Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1912-06-13 · Heft 11 (13.6.1912) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 11 (13.6.1912)
Date
1912-06-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2621806-2621807-2621818--1535-2622583
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 11. Jüdische S*HKKKa» «eite 3. ׳auch das jüdische Badhaus außerhalb der Stadt werlegt werden. Das zitierte Blatt hat sofort am nächsten Tage nach dem Erscheinen der ersten -Notiz!sich wieder an den Juden gerieben. Es wendet sich dagegen, daß in einzelnen, als rein 'tschechisch geltenden Restaurants, wie Repräsenlativushaus und ״zur goldenen Gans" zwei- ^rachige Speisekarten aufliegen. Wohl aus Rücksicht für die ״deutschen Juden", die hier verkehren. ״Lamostatnost" ist ob dieses nationalen Vergehens der Restaurateure Oppl und Junger ganz aus dem Häuschen. Auch wir würden es lieber sehen, wenn unsere Glaubensgenossen, auf deren Konto alles gesetzt wird, ein rituelleSjüdisches Gasthaus aussuchen würden als die genannten, wo man ihr Geld wohl nimmt, sie aber nicht gern sieht, pecunia non ölet! Bei der Gelegenheit sei auf die Notwendigkeit einer jüdischen Restauration für den Mittelstand und den armen Mann in Prag hingewiesen, wie wir solche früher *beim Tritsch" (Schlesinger), Günstling (Joachinsgasse) und ״beim goldenen Fasan" gehabt haben. Unsere Jugend, die Angestellten und Studierenden, welche die teueren Preise beim ״Bristol" oder ״goldenen Engel" nicht zahlen können, wird auf diese Weise direkt in das trefene Gasthaus ge trieben! Bäk, der in seiner letzten Nummer sich folgende abscheuliche Verleumdung des verfiorbeuen Prager Oberrabbiners leistet. Er erzählh daß Dr. Lichtentern, der ehemalige Obmann der Prager Landesudenschaft sich letztwillig habe in Gotha ver- »rennen lassen und daß der Prager Oberrabbiner ür eia Honorar von 50 Golddukaten sich habe »ereit finden lasten, an der Beerdigung der Asche teilzunehmen. Wahr ist nur, daß Dr. Lichtenstern ich verbrennen lasten wollte, dann aber eben wegen der erhobenen Schwierigkeiten beerdigt wurde, alles andere ist böswillige Erfindung. In Oesterreich sind wir doch in manchem iester daran als unsere Brüder im Reiche. Ein Prozeß, wie er sich kürzlich in Dresden abgespielt jat, wäre bei uns unmöglich. Dort wurde der Redakteur eines antisemitischen Blattes zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er die in Rußland ge- »orene Frau Lydia Rabbinowitsch anläßlich ihrer Ernennung zum außerordentlichen Professor schwer ieleidigt hatte. Bei uns ist so etwas ganz ausgeschlossen, denn bei uns wird jetzt nicht einmal ein Jude, geschweige denn eine Jüdin zum außerordentlichen Professor ernannt. Prager Briefs. Vor allem herzlichen Dank meinem Badener Kollegen für seine freundliche Anerkennung; es tut wohl, ein Wort der Anerkennung zu hören, besonders wenn man so häufig Gegenstand heftiger Angriffe ist. Die Volksstimme ist in den letzten Tagen in den Lehrer-Mitteilungen und im Rozvoj scharf angegriffen worden. Den Prager Korrespondenten trifft freilich nur ein Angriff im Rozvoj, und zwar bezüglich seines Berichtes über die Streitigkeiten im Agentsngremium. Der Rozvoj meint, die Zionisten hätten bei diesem Berichte wieder einmal ihre schlechten Informationen gezeigt. Besser wäre es gewesen, der Rozvoj hätte unS sagen können, daß die tschechische Liste für die Wahlen in den Vorstand des Agentengremiums ebenso viele Juden enthalten habe wie die deutsche, damit wäre unser Bericht schlagend widerlegt gewesen. Daß der Rozvoj die Leichenverbrennung verurteilen würde, haben wir gar nicht erwartet Der XX. Vek fällt über den Wiener Redakteur der Narodni Listy, kaiserlichen Rat PeniLek her. weil dieser die Parlamentsrede Dr. ömeralS, daß bei der Auswahl und Anstellung von Beamten weder konfessionelle noch nationale Gesichtspunkte Maßgebend sein sollen, anerkennend glossiert hat -dafür wird kaiserlicher Rat Penirek in einen .