Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 9 (30.5.1912)
- Date
- 1912-05-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Attische Bottrstimmc. Nr. 9 kommen. Er habe erwartet, daß daS Präsidium in unzweideutiger Weise die einzelnen Programmpunkte mitteilen werde, damit man wisse, was die A. I. wolle und wie die einzelnen den je- «eiligen Landesverhältnissen entsprechenden Punkte erledigt werden müßten. Eine zwanglose Diskussion könne erst nach dieser Mitteilung abge- Hallen werden. (Beifall). Dr. Munk- Lemberg, ersucht die Teilnehmer aus Galizien in den Beratungssaal zu kommen. (Die meisten galizischen Gäste begeben sich dahin). Dr. Seeliger-Lemberg meint, man möge die anderen Organisationen nicht beimpfen, sondern seine Tätigkeit nach innen richten, die A. I. möge keine Kampforganisation fein sondern eine Organisation zur Erhaltung und Förderung der geistigen und körperlichen Interessen der Gesetzeetreuen. Er sei überzeugt, daß alle noch so divergierenden Ansichten sich in einem höheren Ziele treffen würden. (Rabbiner Schnur ruft: Wer hat Ihnen erlaubt, im Namen der Galizianer zu sprechen? Dr. Seeliger: Ich übernehme für alles die Verantwortung. Ich spreche im eigenen Namen.) Man möge die organisatorische Leitung den deutschen Juden überlassen, die in schweren Kämpfen erprobt seien. Dr. Hirsch: Das Präsidium zieht sich für kurze Zelt zur Beratung zurück. Ich bitte um ein wenig Geduld. Ich lasse eine Pause von 10 Minuten eintreten. Dr. Hirsch: Das Präsidium hat beschlossen, bim Wunsche der Versammlung insoferne Rechnung zu tragen, als es eine Debatte über die A. I. vom allgemeinen Standpunkte eröffnet, die einzelnen Fragen jedoch nicht berühren wird, damit geg°n die noch ausstehenden Teilnehmer nicht unkorrekt vorgegangen würde. Herr Rabbiner Dr. Kohn, Baiel. hat das Wort! Rabb. Dr. Kohn: Im Austrage des provisorischen Komitees will ich Ihnen in Kürze die leitenden Gedanken der A. I. skizzieren. Sie soll in erster Linie den leider bestehenden Gegensatz zwischen Ost- und Westjuden überbrücken helfen, soll den östlichen Brüdern westliche Kultur ver- Mitteln und uns Westlern einen Zufluß von echtem Judentume verschaffen. Der Redner bemerkt, hierin sei wohl die ganze Versammlung eines Sinnes, daß die Er- Haltung des überlieferten Judentums nur durch Zusammenfassung aller möglich sei. Er bitte den heutigen Tag bloß der geselligen Aussprache zu widmen. Wenn so viele Hunderte von West- und Ostjuden sich freundschaftlich nähern, so sei dies allein schon ein großer Erfolg der A. I. Jedes Beginnen des ״lschem schomajim", das von idealen Motiven getragen ist, müsse gelingen. Er hoffe, der morgige Tag werde der ganzen Welt eine festgefügte, einheitliche Organisation der Orthodoxen Rabbiner Dr. med. Biberfeld-Berlin: Meine Herren! Nachdem meine Vorredner so freundlich waren, darüber zu sprechen, was die A.'J. will, möchte ich einmal darüber sprechen, was sie nicht will. Es ist falsch, wenn behauptet wurde, daß es unsere Pflicht sei Tauroh und Jiroh zu ritten. Wahre Religiosität wird es immer geben. Nicht die Tauroh müssen wir für uns retten sondern: uns für die Tauroh. Ich muß auch der Ansicht meines Vorredners widersprechen, daß wir den Ostjuden westliche Kultur dringen, wir dafür von ihnen das eigentliche Judentum erhalten sollen. Das kann nicht Aufgabe der A. I. sein. Wir wollen unseren östlichen Btüdern nur taktische Dienste leisten, unsere in harten Kämpfen gegen die Liberalen gesammelten Erfahrungen ihnen zunutze machen. Aron Marcus- Krakau behandelt die Ziele der A. I. und kommt auf die Kiudererziehung zu sprechen. (Der Vorsitzende Dr. Hirsch unterbricht ihn und bittet die Debatte über Einzelnes der morgigen Versammlung vorzubehalten.) Er weist auf die Alliance Jsraelite Universelle hin, die seu ihrem 80 jährigen Bestehen wohl vieles auf humanltärem Gebiete geleistet in religiöjer Hinsicht Auswanderern die Möglichkeit bieten, die Feiertage nicht zu verletzen. Er sei Zeuge