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Jüdische Volksstimme · 1912-05-24 · Heft 8 (24.5.1912) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 8 (24.5.1912)
Date
1912-05-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 8 Jüdische B-lksstimme Seite S. unglimpfen wollen, die Rolle der gekränkten Unschuld spielen zu sehen. Im Uebrigen die neueste Entdeckung eines gelehrten Mitarbeiters des ״XX. Vek". Dieser talmudbeflissene Herr macht zu einem grundgescheiten Artikel die kongeniale Anmerkung, daß Machar und Genossen, die sich zum Atheismus bekennen hiebei nur der talmudischen Lehre folgen. Man sieht, der Mann ist nicht nur wie es sich bei einem Mitarbeiter des ״XX. Vek" von selbst versteht, ein Rohling an Sitten, er ist auch ein Rohling an Talmudkenntnissen. N. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNGS GESELL- SCHAFT, WIEN, I. ASPERNPLATZ 1 im eigenen Palais. — Versichertes Kapital cirka 3S0 Milionen. Reserven cirka 113 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Generalagentur: Karl Bloudek, Brünn, Krapfengasse 18/20 Unser neuester Tarif mit 5% jähr.ich fallender garantierter Prämie- Generaiagentur für Wien, 1., Aspernplatz I, Leiter David Nebenzahl. Sub Direktion für Prag, Ferainandsgasse 20, neu, Leiter Robert Gerstel. Sub Direktion für Lemberg, Szajnocha 3, Leiter Lobt Taubes. Die Geschichte des königlichen Handelsgremiums in Stuhlweißenburg. Ein Beitrag zur Geschichte der Jndenemauzipation in Ungarn. Dieser Tage feierte das Handelsgremium in Stuhlweißenburg sein 200 jähriges Bestehen. Auf christlicher Grundlage entstanden — es hatte gleich nach seiner Konstituierung den heiligen Joses zu seinem Patrone erwählt — vegetierte diese Körperschaft mehr als ein Jahrhundert. Seine Mitgliederzahl bewegte sich zwischen (> und 30; denn die wenigsten Kaufleute hatten Verständnis für den organisierten Zusammenschluß und die kaufmännischen Sinn genug hatten, wurden nicht ausgenommen, weil sie Juden waren. Noch im Jahre 1829 schloß sich das Stuhlweißenburger königliche Gremium mit großem Eifer der Aktion des Pester Gremiums an ״gegen den schädlichen Einfluß der Juden auf den Handel". Im Jahre 1836 durften sich neuerdings einige jüdische Kaufleute in Stuhlweißenburg niederlassen, mußten sich aber auf den Engroshandel mit Lebensmitteln beschränken, weit das Gremium ihnen den sonstigen Handel untersagte. 1840 gestattet der Magistrat acht jüdischen Kaufleuten offene Geschäfte zu eröffnen; der Rekurs des Gremiums an die Statt- Halterei wurde abgewiesen. Erst im Jahre 1853 konnten acht jüdische Kaufleute ihre Aufnahme ins Gremium erzwingen. Seildem dominieren die Juden im Gremium, auch der Präsident Armin Wertheim ist Jude. Unter jüdischer Mitarbeit erst hat das Gremium große Institutionen schaffen und die Förderung der Kaufmannschaft erfolgreich betreiben köi neu. N. Aphorismen. Die Familie ist das Herz des Juden: von ihr kommt und zu ihr strömt seine Lebenskraft. * * * Alles Echte macht einen Gährungsprozeß durch — so der Wein, die Wahrheit die Jugend. * * * Versäume nicht dem Kinde bei seinem Eintritte in das Labyrinth des Lebens — damit es sich darin zurcchtfinde und nicht von dem Minotaurus ״Schickjal" bezwungen werde — den Faden der Ariadne mitzugeben — die Religion. Die am meisten nach Kurzweil Haschen, verfallen am leichtesten der Langeweile. * * * Boshafte Menschen gleichen einem schlechten Spiegel, der auch die vollkommensten Züge nur als Zerrbild wiedergibt. * * * Der Gedankenaustausch mit einem g e i stvollen Menschen ist ein Reinigungsbad für die Seele, der