Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 12 (20.6.1912)
- Date
- 1912-06-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Ss׳te 2 Jüdische Volksfiirmne Nr. 12 die niederschmetternde Tatsache heraus (und zwar mit brutaler Deutlichkeit), daß auch die teutschomanen Zeitungen sich von der Durchseuchung ihrer idealen Ziele mit jüdischem Geschäftsgeist auf die Dauer nicht fernzuhalten vermögen. ES ist ein Jammer. Alles frißt er, alles verschlingt er, dieser infame Geschäftsgeist aus Palästina — ohne den eben leider nicht einmal das obskurste Gossenblatt sich über Wasser halten kann. An eine Berliner Firma schrieb die Staatsbürgerin unterm 11. Mai: Sehr geehrte Firma! Klagen Sie nicht auch über die ungeheure Konkurrenz, die Ihnen durch die jüdischen Warenhäuser erwächst? Haben Sie aber schon einmal darüber nachgedacht, warum diese Konkurrenz für Sie gefährlich ist? Unsere christlichen Mitbürger würden nicht scharenweise dorthin laufen, wenn Rassenstolz und Gemeinschaftsgefühl bei uns Germanen ebenso stark ausgeprägt wäre als bei den Juden. Diese Gefühle in immer weiteren christlichen Kreisen wachzurufen und zu stärken, hat sich die ״Staatsbürgerzeitung", die jetzt in andere Hände übergegangen ist und in die besten Kreise Eingang findet, als Ziel gesetzt. Mit Wort und Schrift fordern jetzt täglich unsere Anhänger alle deutsch-völkisch Gesinnten auf, die christlichen Geschäfte zu bevorzugen. Die Erfolge dieser Bewegung werden täglich größer, denn immer größer wird die Zahl derjenigen, die sich sogar schriftlich verpflichten, in erster Linie in christlichen Geschäften zu kaufen. Wie oft wird bei uns angeftagt, ob wir ein christliches Geschäft dieser oder jener Branche nennen können, oder ob ein bezeichnetes Geschäft einem christlichen Inhaber gehört. Wie nützlich wäre es für Sie, wenn auch Sie sich entschließen würden, in unserer Zeitung zu inserieren. Wir sind gern bereit, Ihnen bei direkter Aufgabe einen Ausnahmepreis zunotierm und steht unser Vertreter jederzeit mit weiteren Details zu- Ihrer Verfügung. Inzwischen empfehlen wir uns Ihnen bestens mit vorzüglicher Hochachtung StaatSbürger-Zeikung. In JbsenL ״Wildente" sagt irgend jemand ״Der beste Idealismus ist ein gesunder Reattsmus" zu dieser Auffassungshöhe des nordischen Grüblers haben sich, scheints, die Finanzberater und Redakcionsteutonen des antisemitischen RadaublattS bereits hinaufgegrübelt. Die wackere ״Staatsbürgerzeitung" verficht aber auch mit großem Elan den extremsten Rassenstandpunkt. Sie fordert bei der Besprechung der Mischehenfrage klipp und klar, daß Midi ״die strengste Trennung der deutschen und jüdischen Rasse durchgeführt würde", raß ״filr beide ein gesetzliches Ehe- «nd Paaruugsverbot bestände" (durch Kastration vielleicht durchzuführen?). Die Juden werden hier also bereits »en Schwarzen gleichgestellt. ״Ist es gleich Wahninn, hat es doch Methode!" Zum 20. Tamus. Am 20. Tamus trauert daS jüdische Volk um den frühzeiügen Tod seines großen Sohnes Theodor Herzl. Dieser Gedenktag nationaler Trauer muß zu einem Tag naüonaler Tat werden, würdig unseres großen Toten und seines lebendigen Werkes. Eia.Herzldenkmal als nativnale Tat — es ist der Herzlwald. Es ist ein ewiges Denkmal, daS in schöpferischer Arbeit für sie von Herzl verkündete Wiedergeburt des Landes unserer Zukunft Erinnerung und Hoffnung veriindet. Dieser Wald bedeutet eine mächtige Für- )erung unseres Ansiedlungswerkes, während die Früchte der Bäume für unsere Kulturaufgaben im Lande bestimmt sind. In Hulda und Benschemen, auf dem Boden des Jüdischen Nationalfonds, sind bereits Tausende von Oelbäumen und anderen Frucht- und Nutzbäumen angepflanzt, und fortgesetzt werden neue Bäume gepflanzt. Der 20. Tamus ist eine Mahnung an unsere Gesinnungsgenossen, für dm Herzlwald zu spenden und zu sammeln. Die auf die Trauertage des TamuS folgenden Trauertage des Ab sind von unseren Gestnnuugsgenossen in Amerika als eine Natioalfondswoche für Veranstaltung von N.