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Jüdische Volksstimme · 1912-06-20 · Heft 12 (20.6.1912) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 12 (20.6.1912)
Date
1912-06-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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XIII|l. Zahrg. Nummer 12 Erscheint jeden Donnerstag. & Bezugspreise: Für Österreich-Ungarn, halbjährig . . Kronen 5*20 ganzjährig.......Kronen 10•— Deutschland, ganzjährig .. Mark 10 — Rußland, ganzjährig. Rubel 6*50 Balkan, Frankreich.Franks 12•— Einzelne Nummer 20 h. Herausgeber: Max Hickl. Inserate: die 6 spaltige Petitzeile 30 h. Buchhändlerische Vertretung: Otto Klemm, Leipzig. Geschäftsstelle: Wien, l, Rotenturmstraße Nr. 31. Telephon 3009/VIII. Sprechstunden von 10—12 Uhr. Postsparkassakonto Nr. 132.842. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht honoriert. Manuskripten ist Rückporto beizusügen. -S m Brünn—Budapest. Wien, 20. Juni 1912. 5. Tamus 5672. Prag—Lemberg. Aus dem Inhalte: Ein Kampf gegen die Ueberhebung des Judentums. — Feuilletton. — Wie der Antisemitismus zum Geschäft ward. — Zum 20. Tamus. — Der Kiewer Ritualmord- Prozeß. — Jüdische Trauerschaft. — Prager Nachrichten. — Die Judenfrage. — Budapester Nachrichten. — Brünner Nachrichten. — Das Festmahl der Präger Beerdigungs- Brüderschaft. — Prager Brief. — Korrespondenzen. — Der Hauptmun von Köpenick. — Der Märtyrer seines Glaubens. — Eingesendet. — Briefkasten. Ein Verband gegen die Üeber- Hebung des Judentums ist in Berlin begründet worden, weil die Erscheinungen solcher Ueberhebung wachsen und sich mehren, weil ihre. Wirkungen das deutsche Volk, sein religiöses, geistiges, wirtschaftliches unb politischeS Leben in einem Maße schädigen, das erschreckend zunimmr״ In dem Aufruf der neuen Bereinigung HeißteS:7^ : T ל Auf beinahe allen Gebieten des deutschen Lebens arbeitet das Judentum planmäßig organisiert und systematisch, um den Deutschen zu verdrängen oder zu beherrschen, um den jüdischen Einfluß als maßgebend durchzusetzen. DaS gilt nicht nur für das Gebiet der Politik und Wirtschast, sondern auch für das der Literatur, der Kunst, des Theaters, der Wissenschaften, des Hochschul- und Schulwesens, der Rechtspflege; nicht zum wenigsten der Arbeiterbewegung und Frauenbewegnng. Dem Juden wird hier zum Borwurf gemacht, was sonst jedem Staatsbürger zur Zierde gereichen müßte. Dabei wird die geistige Praepotenz der Juden ruhig zugestandm. Wir möchten den Herren ein gutes deutsches Sprichwort entgegenhalten: ״Ehre, dem Ehre gebürt", oder auf's Wirtschaftsleben übertragen, Erfolg verdient, wer ihn zu erringen versteht. Haben nun die Juden j gegenüber ihren anderen Mitbürgern wirklich so! viele Erfolge aufzuweisen, so haben sie sie sicher ehrlich verdient, weil sie, und das ist unbestreitbar, unter bedeutend ungünstigeren Verhältnissen arbeiten müsien, als ihre Mitvölker, und weil für sie die Sproßen der Siegesleiter nur unter doppelt schweren Mühsalen erklimmbar sind. In dem Allstuf heißt es dann noch: Der Verband verspricht sich nichts von einer öffentlich aufregenden, agitatorischen Tätigkeit, er richtet sich nicht gegen die Person, er hofft im Gegenteil, derartigen Ausbrüchen der Erbitterung vorzubeugen. Der Verband ist von der Ueberzeugung durchdrungen, daß er der deutschen Sache nur durch Sachlichkeit dienen kann׳" Das nächste Ziel, ist: Verbreitungder Kenntnis vom Jndentume, von seinen׳^ AcbeirSmethoden, feinen Organisationen und seinen Zwecken. In dieser Tätigkeit ist die Abwehr der Ueberhebung des Judentums enthalten. Der Verband will und wird den Juden kein Unrecht zusügen, noch sie in berechtigten Gefühlen verletzen. Unter den etwa zwei Dutzend Namen, die unter diesem Austnf stehen, befinden sich die von Fritz Bley. Profeffor Dr. Henting, v. Levetzow- Sielbeck, K. v. Strantz. Die Friedensversicherungeu des Vereines wollen wir, wenn auch mit gemischten Gefühlen, vorläufig abwarteud hinnehmen. Von den Zielen wäre nur zu sagen: Die Verbreitung der Kenntnis vom Judentum wird uns nur angenehm sein. Erstens werden wir dadurch in einer unserer Hauptaufgaben unterstützt und dann muß die objektive und ehrliche Information allen Verläumdungen und Verdächtigungen die Grundlage entziehen. Die Arbeitsmethode des Judentums ist die denkbarst einfachste. Der Jude ist ein nüchterner, zäher und ungemein emsiger Arbeiter, der rastlos seinem gesteckten Ziele zustrebt und sich durch Mißerfolge nicht zaghaft machen läßt. Und der Zweck des Judentums? Das Judentum ist sich Selbstzweck. Es arbeitet an seinem Bestehen, seiner Entwicklung