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Jüdische Volksstimme · 1912-07-04 · Heft 14 (4.7.1912) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 14 (4.7.1912)
Date
1912-07-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Attisch» SvHtlttauKt Seite & Nr. 14 ״״Allerdings, mit einem solchen Haufen Geld läßt sich was anfangen, laßt sich ein Gebäude aufführen, dessen Struktur einen Zug ins Große zeigt."" ״Ja. Und nachdem ich — soviele Etappen immenser Schwierigkeit hinter mir habe, hoffe ich, daß es mir gelingen wird, auch mein Werk zum Abschluß zu bringen. Ich baue Brücken für die wunden Füße meine Volkes, möge es dann mit seiner Kraft und seinem Geist weiter bauen an seiner Freiheit und seinem Glück.. Von edlen Frauen und dem jüdischen Kinde. Es ist eine eigene Sache um die Mildtätigkeit, und ihre Wirkung ist ebenso verschieden, wie die Art, in der sie ausgeübt wird. Ich erinnere uur an die beträchtlichen Summen, die alljährlich verwendet werden, um zweifelhafte Arme, notorische Bettler, professionelle Schmarotzer zu uuterstützen. Diese dem guten jüdischen Herzen entspringende Wohltätigkeit mag wohl dem einzelnen Jndividium zugute kommen, ihrer Gesamtwirkung nach steht sie in keinem Verhältnis zur Größe der aufgewendeten Mittel. Um so freudiger ergreife ich die Gelegenheit, von der Tätigkeit eines Institutes zu sprechen, dessen tüfe Menschlichkeit warmes Interesse verdient. Sein offizieller Titel lautet: ״Kaiser Franz Josefs-Ferienheim", und ist ein Verein edler Frauen, die ihre ganze hilfreiche Kraft den Kindern der Armut widmen. Wien ist eine große, große Stadt! Aber größer und schreiender ist das Elend, welches die steinernen Mauern beherbergen, und wenn man die engen Gassen des jüdischen Viertels durchwandert, legt sich das stumme Grauen um die Kehle... Gebrochene Männer, vergrämte Frauen und Kinder... Ich fühle, wie der brennende Schmerz in meine Kehle steigt, wenn ich der Kinder gedenke; denn sie sind wie geknickte Blumen! Das Leid bedeckt ihre Züge, die Not krümmt ihren jungen Leib, in ihren Augen liegt ewige Finsternis. Wer da helfen könnte! Wer da eingreifen könnte mit Macht und Erbarmen! Sie müßten aufblühen, gleich jungen Pflanzen; ein bischen Licht würde ihr dunkles Leben durchstrahlen, sie würden Kräfte schöpfen und Hoffnung trinken... Als Gott die Erde schuf, gab er dem Manne Kraft, Wille und den Blick in die Weite. Und Er, der Gütige, schenkte den Frauen ein Herz — ein großes, aufopferndes, mütterliches Herz l... Und wenn der Sommer kommt, geht ein Zittern durch die Luft, wie ein versprengter Hauch von Blumendust. Doch das gähnende Duukel krallt sich fester um die grauen Mauern; eindringlicher summt der quallvolle Elendsseufzer. Dann — eines Tages, in frischer Frühe — verläßt ein Zug mit armen Judenkindern den rauchigen Bahnhof. Große erstaunte Augen durchspähen das Grün: Jst's Wahrheit, bist du's Sonne, du Lust der Genesung?, Das süße lachende Leben umfangt sie mit weichen Armen, die Sonne küßt ihre bleichen ״Essen wollen wir später." ״So spielen wir jetzt Katze und Maus?" ״Bitte, Katze und Maus!" ״Ja, spielen wir Katze und Maus!" Das war ein Hüpfen und Lärmen, ein Bitten und Schreien, daß die Musiker innehielten. ״Sülle, Kinder! Aber Kinder!" Die jubelnde Schar verstummte allmählig. ״Spielt jetzt allein, ja?" ״Bitte, der Herr Lehrer auch und die Herren auch!" ״Das wird lustig werden!" ״Wenn man Lag beaumer einen Ausflug in den Wald unternimmt, muß man sich doch freuen!" Und wieder das Hüpfen und Kichern, das Tanzen und Lärmen ohne Ende. ״Nun, da kann ich nicht aus, da muß ich mithalten!" Der Lehrer nahm seinen Hut ab. Er rief