-F. Sammlungen eingeführt worden, die gute Resultate erzielten. Wir erwarten, daß unsere Gesinnungsgenossen in allen anderen Ländern diesem Beispiele folgen und die Tage unserer nationalen Trauer um das verlorene Land zu einer eiftigen Propaganda für den Nationalfonds, der die Wiedergeburt unseres Landes ersttebt, benutzen werden. Wir bittm alle Freunde des Jüdischen NatiovalfondS, rechtzeitig die erforderlichen Vorbereitungen für den 20. TamuS und die Nationalfondswoche zu treffen. Gesinnungsgenossen, gedenket des 20. Tamus und der Nationalfondswoche! Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds. Der Kiewer Mtualmordprozeß. Ueber die letzte Phase in dem Prozesse haben die Tagesblätter nur äußerst knapp und unzulänglich berichtet. Wir schließen an die Veröffentlichungen in dem antisemitischen Blatte ״Kiewljanin" an: Die ausführlichen Veröffentlichungen im konservaüv - antisemittschen Blatte ״Kiewljanin" zur sogenannten Ritualmordaffäre sind von ungeheuerer Bedeutung für den Fortgang der Sache und für die Aufklärung der Wahrheit. Daß zum Journalisten Brasul - BruschkowSki sich nunmehr der ehemalige Kriminalbeamte KrassowSki gesellt hat, ist schon für die Hetzer ein schwerer Schlag. Wirkungsvoller ist aber der Umstand, daß ein so ״loyales" und ״patriotisches" Blatt, wie der Kiewljanin des durch seine Polen- und Judenbekämpfung genügend bekannten Reichsratsmitgliedes Pichno, mit den neuesten Enthüllungen kommt. Eigentlich hatte Brasul-BruschkowSki schon im vorigen Winter genügendes Material gesammelt, um die Staatsanwaltschaft auf die richtige Bahn zu weisen, um sie von der Suche nach weiteren Belegen für einen Ritualmord abzubringen und sie zur Festnahme der eigentlichen Mörder zu veranlassen. Was aber Brasul-Bruschkowski im Verein mit KrassowSki jetzt der Oeffentlichkeit übermitteln, ist so gravierender Natur, daß jede Berabsäumung seitens der Anklagebehörden diese in den schlimmsten Verruf bringen muß, und diese erklären schon wenigstens, daß sie die Angaben Brasul-BruschkowSkis näher prüfen... Nach den Recherchen der freiwilligen Untersucher Brassul und KrassowSki stellt sich die Geschichte des Falles Juschtschinski also dar: Zu Beginn des Jahres 1911 Hattein K'nw eine Reihe verwegener Diebstähle stattgefunden, ohne daß ihre Anstifter zu ermitteln waren. Die Kriminalpolizei vermochte damals weder das Verbrechernest noch die Spelunken, in denen die verbrecherischen Aktionen ausgeheckt oder die gestohlenen Sachen untergebracht wurden, ausfindig zu machen. Erst später klärte es sich auf, daß die .Verbrecherbande die Wohnung von Wera Tschebyrjak, der Frau eines Telegraphisten, als Beratungsort benutzt hatten. Ein ständiger Besucher in ihrer Wohnung war unter anderen Gästen auch ein Freund ihres Sohnes Jewgeni, der Knabe Andrei Juschtschinski, der uneheliche Sohn einer gewissen Alexandra Juschtschinski, die später einen Luka Prichodko .geheiratet hat.. Andrei JuschtschinsL.mau_ont dem Jungen der Tschebyrjakowa sehr befreundet, und beide Knaben kannten alle Verbrecher, die im Hause der Tschebyrjakowa verkehrten. Denn oft belauschten sie die Gespräche der Räuber über ihre Heldentaten und sahen die Beute, die sie mitbrachten. Andrei Juschtschinski, der den Beinamen ״Der Hausgeist" trug, führte oft kleinere Aufträge der im Hause der Wera Tschebyrjakowa versammelten Verbrecher aus. Nicht selten kam es aber Johlen und boshaftes Lachen, lenkten die Auf merksamkeit