Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1912-06-06 · Heft 10 (6.6.1912) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 10 (6.6.1912)
Date
1912-06-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2621806-2621807-2621817--1522-2622569
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 10. Sette 3. Mwische Belttstümae orthodoxen Gemeinde. Mit welch kleinen Mittel und karg zugeschnittenen Einnahmen diese ihre Institutionen. Vereine und Wohltätigkeitshäuser erhalten und resultteren wir dagegen mit welcher Engherzigkeit in unserer Gemeinde vorgegangen wird. Jnsolange unsere leitende Herren, in dem Dunkel in der maßlosen Selbstüberschätzung, daß nur ihr Tun das Richttge ist — leben, ferner insolange es Mitgliedern der Gemeinde verboten wird, ihre religiösen Bedürfnisse zu befriedigen — wie es erst jüngst durch das Verbot am Sabbäte das Schachris mit dem Mussafgebete zusammen zu verrichten — geschehen ist und endlich, insolange unsere leitenden Kreise, die in passiver Religiosität lebenden Mitglieder unserer Gemeinde einschätzen, als die allerdings minder an Badener Brief. II Awaudo. Meinen vorigen ״Badener Brief" über ״Talmud Thora" habe ich, mit der Schilderung, wie es derzeit in unserer Kultusgemeinde mit der ״Schechita" aussieht, abgeschlossen. Inzwischen hat sich ein Ereignis vollzogen, daß aus die Gestaltung der Verhältnisse, in dieser Frage von bestimmenden Einflüsse werden kann. Wie ich nämlich höre, hat eine hiesige Fleischhauer- Firma ein Konkurrenzgeschäft augekauft, wodurch dem schon längst unbestrittenen Bedürfnisse, daß das ״Koscherfleisch" in einem separierten Lokale, zumindest in eurem abgeschlossenen Teile des SSfi8״"״^י9 י״1"” *״ fhh, mm Dmkndm - «i-d Es beikt ietit. scbnell rur ultima ratio reaum bei uns immer unzufriedene Rmsoneure geben.?inÄ0iefleiS? ^bieten in das Gewand geschwollener Phrasen hüllen, die sen Fortschritt? - Allerdmas sollten es dl günstige Gelegenheit unbenützt, entgihen zu lasten.! Sttengglaublgen unter uns emsehen, daß das e.w ״Awaudo de? Gottesdienst". Mi? dem ganzen!^? 10. Musasgebtt keme Embuße erleidet und Pflichtgefühle eines ehrlichen Gemeindemitgliedes! ^ser gottesdienstlichen Verrichtung keme schroste gehe ich daran, zu schildern, wie der Gottesdienst '^gatlon entgegenstellem in früheren Jahren ausgesehen, wie er sich in der!, , Was wir m der Kantorenfrage durchgelebt Gegenwart präsentiert - und wie derselbe in die h?ben, war e,ne traurige Episode m unserem Zukunft ausgestattet werden sollte, dabei werde ich!'®™beleben. Set der Losung dieses Problems vielleicht, aber ganz absichtslos, Tatsachen streifesi. wechselten hettere und traurige Szenen ab; die kaum vernarbte Wänden unsanft berührenmüssen 'Akzeptat°n ״RotFerY" emeEntgleisung ladieser das mir unendlich leid tut - aber ich kann nicht ^st talent-erte und begabte Kantor, war aus bei der Suche des ״Emes" die ..Lüge" verhüllen.!^ Stamme Aharon" - war mehr als Kantor denn ich kenne nichts anderes auf dieser Welt, alsj^ ״Hohepriester" bekannt, er durste doch nutzt das befehlende Wort meines Gewissens. -$et|aB ^hen" d.e ״Fr1edhofzerem°nlen"ver^hen ״Emes" die Wahrheit soll siegen, dafür will ich_ mit der ganzen Anspannung meiner geringen Kräfte mich einsetzen. Wie der Gottesdienst in früheren Jahren, nennen wir diese Zeit die ״Aera Seifert" ausgeschea hat. — Gleich unsern, in der Wüste wandernden Vorväter, die sich nach den Fleischtopfen-Aegyptens? zurücksehnten, gedenken wir mit Schmerz und religiösen Wehmut, an diese Zeit, wo der Gottesdienst in unseren überfüllten Tempel, so schön, so erhebend, zur Andacht animierend, Gott verherrlichend — war — zurück. Eine Verkettung von unglückseligen Umständen, hat dieser herzerhebenden Institution ein jehes, unverdientes Ende bereitet. Hier muß ich, wie animierend es auch für die Kritik wäre, diesen krankhaften Teil anzuschneiden — das Mißgeschick, das unsere Gemeinde betroffen — wie die verletzte Eitelkeit von Personen, den Entwicklungsgang unserer Gemeinde hemmend im Wege stehen konnte — zu schildern — es will mir nicht durch die Feder gehen — denn ich müßte Personen treffen. Einer