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Jüdische Volksstimme · 1912-06-20 · Heft 12 (20.6.1912) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 12 (20.6.1912)
Date
1912-06-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Mische «Seite 3. M. 12. auch zu Zänkereien zwischen den beiden Jungen- Dann drohte Jewgem, daß er der Mutter des Andrei über seine Streiche erzählen würde, während dieser damit replizierte, daß er dann der Polizei seine Erfahrungen über das Treiben im Hause der Tschebyrjakowa berichten würde, wie sie die Verbrecher in ihrem Hause aufnehme und an den Verbrechen sich beteilige. Jewgeni erzählte alldies seiner Mutter, welche deswegen iu große Angst geriet. Einige Zeit vor dem Mord war zwischen den beidm Jungen ein großer Streit yusgebrochen, und Andrei hatte seinem Spielkameraden dieselben Drohungen zugerusen. Tschebyrjakowa wurde noch unruhiger. Zudem kam Ende Februar ins Leben der aus elf Köpfen bestehenden Verbrecherbande eine Katastrophe. Tschebyrjakowa wurde als Anstifterin eines großen Diebstahls in Hast genommen. Sie nannte sich zwar Iwanowa, aber bald erfuhr die Polizei ihren richtigen Namen. Die Verhaftung der Tschebyrjakowa rief unter den Verbrechern die stärkste Aufregung hervor, und die Aufregung steigerte sich noch, als die Polizei vier weitere Mitglieder der Bande, die Diebe Lissunow, Michalkewitsch, Manselewski und Moßjak, die als Studenten oder Beamte sich verkleidet hatten, festnahm. Da ein Schutzmann in ihnen sofort Besucher der Tschebyrjakowa erkannte, wurde am 10. März in deren Wohnung eine sonst ergebnislose Hausdurchsuchung vorgenommen. Die Hausdurchsuchung hatte aber zur Folge, daß die noch in Freiheit befindlichen Mitglieder der Bande, die sich entlarvt sahen, eine schleunige Beratung abhielten und zur Auffaffung gelangten, daß die Denunziationen an die Polizei nur das Werk deS Andrei Juschtschinski sei, worauf sie ihn zu töten beschlossen. Anfangs bestand die Absicht, den Jungen in der Nähe derselben Höhle, in der der ermordete Knabe nachher gefunden wurde, in einem Brunnen zu ersäufen. Juschtschinski war aber sehr vorsichtig, sodaß sich keine Möglichkeit bot, ihn nach einem einsamen Orte zu verlocken. Darauf änderte die Bande ihre Absicht und beschloß, den Knaben in der Wohnung der Tschebyrjakowa, in die er ohne Furcht kam, zu ermorden. Durch das Los wurde dann entschieden, daß dieser Akt von einem Bruder der Tschebyrjakowa, namens Signajewski, einem ehemaligen Schüler der militärischen Feldschererschule Rudsinski und einem dritten Komplizen Iwan Latyschow ausgeführt werden sollte. Die übrigen Mitglieder der Bande hatten nur Auf- Passerdienste zu leisten und für Verwischung aller Spuren der Untat zu sorgen. Am 11. März besuchte Andrei die Tschebyrjakowa, ging mit ihr spazieren und versprach am nächsten Tag wiederzukommen. Ta war aber schon alles vorbereitet. Kaum war Andrei am 12. März des Morgens in die Wohnung der Tschebyrjakowa hineingekommen, als die in einem Hinterhalte befindlichen Mörder sich auf ihn stürzten, ihm den Mund zustopften und ihn nach dem Schlafzimmer schleppten. Auf der Treppe paßte eine gewisse Beloserowa auf, während drin im Schlafzimmer die Schreckenstat begangen wurde. In ihrer Wut marterten die Mörder ihr Opfer in bestialischer Weise. Singajewski hielt den Knaben fest, Rudsinski brachte ihm mit einer Ahle an der Schläfe zunächst ungefährliche, aber qualvolle Stiche bei und Latyschow wischte mit einem Lappen das aus den Wunden fließende Blut ab. Auf diese Weise wurden dem Unglückseligen 14 Stiche beigebracht, worauf die Mörder mit demselben Instrument durch die Mütze losstachen und dem Knaben den Schädel zertrümmerten. Dann zogen die Mörder den Getöteten aus, brachten ihm noch zahlreiche Stiche am ganzen Körper bei, umwickelten die Leiche mit