht in Kleinlichkeiten erblickte. Weil er nach dem Wohls ZionS fragte, wurde er angefeiudet und bekämpft. Die meisten orthodox« Judw könnt« nicht begreift», daß außerhalst des RituS liegende Fragen auch zum Judentum ge, hör« könum und die liberalen.sahen sich in ihrer behaglich« Assimilation aufgeschreckt. Der neunte Ab sollte starke und opferbereite Judm sind«, nicht gedankenlose Lmte, die das. Ende des Fastens kaum erwart« könn« uud am nächst« Tag wieder nur für dar Geschäft existier«. Beweinet nicht die Zerstörung Jerusalems, die Jugend, die für Gott und׳ seine Lehre freudig das Herzblut vergoß, beweinet die Zerstörung der Diaspora, die heutige Jugend, die für däS Judentum nur uoch das bekannte schmerzliche Lächeln, im best« Falle pietätvolle Ablchmmgübrig: hat. Beweinet dte Zukunft, die im Schoße dieser Jugend ruht. Betrauert nicht dm Tag, «m dem-sich ZwnS Pforten hinter usS schloff«, denn nur. durch, da» Exil exiflierm wir uoch uud find lebensWig; dm Tag, an dem sich die Tore de» Ghettos öffnete», dm betrauert, daß ist der Tag. an dem unser taüfmdMrigeS JWmtum wie eia fadmscheiniges Gewand zerfiel, an dem wir unser Ich verlor«. S8cht das alte Exil der zehn Stämme betrauert, sondern das ume, moderne Weisung, ihm das Mittagessen aufzuwärmeu, uud als sie eS bereits vor ihm hingestellt hatte;׳ führte er den Löffel nur langsam, immer zuwarteudzum Munde, auch schnürte ihm da» Bewußtsein der erlitten«, kränkend« Zurücksetzung ein wenig die Kehle zu. Dich horch! War nicht jemand -drmchen beim Fenster? Nein. eS war keine Täuschung! E» klopfte einer an die Scheiben, und jetzt hörte er ganz deutlich die Sttmme Schau! JellinekS: ״Salme, mach schnell, du wirst gerufen!" Nun also! Gott sei Dank! Er Hatte es ja gleich gewußt, daß man ihn nicht vergessen, um ihn schicken werde! Freilich etwa» spät, und dann hatte er, aufrichtig gesagt, schon gar kein« Appeüt, selbst nach den herrlichst« Leckerbiffen! Lieft verdmmnteBohnmsuppe! Daß!« nicht uoch eiu paar Minuten länger gewartet-hatte, wenn er schon so lange tapfer auSgehalt«! Aber ein Salme Strimpl weift sich zu helfm. Einfach d« Finger beherzt in den Schlund hinein gesteckt und alle» überflüssige Zeugwar.draußen und Matz geschaffen für Brat«, Torte, Wein und all' die andern Herrlichkeit«, die gmoff« werdm sollten. Jetzt schnell hiugeeilt. bevor noch alles zu Ende ist! Und schon war Salme Strimpl au» der Türe, war blitzschnell um die Ecke gebogen, als er zu« zweitenmale Schaul Jellinek vorwurfsvoll ihm entgegenruf« hörte: ״Wo bleibste wieder so laug! E ganze Ewigkett steh« bie Seif scho da, und müffen auf dich warten, weil kein Minjan beisamm« iS, um die Lewone mekadesch sein zu könum! (Dm beginnend« Nmmond im Gebete zu begrüß«.) Mährisch-schlesische Bank Brönn: T«*fhw1 Nr. 380, MMM» Nr. M fr. WM, N11>11W1111r 1 verzinst EINLAGEN gegen g■■»* Z׳tl 01; gebuBdai^lal^gcn laflt&bere»ato«gea4BattteaAMvtad in lauMer Rechnung mä TT RN gcschitttnBcrArt,8HkHeM-u.Vkfh,lf.ffgfW-hWN.

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