Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 10 (6.6.1912)
- Date
- 1912-06-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Jüdische Vottsstirmue Seite 5. auf letzteres überall stoßen und sind machtlos dagegen, namentlich in den großen Städten, wo unsere Parteien ihren Einfluß oft auf die unzuverlässigen jüdischen Angehörigen stutzen, die durch reiche Insertion und finanzielle Teilnahme den Preßorganen die Pflicht gegen die Nation erschweren, letztere auf die Gefahr des jüdischen Kapitals aufmerksam zu machen." Das sozialdemokratische Organ ״Prdvo Lidu“ bemerkt dazu: Das agrarische Blatt schreibt also schon ganz im Stil des ״XX. Vek“. Es soll wohl die neueste Art des Wetteifers zwischen Klerikalen und Agrariern sein in der — Verdummung des Volkes?" Wir hoffen, daß die tschechisch-agrarische Parteileitung, die sonst freisinnig ist, dem antisemitischen Skribenten Klär auf die Finger klopft. Sonst müßten wir mit schweren Entgegnungen kommen. XIII. Delegiertentag der Zioniftischen Vereinigung für Deutsch- Land. Unter zahlreicher Beteiligung von Delegierten aus Deutschland und dem Ausland trat in Posen die Zionistische Vereinigung für Deutschland zu ihrem 13. Delegiertentage zusammen. Der Vorsitzende Rechtsanwalt Dr. Hantke-Berlin hielt die Eröffnungsrede, die zugleich den Geschäftsbericht darstelle und führte aus: Aus dem Wege der zionistischen Bewegung ergeben sich für die Tätigkeit unserer Organisation zwei Hauptgesichtspunkte: die Nationalisierung des Volkes und die Schaffung einer neuen Siedelung in Palästina. Beide Seiten unserer Arbeit bedingen einander. Die Neusiedelung im Lande unserer Vergangenheit wird nie unsere Zukunft bedeuten, wenn sie nicht mehr von nationaler Begeisterung getragen sein wird. Die Wiedererweckung des jüdisch-nationalen Lebens wird nie gelingen, wenn der Nationalisierungs- Prozeß nicht der Erdgeruch Palästinas durchzieht. Für den Versuch einer methodischen Charakterisierung unserer Arbeit aber ist unsere Einteilung die gegebene. In Palästina zeigen unsere Positionen eine ruhige stetige Entwicklung, die auch der türkischitalienische Krieg bisher nicht unterbrochen hat. In Konstantinopel, dem Zentrum des türkischen Reiches und des türkischen Judentums muß auch die Entscheidung über unsere Arbeit in Palästina fallen. Ist doch Palästina als Provinz des türkischen Reiches von den allgemeinen Schicksalen dieses Reiches, von der Ausgestaltung seiner Gesetzgebung, seiner Verwaltung, seiner kulturellen Ent- Wicklung abhängig. Und sind wir doch darauf angewiesen, die türkische Judenheit für unsere Ziele zu gewinnen, da wir ja in dieses Land eine neue jüdische Einwanderung lenken. Auch hier können wir konstatieren, daß die auf dem Gebiete jüdischnationaler Erziehung, durch Entwickung einer nationalen Presse, durch Gründung von Turn- und Studentenvereinen geleistete Arbeit dank der einheitlichen Leitung unserer Organisation in das System unserer Palästinapolitik sich harmonisch einfügt. Unter diesen Aktionen für das Land darf die Arbeit für das Volk, oder besser gesagt, die Arbeit im Volk nicht leiden. Die Zahl der organisierten Zionisten in Deutschland ist in den Jahren 1910 und 1911 von 6200 auf 8400 gestiegen. Wir marschieren damit schon rein zahlenmäßig an der Spitze der jüdisch-politischen Organisationen in Deutschland. Wir wollen der Entwicklung nicht vorauseilen. Noch sind die jüdischen Notablen, die Führer der älteren