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Jüdische Volksstimme · 1912-06-13 · Heft 11 (13.6.1912) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 11 (13.6.1912)
Date
1912-06-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Jüdische V-lksstimme SW. 11. zirke statt. Man bemerkte unter den Anwesenden Herrn Amtsleiter Julius Braun, der hervorragend pädagogisch täüg ist, Herrn Prof. M. Kanitz. Obmann Johann Lampel hielt eine Ansprache, daran schlossen sich die Herren Rabbiner Dr. Mandel, Obmann M. Faltitscheh Dr. Halberstam u. a. Die Leistungen der Kinder fielen zur größten Zufriedenheit der Kommission auS. Der ״Jüdische Haudlmrgsgehilfeuverbaud" entfaltet, trotz der ungünstigen Jahreszeit, eine rege Tätigkeit. Vorträge und Ausflüge in die Umgebung Wiens bilden ein reichhaltiges Programm, dem zu danken ist, daß die jüdischen Angestellten dem geisttötenden Kaffeehausleben entzogen werden. Gäste sind stets willkommen und finden Gelegenheit, Einblick in das Wesen dieses BerbandeS zu nehmen. Im ״Verein Theodor Herz!" hielt Gesinnungsgenoffe Lederer Mittwoch, am 12. Juni, einen geistvollen Vortrag über den Berliner jüdischen Maler Lesier Ury. der reichen Beifall fand. Trauung. Die Trauung von Fräulein Bally Marens, Tocvter des Herrn Sigmund MarcuS, mit Herrn Leo Blawet fand Sonntag, am 9. d. M, mi Tempel deS H. Bezirkes statt. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERS1CHERUNGS GESELL- SCHAFT, WIEN, I. ASPERNPLATZ I im eigenen Palais. — Versichertes Kapital drka 380 Milionen. Reserven drka 113 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht — Beneralagentur: Karl Bloudek, Brünn, Krapfengasse 18/20 Unser neuester Tarif mit 5°/0 jähr ich fallender garantierter Prämie. Generalagentur für Wien, I., Aspemplatz 1, Leiter David Nebenzahl. Sub Direktion für Prag, Ferdinandsgasse 2g neu, Leiter Robert Gerstel. Sub-Direktion für Lemberg, Szajnocha 3, Leiter Löbl Taubes. Wiener Uadiricfitcn. Gleiches Maß. Die Vorgänge an der Wiener Universität haben trotz aller Versuche der sogenannten liberalen Presse und ihrer jüdischen Anhängerschaft, sie wtzuschweigen, wie die jüngst abgehaltene Protestversammlung deutlich gezeigt hat. in weiten Kreisen der jüdischen Bevölkerung starke Erregung hervorgerufen. Begreiflicherweise; denn selbst der einfache Mann ahnt instinktiv, daß selbst die Vertreter des höchsten wissenschaftlichen Lehramtes, zu denen er sonst auch als Musterbildern ethischer Vollkommenheit emporzublicken als ganz selbstverständlich erachtete, dort wo eS sich um Juden handelt, einfach versagen. So muß selbst das schlichte Gemüt sich eingestehen, daß es mit seinen Voraussetzungen in arger Täuschung befangen war und muß es lernen, sich in die bittere Wahrheit zu finden, daß die höchsten wissenschaftlichen Würden keine Gewähr dafür bieten, daß ihre Träger das moralische Durchschnittsmaß der Menge überragen. Diese Wahrheit ist gewiß sehr betrübend; denn daS moralische Durchschnittsmaß der Menge ist, wie die alltäglichen Erfahrungen der Gegenwart lehren, gewiß kein hohes. Allein das Urteil, das hierin über den akademischen Senat der Wiener Universität ausgesprochen wird, ist sicher kein zu hartes und ungerechtes, denn was ist das erste und unerläßlichste Kriterium für einen Menschen, der auf das Attribut ״moralisch" Anspruch erheben darf? Sicherlich ein Verhältnis zur Gerechtigkeit. Nun ftage man sich, ob das Vorgehen des akademischen Senates der Wiener Universität auch nur den primitivsten Forderungen der Gerechtig. feit entspricht. Die Wiener jüdische Studentenschaft führt einen harten und verzweifelten Kampf gegen übermüttge Beleidiger, die ihr jede Menschenwürde und die primitivsten Menschenrechte absprechen. Da ihr keine anderen Mittel zur Abwehr zu Gebote stehen, sieht sie sich, in den Zustand der Notwehr gedrängt, leider nur gar zu oft auf ihre eigene Muskelkraft angewiesen. Nun würde es kein billig denkender Mensch dem akademischen Senat vtrargen, wenn er im Interesse der Ruhe und behufs Hintanhalmng von Störungen mit allen Mitteln, selbst mit drakonischer Sttenge jeden Friedensbruch auf akademischem Boden, das heißt in den Räumen der Universität bestrafen würde. Daß er aber seine Disziplinargewalt auf Vorgänge auszudehnen erklärt, die sich außerhalb der Universität abspielen, ist gewiß au