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Jüdische Volksstimme · 1912-06-06 · Heft 10 (6.6.1912) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 10 (6.6.1912)
Date
1912-06-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Attische SoKIfttaonc. Nr. 10 lehnt die ״Presse" in einer Versammlung entschieden ab, doch schon in der Pfingstnummer der Presse ist ein längerer Artikel diesem ״ausgezeichneten" Manne gewidmet. Die Bluthunde an der Arbeit. ES ist den Lesern der Jüdischen Bolksstimme gewiß noch in der Erinnerung, daß Heuer in Böhmen mehrere Ritualmordhetzen erfolglos inszeniert wurden. Relativ gut war die Hetze noch in Sobotka einem kleinen Städtchen bei Jungbunzlau gelungen, dort hatte man wenigstens den Boykott des jüdischen Kaufmannes Ganz erzielt, mehr war von dem Gelichter von der antisemitiichen Presse trotz aller Anstrengungen nicht erreicht worden. Durch den Boykott war aber der Kaufmann Ganz auf die über lhn in Umlauf gesetzten Gerüchte aufmerksam geworden und er begann s ine Ehre und seine Existenz energisch zu verteidigen; er setzte es auch durch, daß das verleumderische Dienstmadchen Franziska Hofrichter wegen Ehrenbeleidigung zu 10 Tagen Gefängnis verurteilt wurde. Die Mutter des Mädchens, die die Gerüchte weiterverbreitet haben 1oll, wurde freigesprochen. Gegen dieses Urteil legten hie Privatkläger wie auch der Staatsanwalt Berufung ein, hauptsächlich gegen die gänzliche Freisprechung der Mutter Hofrichler und gegen die Freisprechung der Tochter von der Anklage der Verbreitung falscher Gerüchte. Am 30. Mai fand vor dem Berufungssenate des Kreisgerichtes Jungbunzlau die Berufungsverhandlung statt. Für die Privatkläger intervenierte Advotat Dr. Hirsch aus Prag, die Beklagten hatten keinen Anwalt und erst während der Verhandlung übernahm der als Vertreter des ״XX. VSk“ anwesende Tr. Josef Mysliv-tz (vgl. Intervention des Herrn Schwer vom ״Deutichen Volksblatt" in Wien beim Polnaer Prozeß) die Vertretung der beiden Beklagten. Der Staatsanwalt begründete eingehend seine Berufung und verlangte die Verurteilung beider Frauen in allen ihnen zur Last gelegten Punkten. Dr.׳ Hirsch als Vertreter der Eheleute Ganz führte aus, welch grundlose und dumme Beschuldigung die Ritualmordlüge sei und dann begann Dr. Mysliwetz mit seinem Plaidoir, in dem er alle möglichen Bemängelungen über die Beweisaufnahme in der ersten Verhandlung vorbrachte und an der Hand des heiliggesprochenen Simon von Trient, einer blutrünstigen Rede des verstorbenen Bischofs Brynych und von Autoritäten wie des öffentlich als Lügner und Fälscher gebrandmarkten ״Rohling" den Nachweis erbringen wollte, daß der Ruualmoid bei den Juden eine erwiesene Tatsache sei. Stach längerer Beratung verwarf der Berufungssenat die Berufung des Staatsanwaltes wie auch der Privatkläger und bestätigte das Urteil der ersten Instanz. Die Blauer vom Schlage des ״XX. Vgktt können naiurltch diese Gelegenheit nicht vorbeigehen lassen um wieder der Ritualmordlüge neue islaubige zuzusühren. Und es ist zu befürchten, daß ihnen dies in der bäuerlichen Bevölkerung Boyme.tS, die vor der Dructerschwärze oft noch einen heiligen Reipeki hat gar zu gut gelingt. Der ״XX. Vek“ fordert alle seine Leser (glücklicherweise sind es gar nicht so viel) energisch auf, sofort seine Redaktion von ähnlichen Vorfällen wie denen in Svvorka in KenurmL zu fetzen, er sei gerne bereit jedem bei solchem Anlässe Rat und Hilfe zu gewahren. DaS