scherzend: ״Und wie steht's meine werten Gäste, spielet Ihr auch?" ״Aber Robert.... Wir wollen einen Spaziergang unternehmen. Ist 's Ihnen angenehm, Herr Doktor?" Albert suchte sich dem Knäuel zu entwinden. Aber ehe er sich 's versah, hatten sie die Buben an den Händen gefaßt und führten sie im Triumpfe nach vorn: ״Die Herren spielen alle mit!" ״Spielen mit!" ״Das wird lustig werden!" Der Lehrer lachte zum erstenmal seit zwei Jahren! hell und frei auf. ״Wer A sagt, muß auch B sagen! Die Kinder sind heute eben in richtiger Lagbeaumer- Sümmung. Mitgefangen, mitgehangen!" Und er! ordnete vergnügt den riesigen Kreis. > Lippen, sie rötm sich allmählich, das Blut steigt in die Wangen und eine Ahnung unfaßlichen Glückes durchzittert die Herzen der Ghettokinder. Wenn das dankbare Lächeln eines Kindes ein Segen ist, daun sind sie tausendfach gesegnet, die edlen Frauen vom ״Ferienheim"! Ehrenbeleidigungsprozeß Hofrat Kuranda gegen Dr. Landau. Die Schwürgerichtsverhaudlung über die EhrenbeleigungSklage des Abgeordneten Hoftat Kuranda gegen Dr. S. R. Landau wurde vom Landesgericht in Strafsachen auf den 15. Juli ausgeschrieben. Einreiche»! Waise»! Es ist Zeit sich um Stiftungsplätze und Pflegebeittäge an das Kuratorium des Freiherrn Max Springer'schen Waisen- Hauses und Helene Baronin Springer'schen Süftung zu wenden. In das Waisenhaus werden arme Waisen im Alter von 6—11 Jahren ausgenommen, und verbleiben in der Anstalt bis zum 14. Lebensjahr. Die ״Stiftung" gewährt Erziehungsbeittäge, und ist an keine Altersgrenze gebunden. Die Tempeldiener werde» gewarnt! So oft wir Gelegenheit haben eine Trauung beizuwohnen, und das geschieht ziemlich oft, fällt es uns unangenehm auf, wie würdige ältliche Tempeldiener, Amtspersonen gewissermaßen, bei der Abfahrt der Hochzeitsgäste mit zudringlichem Verlangen die Hände öffnen. Fällt was hinein, so finden eS die Amtspersonen kaum der Mühe wert anständig zu danken. Wehe aber, wenn jemand dieses Verlangen ignoriert oder übersieht! Die Bakschisch heischende Amtsperson wird ihn unfehlbar anmurren, mit Blicken vernichten, zu Boden schmettern. Noch ärgerlicher ist dieses Schauspiel bei Leichenbegängnissen. Die Augehörigen des Toten stehen gramzerwühlten Herzens vor dem Grabe, ihre Seele ist irgendwo, aber die Schamoßim sind daneben —-Bakschisch dem und dem. Wir wollen es bei einer Warnung belaffenl Es könnte aber auch sein, daß wir unbarmherzig die Uebelstände aufdecken, Namen der Schuldigen nennen und Sühne fordern. Die Angestellten der Wiener Kultusgemeinde sind hoffentlich so dotiert, daß derlei unlautere Manipulativneu nicht Vorkommen dürfen. Ehrung. Regierungsrat Alois Wismeyere stellvertretender Direktor der Kreditanstalt feiert, kürzlich sein 40 jähriges Dienstjubiläum. Aus diesem Anläße hat die Leitung des Institutes eine Jubelfeier veranstaltet und dem Jubilar zahlreiche Ehrungen erwiesen. Vom Jsrl. Religiouslehrerverband. Die in der letzten Generalversammlung einstimmig beschlossene Herausgabe einer Sammlung ״Normatten" für den isrl. Religionsunterricht an den Mittelschulen ist soeben verwirklicht worden. Das Buch ist in der Manz'schen Buchhandlung aufgelegt und von Prof. Dr. Goldhammer bearbeitet. Gartenfest. Der Jüdische Mäochenklub-Wien veranstaltet am 6. Juni in Weidttngen-HaderSdorf einen Blumentag, daran sich ein Gartenfest schließt. Das Reinerträgnis fließt dem Jüdischen Nationalfond und dem Jüdtschcn Spital in Palästina zu. Herzl-Gedenkfeier. Der Zionistische Zenttalverein veranstaltet anläßlich des Todestages Theodor Herzls Donnerstag den 4. Juli um halb 8 Uhr abends im Stadttempel, I., Seitenstettengaffe einen Trauergottesdienst. Sonntag den 11. Juli findet ein gemeinsamer Besuch des Grabes Herzls am Döblinger Friedhof statt. »xrss vorm. Hotel Romania Neu eröffnet! Wien 11., Kleine Sperlgasse Nr. 5. 