sich sehr bedenklich. Denn damit greift er in die Sphäre der Polizei und der ordentlichen Gerichte ein, aber, was noch weit bedenklicher ist, er zeigt damit eine deutlich ausgesprochene Parteinahme für die Deutschnationalen. Denn sicht der akademische Senat auf dem Standpunkt, daß die Waidhofner Beschlüsse, welche die schwerste Beleidigung der jüdischen Studentenschüft erhalten, Privatsache seien, dann sollte er konsequenterweise auch die gegen diese gerichtete Abwehr als Privatsache betrachten u. seine Disziplinargewalt darauf beschränken, die Ordnung auf akademischem Boden aufrecht zu erhalten. Aber die Herren vom akademischen Senat scheinen nicht zu wissen oder wollen es vielleicht, weil es sich um Juden handelt, nicht wissen, daß moralische Ohrfeigen oft weit mehr schmerzen, als physische und daß eS den primitivsten Grundsätzen der Gerechtigkeit widerspricht, dem Gekränkten vorschreiben zu wollen, wie tief er die ihm zugefügte Kränkung zu empfinden hat oder gar Beleidigung und Abwehr nach verschiedenen willkürlich konstruierten Maßstäben messen zu wollen. Spricht jede Willkür an sich der Gerechtigkeit Hohn und muß ein solcher Mangel an Gerechtigkeit gerade bei der höchsten akademischen Behörde besonders schmerzlich empfunden werden, so wird der Schmerz noch verstärkt durch die Vermutung, daß die hier vorliegende Bernachläßigung der primitivsten Forderungen der Gerechtigkeit ihre Wurzeln hat in einem feigen Zurückweichen vor den deutschnationalen Maulhelden — denn als solche haben sie sich durch die Waidhofner Beschlüsse selbst deklariert — in der Studentenschaft. Prager Nachrichten. Verlobung. Herr MUDr. Salomon Lieben, Sohn deS Herrn Gabriel Lieben in Prag, hat sich mit Fräulein Phil. Dr. Zippora Schiffer in Karlsruhe (Baden) verlobt. — Unsere herzlichste Gratulation! Die Redaktion. Klinik Pribram. Die Klinik Prtbrams soll mit Prof. Dr. Theodor Pfeiffer aus Graz besetzt werden. Es war vorauSzusitzen, daß bei dem herrschenden deutschnationalen Geiste des ProfefforenkollegiumS der hiesigen deutschen Universität daS Ordinat mit einem Arier besetzt werden wird; denn mit der Zeit wird die alma mater PragensiS ganz judenrein werden. KantorewDebuts. Verflossenen Freitag abends und Samstag vormittags war der neue Tempel in der Geistgasse mit Andächtigen, beziehungsweise Zuhörern und Kritikern überfüllt; galt es doch einen Debütanten für die noch immer unbesetzte zweite Kantorenstelle zu hören, respektive das Votum abzugeben, ob Herr M. Premitke aus Brody, dies der Name des Petenten, welcher in letzterer Zeit in Jamnitz (MÄgren) fungierte, Einlaß und Gnade vor dem gesttengen Zensor in der ureigensten Person des ersten Kantors, dieses Recken, — der selbstverständlich, da ihm die Weste näher liegt als der Rock, sein Amt als Kritiker äußerst gewissenhast versieht, finden wird. Dann erst hat der Vorsteher, der neben Manufakturen u. dgl. auch in der Musica Bescheid weiß, da er sich durch die vielen Jahre als Vorstand, große musikalische Kenntn.sse erlangt hat. Gibt Gott jemandem ein Amt, dann gibt er ihm auch Verstand. Ein zweites Debüt fand in der Hochsynagoge wo der s. Z. Debütant Herr Ist. Groß ans BoSkowitz, trotz der großartigen Probeleistung und der allseitigen Anerkennung, die Stelle refussierte, weil sich ehrlose Menschen fanden, die ihm gleich im Vorhinein in grau und schwarz ein Kantorat in der Hochsynagoge schilderten. Diesmal kam an die Reihe Herr Hirsch, Kantor aus Tarnowitz (preuß. Schlesien). Dessen Aufnahme als Kantor dieser Synagoge, wie auch als gleichzeitiger Schächter der Prager Kultusgemeinde ist bereits vollzogen. Schächterfrage. Auch in der Vorstadt Smichow ist durch das energische Eintteten des dortigen Rabbiner Herrn Dr. Arje die rituelle Fleischaucschrottung mit Rücksicht auf die dortigen seinerzeit ttostlos bestandenen Verhältnisse in glänzender Weise gelöst worden. Während vor Dr. Arje überhaupt fast gar kein rituelles Fleisch zu beschaffen war, sind heute drei christliche Fleischerläden unter strengster Bewachung mit dem Fleischverschleiß bettaut worden. Wie wir schon wiederhott in diesem Blatte schreiben, sollten in Prag auch mehrere Fleischbänke etabliert werden. Verbreitet Hickl’s - MID ״Jüdischer Volkskalender“ Emigrantensürsorge.