Blatt, das die christliche Nächstenliebe repräsentiert, wird also wohl bald wieder m der Lage sein Ammenmärchen aufzutischen um jüdische Exlsienzen zu untergraben. Diskonto-Gesellschaft bei der Nordösterreichischen Bank für Inuustrie, Handel unu Landwiitschaft, registrierte Ueuossenscbatt mit öe&cüränkter Haltung in Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 TeUpbon 1341). Empfiehlt sich für alle einschlägigen Bankgeschäfte, hauptsächlich auch tur den Eskompt offener Buchforderungen unter den allergünstigsten Bedingungen. Prager Hac&richten. Die Prager Festversammlung zum Euch«- ristcnkougreß. Natürlich soll und wird es uns nicht im geringsten einfallen, zu einer auf die Festigung der katholischen Kirche abzielenden Feier irgendwie Stellung zu nehmen. Es find demnach andere Momente, die uns veranlassen, der vorwöchentlichen Feier im Prager Rudolfinium einige Worte zu widmen. Betont sei, wie auch die Festredner Abt Zaoral und P. Müller (Wien) konstatieren, daß die Nichtkatholiken bei Be- Schaffung von Nachtlager usw. sowohl beim letzten Kongreß in Montreal als auch bei dem im September in Wien statifindenden Eucharistenkongreß dem Komitee, sich sehr entgegenkommend bezeigt haben. Was bei der sonst imposanten Feier (wie das der hohe Adel und Epstkopat nur vermag) geradezu widerlich wirkte, war das Benehmen einiger getaufter Juden, die wohl ihr wahres Christentum vor ihren Schützlingen betätigen müssen, daß man es ihnen glaube. Etwas schlecht erging es dem Professor des Kirchenrechtes an der Prager Universität, Hofrat Singer, der in Frack und Cloque stets den von Dienern der Böhmischen Sparkassa flankierten Weg von der Stiege zum Komiteezimmer zu passieren suchte, um nur von den hohen Würdenträgern einer Anspräche gewürdigt zu werden. Alles vergebens! Augenscheinlich hielten ihn die Diener für einen aus dem Ghetto hieher verirrten strengrassigen Juden im Festkleide und verwiesen ihn hinter die den Weg versperrende Schnur. Hier hatten' sich aber andere strenggläubige Judenchristen postiert, um ihre Anwesenheit dim hohen Klerus äugenspringend zu machen. Und der Abt von Emaus hatte ein wohlwollendes Auge für seine Schäfchen! Sofort ging er auf sie zu und einer nach dem andern, der Goldschmied, der Arzt Jmhofer-Jeiteles und der Vize - Chefarzt Straschnow mit seiner schönrassig-jüdischen Frau, sie erstarben vor Wonne, dem Abt, einer wirklich imponierenden Persönlichkeit, nebst dem tiefsten Bückling, die Hand küssen zu können. Und erst dann, da ihnen dieses Heil widerfahren und der hohe Würdenträger von ihr. r Anwesenheit Kenntnis hatte, begaben sie sich auf ihre Plätze in den Festsaal. Und die Augen der wirklichen Katholiken richteten sich etwas verdächtig auf die Ankommenden, auf die Singer, Jeiteles und Kohnsorten, als ob sie ihnen ihr Christentum nicht glaubten! Und doch sind diese ehemaligen freiheitlichen Juden schwarze Klerrikale, oder wollen vielmehr als solche erscheinen. Liegt in ihrem vordringlichen Benehmen nicht etwas widerliches? Pcrsoualuachricht- Herr Dr. Albert Ticho, aus Boskowitz (Mährengebürtig und einer sehr frommen Familie enlstammend, welcher seinerzeit in Prag beim RegiermigSraie Professor Dr. Karl Bayer auch eine kurze Zeü prakrizierte und kernach in der Wiener Augenklinik als Assistent tätig war, wurde als Primarius an die deutsche Äugenklmtk in Jerusalem berufen. Herr Dr. Albert Ticho ist ern Schwager des in Wien im ll. Bezirke, Helenen- .Hof, domizilierenden