Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 13 (27.6.1912)
- Date
- 1912-06-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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SÄte 2. Jüdische m i3 Und jetzt wird in einem Zeitungskommunique ein neues Land angepriesen: Angola. Wieder Zuverficht in den Reihm der Zwisten. Die Oeffentlichkeit hat aber so ziemlich keine Ahnung vom neuesten Fund. Und wenn schon jemand von ihm erfährt, so übergeht er darüber gemütsruhig zur nüchternen Tagesordnung. Denn schließlich und endlich wird ja doch nichts daraus als eine neue Enttäuschung. Der Zionismus hat seine Richtung seither längst geändert. Er betrachtet heute Palästina bereits mehr oder minder bloß als zukünftiges jüdisches Kulturzentrum und hat sich auch bereits reuig zur praktischen Golusarbeit bäkehrt. Zangwill aber harrt noch immer in zuversichtlichem Optimismus des TageS, wo er seinen Lieblingsgedanken: den Juden ein Heim zu schaffen, wird realisieren können. Das Spiel wird sich wiederholen. Heuer und noch vielemale. Und wenn Zangwill seinen Swnd- Punkt nicht aufgeben wird, dann wird die Jto, die gegründet wurde, um der momentanen Judennot abzuhelfen, nicht einmal noch zusammentreten müssen, um Kommissionen zur Erforschung geeigneter Landstriche zu ernennen. A. E. r. Von der jüdischen Kolonisationsarbeit in Palästina. Immer mehr kommt in der jüdischen SiedlungSarbeit ein neues Prinzip zur Gelwng. Während die ZionSfteunde einer früheren Epoche das Hauptgewicht auf den privatrechtlichen Erwerb des Bodens legten und der politische Zionismus die Idee der öffentlich-rechtlichen Sicherung verkündete, bricht sich jetzt die Erkenntnis daß es auch einen dritten Faktor gibt, der von ebenso großer Bedeutung für die Zukunft der Kolonisation ist, nämlich: ״Die jüdische Arbeit auf jüdischem Boden. Man ist heute wohl allgemein zur Ansicht gekommen, daß ein Plantagen״ besitz in Palästina, auf dem lediglich nichtjüdische Arbeiter beschäftigt werden, sich nicht"'wesentlich von einem jüdischen Gute in Galizien unterscheidet, auf dem nur polnische oder ruthenische Arbeiter zu finden sind. Der Jüdische Nationalfonds, der sich ans kleinen Anfängen zu einer der mächtigsten jüdischen Weltinstitutionen emporgeschwungen hat, und der im letzten Jahre eine JahreSeinnahme in der Höhe von 700-000 FrcS. aufweisen konnte, hat die Wichtigkeit und weittragende Bedeuwng dieses neuesten Prinzips klar erkannt und seine Täügkeit darnach eingerichtet. Nicht nur, daß er auf seinen Gütern und in den Siedlungen der von ihm gefördertm Gesellschaften fSiedlungSgesellschast (״Erez Israel"), Palestine Land Development Companys, in Hulda und Benschemen bei Jaffa, in Merchawja in der Ebene JeSreel, in Kinereth und Daganja aür Tiboriassoo — eine große im steügen Wachsen begriffene Zahl von jüdischen Arbeitern beschäftigt. Er hat sich auch der Arbeiterfürsorge in den Kolonien zugewandt und kann auf diesem Gebiete bereits auf bedeutende Erfolge Hinweisen. In den Konwnien Petach Tikwah und Chedera hat er mit einem Kostenaufwand von 40.000 FrcS. für die unverheirateten Arbeiter Heime gegründet, an deren weiteren Ausbau jetzt geschritten wird. Durch eine Spende des Herrn Ing. Salomon H alp er in aus Kiew in der Höhe von 30.000 Frcs. wird er in die Lage versetzt, ein großes Heim in der Siedlungsgenossenschaft Merchawja, sowie Einzel- Häuser fttr aschkenasische und yemenitische Arbeitersamilien zu bauen. Der Bau von zwölf yemenitischen Häusern in Petach Tikwah und von drei Häusern ftir aschkenasische Arbeiter, gleichfalls in Petach Tikwah oder in Chedera, soll demnächst in Angriff genommen werden. Bekanntlich ist dem Jüdischen NattonalfondS auch der David und Fanny Wolffsohufonds angegliedert, aus dessen Mitteln mit einem Aufwand von 15.000 Frcs. bisher fünf Häuser in Petach Tikwah, fünf in Rechoboth. vier in Rischon le Zion und eins in Wadi el Chanin gebaut worden sind. In diesem Zusammenhangs soll nicht uner-. wähnt bleiben, daß auch der Verein ״Esra" in Berlin sich auf dem Gebiete des Arbeiterhäuserbaues