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Jüdische Volksstimme · 1912-05-30 · Heft 9 (30.5.1912) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 9 (30.5.1912)
Date
1912-05-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Jüdische Volksstimme Seit- 5. Zizforoer Gemeinde, Herr S. Abeles, vorerst dem Kinde einen Nachruf halten. Als Herr Rabbiner Abeles erfuhr, daß es sich um eine Leichenverbrennung handle, so lehnte er allsogleich diesen Antrag ab.״ Man wandte sich dann an Herrn Dr. Hoch, Rabbiner in Laslau und auch dieser war aus gleichem Grunde nicht zu haben. Schließlich fai d sich ein rettender Engel in der Person des großen ReformatorS Dr. S. Kraus, Rabbiner in Beneschau. Wenn Dr. Kraus so gerne den Sabbath auf den Sonntag verlegen und das Borlesen der Thora aus dem Hebräischen ganz einstellen möchte, so sollte er, wenn er auf den Titel eines Rabbiners noch ferner Anspruch erheben will, doch seine Kollegen!einer Blamage auLsetzen und wegen paar Goldstücke mit den liturgischen Einrichtungen nicht tabula rasa machen. Sollten ihm etwa die Kommentare unserer hl. Lehre fremd sein, dann möge er größere Geister befragen, wie er sich zu verhalten habe. Als Aequivalent sollten für besten ״letztes Handeln" ihm seine Prager Kollegen die eventuelle Delegation für in Prag vorzunehmende Trauungen entziehen, das wäre das vernünftigste. mit Menthol K altbewährtes Mittel H gegen Kopfschmerzen. Aorresponäeazen. Nng. Brod. Ein unabsehbarer Zug bewegt sich zum Bahn Hofe, um dem scheidenden Rabbiner Dr. Jung zu begleiten. Abordnungen der Kultusgemeinde, der politischen Gemeinde, aller Vereine usw. marschieren im schwarzen Anzuge vorüber, Frauen und Kinder in dicht geschlossenen Scharen. Die Männer schauen dumpf zur Erde, die Frauen und Kinder haben verweinte Augen. Und als Dr. Jung erschien, da wurde er begrüßt nicht durch ein donnerndes Hurrah aus tausend Kehlen, sondern durch einen Seufzer aus vielen Herzen. Man fühlte, hier handelt es sich nicht um eine Förmlichkeit, hier verliert jeder einzelne einen treuen unerschütterlichen Freund, hier verlieren all die weinenden Menschen den, zu dem sie ob seiner ehernen Charakterfestigkeit und milden Güte wie zu, einem Vater emporschauten. Starke Männer, denen die traurigsten Vorfälle nur spärliche Tränen entreißen konnten, schluchzten und weinten. Einer nach dem andern, so lange sie nur konnten, drückten dem scheidenden Rabbiner die Hand und sprachen tröstende Worte des Abschieds. Dann nahmen alle zu beiden Seiten Aufstellung. Als der Zug daherbrauste, ging eine Erschütterung >urch die Reihen, der Ttanenstrom ergoß sich unaufhaltsam. Dr. Jung stieg ein, mächtig ergriffen von der herzlichen Huldigung und dankte wiederholt. Ein Pfiff! Der Koloß setzt sich in Bewegung — ein Wmken und Rusen, so lange es nur geht-Viele Bürger begleiteten Dr. Jung eine große Strecke. Ein Anblick, der unvergeßlich bleiben wird. Trcbitsch. Am 22. Mai, als am 1, Sehewuolhtage, spendete Frau Negine Reich anläßlich der Konfirmation ihres Enkels Fritz Reich zur Verschönerung des Gottesdienstes eine wertvolle, reich ziselierte, ziervergoldete Thorakrone. Diese kostbare Spende gewinnt bedeutend an Wert noch dadurch, als die greise Spenderin in äußerst kümmerlichen Verhältnissen lebt. Frau Regine Reich gehört eben noch der alten Garde an und hat ein religiöses, für das Judentum warm fühlendes Herz. In ergreifenten Worten würdigte Rabbiner Dr. Stößler in seiner Ansprache diese edle Tat, schilderte die Kümmernisse und Ent behrungen, die Frau Reich sich auferlegte, um ihren vor Jahren nach überstandener schwerer Krankheit gefaßten Herzenswunsch der Verwirklichung zufuhren zu können. Tränen der Rührung erglänzten in den Augen zahlreicher Tempelbesucher. Namens des Kultusausschusses wie der Tempelverwaltung drückte Dr. Stößler der Spendenn den Dank aus. Möge es der edlen Spenderin von der gütigen Vorsehung beschieden sein im Kreise ihrer Angehörigen sich eine ungezählte Reihe von Jahren an dem Anblicke der Thorakrone zn ergötzen und ihre echt jüdische Gesinnung zu