Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 14 (4.7.1912)
- Date
- 1912-07-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 Jüdische B-lttstimme Sette 8. Krünnee Nachrichten. Jüdisches Technikerheim, Brün». Mr das Studienjahr 1911/12 gelangen im Jüdischen Technikerheim, Brünn vorläufig 10 Freiplatze zur Besetzung. Entsprechend belegte Gesuche sind bis 15. September an den Ausschuß des ״Unterstüstungsverein für mittellose jüdische Techniker" Brünn, Deutsche Technik, zu senden, woselbst nähere AuS» künste zu erfragen sind. Verein Machfike Hadas, Brün». Mr derkaufte Block- und TelegrammablösungSblankette Sammelbüchse Nr. 1 abgeführt für Monat Juni M. R. X 15-30. Telegramm-Ablösnngsblankette zugunsten der Wohlfahrtseinrichtungen des Vereines Machfike hadaS sind vorrätig zu haben bei Herrn N. Roßbach, Schokoladengeschäft Rennergasse Nr. 18, bei Herrn Josef Bergmann, Kaufmann, Neugaffe 3 und bei Herrn Rudolf Meist, Krapfengaffe Nr. 3. Die geehrten Herren Mitglieder und Freunde des Vereines werden höflichst ersucht, nicht zu vergeflen, bei jeder sich darbietenden Gelegenheit diese Telegrammblankette zu benützen. Spende. Herr M. Bardach hat der Peo- Sammlung des Vereines Machfike Hadas eine Anzahl Kleidungsstücke sowie dem Beth hamidrasch mehrere Bücher gespendet. Dem Spender sei an dieser Stelle herzlichster Dank gesagt. Hebräischer Unterrichtskurs. Die Leitung des Vereines Machfike Hadas bringt zur Kenntnis, daß anläßlich der Ferien ein separater Kursus für Knaben im Hebräischen abgehalten wird. Einschreibungen werden bis 15. Juli im Bereinslokale Adlergasse 12, zwischen 6—7 Uhr abends entgegengenommen. Nuäapefter Nachrichten. Landeskongrefi der orthodoxe« israclitische« Religiouslehrer. Das DienstverhiUtnis, sowie die Ge- Halts- und Pensioncflagen der orthodoxen israelitischen ReligionSlehrer sind döllig ungeregelt. Deshalb wird über Anregung des Lerboer ObberrabbinerS Samuel Reich am 9. Juli in Budapest ein Landeskongreß abgehalten werden. Das Sigmund und Adele Brody-Kiuderspital der Pester israelitischen Kultusgemeinde veröffentlicht soeben seinen Tätigkeitsbericht über das Jahr 1911. In dieser Anstalt wurde im Jahre 1911 insgesammt 19.824 kranken Kindern ärztliche Hilfe geboten. Von den Behandelten waren 16.256 nach der Hauptstadt, 3568 nach der Provinz zuständig. 32 Perzent der behandelten Kindern gehörten der jüdischen, 68 Perzent der christlichen Religion an. Im Spital wurdm 1767 liegende Kranke gepflegt, von diesen bezahlten 1139 die Spitalskosten, 628 wurden unentgeltlich verpflegt. Von den zahlenden Spitalspfleglingen waren 481 Mitglieder der Landes-Arbeiterversicherungskrankenkaffe, der Betriebskraukenkaffe des Franz Josephs-Handelsspitals und die Staatseisenvahn- Betriebskassen. Tie Zahl der im Berichtsjahre verswrbenen Spitalspfleglinge betrug 159, was einer Mortalitätsziffer von 9 Perzent entspricht. Die GesamtauSgaben betrugen 187,380 Kronen, so daß die Berpflegskosten für einen Kranken sich auf 106 Kronen 64 Heller, die Kosten eines VerpflegStages sich auf 4 Kronen 93 Heller stellten, und die Anstalt bei dem bekanntlich mit 3 Kronen 50 Heller festgesetzten VerpflegSkostensatz per Kopf und Tag 1 K 43 H. draufzahlen muß. Wie alljährl. hat auch im 1.1911 die Hauptstadt mit 10.000 K das Spital subventioniert. Die Chewra Kadischa wies 5000 X der Anstatt zu. Hofrat Dr. Moriz Stiller machte zum Andenken an seine verewigte Gattin geborene Charlotte Ullmann de Baranyavär eine Bettstiflung von 4000 K, Herr und Frau Eugen Kiß erhöhten ihren Stiftungsbeitrag auf 4000 X. Seitens der Verlaffenschaften Ludwig Taubs und Emanuel Weiß' wurden dem Spitale 3816 X 85 h, respektive 2000 K überwiesen. Verschiedene Gönner des Spitals wandten 1600 X demselben zu; an sonstigen Spenden liefen 3211 X ein. Versöhn»« gsversuch. Doktor Pasmanik verurteilt Achad Haam als Feind des jüdischen Volkes, man sollte ihn lieber als unbedingt notwendige Ergänzung zum jüdischen Volke hochschätzen. Er repräsentiert die Vergangenheit, auf welcher wir alle fußen und welche in den Augenblicken der Gefahr und der Verzweiflung uns den nötigen Rückhalt im Leben gibt. Was