rühmlich Betätigt hat. Diese ganze Täügkeit reicht aber noch nicht entfernt hin. um dem großen Mangel an Arbeiter- Wohnungen abzuhelfen. Die Frage wird besonders dringend angesichts einer neuen Erscheinung, die sich in letzter Zeit immer stärker bemerkbar macht. ES ist dies die immer zunehmende Einwan derung der yemenitrschen Juden. Die jüdische Presse hatte schon öfter Gelegenheit über diese unsere Stammesbrüder aus dem fernen südlichen Arabien zu berichten. Immer mehr bestättgt sich die sehr günstige Meinung, die man gleich von Anfang an in Palästina über sie gewonnen hat. Man ist sich darüber einig, daß wir eS hier mit einem fleißigen und genügsamen Arbeiterelement zu tun haben, daS im fernen Armen die altjüdischen Tugenden einer hohen Religiosität und strenger Sittlichkeit rein und unverälscht bewahrt hat. Die geringen Ansprüche, die die Jemeniten an das Leben stellen, versetzen sie in die Lage, mit Erfolg den Konkurrenzkampf auf dem Arbeitsmarkt aufzunehmen. Es ist ganz klar. daß sie für die jüdische Siedlung nicht nur in nattonaler Beziehung das beste A'.beitermaterial iilden; sie sind auch wirtschaftlich ein äußerst wertvolles Element, da man sich auf i're Ehrlichkeit und ihren Fleiß unbedingt verlaffen kann. In erster Linie muß aber dafür . gesorgt werden, das die Jemeniten in den Kolonien Bechäftigung und Unterkommen finden, denn sobald ie in die großen Städte abwandern, wo es keine!erlügende Arbeit für sie gibt, so ist, wie es-die Tatsachen leider schon gezeigt haben zu befürchten,!)aß sie die Bettlerbevölkerung nur vermehren würden. Was nun die Arbeitsgelegenheit betrifft, '0 liegen die Verhältnisse sehr günstig. Für absehiare Zeit wird es für viele tausende Jemeniten in den jüdischen Kolonien reichlich Arbeit geben. Anders verhalt es sich mit der Wohnungsfrage. Die Kolonien sind begreiflicherweise nicht in der!age, den Bau von Arbeiterhäusern in großem Imfange selbst in die Hand zu nehmen und da )ie Jemeniten vollständig mittellos inS Land ornmen, ist von ihrer eigenen Initiative auch nichts zu erwarten. Hier können also wieder nur KolouisattonSgesellschasten eingreifen und in erster Reihe hat es sich der Jüdische NattonalfondS zur Aufgabe gestellt, das große Problem der Beschaffung von Wohnungen für die Jemenittschen Einwanderer zu lösen. Während der letzten Anwesenheit seiner Direktoren Dr. Bodenheimer und Dr. Tschlenow in Palästina hat er gleich 23.000 Frcs. für den Bau von Demenitenhäuseru bewilligt. In den letzten Tagen sind weitere 30.000 FrcS. bewilligt worden und für das nächste Jahr ist die Gewährung von mindestens 50.000 FrcS. in Aussicht genommen. In diesem Jahre sollen noch 100 Häuser fertig-;estellt und mindestens ebenso viele im nächsten Jahre gebaut werden. Der Jüdische NattonalfondS, der indes viele andere wichtige Aufgaben zu bewältigen hat, ist mit diesen Bewilligungen bis an die äußerste Grenze gegangen. ES läßt sich aber nicht verkennen, daß eine gründliche Lösung der Frage weit höhere Ansprüche stellt. Sollte es gelingen, in wenigen Jahren die Ansiedlung von einigen tausend yemewüschen Familien durchzuführen, so wäre damit eine Tat für die jüdische Zukunft in Palästina geleistet, deren segensreiche Folgen nicht hoch genug eingeschätzt werden können. Man könnte ruhig behaupten, daß damit eine neue Epoche in der jüdische» Siedlungsarbeit eingeleitet wäre. Der Bau eines Einzelhauses nebst Ankauf eines kleinen Gartens erfordert einen Kostenaufwand von ungefähr 1000 Frcs. Jeder wohlhabende Jude sollte eine Ehre darein setzen, durch eine Spende von 1000 Frcs. dem NattonalfondS die Möglichkeit zu geben, eine Jemenitenfamilie anzusiedeln. Das vielleicht angenehme Individuen gewesen sein, die in ihrem Denken wohl nie an ihre Person heranreichten." Der Lehrer sah starr vor sich hin. ״Ich ertrags aber nicht!" murmelte Albert. Er atmete schwer. Der andere nickte wie zusttmmend. Er zerzauste das Gras neben sich. Eine schmetternde Fanfare schreckte sie auf. Die Musiker unter den Schülern hatten sich unbemerkt hinter sie geschlichen und