Verkehr mit einem Grobian bringt manche kalte Touche mit sich; wer aber mit einem Dummkopf umgeht, begibt sich in ein geistiges Schwitzbad. Manche ziehen das Blei des Morgenschlafes dem Golde der Morgenstunde vor. * * . * Wer eine größere Summe statt mit einer Banknote mit lauter kleiner Münze deckt, braucht ange Zeit zur Aufzählung des Geldes, irrt sich leicht und macht den Empfänger ungeduldig. Ihm gleicht, wer viel Worte macht, wo ein inhaltsreiches genügen würde. Wien. Flora Grünwald. mit Menthol X altbewährtes Mittel X gegen Kopfschmerzen. 405 jRundfchau. Chief Rabbi Gastcrs Abfertigung -es russischen Konsuls. Ais Antwort auf den Protest der angesehendsten Gesellschaftskreise Englands, der bedeutendsten kirchlichen und staatlichen Würdenträger Englands gegen das Ritualmordmärchen und den Kiewer Jnstschinskyprozeß hatte der russische Konsul in London im ״Times" einen langen Brief veröffentlicht, in der er nach bekannter Antisemitenmanier erklärte, der Kiewer Prozeß richte sich nicht gegen die Juden, sondern nur gegen einen Juden, der vielleicht einer geheimen Sekte angehöre, die in ihrem Fanatismus die talmudischeu Gesetze des Schulchan-Aruch bezüglich des Ritualmordes befolgen usw. Dr. Gaster fertigt nun den russischen Konsul sehr gründlich in der ״Times" ab, indem er zeigt, daß dieser Protest gar nicht englischen Ursprungs sei, sondern nur eine zeitgemäße Auffrischung des von Prof. Chwolsohn. unstreitig einem der besten Kenner russischjüdischen Lebens und der jüdischen Literatur aus Anlaß des Bilbul von Kutais im Jahre 1877 im Vereine mit den angesehendsten Gelehrten Ruß lands erlassenem Proteste. Dr. Gaster beruft sich auch auf seine eigene durch 7 Reisen erworbene Kenntnis des Lebens der russischen Juden wie der jüdischen Literatur und beschuldigt den russischeu Konsul der beabsichtigten Irreführung der öffentlichen Meinung. — Mit großer Entrüstung protestieren in der ״Times" auch zwei Missionsgesellschaften gegen die vom Vertreter Rußlands in der Oeffentlichkeit dreist erhobenen gründlichen Verleumdungen. Der Hilfsvercin -er deutschen Juden hat mit der Großloge für Deutschland gemeinsam dem Hifswerk für die ausgeplünderten Juden in Fez bisher als erste Rate 60.000 Franks zur Verfügung gestellt. 50.000 Franks sind hievon für den allgemeinen Hilfsfonds in Paris bestimmt, 10.000 Franks wurden dem deutschen Konsu durch Vermittlung des auswärtigen Amtes überwiesen, um den deutschen Schutzbefohlenen jüdischen Glaubens, die bei den Unruhen in Fez zu Schaden gekommen sind, die notwendigste Hilfe zu gewähren. XIII. Delegiertentag -er Zionistischen Bereinigung für Deutschland. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland, deren Mitgliederzahl sich auf rund 10.000 beläuft, hält am 27. und 28. Mai (Pfingsten) d. I. in den Reichshallen zu Posen ihren 13. Delegiertentag ab. Die Zionistische Vereinigung hat in nahezu sämtlichen deutschen Bundesstaaten Ortsgruppen, die fast ausnahmslos auf der Tagung vertreten sein werden. Vorsitzender der Zionisttschen Vereinigung für Deutschland ist Rechtsanwalt Dr. Arthur Hantke in Berlin, der auch der engeren Leitung (dem Aktionskomitee) der zionisttschen Gesamtorganisation angehört. Der erste Delegiertentag der deutschen Zionisten fand im Jahre 1897 in Bingen statt, der zwölfte im Jahre 1910 in Frankfurt a. M. Seit der letzten Tagung ist die Zahl der organisierten Mitglieder um .000 gestiegen. Nnzulässige Trauungen. Ueber die durch einen Rabbiner in vier Einzelfällen vorgenommene Trauung durchreisender Russen hatte die 6. Strafkammcr des Landesgerichtes