״Münzeles" umgetauft. Der XX. Vek macht auch -schon wieder in Ritualmorden (siehe ausführlich »an anderer Stelle. Anm. der Red.). Wie sehr christ liche Nächstenliebe den Blick schärft, zeigt das Beispiel des Lech, der mit wahrer Berserkerwut gegen die baufällige jüdische Geflügelschlachtung loSzieht die der ganzen Assanierung zur Schande gereiche. Ich hätte dem Lech verraten, wo die Geflügel schlachtung sich jetzt befindet, aber ich fürchte, er würde auch gegen diese seine Donnerkeile loslasten Also nur so viel sei ihm gesagt, daß die Geflügelschlachtung schon seit langer Zeit nicht mehr im Assanierungsrayon sich befindet. (Jüdischen Interessenten, die vielleicht von der llebersiedlung der Geflügelschlachtung noch keine Kenntnis haben teile ich ihren jetzigen Standort gerne mit.) In einem Punkte hätte ich gerne den Lech im Rechte gesehen. Bei der Besprechung des Prozestes gegen den pornographischen Verleger Stern meinte er nämlich, daß die Juden wohl derarttge Schweine reien verlegen, aber ihre Kinder davor bewahren. Leider bleiben die Judenkinder nicht unberührt von diesem Gift, also entweder hat der Lech Un Diskonto-Gesellschaft bei der Nordösterreichischen Bank für Industrie, Handel und Landwirtschaft, registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung in Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt rieh, für alle einschlägigen Bankgeschälte, hauptsächlich aüch für den Eskompt offener Buchforderungen unter den allergünstigsten Bedingungen. Eine Korachiade. Ein in Prag erscheinendes jüdisches Blätt chen, daß mit großer agitatorischer Unterstützung einiger edlen Genoffen za. 800—1000 Abonnenten besitzt, beliebt sich in einer geradezu recht anmaßenden Tonart unsere Zeitung zu besudeln und da jetzt gerade der Wochenabschnitt!קרר zur Vorlesung gelangt, so möchten wir dem verantwortlichen Redak teur raten, er möge lieber das Schuhwerk mit der be< kannten Derbycreme putzen, oder seine Obliegenheiten als Hausdiener erfüllen, als uns und an dere ihm unbequem gewordene Zeitungen anzurempeln. Wir müssen den Herren jenes vergilbten Blättchens aus der Bilekgasse in einer Variante aus der Paraschah קרר zurufen: Ihr Herren von der Selbstwehr maßet Euch zu sehr an. Mögen diese Herren ihren Feldherrnstab versorgen; denn sie sind keine berufenen Führer der Zionisten und des Judentums übei Haupt; diesen fehlt jede Eignung in sachlich ruhiger und milder Art und Weise journalistisch sich zu betätigen. — Wer hat dieser Vereinigung das Kommando über die jüdi scheu Zeitungen übertragen, ein Censurrecht aus zuüben und daß man sich der Selbsiwehr fügen sollte? Müssen wir die Selbsiwehr erst befragen, wie wir unsere Aufsätze zu verfaffen haben und ob wir vor ihrem Ingrimm Dr. Eduard Lederer in Schutz nehmen dürfen? Diese Herren wollen Zionisten sein und ist ihnen Korach und seine Rotte vorbildlich. Als erstes Postulat diktiert der Zionismus die Nächstenliebe und die Friedfertigkeit, diese Eigenschaften kennt aber nicht das Organ aus der Bilekgasse. — Würde dieses Blatt, das einer verdursteten Blume gleich, nach einem Wasserstrahl lechzt, eine milde Sprache führen, dann wäre unter den einem anderen jüdischen Lager steht. Wir aber laffen das Gift einer Schlange nicht triefen; denn wrr sagen gleich dem Czechen: ״Komu Lest. tomu Lest, psst-ki kül." Haben unsere Glaubensgenossen ein gutes Werk vollsührt, dann veröffentlichen wir es und freuen uns im Herzen ohne ihn, weil er mit uns eine- Sinnes nicht sei, zu verdammen und dies der Grund, warum wir seinerzeit in manchen Punkten Dr. Eduard Lederer verteidigt haben, um so mehr als er uns persönlich sympathrscher ist, wie so mancher verantwortlicher Schriftletter. Auch unsere Prager Mitarbeiter schreiben keinen Klatsch, wie sich die famose Selbstwehr auszudrücken beliebt; dem sie berichten, wo ein Rabbiner, Lehrer, Kantor, jüdischer Arzt u. dgl. eine vakante Stelle ausfüllen könnte, sie informieren die breiten Schichten des jüdischen Volkes über alle Kultusangelegenheiten usw. Hat die Selbstwehr schon jemals zur Frage des allgemeinen direkten Wahlrechtes in die Kultusgemeinden Stellung genommen, oder dafür sich ingesetzt, daß die Bezüge der Prager israelitischen Lehrer und der Kultusbeamten reguliert werden, oder aber daß mit einzelnen Herren, die ein öffentliches Amt in der