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Jüdische Volksstimme · 1912-06-27 · Heft 13 (27.6.1912) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 13 (27.6.1912)
Date
1912-06-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 13. Mische fBaVrnfHtmm «eite 3. Bewußtsein, durch diese Spende der jüdischen Volks» arbeit in Palästina die schaffende Kraft einer jüdischen Familie zugeführt zu haben, dürfte für den Spender eine erhebende Genugtuung bilden. Wiener jüdisches Leben. Generalversammlung der Adas Jisroel. Am 16. d. M. fand im großen Saale des.Bethamidrasch Thorah Ez Chaim die Generalversammlung der Adas Jisroel statt. Der Vorsitzende Dr. Rei» Niger begrüßte in Vertretung des verreisten Obmannes Herrn Philipp Back die Erschienenen. Er konstatierte mit Befriedigung, daß trotz der vorgerückten Jahreszeit die Versammlung so stark besucht sei. Das Ansehen des Vereines sei stets in erfreulichen Wachstum, was daraus e Helle, daß in der letzten Zeit mehr als 50, darunter sehr hervorragenden Persönlichkeitel., Herren, sich zum Beitritt zum Verein meldeten. Dem verstorbenen Herrn Sam. Gold widmete er einen ehrenden Nachruf, den die Versammlung stehend anhörte. Als Vertreter der Kultusgemeinde war Herr kais. Rat Kauders erschienen. Der Vorsitzende begrüßte ihn als Förderer und Freund aller religiösen Bestrebungen. Der Berichterstatter des Vereines Herr Pappenheim verwies auf den vorliegenden Bericht, der das gesamte religiöse Gebiet nmfaffende Tätigkeit des Vereines kurz darstellt. Die חוראה, koscher Fleisch, מצות, Unterrichtsanstalten werden von fast dem ganzen jüdischen religiösen Wien in Anspruch genommen. Die materielle Lage des Vereines ist in einer günstigen Entwicklung den laufenden Einnahmen von 49.854 Kronen und außerordentliche Einnahmen v.on 3600 Kronen stehen an regelmäßigen Ausgaben 45.384 Kronen gegenüber, so daß das Vermögen einen Zuwachs von 8000 Kronen erfuhr. Unter den Ausgaben befinden sich 930 Kronen an Subvention für jüdische Vereine, 3386 Kronen an Spenden für Vereine, 1125 Kronen Beteilung, von Mazoth 240 Kronen Kaiser Franz Josef-Jubiläumsarmenbeteilung usw. In wiederholte» Fällen hat der Verein für Eltern, deren Kinder in der Schule wegen Ein- Haltung der Sabbath - Gesetze Unannehmlichkeiten hatten, erfolgreich interveniert. An der Debatte über den Bericht beteiligten sich die Herren Bernhard Hofbauer, M. Figdor, S. Kohn, Geza Braun, Jakob Fuchs. Herr S. Kohn dankt für die Ehre dem Vereine angehören zu können und wünscht, der Verein möge bei der Kultusgemeinde dahin wirken, daß nur religiös empfindende Religionslehrer bestellt werden. Herr kais. Rat Kauders spricht namens der Kultusgemeinde ׳ dem Verein den Dank aus. Er rühmt die Tätigkeit des Vereines den er als unentbehrsiche Notwendigkeit für die Wiener Judenschaft bezeichnet, da er alle das religiöse Leben in Wien erhält. Schließlich beantragt Herr Hofbauer namens der Revisoren dem Vor stände das Absolutorium zu erteilen. Herr Hofbauer, ebenso wie Herr Spitz rühmen die korrekte Buchführung und Gebahrung des Kassiers Herrn Glückselig, die Musterhast ist. In dem Schlußwort fordert der Referent Herr Pappenheim die Versammlung zum allgemeinen Beitritt zur ״Agudas Jisroel" auf. Die Wahl der Revisoren B. Hofbauer, Emil Neurath, Artur Spitz erfolgt durch Aklamation, worauf der Vorsitzende mit Dankesworten für die Teilnahme besonders Herrn kais. Rat Kauders die Versammlung schließt. Trauung. Sonntag, den 30. d. M. 1 Uhr nachmittags, findet im israelitischen Tempel, Seitenstättergasse die Trauung des Herrn Nathan Zindwer mit Fräulein Lotte Nünzer statt. Unsere besten Glückwünsche. Die Redaktion. Neuer Verteidiger. Unser Gesinnungsgenösse Herr Dr. Leopold Plaschkes, wurde in die Verteidigerliste des Wiener Oberlandesgerichtssprengels