gewesen, wie eine Gruppe von Auswanderern gerade Freitag mit Fahrkarten versehen wurde. Dierektor Gabel-Budapest spricht seine Freude darüber aus, daß die Zusammenkunft so vieler Orthodoxen endlich doch erfolgt sei. Er warnt dringend vor irgend einer Konzession und betont daß die A. I. nur orthodoxe Juden zu ihren Mitgliedern zählen darf. Er weist auf die schweren Kämpfe der Orthodoxie in Ungarn hin und meint, eine Verwirklichung der Ä. I. werde ihr von ungeheurem moralischen Mtzen sein.' Die Form für die A. I. werde wohl leicht zu finden sein, den Inhalt würden wohl die berufensten Führer der Orthodoxie morgen geben. Nachdem noch einige Herren gesprochen hrtttrn. nahm der inzwischen angelangte Herr Jokab R o s e n h e i m—Frankfurt das Wort und erklärte, es müsse nicht mit rechten Dingen zugehen wenn die deutschen, ungarischen, galizischen und russischen Juden ohne widersprechende Meinungen zu Beschlüssen gelangten. Er bitte jedoch, alle persönlichen Bedenken zurückzudrägen und dem morgigen Beratungen mit würdigem Ernste beizuwohnen, da die Augen der ganzen Welt auf alle Teilnehmer gerichtet seien. Die Orthodoxie sei noch nicht so stark gefestigt, um sich das Vergnügen persönlicher Differenzen leisten zu können. Er bitte nochmals, die Fälle des zu behandelnden Stoffes zu berück sichtigen und Generalredner zu wählen. Dr. Hirs ch schließt die Versammlung und beruft die morgige für 9 Uhr vormittags ein. (Schluß 81/« Uhr abends.) Dienstag, 28. Mai. Der heutige Tag brachte eine imposante Kundgebung des torahtreuen Judentums, die nicht verfehlen wird, auf die breiten, gesetzestreuen Massen unseres Volkes von nachhaltiger Wirkung zu sein. Die heutige Kundgebung von mehr als 300 Teilnehmern der Kattowitzer Konferenz hat bewiesen, daß das orthodoxe Judentum gewillt ist, sich auf eigene Füße zu stellen und nicht, wie früher, sich damit zufrieden gibt, von andern ins Schlepptau genommen zu werden. Das ungestillte Sehnen unserer östlichen Brüder, der gewaltige Wunsch all jener, die, von heißer Liebe für ihren Glauben entbrannt, es als drückende Schmach empfanden, wenn alle andern Strömungen innerhalb des Judentums sich organisieren, ihre versprengten Gesinnungsgenossen zu einem einheitltchen großen Gefüge zusammenfaßten. Das gesetzestreue Judentum allein jedoch, im besten Falle — kritisierte, das Verlangen aller jüdisch fühlender und denkender Menschen noch einer tatkräftigen Willensäußerung der Orthodoxie hat die Kattowitzer Konferenz veranlaßt uid zur Gründung des Agudath Jisroel, als einer Weltorganisation der Orthodoxie, geführt. Zum erstenmale seil Menschengedenken fanden sich die illustren Vertreter der konservativen Juden aus Deutschland, Ungarn, Rußland, Galizien, England und vielen andern, ja sogar überseeischen Ländern zusammen, um in gemeinsamer Arbeit jenes hochbedeutsame, alle anderen Leistungen weitaus überragende Werk zu schaffen, das, wie mit einem Schlage den orthodoxen Juden aus dem gewohnten Zerrbüde eines fanatischen, aller Kultur abholden, weltfremden Menschen herausreißt, seine tüchtigen Eigenschaften in das rechte Licht sitzt und so das Selbstbemußtsein, die Selbstachtung der orthodoxen Juden ganz enorm erhöht. Wohl war es vorauszusehen, daß die verschiedenen Schattierungen innerhalb der Judenheit, bedingt durch die Verschiedenartigkeit des sie umgebenden Mileus, sich zu Gegensätzen verdichten werden, wohl war es allen klar, daß dem so überaus rührigen, provisorischen Komitee der A. I. nicht Zaubermittel zur Verfügung ständen, um mit einem Schlage alle Hindernisse zu überwinden, die in beachtenswerter Zahl sich dem Projekte entgegentürmten, doch, man muß es ehrlich lagen, der Erfolg hat unsere Erwartungen übertioffen. Es wurde in den Hauptpunkten völlige Einigkeit zwischen allen herbeigeführt, alle Einzelheiten im Interesse des Gelingeus des Werkes nur insoferne behandelt, als land jede Opposition gleichsam von vorneherein hätte lähmen können. Die Autorität konnte