MUDr. I. Reiniger, dessen ungeheuchelte wahre Frömmigkeit allbekannt ist. Dr. Reiniger hat noch nie am hl. Sabbath ein Rezept ausgestellt und neben seinem Berufe als Arzt findet er noch genug Zeit, sich mit Talmud zu befassen, was wir den jüdischen Aerzten zur uenntnisnahme mitteilen. Probevortrag. Herr Bernard Schwärst, Oberkantor in Prvßiiitz, hat am verflossenen Freitag und Samstag rm Prager neuen Tempel (Geistgosse) behufs Engagement als 2. Kantor einen Probevorlrag abgehalten und fanden seine Leistungen allseitige Anerkennunz. Auch als Bal Aore bekundete Herr Schwärst feine Meisterschaft. Es ist zu hoffen, daß diesmal der Vorstand über den Kopf irgend einer ״allmächtig dastehenden Gesangsgröße" im Interesse der strammen Disziplin, wenn das Ansehen der Herren Gaboim ins Schwanken nicht geraten soll, auch Herrn Schwärst als ״ersten Kantor" akzeptieren wird. Zn Wien grdt es in diesem Berufe keine Rangsabstusungen, was auch richtig ist; denn sonst würden unter dem Personale Ueverhebungen, Elfersüchteleien gezüchtet. Ster befall. Am 31. v. M. starb in Prag infolge eines falsch verabreichten Präparates Frau Elsa Flusser, geb. Schwarz, Gattin des Hoteliers Herrn Michael Flusser rn Prag, ״Horel goldener Engel", im 32. Lebensjahre. Das Leichenvegangnrs fand am 2. Juni statt und war die Beleillgung eine riesige. Die kantoralen Funktionen versah Herr Ooerkantor Guttmann der Plnkas-Synagoge. Der Hermgang dieser Dame, welche auf so eine tragische Weise von dannen schred und sonst auch sehr beliebt war, wurde allseits bedauert. Eine Ausschußsiyung des israelitischen Landes- Ichrcrvcrcincs fiubet im Monate Juni d. I. patt und werden Anträge und Anregungen der Herren, Mitglieder für dieselbe gerne entgegengenommen. Kuäapeüter Nachrichten. Eine jüdische Deputation beim Bischof Dr. Alexander Pärvy. Aus Löcse wird uns geschrieben: Aus feiner Konsirmationsreise kam Bischof Dr. Alexander Pärvy auch nach Löcse und wurde von der Bevölkerung der Stadt ohne Unterschied der Konfession festlich empfangen. Unter Anderem sprach auch eine Abordnung der Löcseer isr. Kulturgemeinde unter Führung des Oberrabiners Dr. Gustav Löwy beim Bischof vor. In seiner Ansprache an den Bischof sagte Oberrabbiner Dr. Löwy unter Anderem: ״Wir find von der Ueberzeugung durchdrungen, daß Ew. Exzellenz vermöge Ihres erhabenen erhabenen Sinnes nur Freude darob empfinden, daß wir, unberührt vom Geiste unserer glaubensfeinblichen Zeit, unentwegt am Glauben unserer Väter sesthalten. Wir verfolgen das nämliche Ziel wie Ew. Exzellenz, wenn auch auf anderem Wege und mit anderen Mitteln." Bischof Pärvy erwiderte: ״Mit berechtigtem Selbstbewußtsein wiesen Sie daraus hin, daß die Menschheit Ihrem Glauben viel verdanke. Heutzutage ist die Religion zum Gegenstand des Hasses geworden. Eins sind wir in den Pflichten dem Vaterlanbe gegenüber, besondere Interessen trennen uns nicht, reichen wir uns die Hände, pflegen wir die Bruderliebe, um dem Feinde, der Glaubenslosigkeit, die Stirne bieten zu können. Entbieten Sie der ganzen Kultusgemeinde meinen Gruß." Mit warmem Händedruck verabschiedete sich Bischof Pärvy von den Mitgliedern der Deputation. Oberrabbiner Dr. Löwy erhielt zu allen, dem Bischof zu Ehren, veranstalteten Festlichkeiten Einladungen. Der ungarische israelitische Landes-Kulturvereiu hielt unter dem Vorsitz des Barons Bela Dirßtey seine Generalveyammlung׳ Rabbiner Dr. Simon Hevesi skizzirte die bisherige