Generation, in ihrer großen Majorüär unsere Gegner. Noch steht uns eine große Mehrheit geschlossen gegenüber. Noch weiß sie uns die potttische Tagespresse fast zu verschließen. Und doch! Unsere Ideenwelt hat schon heute eine feste Heimat in der deutschen Judenheit gesunden. Unsere Ansichten von Selbstbewußlsein und Volksgefühl, von der Bedeutung der Kolonisation Palästinas, ja sogar von dem Wiedererwachen der hebräischen Sprache dringen immer tiefer in nichtzionistijche Kreise. Der Redner warnt vor den Sirenenklängen, als ob im Judentum Grund für eine satte Zufriedenheit sei. Allerdings, die Zahl unseres Volkes hatte noch nie den heutigen Bestand erreicht. Die Zukunft eines Volkes beruht aber nicht auf der Zahl, sondern auf den Geist, der es beseelt, auf dem Willen zum Leben, der in ihm herrscht. Der Redner schloß mit dem Wunsche, daß der 13. Delegiertentag sich würdig seinen Vorgängern anschließen und daß seine Beratungen von dem Geiste Theodor Herzls geleitet sein möchten. Im Anschluß an den Geschäftsbericht, über׳ brachte Herr Sokolow die Grüße des engeren Aktionskomitees, der obersten Leitung der zionistischen Gesamtorganisation. Dann betrat, leb- Haft begrüßt, der ehrwürdige Oberrabbiner von Posen Dr. Feilchenfeld die Tribüne, dankte für die Einladung und wünschte, daß die Beratungen und Bestrebungen der Zionisten von Erfolg gekrönt und von religiösem Geiste geleitet werden mögen. Rabbiner Dr. Friedmann aus Troppau überbrachte die Grüße der zionistischen Organisation Westösterreichs. Tr. Jeremias-Posen spricht im Namen der orthodoxen Misrachi-Föderation, Rechtsanwalt Dr. Kollenscher-Posen im 'Namen der zionischen Vereine der Stadt und Provinz Posen. Nach der Wahl des Präsidiums erstattete Dr. Htymann-Berlin den Finanzbericht, der eine bedeutende Steigerung der Einnahmen zeigt. Der Jahresetat des deutschen Zentralbüros dalavziert mit 24-000 Mark. Dann hielt Herr Leo Motzkin-Berlin ein Referat über die zionistische Palästinapolitik. Er stellt darin fest, daß die zionistische Organisation keine philantropischen oder kulturellen Einzelarbeiten leisten wolle, sondern daß sie im Auge habe, die Judenftage durch ein großzügiges Kolonisationswerk zu lösen. Es würden naturgemäß nicht alle Juden nach Palästina einwandern, wohl aber bleibe es nach wie vor die Grundidee des Zionismus, für die großen Massen des jüdischen Volkes, die eine Heimat brauchen, diese Heimat in Palästina zu schassen. Herr Blumenfeld-Berlin sprach über ״Erziehung zum Zionismus". Der Redner stellt eine Reihe von Thesen auf, die aus mehrjähriger propagandistischer Erfahrung hervorgehen. Er kennzeichnet den Gegensatz, der zwischen dem Zionismus und allen anderen jüdischen Organisationen besteht, die sich entweder mit philantropischen Bestrebungen oder ausschließlich mit Abwehr von Angriffen gegen das Judentum beschäftigen. Diesen Organisationen fehle der positive Inhalt, der die Menschen begeistern und die Jugend am Judentum sesthalten könne. Nur das zionistische Ideal könne das Jutentum erhalten und die Jugend gewinnen. An diese Referate schloß sich eine Generaldebatte, die bis zum Abend dauerte. Dem gejchäftsführenden Ausschuffe des Zentralkomitees wurde das vollste Vertrauen ausgesprochen. Am Dienstag wurde die Sitzung mit einem Referat des Herrn Dr. Sichel, Chemnitz über die Organisation der Arbeit für den Jüdischen NationalfondS eröffnet- An dieses Referat schloß sich eine Spezialdevalte, die