solchen Kritik will ich grundsätzlich auS dem Wege gehen. — Nun, es hieße Eulen nach Athen tragen, wollte man heute untersuchen, wie ein großer Teil unserer Gemeindemitglieder, über die sich schon seit Jahren, wie ein roter Faden, verhängnisvoll durchziehende Kantorenfrage und ihre Begleiterschemungen. denkt. Das der leider chronisch gewordene Zustand noch lange nicht gcheilt ist, beweisen die lehrstehenden ganzen Bankreihen, in unseren, mehr als 30 Jahre bestehenden, sonst schmuck und zierlich dekorierten Tempel. Muß sich nicht der Fremdenbesuch, der selbst an Sabbate, so viele unbenützte Bctplätze in unserem Gotteshause findet — fragen: war dieses Gottes- Haus schon im ״Werden" zu weiträumig angelegt, oder haben, was in Europa doch möglich ist — politische, soziale oder revolutionäre Umtriebe, diesen traurigen Rückgang der Besucherzahl verursacht? — Gott sei dank, nichts von all dem verursacht den empfindlichen Abgang unserer Tnnpelbesucher. Interner Natur ist das Grundübel. — Die Ursache ist in uns selbst gelegen. Hier wie dort, wmde viel gesündigt. — Hier der Justamentfiandpunkt, dort die Abstinenz. — In jeder Gemeinde gibt es Elemente, die gegenüber der traditionellen Individualität derselben gleichgültig, oder geradezu feindlich gesinnt sind. — Solche Elemente können unmöglich entscheidenden Einfluß auf die religiöse Gestaltung einer Kultusgemeinde haben, dagegen trifft diese These nicht zu, w-nn in liuer orthodoxen Gemeinde die strenge Einhaltung unserer alten traditionellen Richtung verlangt wird. Auch ist nie zu befürchten, das der segensreiche Fortschritt in der Verwaltung der Gemeinde durch die Einhaltung orthodoxer Richtung gehemmt werden könnte. — Ja das Gegenteilige ist der Fall. — Beobachten wir nur mit unbefangenem Blicke, den Bestand der alten am Altäre der Humanität, wurde dem Stämmling ״Aharon" ein ״Sühnopfer" gebracht und der Kantor ״Rot Fery" war in Baden gewesen. — Nun folgt die weitere praktische Anwendung der ״Konkurrenzausschreibung". — Reflektanten von wenig Nus, aber verschiedene Namen — nach Blätter und Blüten — bis zum ״Rosenzweig". Endlich macht der Paschawirtschast ein Sultan (schreibe und lese Zolltan) den Kehraus. So werden Probleme durch taktvolle, praktische Anwendung von Grundsätze gelüst! So wird stufenweise fortgeschritten — in— anderen Gemeinden? nicht aber bei uns. Mit vorstehenden wäre ich mit der Schilderung, wie bei uns der Gottesdienst früher war und wie derselbe in der Gegenwart sich gestaltete — fertig. Ich hätte noch zu illustrieren, wie der Gottesdienst aussehen sollte. Bevor ich dieses Thema anschneide, muß ich mir erlauben, einen Punkt zu berühren, der nicht nur unsere Vorstandsmitglieder allein, sondern alle Gemeindeangehörige intensiv interessiert. Dabei möchte ich nicht, wie ein angestellter ״Korrektor" in der Gemeinde der in seiner ״Selbst- Überhebung" alles besser versteht — paradieren Ich möchte nur den ״Pulsschlag" fühlen, ich möchte nur die Ueberzeugung gewinnen, ob die leitenden Kreise in unserer Gemeinde das Empfinden für das Bessere haben. Angedeuteter Berührunas Punkt heißt ״Tempelbaufond". — Ohne aus oic Geburt und Entwicklung dieses ״Schloßkindes" unserer Gemeinde Hinzuluppen, stelle ich die Frage, was soll in Anbettacht der bestehenden Verhältniffe mit diesem ״Fond" geschehen? Ich gebe zu, das es recht bequem ist, einen so bedeutenden Fond, der teils in Renten, deren vom Staate garantierte Zinsen heute bei dem Tiefstände der Kurse 4 einhalb Prozent bettagen, teils in andere populär sichere Papiere — festgelegt ist — zu verwalten und ab und zu, je nach Bedarf — leihweise — Betrage zu entnehmen und sie wieder als Zinsenersatz — nach Tunlichkeit zu ersetzen — als wäre unsere Gemeinde eine ״FruktifizierungSmaschine". — Ist der Tempelbau ein Bedürfnis in unserer Gemeinde oder wird ein Bedürfnis in absehbarer Zeit eintteten? Könnte nicht statt einer Synagoge, ein anderes ״WohltätigkeitShaus" entstehen? und könnte man nicht einen Teil dieses Tempelbaufonds ausschalten — ohne das Entstehen eines Wohltätigkeitsinstitutes zu alterieren, und von den Zinsen einen gott» gefälligen Gottesdienst ausgestalten? ״Wohltun trägt ja Zinsen" — ״Zinsen", die von einen ״bestakredittertem Staate" — von dem ״Beherrscher der ganzen Welt" — von unsern Gott! garantiert werden. An die Führer in unserer Gemeinde appeliere ich heute, an alle, die für Religion und Wohltätigkeit einzustehen, sich berufen fühlen. Ich hoffe, daß die geehrten Leser meines heutigen Briefes, Folgerungen, die zum Heile unserer Gemeinde dienen mögen, ziehen werden. Ein Mitglied der isr. Kultusgemeinde in Baden. ■ =-■= vorm. Hotel Romania Neu eröffnet! Wien II., Kleine Sperlgasse Nr. 5. 