sind alle Berfammlungen und Vereine, alle Demonstrationen und Organisationen, Parteitage und Kongreffe gegen die friedliche Glückseeligkeit des jüdischen Familienlebens und der Harmonie der jüdischen Festlichleite«? Im Zionismus gährt und schäumt es wie im Kampfe und im Lchlachtengewühle, da heißt es in Reih' und Glied stehen und gerüstet vor» gehen gegen den gemeinsamen Feind! Aber nach getaner Arbeit sehnt sich jeder wieder zurück in sein Heim, zum Frieden, in die Familie! Und Achad Haam rettet in der religiösen Tradition die Glückseligkeit und die Harmonie des jüdischen Hauses, während der Zionismus die Politik und Taktik gegen den äußeren Feind aufnimmt. Beides ist notwendig. Achad Haam als Kulturträger des Judentums und Dr. Pasmanik als Führer des jüdischen Volkes. Politik und Kultur sind zwei verschiedene Potenzen sowie Legislative und Exekutive. Beide sind notwendig und müssen je nach den Umständen einander ablösen. Auch die Personen einer jeden Richtung find verschieden. Der eine eignet sich mehr zum Kriegsdienst, der andere mehr zur heimailichen Reserve. Der eine dringt offensiv vor, der andere schützt defensiv das väterliche Gut. Wie kann man da dem einen oder dem andern einen Vorwurf aus seiner verschiedenen Tätigkeit machen? Was täten wir im GoluS ohne unsere Religion. Eine Religion, die tausendfache Blüten getragen, und die in der liberalsten Weise Geistes- und Gewiffensfteiheit gewährt, damit ein jeder nach seiner eigenen Facon glücklich wird. Für gemeinsame religiöse Uebungen find wohl Zeremonien vorgeschrieben, weil jede Handlung, eine gewisse Ordnung einhalten muß, umsomehr wenn sie gemeinschastsich ausgeübt werden soll. Das ist bloß die äußere Form aber im Innern wird einem jeden Gedankenfreihit gewährt. Und wie schön und tröstend sind die Legenden unserer Vergangenheit! Und wie glücklich sind wir, wenn wir an unseren Festtagen uns von dem geräuschvollen Alltag in voller Ruhe an der Vergangenheit erquicken können! Das gibt frische Kraft zur Arbeit und Vertrauen für die Zukunft und beides hat der Zionsmus notwendig. Sowohl Arbeit als Vertrauen, um Leistungen auszuweisen, die zum Erfolge führen. Also beglückwünschen wir uns, daß wir beide Faktoren im Volke vertreten finden, sowohl Tätigkeit als Erholung und nur gemeinsam können dieselben zum Siege führen. Wien, 28. Juni 1912. Tan. S. Albachary. Dr. Rudolf KatbolicKy ge«. Leiirr der I.cbirg. Abteilung der Landerkranlrenanrtalt wohnt: 6cke lerdinanflsflasse und 30bant1e$8a$$e <-»»>« »>««»> ordiniert täglich von 2 dir 4 Uh! nachm. Fernsprecher Nr 603. Eine Anklage wegen Beschünpfung der jüdischen Religionsgemeinschaft führte jüngst den verantwortlichen Redakteur der ״Staatsbürger-Zeitung" Hans Hertwig vor die 6. Sirafkammer des Landgerichtes I. In Leipzig hatte am 19. Mai v. I. auf eine Strafanzeige des ״Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischeu Glaubens" eine Verhandlung gegen den antisemitischen Schriftsteller Th. Fritsch stattgefunden. Dieser hatte unter der Ueberschrist ״Eine sonderbare Religion" einen Aufsatz veröffentlicht und darin auf Grund einer Reihe von Bestimmungen deS Talmud und des Schulchan Aruch, die noch in Geltung sein sollten, hefttge Angriffe gegen die Juden und ihre Religion gerichtet. Das Leipziger Gericht hatte einen längeren Satz der Fritzjcheu Ausführungen als über das Maß der berechtigten Kritik weit hinausgehend erachtet und Fritzsch zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt. An diese Gerichtsverhandlung knüpfte ״Staatsbürger-Zeitung" in ihrer Nummer vom 23. Mai längere Betrachtungen und gab darin ihrer Gegnerschaft gegen das Judentum Ausdruck, wobei sie hervorhob, daß es sich nur um ein formales Urteil handle, da die auf den Talmud und den Schulchan Aruch bezüglichen Behauptungen des Fritzsch vom Gericht auf ihre Wahrheit hin gar nicht geprüft worden seien. Es wurde dann ein Teil der mündlichen Urteilsbegründung wiedergegeben und darin auch der Satz wörtlich mitgeteilt, der zur Verurteilung des Angeklagten geführt hatte. Dies gab Beranlaffung nun auch gegen Hertwig die Anklage aus 8 166 St.-G.