und seiner Erhaltung und wird sich an diesem berechtigten Streben durch Niemand beirren lassen. Der Tätigkeit deS neuen Vereines wird man aber erhöhte Aufmerksamkeit zuwenden müssen. Wie der Antisemitismus zum Geschäft ward. Die Berliner ״D. M." schreib: Die ״Staatsbürgerzeitung", eines jener hauptstädtischen Organe, die man nicht gerade liest, von denen man aber aus allerhand Gelegenheiten weiß, daß sie für Deutschtum, Treue, Germanenreinheit, Idealismus, Pogroms s tutti quanti schwärmen, und daß sie die Quelle alles Nebels in der Durchseuchung deS teutschen Lebens mit dem jüdischen Geschäftsgeist sehen — die ״Staatsbürgerzeitung" braucht zuweilen Inserate, um ihr Papier, ihren Drucker und die Gesinnung ihrer Redaktion bezahlen zu können. Und allemal, wenn Blätter vom Range der ״Staatsbürgerzeitung" Inserate brauchen, stellt sich Feuikketon. Wiener Bilder. (Malvine Grünwalb.) Herrlicher Sonnenschein durchflutet die Praterau; dichtbelaubte Bäume gewähren dem Auge erquickenden Genuß. In der Hauptallee rollen die Wagen an einander vorüber, als gälte es einen Wettbewerb. Hei! wie die Pferde im rasenden Galopp dahinsttusen, daß die Funken sprühen, Spaziergänger in gemütlicher Betrachtung, hie und da stehenbleibend, um einer Kavalkade, bestehend aus drei Amazonen und ebensoviel Kavalieren, bewundernd nachzuschauen. Kinder mit Hellem Blick und Lachen,. ihre Reifen treibend, Bälle werfend und damit die Spatzen verscheuchend» welche gierig, von mitleidiger Hand gestreute Brosamen, erhaschen wollten. Auf den Bänken junge Frauen und Mädchen mit Handarbeit beschäftigt; Studenten, eifrig ihre Komposition durchblickend. Auch allere Damen und Herren mit Lorgnon und Brille bewaffnet, vertiefen sich in Tagesblätter. Bekannte Musikweisen der nahen Militärkapelle Werden mitgesungen oder gepfiffen. DaS Auge des Gesetzes in Gestalt des berittenen Wachmannes vnvollständigt das bunte Bild. Doch ehe das Tagesgestirn seine letzten Strahlen zur Erde sendet, sieht man mehrere Damen und Herren sich eiligst von ihren Plätzen erheben, um noch rechtzeittg nach Hause und in den Tempel zu kommen, denn es ist Freitag Nachmittag.- * * * * Die Hausstan hatte soeben die letzten Vorbereitungen zum würdigen Empfang des Sabbat getroffen. Mit Wohlbehagen übersah sie die musterhafte Ordnung, welche allerorten herrschte. Auf dem Tische standen die zierlichen silbernm Leuchter mit den vollwichtigen Kerzen, worüber sie nach dem Anzünden ihre Hände gleich EngelSfittigen breitete, um dabei den bekannten Segensspruch zu sagen. Im selben Augenblick klopfte es leise an die Tür und herein trat ein junges Mädchen, deffen intelligente Züge zuerst einen verwunderten Ausdruck bezeugten. Gleich darauf bückte sie sich, um das mühsam unterdrückte Lachen gn verbergen. Es war eine Mitschülerin der Haustochter. Da ich zufällig anwesend war, lud ich das Mädchen mit einer Handbewegung in das Nebenzimmer, wo sich folgendes Gespräch entspann: ״Fräulein, wie konnten Sie beim Anblick der religiösen Handlung lachen?" ״Weil ich das noch nie bei meiner Mama gesehen habe und Mama ist doch auch Jüdin." ״Entschuldigen Sie, dann ist eben Ihre Frau Mama keine Jüdin» weil sie den Sabbat nicht gebührend empfängt und es unterläßt, ihn würdig zu feiern." ״Ja, warum muß das eigentlich so gehalten werden?" ״Nun, das dürfte Ihnen der Religionsunterricht beigebracht haben, daß der Sabbat ein Erinnerungszeichen an die Weltschöpfung ist, und wir durch Heilighaltung desselben unseren Glauben an Gott, den Schöpfer bezeugen." ״Ach was, in der Religionsstunde hat man ganz anderes im Kopfe. Da sprechen wir von der ״Version anglaise" und anderen Schularbeiten." ״So, während der Herr Religionsprofessor Ihnen heilsame Lehren fürs Leben einzuprägen bemüht ist, sprechen Sie über profane Gegenstände." ״Ach, das sind wichtige Sachen, überhaupt wenn man ein Examen vor sich hat." ״Eben deswegen sollten Sie Gottes Beistand erbitten, damit kein böser Zwischenfall Ihre Mühe und angestrengten Fleiß zunichte mache"׳ ״Bah! Ich werde auch so durchkommen. meine Französin sagte erst kürzlich: ״!Alle., vous ötes bien präparSe, seulement du courage I (Fräulein, Sie sind gut vorbereitet, nur Mut!) Mit diesen Worten erhob sich die junge Weisheit, um die soeben eintretende Haustochter, liebkosend zu begrüßen. Ma« respektiert Sie! Sie habe» Erfolg! Rudolf Goldstein Genticmen-Tattors tragen Wien II|t Taborstraße 54 Spezialist in Tataren I Reel.Gediegen.Elegant.Billig Erstklassiger Zivil-». Uniformschuewer Sie schlage» jede Konkurrenz! 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