der Passanten in der Währingerstraße auf einen alten Juden (dessen gramdurchfurchtes Gesicht und schmerzersüllte Augen jedes fühlende Herz bewegen mußte), der verfolgt von einer Rotte antisemitischer Knaben (künftige Apachen) nicht imstande war, seinen Weg fortzusetzen. Ein in der Nähe befindlicher Wachmann sah dies mit zynischem Gleichmut an, ohne sich vom Platze zu rühren. (Vielleicht erinnerte es ihn an seine eigene Knabenzeit, wo er dergleichen Heldenstückchen verübt hatte.) Kurzum er hatte Augen und sah nicht. — Der gequälte Jude konnte nicht vorwärts kommen. — Mit verzweifelter Miene blickte er um sich, als plötzlich ein elegant gekleideter Herr auf den Wachmann zutrat, ihn mit strengen Worten zurechtwies ״warum er daS so kaltblütig mit ansehe". Der Angesprochene machte eine unwillige Geberde. Da zog der unbekannte Retter seine Bisitkarte hervor, zeigte sie dem Wachmann uud befahl demselben, sofort den Mann zu begleiten, damit derselbe ungehindert seines Weges gehen könne. Der Wachmann gehorchte diesmal wider seinen Willen. Mühe das ersehnte HauS erreichte. Es galt eine befreundete Dame zu besuchen, deren liebenSwürdiges Wesen einem jeden sympathisch war, weil Seelengüte und Wohlwollen aus den freundlichen großen Augen leuchtete und ihre zum Herzen dringende Sümme, die Seele mit Verträum und Zuverficht erfüllte. Stets empfing ich dort geistige Anregung und auch praktische Anregung fürs Leben. AuS hochachtbarer Familie stammend, wo sie religiös erzogen wurde, fand sie durch den aufrichtigen Glauben an Gott und sein heiliges Wort inneren Trost und Beruhigung, für die Herzenswunde, welche ihr das Schicksal verursachte. Ein einziger Sohn wurde ihr in der Blüte des Lebens entrissen, bald darauf der Gatte, welcher sie wie das Augenlid geschätzt hatte. Keine vorwurfsvolle Klage, kein übertriebener Trauerkult gab ihren edlen Schmerz. äußerlich kund. Nur tm heißen Gebete flehte sie zu Gott um Kraft und Lebensmut. Ihre pekuniäre Lage ließ nichts zu wünschen übrig.- Nach herzlicher Begrüßung kam wie gewöhn lich das Thema über die jetzt herrschende Lauheit in Ausübung religiöser Pflichten zur Geltung. Hierauf sagte die Dame: ״In einer halben Stunde kommt meine Vorleserin, eine Französin, wenn es Auf der Pratersttaße herrschte regeS Leben. > Sie freut, können Sie mit ihr konversieren. DaS war ein Hasten und Drängen, daß ich mit s Ich akzeptterte mit Dank und als nach kurzer Zeit die Erwartete erschien, hörte ich Mitteilungen, welche dem jetzigen Erziehungssystem alle Ehre machm. Die Pariserin erzählte lächelnd, daß eine ihrer Schülerinnen mit feuerrotem Gesicht, nach vielem Stottern mdlich — eingestanden habe, daß sie dem mosaischen Glauben angehöre. ״Ja, warum schämte sich eigentlich daS Mädchen eS zu sagen? Ich verheimliche auch nicht, daß ich Katholikin bin." ״Welche Schmach", rief ich aus, ״das bezeugt die Indolenz und Borniertheit des Denkens und krasse Unwissenheit unserer lebenspendenden heiligen Schriften. Wer dieselben kennt, muß von Liebe und Begeisterung zum Judentum durchdrungen sein." ,M3tlemoi86Il6, nou8 sommes 13 raeine, vou8 6163 les branches.“ ״Naturelement", war die Antwort. * * * Solange die Kenntnis der heiligen Lehre, Propheten, Psalmen der Jugend mangelt und sie im Elternhause kein ״jüdisches Empfinden" wahrnimmt, solange wird auf solche der Spruch anwendbar sein: ״O, imitatores, servum pecusl*)“ *) O Nachahmer, sklavisches Gezücht!) Mährisch-schlesische Bank Brünn: Talniwn Nr. 3Sfl, mraHl■!!־־־ Ferdtaamfegasse Nr. 29 tatephow Mr. lütt, ■tafcMlitab«. > verzinst EINLAGEN gegen / II 91 gebundene Einlagen laut Überemkommea. Bankääcbei*1ind in lauMer Rechnung »tt!2 p grschiftrnBcrArt, BStnen-u-WcciiteigencIriBn.