5 Minuten vom Stadtzentrum, in unmittelbarer Nähe des Nord- und Nordwestbahnhofes. PRACHTNEUBAU! lOOTZIMMER. Elegantes Familienhotel. Zentralheizung. Kaltu. Warmwasser in jedem Zimmer. Bäder im Hause — Elegante Halle, Musik-, Schreib- und Lesezimmer — Exquisite und rituelle Küche. Zimmer von K 3*60 aufwärts. -WW Besitzer Karl 6eiringer. Wiener Jüdisches Leben. Gedenkfeier. Am 30. Mai fand im Kaiser- Jubiläums-Knabenwaisenhaus, 19. Bezirk, Probusgaffe 2. eine Trauerkundgebung für den verstordenen Präsidenten des Vereines David Ritter v. Guttmann statt, zu welcher sich außer der Familie des Verewigten sehr zahlreiche Vertreter der israelitischen Kultusgemeinde. darunter der Präsident Dr. Alfred Stern und Vizepräsident, Landesschul׳ rat Dr. Gustav Kohn, Delegierte der verschiedenen Wohltättgkeitsvereine und Anstalten, der gesamte Vorstand des Waisenvereines sowie viele sonstigen Notabilitäten einfanden. Die Feier zelebriert vom Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann und Herrn Oberkantor Don Fuchs, gestaltete sich würdig und sehr eindrucksvoll. Mit dem ergreifenden, von den Zöglingen der zwei Waisenhäuser des Waisen- Vereines vorgetrageuen Gesänge: ״Seele, was betrübst du dich?" schloß die Gedenkfeier. Oberkantor Heilpern aus Lemberg wird Freitag, den 7. und Samstag den 8. Juni im Prater Bethausverein ״Tefilath Jeschuron" den Gottesdienst verrichten. Aus diesem Anlasse werden viele Andächtige herbeisttömen, um die seltene Gelegenheit, Oberkantor Heilpcrn zu hören, nicht un enützt zu lassen. Der König der Pianisten. Kammervirtuose Alfred Gr ü n f e ld, begeht am 4. Juli d. I. seinen 60. Geburtstag. Aus den Freundeskreisen des populären Künstlers hat sich ein Komitee gebildet, um Grünseld an seinem Geburtstage durch ein Zeichen der Freundschaft und Verehrung auszuzeichnen. Eine namhafter Reihe von Persönlichkeiten, darunter auch leitende Funktionäre humanitärer Vereine, in deren Interesse der uneigennützige Künstler gewirkt, hat sich bereit erklärt, an der Aktion teilzunehmen. Grünseld lebt seit vierzig Jahren in Wien; er ist ein geborener Prager. Generalversammlung. Am 8. Juni, um 7 Uhr abends, findet im Restaurant Herlinger, II., ZirkuSgasse 3, die 7. ordentliche General- Versammlung des ״Humanitären Vereines zur Unterstützung armer jüdischer Kurbedürftiger", Wien. II.. Gr. Stadtgutg. 7, statt. Unfall des Dr. Frankfurter. Regierungsrat Dr. S. Frankfurter erlitt, als er den Münchner Zug besteigen wollte, einen Sturz und verletzte sich den Arm. Trotzdem reiste er nach München, mußte aber, als die Schmerzen immer hesriger wurden, nach Wien zurückkchren. Bom ״Frauenhort". Der Verein ״Frauen- Hort" wird heute Donnerstag, den 6. Juni in semem Kaiser Franz Josef Arbeiterinnen-Erholungsheim in Seebenstein-Sautern an der Aspangbahn ein vom Maler Krestin gemaltes Porträt seiner unvergeßlichen ersten Präsidentin Rosa Ziffer enthüllen. Der Vorstand bittet seine Gönner, von persönlichen Einladungen abzusehen, wird sich aber sehr freuen, alle, die sich für das Heim intereffieren, bei dieser Feier zu begrüßen. Fußtritte, der ״Neuen freien Presse" verabreicht, scheinen derselben wohl zu bekommen. Bon deutsch-arischer Seite angepöbelt, verdächtigt, angespieen, wird dieses ״liberale" Blatt immer mehr ,vom deutschen Chauvinismus geplagt. Dr. Sylvester Herrenwllscke nach Mass und Herrenmodewaren kaufen Sie am besten im Spezialgeschäfte der Firma ״Derby“ V. DRESLER, Brünn Krapfengasse 24-26. Nur apparte Neuheiten. Feste Preise.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.