Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 9 (30.5.1912)
- Date
- 1912-05-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9. Veite 3. Jttische BsWstUm« uns im Tempel erschim, war es, als würde ein himmlisches Wesen in Gotteshaus einziehen und eine feierliche Andacht herrschte bei den Versammelten. Und wie der Hochedle zur Thorah gerufen wurde, da sprach er den Segensspruch in erhabener Weise. Wenn er ein Jahrzeit nach seinen Angehörigen hier abhielt, so lernte er das Mischnajos wie ein großer Talmid Chochom. Und wie dieser Verblichene am Versöhnungstage unter uns weilte von Früh bis Abends sich kast.ite, keine Nahrung zu sich nahm, mit uns fastete und gegen Abend als das'Neila, Schlußgebet verrichtet wurde, sich wie neugestärkt erhob und mit innigster Andacht flehete Ovinu malkenu chotonu lefonechoh! Da wurden wir alle Andächtigen von dem Ernste uno Feierlichkeit dieses Ausrufes zu Tränen gerührt und unser Herz mit Teschuwich schelemoh erfüllt. David Ritter von Guttmann, der mit bescheidenen Ansängen seinen Lebenswandel begonnen, eine solche Position erreichte, der durch solch geistige Anlagen hervorragend von unserem allergnädigsten Monarchen würdig befunden wurde mit dem erblichen Adel ausgezeichnet zu werden» ein Mann der für verwaiste Kinder ein Heim errichtete und die Zöglinge wie seine eigene Kinder liebte, wie es ihm zur besonderen Ehre gereichte bei diesen Armen alljährlich den Seder zu geben und wie stolz wie erfreut diese Kinder waren, wenn dieser Jude die althergebrachten Weisen der Hagadah vortrug, da war es ihnen als würden sie sich in ihrem Eltern- Hause unter dem Schutze ihres Vaters befinden, ein Mann der für die leidende Menschheit eine Heilstätte in Alland errichtete, der auch für das hinfällige Alter sorgte indem er ein Altersversorgungshaus in seiner Geburtsstadt Leipnik errichtete, ja, der nicht nur für das Wohlergehen der Lebenden sondern auch für die würdige Bestattung der Hingeschiedenen sorgte indem er unserer Chewrah Kadischah eine neue Leichenzeremonienhalle widmete, ein Mann der noch einige Monate vor seinem Hinscheiden dem Losungsworte unseres glorreichen Kaisers eingedenk ״Alles fürs Kind" einen Millionenbetrug spendete um ein Kinderspital zu errichten, wo leidende Kinder ohne lonfessionellen Unterschied aufgenommen werden sollen, ja ein Mann dessen ganzes Leben aus einer ununterbrochenen Kette von Wohltaten und gottgefälligen Werken bestand, ein solcher Mann stehet hier in schlichter Bescheidenheit und Demut und bittet um Vergebung seiner Sünden. Und wenn dieser Hochedle gleich unserem Propheten Samuel fragen würde: Hier bin ich, zeuget wider mich, wen habe ich gekränkt, wen habe ich beleidigt? so müßten auch wir ant- Worten Du hast uns in Deinem Leben nie betrübt und nie wehe getan. Du hast nur dies einemal in Deinem Sterben uns betrübt und verwundet, sodaß wir ausrusen ״hikoh schoul bealofow". Wenn der Tod anderer Frommen viele Herzen verwundet ״wedowid beriwwosow", so hast Du David Ritter von Guttmann durch Dein Hinscheiden noch mehr Herzen betrübt und tief verwundet. Die Rede machte auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck, umsomehr, da dieser Hochedle die Feiertage meistenteils hier verbrachte, unser Gottes- Haus fleißig aufsuchte und stets unserer, seit dem Jahre 1650 bestehenden Gemeinde, so auch unserer Vereine und unserer Armen bedacht war und jeder Gemeindeangelegenheit sein wärmstes Interesse entgegenbrachte. Auch Herr Salomon Friedental, Rabbiner in Kojetein, hielt eine Trauerpredigt. Nachdem noch Herr Rabbiner Schap das Menuchoh mchonoh Gebet verrichtete, wurde diese erhebende Feier mit dem Olenu-Gebete geschlossen. Unsere Gemeinde wird das Andenken dieses Frommen stets in dankbarer und pietätvoller Erinnrrung bewahren. JJudapefler Nackricblen. Diskonto-Gesellschaft bei der Nordösterreichischen Bank für Industrie, Handel und Landwirtschaft, registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung in Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt .-ich für alle einschlägigen Bankgeschähe, hauptsächlich auch für den Eskompt offener Buchforderungen unter den allergünstigsten Bedingungei. Die Pester Chewra Kadischa hielt unter Vorsitz des Präsidenten Hofrat Julius Winterberg ihre Generalversammlung. Der von Sekretär Dr. Franz Mezey vorgelegte Jahresbericht, welcher über die Tätigkeit des humanitären Vereines eingehend Rechenschaft ablegt, wurde einstimmig angenommen. Das Präsidium wurde damit bettaut, einen Baugrund für ein neues Bereinshaus anzukaufen. Schließlich wurden die Neuwahlen durchgeführt. Als neue Mitglieder wurden Ignatz Schön und Alexander Fleischmann in den Ausschuß gewählt. Todesfälle. Hier ist die Gattin des Vizedirektors der isr. Knabenschule Julius Kornfeld geb. Emilie Pollak, eine ob ihrer Herzens güte geachtete Dame, im Alter von 65 Jahren gestorben. Das Leichenbegängnis fand Montag vormittags statt. Her Jakoä Venatianer ist hier verschieden-. Im Verblichenen betrauert Herr Philipp Winter, Disponent der Firma Jga, Kanitz und Söhne seinen Schwiegervater. In der Nacht vom 16. auf den 17. ist in Belicc der Grundbesitzer Muki Wassermann, Birilist des Barser Komitats, im Alter von 78 Jahren gestorben. Sein Leichenbegängnis fand am 19. d vormittags in Aranyosmurot statt. Einweihung der israelitischen Gartenbau- Anstalt. Die neue Gartenbau-Anstalt des israelitischen Handwerks- und Ack rbauervereines aus der Ker^ßturenstraße, wurde in Anwese,-heil eines zahlreichen Publikums ihrer Bestimmung übergeben. Zur Eröffnungsfeier hatten sich die Vertteter des Ministers des Innern, des Handels, des Justiz- und Ackerbauministers, Delegierte der Hauptstadt, Deputationen des Landes-Jndustrie- Vereines, der Handels- und Gewerbekammer des Ungarischen Landes-Agrikulturvereines, des Landes-Gartenbauvereines, der Ungarischen Kaufmannshaüe usm, sowie zahlreiche Mtglieder des Vereines eingefunden- Die Anstalt war aus Anlaß der Feier reich beflaggt. Nachdem die Liedertafel der jüdischen Hochschüler einen Gesang vorgetragen hatte, hielt Hofr.at Dr. Adolf Kohner die Festrede. Er begrüßte die Vertreter der Be- Hörden und Korporationen, schilderte sodann das ersprießliche Wirken des Vereines und gedachte schließlich mit warmen Worten der Begründung der Anstalt Dr. Armin Neumann und Dr. Lazar Samuel, sowie der Förderer der Justitutton. Hierauf verdolmetschte Ministerialrat Dr. Julius Rickl dem Verein die Anerkennung des Justiz- Ministers und gab der Hoffnung Ausdruck, diese Institution werde dazu belttagen, daß in Ungarn der konfessionelle Unterschied aufhören und ein friedlichesarbeitsreiches und religiöses Leben aufblühen werde. Sektionsrat Julius Basarheley überbrachte die Grüße des Ministers des Innern, Oberdirektor Karl Gaul die des Handelsministers, Magisttatsrat Edmund Wildner die der Hauptstadt, Begrüßungsansprachen hielten noch: das Vorstandsmitglied der Pester israelitischen Religionsgemeinde, Baron Moritz Herzog für die Kinderschutzliga, Ministerialrat Dr. Paul Rußy in Vertretung des Kinderasyls. L. Krieshaber namens der Handels und Gewerbekammer Dr. Bela Mlhalovich für den Landes-Kortikulturverein und Dr. Ernst Deutsch als Vertreter des israelitischen Waisen- Hauses und des Patronagevereines. Auch telegraphische Begrüßungen waren in großer Anzahl eingetroffen. Nachdem Direktor David Kemeny die Entstehung der Anstalt und deren Wirken geschildert hatte, weihte Rabbiner Dr. Simon Hevesi die Anstalt ein, indem er Gottes Segen auf die Institutioa herabfleht. Die erhebende Feier wurde mit dem ״Himnus" geschlossen. einen taktischen Mißgriff des Frankfurter Vorbe-! reitungSkomitees zurückzuführen ist. Angekommen sind bis nun aus Deutschland: Dr. Carlebach, »amburg. Halevy, Hamburg; aus Ungarn: von freudiger. Budapest, Redakteur Großberg, Dr. Jakob Schächter; aus Oesterreich: Pappenheim, Wien; aus Rußland: die Rabbiner von Brisk, Zawiercie. Poltawa. Der Hauptstrom wird mit dem Mittagszuge erwartet. Die Gäste und Teilnehmer vereinigen sich heute Mittag zu einem Mahle in den ״Reichs- Im ״Monopol" und ״Central" hat die ״Agudath JiSrael" hebräische Aufschriften affichiert und Auskunstsbureaus installiert. Es herrscht reges Leben. Trotzdem infolge des Pfingstmontags hier ein größerer Verkehr stattfindet ist das Stadtbild doch merklich verändert, namentlich in der Bahn- Hofstraße. Kleine Gruppen von Juden aus allen Herren Ländern diskutteren über die Aussichten, die möglichen Erfolge der ״A. I." Kattowitz. 