mit der Annahme mehrerer Resolutionen endigte. Zur Palästinaarbeit wird dann gesagt, daß die Ausmerksamkeit der Zionisten sich auf die Notwendigkeit des Agrarkredits in Palästina richten müsse. Ferner werden die Grundgedanken des zionistischen Programms bezüglich der Palästinaarbeit formuliert. Es wird ferner jeder einzelne Zionist verpflichtet, sich persönlich an der Palästinaarbelt nach Krafren zu beteiligen. Andere Beschlüsse gelten der organisawrlschen Ausgestaltung der Zionistischen Bereinigung für Deutschland. In der Nachmittagssitzung wurden Spezialfragen erörtert, insbesondere die Frage der Jugend- Propaganda, über die Herr Referendar Felix Rvseuvlülh, Berlin referierte. Auf ein an öen Kaiser gerichtetes Telegramm ging folgende Antwort ern, die mit stürmischem Betsall begrüßt wurde: ״Seine Majestät der Kaiser und König lassen den dort versammelten Vertretern der deutschen Zionisten für ihren HuldigungSgruß danken. Der Geheime Kadinettsrat von ruateutim". Das bisherige Zentralkomitee wurde wiedergewählt und durch Zufall einiger neuer Mitglieder auf 29 Personen ergänzt. Den Geschäftssuhrenden Ausschuß, oesjen L»tz m Berlin ist, biloen die Herren Rechtsanwalt Dr. Arthur HiUilke (Vorsitzender) Kurt Blumenfeld, Dr. H. G. Heymann, Rechtsanwalt Dr. Klee, Leo Motzkin. Abends um 7 Uhr wird die Tagung unter lebhaften Ovationen geschlossen. Am Dienstag Abend sand eine öffentliche Versammlung starr, die von eiwa 1000 Personen besucht war und ln der mehrere Delegierte die Ziele der zionistischen Bewegung und 0te Wege ihrer Verwirklichung darlegten. Die sestlichen Veranstaltungen, die die Posener Zionislen zu Ehren ihrer Gaste getroffen hatten, standen unter oem Eiudrcke oer zuversichtlichen uuo arbeusfrohen Stimmung, die die Zionisten aber Orten oeyerrscht. Am Sonntag Abend wurden an dem Empsangsabend herzliche Ansprachen getauscht, von denen vor allem die Rede des Herrn Sokolow, als Vertreter des Engeren Aktionskomitees und die des Herrn Rechtsanwalt Dr. Kollenscher- Posen zu erwähnen sind. Bei dem Festessen am Montag Abend kam vor allem die Befriedigung über die erreichte Einigung zum Ausdruck, lieberaus lehrreich war für die Zionisten der Ausflug in das Ansiedlungsdorf Golenhofen, bei dem Herr Geh. Regierungsrat Rastel im Aufträge der Ansiedlungskommission die Führung fteundlichst übernommen hatte, finden doch die dort geübten Methoden auch im palästinensischen Kolonisationswerk Anwendung. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERS1CHERUNGS- GESELL- SCHAFT, WIEN, I. ASPERNPLATZ 1 im eigenen Palais. — Versichertes Kapital cirka 380 Milionen. 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DaS vorliegende Werk erweist sich als ein auf der Höhe der Wissenschaft stehendes Handbuch der alttestamentlichen Geschichte und Quellenkünde, Klarheit und Würde der Darstellung, übersichtliche Gliederung des GeschichtSverlauses, sorgfältige Auswahl der Lireraturangaben, genaue Besprechung und vorsichtige Kritik der biblischen Quellenschriften zeichnen diese letzte Darstellung und Zusammenfassung der aus diesem Gebiete geleisteten Arbeit aus. Besonderen Wert legt der Verfasser aus die Darstellung der Kultur nnd der religiösen Borstellungswelt, wobei die Ergebnisse der Ausgrabungen in Palästtna bis in die neueste Zeit (die ältere und jüngere Steinzeit, die megalitijchen Denkmäler ebenso wie die Amarnakunde und die anderen Ausgrabungen, wie die Hügel der