diesmal ihr bescheidenstes Kleid antün und wirkte doch viel mehr, als wenn sie mit bestimmten nachdrücklichen Forderungen aufgetreten wäre. Die ideale Bedeutung der heutigen Versammlung wird aber noch erhöht durch die Tatsache, daß das provisorische Komitee sofort zur Arbeit schritt. Die einzelnen Programmpunkte, das Substrat langjähriger eingehender Beratungen mit den Größen der verschiedenen Länder, wurde heute schon zum Teile in die Praxis versetzt. Die weltbewegendsten Fragen der Judenheit, der großzügige Ausbau der Organisation, die Förderung der Emigration, die Bcsieöelung Palästinas, die Schaffung von Institutionen in allen Ländern der Diaspora, die Kiderziehung, Verbesserung und Ausgestaltung der jüd. Presse, der jüdischen Jugendliteratur usw. all dies wurde heute in der kurzen Zeit eines Tages als Arbeitsprogramm des neuen Organisation festgestellt, die. getragen von dem unbedingten Vertrauen der Mehrheit des jüdischen Volkes, gestützt auf die bereitwillige Zusag׳ zur Mitarbeit vieler hervorragender Kräfte des Geistes und der materiellen Güter ihrer Aufgabe mit allen Kräften gerecht zu werden sich zur Pflicht gemacht hat. Der Stein ist ins Rollen gebracht, seine Energie wird vergrößert werden durch die Millionen derer, die mit ihrer erprobten hinreißenden lieberzcugung für die überkommenen Güter unserer Vorfahren einzutreten entschlossen sind. M. I. Wxstt Wien vorm. Hotel Romania l_ Neu eröffnet! Wien II., Kleine Sperlgasse Nr. 5. 5 Minuten vom Stadtzentrum, in unmittelbarer Nähe des Nord- und Nordwestbahnhofes. PRACHTNEUBAU! 100 ZIMMER. Elegantes Familienhotel. Zentralheizung. Kaltu. Warmwasser in jedem Zimmer. 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Vor einigen Tagen mußte sich der Verblichene einer Augenoperation unterziehen, die zwar gelungen ist, aber hiezu gesellte sich eine Lungenentzü! düng, die diesen strammen Mann dahinrasste. Friede seiner edlen Seelei Konkurs einer Religionslcht erstelle. An der hiesigen Talmud Thoraschule wird ein seminaristisch gebildeter Religionslehrer mit den Bezügen von 2400 Kronen ausgenommen. Gesuche sind an die Prager Kultusgemeinde- Repräsentanz zu richten. Stundenplan des Schiur. Isr. Kultusgemeinde, gebäude Rabbmergasse 253, 1. Stock, Zimmer Nr. 13, täglich von 7—8 Uhr abends, mit Ausnahme Freitag, Samstag 6'/«—7»/« Uhr abends und Sonntag von 11—12 Uhr vormittags. Die Eabbathheiligung des Tempclvorstehers. Am letzten Samstag, nach Schluß des vormittägigen Gottesdienstes soll ein Tempelvorsteher mit etr.em Architeilen, der l. Z. getauft war, mit den Bauplänen in der Hand, Messungen an dem betreffenden Prager Gotteshause, welches in nächster Zeit umgebaut werden soll, vorgenommen haben. Wir fragen diesen Herrn Vorsteher, ob diese Tätigkeit zum Kidusch haschaboth auch gehört, oder ist er an Werttagen mit der Vereinsmeierei so sehr in Anspruch nennmmen. dak der bl. Sabbatb mitbalten mun? jedoch geradezu voiheerend gewirkt habe. Man sie bei der Festjetzung der allgemeinen Punkte von möge auf diesem Gebiete Ordnung schaffen. Nutzen sein konnten. Rabbiner Ra bin o witsch ersucht, die A. I. Und das geschah nicht etwa, weil die Automöge dahin wirken, daß die Emigrationsbureaus rität der großen russischen Rabbiner, die anerder großen jüdischen Organisationen den jüdischen > kannte Stellung der vielen Großen aus Deutschgenommen, daß der hl. Sabbath mithalten muß? Die prompte Ausführung eines Befehles!־»״״ des Rabbiners Dr. Kraus in Beueschau. Der in »uttenberg etabliette Juwelier Mühlrad hatte das Malheur, daß dessen Sohn Otto bei einem Sport einen Unfall erlitt, und nach 2 Tagen verschied. Der Vater des unglücklichen Kindes beschloß, daß der Leichnam nach Zittau zur Einüscherung überführt werde und sollte der Rabbiner der Die schönste Schrift in Kürzester Zeit erreicht jedermann! K• K. bei), aut, Zehreivschuie Professor Rudolf Roubitscbek « Prafl mtt!7£knfaf7 A7 יי»מ auswärts vriemcher Unterrrag, mtnacl) cig fl{$ flescl) Methode.