12 Uhr mittags. Aus Rußland sind heute vormittags viele Hunderte von Gästen eingetroffen, die aber alle aus Mangel an Platz zurückgewiesen werden müssen. Man sieht junge russische Bachurim und ergraute Männer des Ostens fortwährend Versuche machen, das Komitee, das wahrlich einen schweren Stand hat, zur Erlaubnis des Eintrittes zu bewegen. Sie alle sind von Tief-Rußland hergekommen, um einem großartigen Versuche der gesetzestteuen Judenheit beizuwohnen, einer Krastkundgebung allerersten Ranges des Judentums, für das sie leben und sür das sie die größten Opfer ertragen. Vor der ״Reichshalle" wird der Ansturm immer größer. Zu beiden Seiten der Straße haben Hunderte Aufstellung genommen, um vielleicht doch ״hineinzukommen". Polizisten bewachen den Eingang. Die ersten Teilnehmer erschienen. Männer von Namen und Rang, vor denen ein jeder den Hut zieht. Daneben bekannte impulsive Charaktere. Rabbiner. Journalisten, Kaufleute. Kurz, eine kleine Heerschau des orthodoxen Judentums. Agudath Jisroel. Borbericht von unserem Spezialberichterstatter. Kattowitz, 27. Mai 9 Uhr vormittags. Ihr Korrespondent sprach eben mit einigen hervorragenden Teilnehmern an der morgigen konstituierenden Versammlung. Die Meinungen über den Erfolg der angesttebten Organisation sind geteilt. Am meisten versprechen sich die Deutschen und Ungarn, die Russen weniger. Aus Ungarn Kattowitz, Montag 4 Uhr nachm. Bor dichtgefülltem Saale eröffnet Dr. A. Hirsch, Halbe»stadt, die Versammlung, begrüßt in herzlicher Weise die Erschienenen und teilt mit, daß die eigentlichen Beratungen erst Dienstag beginnen können, weil viele auswärtige Teilnehmer noch nicht angelangt seien. Er bittet, eine jede Landesgruppe möge über die zu fassenden Beschlüsse beraten und Vertreter für die morgige Versammlung wählen. Dr. Munk-Lemberg wiederholt die Worte des Vorsitzenden im Jargon. Rabbiner S ch m a - Tarnow meldet sich zum Worte und kritisiert, daß das Präsidium nicht sofort mit einem fertigen Programme vor die Versammelten trete. Man dürfe die Versammelten über Ziel und Zimck der A. I. doch nicht im Unklaren lassen. Sch melke s-Krakau fordert auch für heute die Leitung der Beratungen durch ein Präsidium, damit nicht Willkür einreiße und die Redner der Reihe nach sprechen können. Hierauf nimmt, init großem Beifall begrüßt, Rabbiner Dr. Breuer-Frankfurt das Wort, sagt, die Versammelten mögen den Zweck der heutigen und morgigen Versammlung nicht mißverstehen. Es handle sich um die Frage, ob die Gründung der ״Agudath Jisroel" eine Notwendigkeit sei oder nicht. Die, wie er hofft, zustimmende Kundgebung werde morgen erfolgen als Zeichen, daß die Gesetzestreuen aufgehört haben, bei andern um Hilse zu bitten und sich auf eigene Füße stellen wollen. Die eigentlichen Beschlüsse über die Agenden der A. I. seien einem späteren Zeitpunkte Vorbehalten. Doch hofft er, daß in einigen Monaten die erste öffentliche Delegiertenversammlung die einzelnen Punkte in einer allen Ländern entsprechenden Weise erledigen werde. Er bitte deshalb, den heutigen Tag bloß persönlichem Gedankenaustausche zu widmen und sür morgen Generalredner zu wählen. Rabbiner Rabinowitsch -Poltava polemisiert gegen Rabb. Dr. Breuer und meint, die Ansicht, daß eS sich hier um die Frage ob die A. I. notwendiig sei oder nicht, gar nicht handle. Es sei ja selbstverständlich, daß alle Anwesenden von ihrer Notwendigkeit durchdrungen seien, denn sonst hätten sie wohl kaum Hunderte wird eine sehr schwache Beteiligung gemeldet, die, : . wie ich von wohlunterrichteter Seite erfahre, auf \ von Meilen zurückgelegt, um nach Kattowitz zu Herrenvoäsckie nach Mass und Herrenmodewaren kaufen Sie am besten im Spezialgeschäfte der Firma ״Derby“ V. DRESLER, Brünn Krapfengasse 24-26. Nur apparte Neuheiten. Feste Preise.