Schesela, Lalis, Aseqna, Gat, Maresa, Gezer, Tannak, Meggido, Jericho und SamarvenS berücksichtigend. Das Werk dielet nicht nur eine Geschichte des Volks Israel von der ältesten Besiedlung Kanaans bis zum babylonischen Exil, sondern stellt sich zugleich als eine Einleitung ins alte Testament, eine Archäologie und als eine Biblische Theologie desselben dar. Es ist sonst ein Lehr-, Lern- und Nachschlagduch sür Lehrer und Lernende aus dem Gebiete altlestamentlicher Wissenschaft, wobei ein aussührüches Personen- und Sachregister sowie Verzeichnisse der besprochenen Bibelstellen die Benutzbarkeit des Werkes in willkommener Weise erhöhen. Ist die gründliche Literaturkenninls des Verfassers auch nicht zu verkennen und mag auch der Standpunkt desselben sich als einwandjrei mit Bezug aus seine bervorragende und verantwortungsreiche Stellung erweisen, erscheine es doch willkommen, wenn der Ver!asser auch jene Summen mehr zur Geltung hätte gelangen lassen, welche sich ntchr aus die unbedingt historisch ausgesaßle Darstellung der btvlischen Berichte beschränken, vielmehr wie z. B. Wijltcenus es getan hat, versuchen eine rationellere Erklärung sür die in der Bibel mttgeleilten Vorgänge zu geben. JedensallS, mag man welchen perjvn- Uchen Standpunkt immer entnehmen, eine ttrtltk gegentetltger Anschauungen aus der Feder eines so bedeulenoen, ernsten uuü fleißigen Forschers, wie es der Verfasser unbedingt ist, wurde auf üas Höchste interessiere« und einen großen Genuß bereuen- Immerhin wird die geborene Fülle der geistvollen Darlegungen dem Werke dauernden Werl und Verbreitung sichern. Aus den früher erschienene» zweiten Band haben wir unsere Leser schon ausmerkjam gemacht. l'Vrgi. ״Jüdische Volk-strmme" l'.tüu, Ar. Johannes V Zensen. ״Ter Gletscher." Ein neuer Mythos vom ersten Mensche». iS. Fischer, Verlag, Berit».- Geheslet Mark 3öi), gebunden Mark l'öO. Eine neue Genesis, einen neuen Mylhos vom ersten Menschen hat Zeusen im ״Gletscher" gedichtet. Ec tat dieses in derselben unromanlijchen, aber verwegenen und modernen Phantasie, wie er das Lteo von Ehieago Zm Rad) gesungen hat, nut allen Hilfsmitteln der Wissenschaft, mtr den Theorie» des Elloluitontsmus und mtr derselbe» tatkräftigen, lebenszuversichtlichen Tendenz. Diese Tendenz ist mit einem Work die viel umstritlene und von Jenje» zum Ker» aller seiner Anschauungen erhobene Lehre: vom Norden ist der Mensch ausgegangen, vom Norden gehl er immer wieder aus. Die Eiszeit isolierte das noroeuropäljche Halbltec, die Kalke zwang es zur Menschwerdung Schult sür Schritt. Und jo entrollt Zeusen in ungeheuren, pcachivollen, von Tapserkett und Levenswille» durchpuisten Bildern, in kühnen Zusammenfassungen und Ablurzungen, mu einem ins 111 unsere Zeit ytnrinblitzenden Humor von Analogien und Anspielungen, das Gemälde von der Ur-Rovinsonade der Menschheit. Wir seyen das erste Feuer, das erste Kleid, das erste Hausner, oas erste Lachein, die erste Liede. Und spater de» ersten Wagen, den ersten Pneslerberrug, die erste Musik. Wir sehen den erste!» schenkende» Herrscher und die ersten lrugvollen Unterjochten. Uno während nt den Schilderungen, vor dem ungeheuren Hintergründe der nordischen Eisiandschafl, in den Aulnupsungen mir den Ursprüngen der Jahreszeiten, der Veränderung des tienscheu Levens, den Gesetzen des Klimas, nichts zu geschehen *) Sämtliche hier angesührten Bücher sind zu haben im ״Jüdischen Buch- und Kunstverlag", Brünn.