spielten auS Leibeskräften drauf los, während sich die Freudigkeit des kleinen Volkes in einem donnernden ״Hoch! Unser Herr Lehrer hoch!" Lust machte. Er sprang schnell gefaßt auf, wartete, bis es wieder ruhiger geworden war, dann sagte er mit klarer, laMer Sttmme: ״Ich fteue mich herzlich, euch mit diesem AuSfluge solch ein Vergnügen bereitet zu haben. Ich hoffe, daß wir den Tag recht fröhlich verbringen und noch lange gern an ihn zurückdenken werden." Und nach einer kleinen Pause fügte er hinzu: ״Bleibet alle in der Nähe, in einem Stündchen wollen wir ans Spiel." Ueber sein edles Antlitz ging ein sonniges Leuchten. — ״Robert, ich störe dich, laffe mich meines Weges ziehen", bat Albert Bing. Der Lehrer schüttelte den Kopf. Ein energischer Zug grub stch um seinen feinen Mund: ״Wir müssen uns erst aussprechen. Sieh', mein Freund, vor zwei Jahren war ich soweit wie du. Ich hatte mich mit ganzer Seele an das Mädchen gehängt, eder Gedanke war mit ihr verbunden. Ich glaubte annehmen za dürfen, daß auch ich ihr mehr sei als jeder andere. Du kamst in ihre Nähe und ich gewahrte meinen Irrtum. Jla ist ein verwöhntes Kind sehr reicher Leute und ich, mein Lieber, ich war ein Narr. Als ich beobachtete, daß sie dir mit derselben gewinnenden, vielversprechenden Herzlichkeit begegnete, schlug ich mich vor den Kopf. Ich merkte nun erst, daß meine Phantasie mich fast um den Verstand gebracht hatte. Ich ersuchte um Versetzung, mußte jedoch bleiben. Mein Gemüt verdüsterte stch immer mehr. Ich sah dich nahezu täglich mit Jla an der Schule vorübergehen. Ihr Gesichtchen hatte immer denselben anregenden Ausdruck, den ich so sehr an ihm liebte. Ich wurde hochgradig nervös, gereizt, und meine armen Schüler hatten das Lächeln in meiner Gegenwart verlernt. So schritt ich denn an jenem Frühlingsabend zum Strom hinab, scheinbar um mir gleich euch allen den Eisstoß zu betrachten, die Ber- Wüstung anzusehen. Albert, es war kein Zufall, daß ich mit fortgerissen wurde. Der Balken, auf den ich mich gestellt hatte, war nicht bewegungslos dagelegen, wie ihr 's in den Zeitungen erzählt habet. Du kennst den weiteren Verlauf: Ich wurde gerettet. Du weißt, daß man mich bewußtlos in die nahe Schule trug. Aber du weißt nicht daß ich am folgenden Tage simulierte. Ich hatte schon nach wenigen Stunden meine Besinnung wieder, vernahm jedes Wort, unterschied jedes Geräusch und ich sage dir, ich hatte Mühe, an mich zu halten, als sie einer nach dem andern ins Nebenzimmer geschlichen kamen, meine kleinen Freunde, kein einziger fehlte; als ihr angsterfüllter Blick mich durch den Türspalt suchte, als ich ihr banges Flüstern hört:, ihre zitternden Fragen, ihr heißes Wünschen, da durchrieselte es mich wie neue LebenSglut. Mein Sehnen war gebrochen. Ein erlösender Friede senkte sich auf mich herab. Mein Tun von gestern schien in weite Fernen gedruckt. Du kamst wiederholt. Und endlich entschloß ich mich, wieder Leben zu zeigen. Ich sprach mit dir. Du begannst in deiner Naivetät bald von Jla. Es tat mir wohl, von ihr sprechen zu hören. Sie hatte sich nach mir erkundigt, wartete sogar einmal vor dem Haus. Entsinnst du dich noch? Du sagtest: ״Heute ist mein zweiundzwanzigster GeburtStag. Ich bin um zwei Jahre jünger als du." — Du warst es um vieles.. Die letzten Wochen hatten mich gereifh das letzte Ereignis hatte mich vollends zum erfahrenen Manne gemacht. Ich paßte ja gar nicht zu ihr. Ich war in sehr bescheidenen Verhältnissen erzogen, Einfachheit und schlichtes Wesen sind mit mir verwachsen. Wenn ich mich früher an die Seite des geliebten Mädchens dachte, schien alles andere für mich verschwunden. Nun aber wuchs der vielverzweigte Apparat von Komfort um sie empor, ohne den man sich sie nicht gut vorstellen kann." Fortsetzung folgt. Mährisch-schlesische Bank Brünn: Tataphan Nr. 3S0, DlraHlw. Fertünantfsgasae Nr. 29 ^Oplnrn Kr. NN«, Waehaabtuba. verzinst EINLAGEN gegen «an*» # 11 01 gebundene Einlagen laut Übereinkommen. Bank' Böcke! v und in laufender Rechnung Mtt 0| 2| יד geschäfkaäerArt, Bönen-u WedalergeschiB•.