5 Minuten vom Stadtzentrum, ln unmittelbarer Nähe des Nord- und Nordwestbahnhofes. PRACHTNEUBAU! 100 ZIMMER. Elegantes Familienhotel. Zentralheizung. Kaltu. Warmwasser in Jedem Zimmer. Bäder im Hause — Elegante Halle, Musik-, Schreib- und Lesezimmer — Exquisite und rituelle Küche. 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Von den zirka 50 Delegierten waren der Großteil Vertreter der Wiener Organisation, während Böhmen überhaupt nicht, Mähren und Schlesien durch 5 Personen vertteten. Reichsratsabgeordnete Dr. Straucher und Borstandsmitglied Geiger des Bukowinaer National- Vereines waren in Vertretung der Bukowinaer Gg. anwesend. In den einleitenden Worten bespricht der Obmann des I. N. V. Dr. Ehrlich die Gesichtspunkte, unter denen der Verein seine Tätigkeit zu entfalten gedenkt. Das Postulat einer unbedingt einheitlichen Politik, die keine Sonderstellung Galtziens anerkannt, ist die logische Voraussetzung und Konsequenz des gemeinsamen Kampfes um Anerkennung der jüdischen Nationalität. Das Referat Dr. Kadisch: ״Die politische und wirtschaftliche Lage der Juden und ihr Verhältnis zu den anderen Nationalitäten" begründet die Notwendigkeit der jüdischnationalen Politik, welche in den Grundsatz ausklingt, daß in Oesterreich niemals eine jüdische Politik möglich ist, wenn sie nicht mit der gesamlösterreichischen verknüpft wird. Oberingenieur Stricker beleuchtet die politische Parteiorgantsation unter dem Gesichtswinkel der unbedingten Notwendigkeit einer einheitlichen Leitung, bekämpft die Sonderstellung Galiziens mit ihrer verhängnisvollen Schmälerung der Stoßkraft des jüdischnationalen Grundgedankens und fordert die Wiederherstellung der Einheit als ersten und die Intensivierung einer von der zionistischen Jugend gettagenen Propaganda als nächsten Schritt auf dem von der Entwicklung vorgezeichneten Wege. Abg. Dr. Straucher verweist auf den Mangel einer intensiven, zielbewußten Einzelun- Massen- Propagation. Die jüdische Solidarität, die von antisemitischer Seite so oft ins Treffen geführt wird, um das Schreckgespenst des Judentums in ein grelles Licht zu setzen, bewährt sich höchstens in katastrophalen Unglücksfällen des Judentums. Dagegen versagt sie vollständig, wenn einzelne Gruppen und Grüppchen ihre Sonderintereffen in den Vordergrund rücken. An zweiter Stelle der Tagesordnung referiert Dr. Ehrlich über den Ausbau der Organisation. Dr. Löhner hält das Referat über die Presse. Die Finanzftage bildete den letzten Punkt der Tagesordnung, nachdem das Kulturreferat entfallen mußte. Ing. Kramer bekommt seine Anforderungen von 75 Heller monatlich als Parteibeitrag für jedes Mitglied bald bewilligt, die Notwendigkeit eines Agitationsfonds hat ungeteilte Anerkennung gefunden. Leider hat ein großer Teil der Delegierten ihre bedingungslose Zustimmung durch ihre Abwesenheit an den Tag gelegt. Während der Verhandlungen wurden noch folgende Resolutionen angenommen: 1. Die am 30. Juni tagende polittsche Konferenz fordert die Leitung des Jüd. N.-V. auf, ehestens einen politischen, gesamtösterreichischen Parteitag einzuberufen. Zusatz Dr. Winterstein: Die Einberufung des gesamtösterreichischeu Parteitages hat in allerkürzester Zeit womöglich im Einvernehmen mit Herrenwäsche nach Mass und Herrenmodewaren kaufen Sie am besten im Spezialgeschäfte der Firma ״Derby" V. DRESLER, Brünn Krapfengasse 24-26. Nur apparte Neuheiten. Feste Preise.

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