-B. zu erheben. — Der Verteidiger machte stlr den Angeklagten geltend, daß der Teil des Urteils, den er wiedergegeben, wörtlich in dieser Art vom Vorsitzenden verkündet worden sei, so daß der Angeklagte nicht annehmen konnte, sich durch einen wahrheitsgemäßen Gerichtsbericht strafbar zu machen. Der Verteidiger beantragte ferner die Ladung deS Prof. Ber als Sachverständigen über den behaupteten unmoralischen Inhalt des Talmud und Schulchan Aruch sowie die Verlesung eines Urteils der 1. Ferienstrafkammer des Landgerichts I vom Juli v. I., das bei gleichem Sachverhalt auf Freisprechung gelautet habe. Das Gericht lehnte beide Anttäge ab. Der Staatsanwalt beantragte 2 Wochen Gefängnis. Der Gerichtshof erkannte auf eine Woche, indem er ausführte, die jüdische Religionsgemeinschaft sei eine mit KorparattonSrechten ausgestattete, staatlich anerkannte Religionsgemeinschast» über die man sich nach 8 166 beschimpfender Aeußerungen zu enthalten habe. Der inkriminierte Artikel enthatte eine ganze Reihe grob beschimpfender Aeußerungen. Von gutem Glauben des Angeklagten könne keine Rede sein, strafschärfend müsse in Betracht gezogen werden, daß, obwohl ihm bekannt war, daß ein deutsches Gericht wegen solcher beschimpfender Aeußerungen verurteilt hatte, er kein Bedenken trug, diese noch weiter zu verbreiten. Antisemitische Propaganda in Krain. Laibach, 25. Juni. In der Handels- und Ge- Werbekammer stellte im Namen der klerikalen Minorität Handelskammerrat Ogrin einen Antrag, in welchem das Präsidium aufgefordert wird, eine systematische Propaganda gegen die Niederlassung jüdischer Gewerbetreibender und Kaufleute in Krain, sowie gegen die Tätigkeit jüdischer Agenten in diesem Lande zu entfalten. Der Antragsteller verlangte auch die Herausgabe eines Zirkulars der Kammer an die krainische Kaufmannschaft, in welchem diese aufgefordert wird, keinerlei Geschäfts- Verbindungen mit Wiener jüdischen Firmen einzugehen. Der Antrag, der die nötige Zahl von Unterschritten besaß, wurde unter lebhaften Protestrufen der slowenischen Liberalen und der deutschliberalen Minorität dem Ausschüsse zugewie.en. In fteiheitlichen Kreisen oernrteitt man den Versuch der Entfaltung einer antisemitischen Propaganda im Wirtschaftsleben KrainS auf das heftigste. Norrejponäenzen Bade» bei Wien. Verflossenen Sonntag nahm die Schulsektion unseres Kuttusausschusses eine Inspektion der Religionsschule im Kurorte Böslau-Gainsarn vor, an welcher sich die Herren Jakob Kohn, Adolf Raab und Ludwig Lackenvacher, geführt von dem Sekttonsobmanne und Sr. Ehrwürden Rabbiner W. Reich, beteiligten. Trotz unangemeldeten Besuches waren 25 Schüler in dem für den Religionsunterricht reservierten Schulzimmer der allgemeinen Vollsschule anwesend. Nachdem die Kommission vom Religionslehrer begrüßt wurde, hielt Se. Ehrwürden an die Versammelten eine stimmungsvolle Ansprache, welche die Kinder fteudig erregt und aufmerksam anhörten. Die Prüfung der obligaten Lehrgegenstände befriedigte nach jeder Richtung. Viel bemerkt wurde, daß das jüdisch-deutsche Schreiben und Lesen besonders gepflegt wurde, welches von dem jüdischen Geiste, welcher an dieser Religivnsschule vorherrscht, das beste Zeugnis ablegt. Wenn das den neuen Kurs, auf den das Schisflein unserer Gemeinde geführt werden soll, andeutet, so danken wir schon im vorhinein ״dem Steuermann" dafür und hoffen, daß das Fahrzeug nicht auf halbem Wege stehen bleiben wird. I. F. Jägerndorf. Am 15. Juni d. I. Schabdos Rosch Chodesch Tamus beging der hiesige Leder- Händler Herr Moritz Jokl die Doppel-Barmizwah seiner Zwillingssöhne Wilhelm und Fritz Jokl, Schüler der hiesigen StaatS-Realschule. Wilhelm wurde als Acharon zur Torah gerufen und leinte sodann seinem Bruder, der ihm als Maftir folgte, aus dem 2. Seser den betreffende» Abschnitt an Stelle deS Kanwrs korrekt vor, worauf Fritz die Hastara verständnisvoll zum Vortrage brachte. Zum Schluffe richtete Herr Rabbiner Tr. Rudolfcr an seine beiden Schüler eine erhebende Ansprache, m welcher er sie mit Beziehung auf den Wochenabschnitt Korach zu Eintracht und brüderlichem Zusammenhalten sowie zu unentwegter Treue für die Religion der Väter ermahnte. Die Eltern und