Tätigkeit und das nächstjährige Arbeitsprogramm des Vereins. Dann erstattete Generalsekretär Dr. Ernst Weiler den Jahresbericht, in welchem er der Lehrkurse, der Vortragsabende, der Editionen, der Mensa und der Zeitschrift des Vereins des ״Mult es Jövö" Erwähnung tat. Präsident der Studentenmensa wurde Baronin Joseph Hatvany, Ehrenmitglieder wurden Alfted Brüll, Baron Joseph Hatvany, Baron Max Beck, Baron Heinrich Ohrenstein, Frau Jakob Fürst de Maroth und Frau Eduard Spitzer- Neue Direklionsmitglieder wurden: Dr. Joseph Banoczy, Baron Julius Madarassy-Beck, Armin Beregi, Sigmurd L. Breitner, Ignaz Brüll, Dr. Franz Deri, Gustav G. Ehrlich, Dr. Beta Feieki, Bernhard Goldschmied, Dr. Wilhelm Goldzieher, Adolf Guttmann, Dr. Eugen Groß, Dr. Friedrich Haiaß, Jzor Haimos, Jonas Händler, Arnold Kohn, Alexander Banek, Dr. Samuel Rado, Jakob Salamon, Paul Sandor, Baron Ludwig Schosberger, Joseph Steiner, Dr. Samuel -Stern, Franz Szekely, und Dr. Emil Bita. — Nach der Generalverjammiung hielt Professor Dr. Jacques Faitlooitsch über die sogenannten ״schwanen Juden" einen fesselnden Borrrag. Im Aufträge des Florentiner Pro-Falascha-Vereines unterzog der Vortragende den abessymschen Falascha- Stamm der Juinn, der wahrscheinlich schon in der vorrolmudtschen Zeit aus der Judenheit ausgeschieden war, einem eingehenden Studium. In deutscher Sprache schilderte Dr. Faitwvitsch die Sitten, Zeremonien und Sprache dieser aus etwa 6000 Personen bestehenden Sekte. Der interessante Vortrag wurde sehr beifällig ausgenommen. Nabbinetwahl. Die aut. orth. isr. Kultusgemeinde Brasso wählte mir Stimmeneinhelligkeit Herrn Dr. Joses Dohäny aus Nagyvärad zum Oberravbiner. Antisemitismus in der tschechisch-agrarischen Partei. — Je mehr Die agrarische Partei in Böhmen au Boden verliert, Desto unlantere Mittel wendet sie an, um sich zu halten. Was ist billiger, als Die Schuld an Der MtsSce Den — Juden in Die Schuhe zu schieben? Das Königgrätzer Wochenblatt ״Hlas Venkova“ veröffentlich in Der letzten Nummer einen Aussatz, in welchem ein A. Klär folgendes expektonerf. Sie wollen uns knechten. Das arbeitenDe Tschechenvolk hat Den nationalen Wohlstand gehoben; schabe nur, Daß Den größten Teil unserer Ernte aus allen Weltteilen zugewan- Derte Parasiten einheimsen. Diese mißbrauchen unseren Biedersinn und berauben uns um Die wertvollsten Fruchte Der Arbeit. Neben Den ftemdländischen Mönchsorden sind es hauptsächlich die Juden, Die, unter uns lebend, durch ihre eklige Gier uns soviel vom Nationalvermögen geraubt haben, daß sie uns nöch gefährlicher zu werden beginnen als Die Deutschen. Namentlich in den großen Zentren gewinnen sie unbegrenzten Einfluß, der bei ihrer Charakteranlage als traurige Korruptivn des öffentlichen Lebens in die Erscheinung treten kann. Durch hinterlistige Kalkulation, die an Betrug streift, haben die eingewanderten armen Juden in kurzer Zeit ungeheure Vermögen angesammelt und übertreffen unseren historischen, erbgesessenen Adel.-Mit dem ganzen Gewicht ihrer Intelligenz saugen sie das wirtschaftliche Blut des gehetzten Volkes im einzigen Streben, klingendes Gold zu häufen und ihren Nachkommen zu vererben. ׳ Das wirtschaftliche Leben ist verknüpft mit dem ergatterten jüdischen Kapital, daß wir Die schönste Schrift Kürzester Zeit erreicht jedermann 1 K• K. bet), aut, Zclmlvrchule rofessor Rudolf Roubitscbck * «««1״ tag, monzelsplatz 47 saatt

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