einem Teppich und legten sie unter ein Sopha. Ja diesem Moment kam eine Frau hinein, die offenbar merkte, daß etwas vorgegangen sei. Kaum war sie fort, als die Mörder die Leiche hervorzogen, um sie in eine mit kaltem Wasser gefüllte Wanne zu legen und dann, als das Blut abgewaschen war, in eine Scheune zu tragen. Am 13. März vergruben die Mörder die Leiche tief im Keller und setzten ihre verbrecherischen Taten fort, indem fie im Laden eines Adamowitsch einen großen Diebstahl begingen und die Beute nach der Wohnung der Tschebyrjakowa brachten. Da die Haussuchungen und Verhaftungen in der Stadt gerade damals stark überhapdnahmen. verreisten die meisten Mörder nach Moskau, während die Tschebyrjakowa mit ihrem Komplizen Manselewski in einem Hotel verblieben. Am 17. März gruben dann Manselewski und ein gewiffer Moßjak die Leiche aus und brachten sie nach der Höhle, in der sie später gefunden wurde. Soweit die neuesten Enthüllungen! &VWV0RK __vorm. Hotel Romania - > ״׳ ~ Neu eröffnet! 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Die systematische Erziehung unserer Jugend in bewußt-jüdischem Sinne soll stärker betont und besser ausgebaut werden. Auf unseren früheren Tagungen wurde Klage darüber geführt, daß die großen jüdischen Organisationen ein außerordentlich geringes Interesse für die Mische Turnsache an den Tag legten. Jetzt hat man sich zu der Er« kenntnis durchgerungen, daß die jüdische Turnbewegung mit ihrem positiven, auf die Erstarkung und Gesundung unseres Volkes gerichteten Programm ein bedeutsamer Faktor in der juugjüdischen Bewegung ist und von allen Juden tatkräftig gefördert werden müsse. Uns ist der willkommen, der für ein lebendiges Judentum arbeitet. Wir konstatieren eine starke Aufwärtsbewegung unseres Bundes und dürfen mit froher Zuversicht in die Zukunft blicken. Herr Rechtsanwalt Dr- Zirker erstattete daun den Geschäftsbericht und konstatierte den Zuwachs von etwa 1500 ordentlichen Mitgliedern in der Berichtsepoche, so daß die jüdische Turnerschaft 8000 Mitglieder und Zöglinge hat. Der Verbandsturnwart, Herr Turnlehrer Erich Bursin erstattete einen ausführlichen Turnbericht. Namentlich das Jugendturnen hat einen turnerisch tüchtigen Nachwuchs. Bon grundlegenden .Beschlüssen ist hervorzuheben, die Anerkennung des Sportes als gleichwertiges Mittel neben dem Turnen zur planmäßigen Erziehung des Körpers des jüdischen Volkes. Jüdische Sportvereine können demgemäß in den Psrband ausgenommen werden. Der Gesamtverband wird in Zukunft in Kreise eingeteilt, die die Vereine der einzelnen Länder umfassen sollen. Geographisch zerstreute kleine Vereine bleiben kreisftei. Der Deutsche Kreis wird feinen Sitz in Berlin, der Kreis Westösterreich in Wien haben. Der Sitz deS Gesamtverbandes bleibt in Berlin. Anläßlich deS TurntageS fand ein FestkommerS, ein BerbandSwetturnen ein Sportfest und eine Berbandsturnfahrt statt. Auch diese Veranstaltungen erfteuten sich recht reger Beteiligung. xxxmmxxmm Uttüllll! .Willi! WM1!'. Dragee Nachrichten. Jsr. SpitalbauBereiu in Prag. In der letzten Zeit sprudelen lin Kronen): 4V.—M. F. 10.— Hr. Markus Poppenscheller, 8.88 Hr. Paul Mahler, 25.— Herr Börserat S. Strauß als Sühne aus einem Rechtsstreit, 20. - Hr. Julius Pokorny als Tempelspenden in «äniggrätz, 10.— N. N. aus Anlaß der Jähheit der Frau Emma Kaufmann. An Kranzspenden: Für Frau Alice Federer 15.— Hr. Dr. Karl, Teplitz. Für Frau Elsa Fluffer: 10.— Frau Karoline Hauer. Für Herrn Karl Gärtner, Teplitz: 20.— Herr I. U. Dr. Emil Falk in Teplitz. Für Herrn Adolf Hahn: 100.— Hr. Dr. Otto Hahn, 35.— Sektion der Kaffeeagenten, 2b.— Herr Maximilian I. Sonnenschein, 20.— Herr Emanuel Urbach, 10.— Josef Nowak aus Triest und 10.— Hr. Emil Sprinzel. Für Frau Bertha Hübsch je 10.—: Frl. Charlotte Heller, Hr. Simon und Frau Klara Hübsch Für Herrn M. Hacker in Wien: 20.