*> (Fortsetzung.) So darf z. B. nach England unter keinen Umständen ein Emigrant geschickt werden, so lange nicht iür ihn ein ״Affidavit" d. h. eine behördliche Bescheinigung der Zulassung erwirkt ist. Nach den Hafenstädten: Antwerpen, Rotterdam usw., wohin-viele streben, in der Hoffnung, von dort eine überseeische Beförderung zu erwirken, darf grundsätzlich niemand geschickt werden, für den nicht schon im voraus sowohl die Schiffskarte wie das vorzuweisende Bargeld (125 K Pro Person) in Wien gesichert und die Zulassung in Amerika zweifellos ist. Für eine Weitersendung nach Paris ist in jedem einzelnen Falle eine Korrespondenz unseres Bureaus mit dem dortigen ״Comite de Bienfaisance“ erforderlich. Von einer Sendung nach Hamburg und Bremen ohne vollständige vorherige Sicherung der Seereise und Zulassung kann überhaupt nicht die Rede sein, da nach den skengen polizeilichen Vorschriften in Preußen die Auswanderer schon von der reichsdeutschen Grenze zurückgeschickt werden. Selbstverständlich müssen nun die bezeichneten, aufs Geradewohl nach Oesterreich, oft mit großen Familien, in leichtsinniger, nur durch die große Not in Rußland zu entschuldigender Weise gereisten Auswanderer, die fast immer gänzlich mittellos sind, von uns bis zur Feststellung der objektiven Möglichkeit einer Weitersendung ausgehalten werden. Eine Weitersendung in Etappen, unter Ablehnung der Verantwortung oder Abwälzung derselben auf andere, existiert für unsere Organisation nicht, da ohne Rücksicht auf die Kosten nach den Grundsätzen des geregelten Hilfswerkes jede Unterstützung eine wirksame und den Emigranten zum Ziele führende sein muß. So oft wir auf Drängen privater Wohltäter, welche zufällig eine Auswandererfamilie und derenbesondere Not kennen, gelernt haben, ohne die Schwierigkeiten im betreffenden Falle zu ermessen, uns entschließen, mit Außerachtlassung unserer Erfahrung eine Konzession zu machen, erweist sich das Ergebnis nicht nur als eine unnütze Geld- Verschwendung, sondern als eine Verschlimmerung der La^e der Unglücklichen, zu deren Gunsten man wohlmeinend bei uns interveniert hat- So z. Bhaben wir im verflossenen Jahre einmal durch unablässige Bitten und die Verwendung gutherziger Menschenfteunde uns bewegen lassen, eine Gruppe von sechs rumänischen Personen, welche uns mit Entschiedenheit versicherten, daß sie in Frankeich sich sofort eine Existenz begründen können, nach ursprünglicher Ablehnung des Gesuches doch nach Paris zu schicken. Nach einigen Wochen erhielten wir von unserer Filiale in Krakau ein Gesuch von denselben Personen, welche mittlerweile in Paris sich von der Aussichtslosigkeit ihres Planes überzeugt hatten und mit Hilfe zahlreicher Unterstützungskomitees durch ganz Deutschland zurückgereist waren, sie zur Rückkehr nach Jassy zu unterstützen, was wir zum Schlüße auch tun mußten. In zahlreichen Fällen kommen Personen, die sich von uns nicht haben warnen lassen, nach Vergeudung ihrer eigenen letzten Mittel, sowie der erlangten Unterstützungen, aus Amerika zurück und sind noch ärmer und entmutigter als zuvor. Sie bitten dann um Rücksendung nach Rußland oder Rumänien, wo sie wenigstens Verwandte oder Freunde haben. Diese, sowie diejenigen Emigranten, welche sich nach kurzem Aufenthalte in. Wien von der Sinnlosigkeit ihrer Pläne überzeugen und um Zurückbeförderung ansuchen, bilden das Kontingent der ״Repatriierten", welches unser Budget belastet. Im verflossenen Jahre wurden durch unser Bureau in Wien laut aufgestellter Tabelle 763 russische und 163 rumänische Emigranten zumeist nach überseeischen Ländern, teilweise aber auch nach westeuropäischen Orten weiterbesördert, während 226 Personen repatriiert werden mußten. Mehrere hundert Emigranten wurden von jeder unserer Filialen: Krakau, Brody und Czerno- Witz teils zur Weiterreise, teils zur Heimkehr unterstützt. Das von uns subventionierte ״Auskunstsbureau für jüdische Auswanderer" in Basel hat 759 Emigranten seine Fürsorge zugewendet, denen es Schiffskarten zu ermäßigten Preisen, besonders ')Wir entnehmen diesen hochbedeutsamen Aufsatz dem 39. Jahresberichte der ״Wiener Jsr. Allianz". Die schonst« Schrift in kürzester Zeit erreicht jedermann! K k. ved. aut, zcdreivschuie Professor Rudolf Roubitscbek >»,-״- Praä 17 Dscb auswärts brieflicher Unter naa, E nacheig.ges.gescMethode.

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