eingetragen und hat seine Kanzlei VI-, Mariahilferstraße Nr. 127, Telephon 1201. Wiener jüdischer Haudlungsghilfeuverband. Dienstag, den 2. Juli 8 Uhr abends, findet im Verbandslokale II., Taborstraße 20 (Schmelzgaffe 1, Souterrain), ein Vortrag des Kollegen Karl Sander statt. Thema: Theodor Herzl Die Mitglieder werden um zahlreiches Erscheinen ersucht. Gäste willkommen. Barmizwah. Am jüngsten Sabbath Rosch Chodesch feierte Herr Dr. med. Reiniger, Obmannstellvertreter der Adaß Jisroel (Schiffschul) die Barmizwah seines Sohnes Artur. Unter den zahlreichen Gästen sahen wir Herrn Rabbiner Fürst mit dem Vorstande der Adaß Jisroel, Herrn Gemeinderabbiner Meyersohn, Herrn'Rabbiner Winter, Herrn Dozenten Tappert u. a. Die Thauroh kehrt dahin zurück, sagen unsere Weisen, wo sie zu Hause war. Der Barmizwah trug eine schwierige talmudische Differtation (deren Autor, dessen llrgroßvater der bekannte Rabbi Jeschasohn Dremite, Rabbiner in Mabresch—Weißkirchen war) mit so klarem Verständnis und solcher Geläufigkeit vor, daß alle die Eltern, die Großväter und den Lehrer des Jubilars, Herrn BereinSrabbiner Fleischmann, beglückwünschten. Auch einer längeren gediegenen Ansprache agadischen Inhaltes gab der junge Maun vorzüglichen Ausdruck, so daß in allen Anwesenden der Wunsch rege wurde, recht viele Barmizwah mit solchen Kenntnissen unseres Schrifttums ausgerüstet zu sehen. _-- vorm. Hotel Romania Neu eröffnet! Wien 11״ Kleine Sperlgasse Nr. 5. 5 Minuten vom Stadtzentrum, in unmittelbarer >'ähe des Nord- und Nordwestbahnhofes. PRACHTNEUBAU! 100 ZIMMER. Elegantes Familienhotel. Zentralheizung. Kaltu. Warmwasser In jedem Zimmer. Bäder im Hause — Elegante Halle. Musik-, Schreib- und Lesezimmer — Exquisite und rituelle Küche. MM- Zimmer von K 3*60 aufwärts. -WH Besitzer Karl Gelringer. Die englischen Blätter über den neuen Oberrabbiner der ״Federation os Synagogues". London, 20. Juni. I.' Der Jewish Chronicle (31. Mai 1912) bringt das Bild des Dr. Jung und schreibt folgendes: ״Dr. M. Jung, der neue Oberrabbiner der ״Federation of Synagognes" kam vor einigen Tagen in London an, um sein Amt anzutreten. Dis Versuche der Broder Gemeinde, ihn zum Bleiben zu veranlassen, waren erfolglos". Hierauf folgt eine kurze Biographie Dr. Jungs. Der Spezialberichterstatter des Jewish Chronikle, dem Dr. Jung ein Interview gewährte, macht folgende interessante Bemerkungen: ״Dr. Jung vereinigt in sich eine profunde Kenntnis der talmudischen Literatur mit einer umfassenden modernen Bildung; er ist sehr anspruchslos, jedoch sehr energisch und besitzt hervorragendes organisatorisches Talent. Der neue Oberrabiner hat ein scharfgeschnittenes, intelligentes Antlitz mit einem Paar sprechender Augen, die nicht ganz ftei sind von einem gutmütigen Zwinkern und Strahlen von großer Güte auf die Umgebung senden. Er ist sehr lebhaft und macht den Eindruck von einem entschiedenen Charakter der sich nach großer Arbeit sehnt, dabei aber genügende Energie besitzt, um den Erfolg an seine Fersen zu heften. Dr. Jung sprach sich zu unserem Berichterstatter über folgende Punkte in liebenswürdiger Weise aus: Ein trauriger Abschied. ״Es war schwer gegangen, Brod zu verlaffen. Die rührenden Aufrufe, mich zum Bleiben zu veranlassen, und, als ich endlich mit dem Gehen Ernst machte, die herzliche Teilnahme aller Gemeindemitglieder hat mich sehr ergriffe». Ich habe Brod verlaffen, weil mich der große Wirkungskreis in London anzog und ich als Arbeitsmensch in London das eigentliche Feld meiner Pläne sah". Torah und Derech Eretz. Dr. Jung kommt auf seine Abschiedsrede zu sprechen: »Ich sagte meiner Gemeinde, als ich zum letztenmale zu ihnen sprach, daß während meiner ganzen Wirksamkeit mir stets das Ideell vorschwebte und auch ferner vorschweben wird, Torah mit Derech Eretz, jüdisches Wissen mit moderner Kultur zu vereinigen. Ich bin von der Möglichkeit dieses Zieles überzeugt. Das Judentum kennt keine Furcht vor der Bildung. Im Gegenteil, eS verpflichtet seine Bekenner sich moderne Kultur anzueignen. Das Judentum ist nicht für das Ghetto geschaffen. Es kann nur in freier Entfaltung seine Vollkommenheit erreichen". Dr. Jung erwähnt die Gründung der jüdischen Gymnasien in Ung.