— Herr Gustav und Mela Raubitschek. Für Frl. Therese LaguS: 10.— Hr. Felix Reiner. Für Hrn. Viktor Lustig: 20.— Herr Leopold Weinberger. Für Herrn Hoftat Prof. Dr. Alfred Pklbram: 500.— Ungenannter und 80.— Herr Dr. Josef Salus in Bensen. Für Hrn- Jakob Raubitschek: 15.— Herr Dr. Gustav Eckstein und Frau. 10.— Hr. Gustav Raubitschek und Frau. Für Frau Babette Sreinadler: 10.— Herr MUDr. Richard Kleiner. Sekretärstelle. Die Prager isr. Kultusgemeinde. Repräsentanz besetzt die Stelle eines Sekretärs. Gesuche von absolvierten Juristen sind bis Ende Juli 1012 an das Präsidium der isr Kitusgemeinde-Repräsentanz zu richten. Die Judenfrage. Am Samstag abends wurde hier im großen Saale der Produktenbörse eine überaus stark besuchte öffentliche Versammlung veranstaltet. Anläßlich der Z.-K.-Sitzung hat die hiesige jüdische Bevölkerung Gelegenheit gehabt, vier hervorragende Redner an einem Abend zu begrüßen. Trotz des herrlichen Sommerwetters war ein überaus reges Interesse fühlbar, welches die in Prag schon gut bekannten und beliebten Referenten erweckten, und in der überraschend starken Beteiligung seinen Ausdruck fand. Der Obntann des böhmischen D.-K. eröffnete mit einer tschechischen Ansprache die Versammlung. Nach ihm sprach Herr Adolf Böhm, welcher in der uns schon bekannten glänzenden Weise den Wert des Judentums bewiesen hat und wiederholt auf Sombart verwiesen. Nachdem er über die biologischen und ethischen Gesetze des Judentums gesprochen, und das heutige Judentum als krankhaft bezeichnet hat, forderte er, im Interesse jedes einzelnen Juden, die Anwesenden auf, die im Volke schlummernden potenzionellen Kräfte iu lebendige umzuwandeln und den einzigen Weg des Zionismus einzuschlagen, um Zerrissenheit der jüdischen Volksseele zu heilen. Herr Kurt Blumenseld, Berlin, welcher hierauf das Wort ergriff, hat erst vor kurzem in Prag mit vielem Erfolg in zwei Vortragsabenden gesprachen, und hat auch diesmal durch seine überzeugende und eindrucksvolle Rede die anwesenden Zionisten und Gegner mit sich fortgerlssen. Er sprach von dem Bestreben der mit europäischer Kultur übersättigten Juden, stets ebjektiv zu urteilen und sich über die Parteien zu stellen, bezeichnete die sogenannten ״guten Juden" als Feinde des Judentums, und verlangte von den Juden mehr Liebe zu ihrem Schicksal und Unterordnung unter die Volksinteressen. Als letzter Redner sprach Herr Dr. Emil Margulies, welcher den heutigen Zionismus und seine Taktik verglich mit dem Zionismus in der Wiege; er stellte die Erfolge, desselben m Palästina und bei uns fest, in dem näntlich der Zionismus den Zusammeu- Hang der Generationen wieder hergrstellt hat. Mit einigem Hinweis auf das jüdische Kultur- Programm uns der Widerlegung des Vorwurfes der Minderwertigkeit des Judentums, streifte er die Angelegenheiten an der Wiener Universität und stellte das Weiterbestehen des Volkes als ethisches Gebot hin. R'icher Beifall und wiederholte, begeisterte Unterbrechungen der Reden durch ApiauS bewies den Referenten die Sympathien, die das zahlreiche Publikum ihnen entgegendrachte. * * * Berichtigung. Von zuverläßiger Seite werden wir ersucht, zu unserem vorwöchentlichen Berichte betreffs der Hochsyuagoge, folgendes richtig zu stellen. Es entspricht nicht den Tatsachen, daß der Boskowitzer Schächter und Borbeter Herr Groß auf den Posten als Vorbeter in der Hochsynagoge refussiert hat» sondern vielmehr hat derselbe noch in aller letzter Zeit sich an die Vorstandsmitglieder mit der Bitte gewendet, ihn auch nur mit geringerem Gehalt anzustellen. Da Herrenwäsche nach Mass und Herrenmodewaren kaufen Sie am besten im Spezialgeschäfte der Firma ״Derby״ V. DRESLER, Brünn Krapfengasse 24-26. Nur apparte Neuheiten. Feste Preise.

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