Prager Kultusgemeinde bekleiden, keine Bevorzugung getrieben werde, wie wir es taten. — Nein! Die Selbstwehr macht z. B. den Juden bekannt, daß Herr A. JanouZkovec, Inhaber eines Instituts für militärische Angelegenseit seinen 50ten Geburtstag begierig, das interessiert gewiß Herrn Brandeis mit seinem Redaktionstabe freilich mehr, als jüdische Sachen. Das ist unser Klatsch und unsere Schreibweise und wiewohl wir nicht deutsch kennen, andere jaben wiederum keine Geschichte gekannt, — so jat die Selbstwehr wiederholt aus unserem Nichtdeutsch einzelnes doch zu verwerten gewußt, das Abschreiben macht ihr keine Mühe, hierin hat sie eine große Routtne. Was wir mit anderen Blättern auszufechten;oben, das werden wir ehrenhaft austragen und »rauchen keine Sekundanten von der Selbstwehr. Es ist nachgewiesen, daß andere jüdischen Blätter, die nicht dem Zionismus verschrieben sind, schon wiederholt unverholen gesagt haben : ja die Volkstimme ist uns sympathischer als die Selbstwehr; »enn elftere befleißigt sich keiner solchen derben, unqualifizierbaren Schreibweise, und daß Prager Juden lieber die Volksstimme leien, das ist auch wahr; einen Aufklärungsdienst über letzteren Passus leisten wir der Selbstwehr nicht, dies machen wir unS nutzbar. Heute wissen wir auch, daß die Selbstwehr im Lager der Freidenker, von der Couleur Prof. Dr.Raudnitz, steht und eine Anhängerin der Leichen- Verbrennung ist und vielleicht freut sich schon heute ein Mitglied der ״Flamme", wenn dereinst die Selbsiwehr lichterloh verbrannt werden sollte. So haben wir durch heutige Darlegung die Selbstwehr abgefertigt, wie sie es ehrlich verdient und lassen uns auf keine weiteren Polemiken mehr ein. recht oder es muß auch derartige christliche Ver- Prager. Juden ein aronitischer Friede, leger geben. Dte Herren von der Selbstwehr wollen keinen Sind ״Lech" und ״XX. Vek" auch christliche ' Zusammenschluß der Juden und deren Herzen sind verstockt, wo es gilt dem Lehrerstande zu helfen taub waren sie für Aufrufe von Witwen un Waisen nach jüdischen Lehrern. Sie haben nicht einmal so viel Aufrichtigkeit in ihrem Blatte zu bekunden gewußt, daß Dr. Moritz Hirsch, Advokat in Smichow in dem Prozesse Marie Hofrichter einen großen Dienst dem Judentums geleistet denn das Domizil und auch der Vorname Dr. Hirsch wurde verschwiegen — weil der Mann in Organe, so möchte ich doch die Aufmerksamkeit der Prager offiziellen jüdischen Kreise mehr auf ein anderes Blatt lenken, dessen Redakteur ein katholischer Seelsorger in Amr und Würden ist, nämlich den von Dr. Rudolf Horsky redigierten Novy *) Berichtigung jum Prag« Brief in Nummer 21. Wir stellen richtig, daß Prof. Bail kein Jude ist, sondern ein Arier, der in konfessionellen Fragen außerordeMlich liberal ist. Wiener Jüdisches Leben. Dr. Arnold Nabel, der ehemalige Redakteur der ״Neuzeit", ist, 74 Jahre alt, gestorben. Das Leichenbegängnis fand Montag, den 3. Juni, unter starker Beteiligung aller Kreise statt. Die kantorale Funktion versah I. Kantor Matyas und Rabbiner Dr. Feuchtwang hielt eine tiefempfundene Rede, in der er die Verdienste des Verstorbenen um das Judentum gebührend würdigte. Dr. Nabel hatte sich seit Jahren von den Berufsgeschäften zurückgezogen und erfteute sich allseitiger Beliebtheit. Syuagogenverei» ״Beth - Israel". Im Sitzungssaals der Sy mgoge fand am 2. Juni die feierliche Uebergabe der Diplome an die Herren Jakob Weichselbaum und David Kolieb statt, die in der letzten Generalversammlung deS Vereines zu Ehrenmitgliedern ernannt worden sind. Nach Begrüßung der Anwesenden durch den Vereinsobmann. Überreichte derselbe den Gelehrten die künstlerisch ausgeführten Ehrendiplome. Herr Oberkantor M. Schorr sprach in formvollendeter Weise ein Mischeberach, dem allgemeiner Beifall folgte. Prüfung der Schulkinder. Sonntag, am 2. Juni, fand eine Prüfung von 250 Schülern der Volks-, Bürger- und Mittelschulen im X. Be- Herrenwäsche nach Mass und Herrenmodewaren kaufen Sie am besten im Spezialgeschäfte der Firma ״Derby״ V. DRESLER, Brünn Krapfengasse 2426־. Nur apparte Neuheiten. Feste Preise.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.