-Brod, Storozinetz und Wien. Er hofft die Durchführung seiner Prinzipien in London, werde Zustimmung finden. Die Nnwiffenheit als Feind. ״Sie wollen also für die Jugend arbeiten, Dr.'?" ״Ich hoffe, in aller erster Linie für die Jugend tätig zu sein und habe das Vertrauen, daß in der jüdischen Erziehung Londons eine Besserung ein» treten wird. Es ist doch ganz klar, daß die Jugend sich für das Judentum, das sie nicht kennt, nicht begeistern kann. Eine auf echter Liebe zum Judentum basierende Erziehung wird auch die Jugend günstig beeinflussen". Ein Rat zur Einigkeit. Dr. Jung sagt, er wünsche, es möge allgemein bekannt werden, daß er nach London mit dem ernstesten Wunsche gekommen sei, im Einvernehmen mit allen anderen religiösen und sozialen Faktoren zu arbeiten. ״Die Stärke der Gemeinde liegt in ihrer Einheit". Der Schwerpunkt der Einigkeit müffe in den traditionell zu erhaltenden Gemeinde» Institutionen liegen. Der individuellen Anschauung wurden damit keine Fesseln auserlegt. Er könne nicht von jedem fordern, Tefillin zu legen, doch die Synagoge müffe das traditionelle Bindeglied bleiben. Er könne nicht verlangen, daß alle Chaßidim seien, doch mögen die Institutionen der Gemeinde den ehernen Kitt bilden, der alle Schattierungen zusammenhält. Arbeitsplan. ״Sie werden in London in Hülle und Fülle zu tun haben Dr.!" ״Ich weiß es. Ich fürchte nur, daß das Volk sich allzugroße Erwartungen gemacht hat, denen ich dann schwer entsprechen könnte. Ich hoffe jedoch, sie nicht zu enttäuschen. Ich werde mich der mich sehr fteuenden Gunst meiner Gemeinde wert zu machen suchen. Ich habe hohe Ideale und bin genügend Optimist, um der Ansicht zu sein, daß sie, praktisch durchgesetzt, erfolgreich sein werden. Ein bischen Midrasch. An einem überaus geistreich erläuterten Midrasch knüpft Dr. Jung die Bitte, die Kritik seiner Arbeit möge sachlich sein und darauf Rücksicht nehmen, daß er den besten Willen habe, für das englische Judentum mit allen Kräften tätig zu sein. Der ״Standart", ״Dayli Telegraph", ״Times", ״Jewish World" rc. reproduzieren dieses Interview. Am 17. Juni fand die offizielle Feier statt, die überaus gelungene Rede wird vollinhaltlich im ״Jewish Chronicle veröffentlicht. E. S. Aus dem Leben einer Judengemeinde. Geschichte der Nagyvarader Juden. Die Geschichte der ungarischen Juden ist reich an Wechselfällen, an Glanz und Freuden, mehr noch an Verfolgungen und Leiden. Ursprünglich nicht nur geduldet, sondern auch als Bürger aufgenommen, die mitunter zu hohen Ehren gelangten, wurden sie im Mittelalter — und fast bis in die neueste Zeit — vollständig unterdrückt; die meisten Städte verschlossen ihnen die Tore, in wenigen nur ließ man ein Ghetto gelten und dann mußten die Juden das entehrende Abzeichen tragen und Abgaben entrichten. Erst das Toleranzedikt Joseph II. machte ihr Los erträgsicher, dann aber kam ein Rückfall, und erst die Mitte des vorigen Jahrhunderts brachte eine Um- Wälzung zu ihrem Gunsten. Die Rezeption und die liberalen Kirchengesetze verschafften ihnen die volle bürgerliche Gleichberechtigung. Neuestens hat es der Archivar der Stadt Nagyvarad, Ludwig Herrenwäsche nach Mass und Herrenmodewaren kaufen Sie am besten im Spezialgeschäfte der Firma ״Derby" V. DRESLER, Brünn ftrapfengasse 24-26. Nur apparte Neuheiten. Feste Preise.

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