betätigen. An demselben Tage spendete auch das geschützte Ehepaar Herr und Frau Sigmund Grünberger jun. eine prachtvolle goldgestickte Schulchandrck. und sagte Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Stößler bei offener Bundeslade den Spendern Dank. Möge das Interesse für derartige gottgefällige Werke um sich greifen und Nachahmung finden. Gibt es unter den Talenten auch Nachahmungstalente, insbesondere wenn es sich um Schönes und Edles Handel!. K- Olmütz. In Gegenwart der gesamten Kultusgemeindevertretung. des Rabbiners und der Beamten wurde am 22. Mai l. I. das Bild des Kultuspräsidenten Dr. I. Eben, welches der heimische Künstler Heller meisterhaft gemalt hat, im Sitzungssaale feierlichst enthüllt. Vizepräsident kais. Rat Fischet verlas eine wirkungsvolle Ansprache, welche die Verdienste Dr. Ebens um die Gemeinde während einer vierzigjährigen Wirksamkeit teils als Vorstandsmitglied, teils als Präsident in anerkennender Weise würdigte und in dem innigen Wunsche einer baldigen, vollkommene!- Genesung desselben ausklang. Olmütz. Bei der Seelenfeier am Schwuausfeste hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Oppenheim dem verstorbenen Großindustriellen David Ritter v. Guttmann einen herzlichen Nachruf. Tesche». ״Jüdisch-akad. Ferialklub ,Teschen". Die Chargenwahlen für das laufende Sommersemester 1912 hatten folgendes Ergebnis: cand-vet. med. Siegfried — Präses, JUC. Heinrich Görlitz — Vizepräses, cand. phil. Waller Robitschek — Schristführer. Arad. Der 49 jährige Oberkontroller der Arad- Esnader Bahn August Major ist heute an Herzschlag in seinem Amte gestorben. Budapest. Der zum Katolizismus übergetretene Student Alba Adolf Brill beschimpfte in einen öffentlichen Lokale ohne jeden Anlaß die anwesenden Juden- Es entstand eine Prügelei, in der er blutig geschlagen wurde. Berlin. Dr. Felix Teilhaber, der bekannte Verfasser des Buches ״Ter Untergang der deutschen Juden" hatte als Assistenzarzt an der Frauenklinik in Jena seinen Kollegen Dr. August v. der Heide wegen unkollegialen Verhaltens geohrfeigt. Der also Behandelte wollte Teilhaber fordern, doch das militärische Ehrengericht lehnte die For derung ab und erklärte v. der Heide seiner Charge als Sanitätsoffizier verlustig, weil er keine standesgemäße Satisfaktion erhalten habe. Nunmehr strengte v. d. Heide gegen Teilhaber eine Privatklage wegen tätlicher Beleidigung an. Der Termin fand dieser Tage statt, und Teilhaber wurde zu zwei Wochen Haft verurteil!, während der widerbeklagte v. d. Heide wohl für schuldig, aber für straffrei befunden wurde. Gegen das Urteil hat Teilhaber Berufung eingelegt. Berlin. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums versendet soeben ihren 30. Bericht. Die Zahl der ordentlichen Hörer betrug im Sommersemester 1911 42, >.m Wintersemester 48. Das Hauptrermögen der Anstalt ist auf 794 936 Mk. angewachsen. Daneben ist die Lehranstalt Eigentümerin der Moses Mendclssohnstiftung und des Gustav Oppert'schen Nachlasse?. Berlin. Die jüdische Lesehalle und Bibliothek (Oranienburgstr. 56) hatte in den ersten drei Monaten dieses Jahres eine Besucherzahl von 9639 Personen. Jerusalem. Den Bemühungen des hiesigen palästtneusischen Hilfsverein ״Lemaan Zion" ist es gelungen, in Herrn Dr. A. Ticho, z. Zt. Assistent an der Klinik des Herrn Professor Dr. Berge- Meister in Wien, einen Augenarzt zu gewinnen, der die Leitung der Jerusalemer Augenklinik des Vereines in nächster Zeit übernehmen wird. Bei der so bedauerlichen Verbreituug von Augenkrankheilen im heiligen Lande, die nur zu oft zur Erblindung arbeitsfähiger Leute führt, kann die Entsendung eines Spezialisten, den der beste Ruf vorausgeht, nicht freudig genug begrüßt werden. Warschau. Ein jüdischer Blumentag. Eine Anzahl jüdischer Wohltätigkeitsanstalten in Warschau hat am verflossenen Sonntag zugunsten ihrer Vereinszwecke einen Blumentag veranstaltet. Dieser erste jüdische Blumeutag hatte einen durchschlagenden Erfolg, denn er weist bisher einen Reingewinn von 20.000 Rubel auf. Dieser Erfolg ist um so beachtenswerter, als die zwei antisemitischen polnischen Blätter ״Goniez" und ״Glos Wrschawski" alles aufgeboten haben, um ihre Leser von dem Kaufe der jüdischen Blumen abzubringen. Es muß jedoch konstatiert werden, daß die Christen, besonders die Arbeiter und die demokratischen Bürger, sich zu einem solchen Boykott der Wohltätigkeit nicht verleiten ließen und ostentativ die Blumen kauften und ins Knopfloch steckten. Allerdings muß auch hervorgehoden werden, daß die Warschauer Juden sich gleich ihren Glaubensgenossen in anderen Städten und Ländern niemals abseits hielten, wenn es galt, für humane Zwecke Opfer zu bringen. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNG^ GESELL- SCHAFT, WIEN, I. ASPERNPLATZ 1 im eigenen Palais. — Versichertes Kapital drka 380 Milionen. Reserven cirka 113 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Baneralagantur: KarlBloudak, Brünn, Krapfengasse 18/20 Unser neuester Tarif mit 5»,» jähr lch fallender garantierter Prämie. Oeneralagentur für Wien, I., Aspernplatz I, Leiter David Nebenzahl. Sub Direktion für Prag, Ferdinandsgasse 20, neu, Leiter Robert Gerstel. Sub Direktion für Lemberg, Szajnocha 3, Leiter Löbl Taubes. KrmHclmu. Generalversammlung der ״Israelitischen Allianz" Wien. Da die Versammlung vom 15. d. infolge der Trauer in eine Erledigung der Tagesordnung nicht eingetreten ist, so findet Montag, den 3. Juni, 5 Uhr nachmittags im Saale der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse Nr. 4, 2. Stock, eine neuerliche Generalversammlnng mit derselben Tagesordnung statt. Die in Wien wohnenden Mitglieder erhalten zu dieser Lersammlung besondere Einladungen, welche beim Eintritt vorzuweisen sind. Für auswärtige Mitglieder gilt die Mitgliedskarte als Legitimation. Der Jahresbericht wurde an sämtliche Mitglieder bereits versandt. Die außerhalb Wiens wohnenden Mitglieder, welche ihn Noch nicht erhalten haben sollten, können ihn bei den Leitungen der Filialen und Vertrauensmännern des Vereins an ihrem Wohnorte reklamieren. Ein antisemitischer kaufmännischer Verein. Aus Graz erhielt die ״Wiener Sonntagszeitung" von einem stellensuchenden jungen Kaufmann eine Zuschrift, die ein merkwürdiges Streiflicht auf die Tendenzen des Kaufmännischen Vereines ״Merkur" in Graz im Hause der Kaufmannschaft wirft. Wir lassen dem Briefschreibe! das Wort: ״Ich bin Kaufmann, rechtschaffen, gebildet. 45 Jahre alt und verlor durch;eschäftliche Aktionen mein weniges Geld and üchte hier um Stelle an. Der ״Merkur" fand mein Gesuch, Bildung, Auftreten usw. korrekt und stellte mir ob dieser guten Eigenschaften baldige Erfüllung meines Wunsches in Aussicht; plötzlich, nach Prüfung meiner Papiere, gewahrt der Sekretär des ״Merkur" in der Kolonne Rtligion mosaisch", sofort wurde ich ein für allemal abgewiesen und es wurde mir bedeutet daß ״Juden" im ״Merkur" als Postensuchender nicht figurieren dürfen!" Ein Kommentar zu diesem Vorgänge ist wohl überflüssig. Friedensschluß in der Alliance Jsraelite Universelle. Die Unterzeichneten sind heute zu einer Versammlung zusammengetreten und haben einstimmig beschlossen, die zwischen den bevorstehender Bereinigungen der deutschen Mitglieder der A. I. U. und dem C. C. in Paris vorhandenen Mißverständnisse zu beseitigen. Zu diesem Zwecke ist eine Kommission gewählt worden, welche den Weg hiezu feststellen soll. Berlin, den 15. Mai 1912. Direktor Dr. Adler, Frankfurt a. M-, Justizrat Blau. Frankfurt a. M.. Justizrat Dzialoszynski, Berlin, Senator Fischer, Linden-Hannover, Kommerzienrat Gallinger, Nürnberg, Stadtral Gimkiew cz, Berlin, H. Gumperz. Hamburg, Justizrat Dr. Held. Nürnberg. Prof. Kalischer. Berlin, Rabbiner Dr. Kvpstein. Beuthen, Geheimrat Landau, Berlin, Rechtsanwalt Lippmann, Hamburg, Phil. Schiff, Frankfurt a. M-, Prof. Dr. Silbergleit, Berlin, Rabbiner Dr. Werner. München, Justizrak Wolff, M. d. A. Lissa. Krankkeilen der Nerven, des Magens, Darmes etc. werden mit Erfolg im Dr. Kutbans Saitatorium in TISCHNOWITZ kuriert. — Prospekte. Verbreitet die ,Jüd. Volksstimme‘

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