I, Berlin, eine Ent scheidung von allgemeinem Interesse zu Men. Der Prediger Dr. H. hatte Ruffen, die sich auf der Durchreise vorübergehend hier aushielten, ohne vorhergegangene standesamtliche Eheschließung nach den Vorschriftender Religion getraut. Er ging dabei von der Erwägung aus, daß einerseits der Standesbeamte nach 8 1320 BGB. gar keine Eheschließung vornehmen konnte, da ja von den eheschließenden Parteien niemand in Deutschland einen Wohnsitz hatte, anderseits aber auch für ' Bussen eine standesamtliche Eheschließung belangos ist. Die Parteien wurden also nach seiner Meinung von deutschem Recht gar nicht erfaßt. Die Staatsanwaltschaft erblickte aber in dieser Vornahme von Trauungen einen Verstoß gegen 8 67 des Personenstandgesetzes vom 5. Mai 1875, welcher bestimmt, daß ein Geistlicher oder Religionsdiener, welcher zu den religiösen Feierlich-!eiten einer Eheschließung schreitet, bevor ihm nachgewiesen ist. daß die Ehe vor dem Standesbeamten geschlossen, zu bestrafen sei. Der «taatsanwalt war aber selbst der Ansicht, daß der Fall sehr milde liege, und beantragte für jeden Fall des Verstoßes gegen das Gesetz 20 Mk., zusammen also 80 Mk. Geldstrafe. Der Verteidiger deS Angeklagten machte hingegen geltend, daß diese geetzliche Bestimmung hier nicht zutreffe, da die Brautleute ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht worden seien, daß ihre Ehe im Deutschen Reiche nicht rechtsgültig sei. Eventuell liege aus subjektiven Gründen keine strafbare Handlung vor, da Dr. H. sich vorher bei maßgebenden Stellen erkundigt habe und ihm zugegeben worden sei, daß hier eine Lücke im Gesetz vorliege. Das Gericht nahm an, daß Dr. K. in gutem Glauben gehandelt, mußte aber zu einer Verurteilung gelangen, da es im Gegensatz zum Verteidiger annahm, daß 8 67 des Personenstandgesetzes unter allen Umständen verhüten wolle, daß in Deutsch» land irgendeine Ehe ohne Mitwirkung des Staudesbeamten geschlossen werde. Da Dr. H. vier Fälle selbst angegeben hatte, wurden auf je 10 Mk., im ganzen also auf je 40 Mk. Geldstrafe erkannt. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Achtung! Der heutige» Auflage liegen Posterlagscheine bei, unwerven vie P. T. Empfänger -ringenersucht. Ven Abonnementbetrag sofort zu bezahlen. Im a»-eren Falle müßte Vie Abonnementgebühr mittels Postaustrag be- Hobe» werden. Die A-mistration. Aorresponllenzen. Baden. Der hier verstorbene Großindustrielle F. David, Ritter v. Guttmann, wurde Mittwoch nachmittags 4 Uhr von der hiesigen Chewra Kadischa nach Wien überführt. Um 6 Uhr abends, fand im Sitzungssaals eine ״Trauerkundgebung, an der sich Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner W. Reich, der Kultusausschuß mit seinen Präsidenten Herrn Moritz Leitner und der Gesamtvorstand der Chewra- Kadijcha beteiligten, statt. Präses Herr M. Leitner hob die hohen Verdienste, die sich der Verblichene in unserer Gemeinde, deren Ehrenmitglied er war — erworben hat — hervor. Herr Rabbiner Reich bekundet in seiner, von allen Anwesenden tiefempfundenen Rede, den unersetzlichen Verlust, die unsere Gemeinde zu betrauern hat." Der Verstorbene war ein warmer Anhänger, ein Wohltäter unserer Gemeinde, er war ein ״Jsch-Jehudi" im Sinne unserer Tradition, — ein Mann, der für das Judentum, für unsere Gemeinde, noch viel Gutes zu wirken berufen war. Unserere Gemeinde wird ihm ein warmes Andenken bewahren, die Erinnerung an ihn wird in Ehren fortleben bei allen, die ihn so wie wir gekannt haben. I. F- Nng.-Bro-. Heute hielt Herr Rabbiner Dr. Jung seine Abschiedsrede. Als der scheidende Seeljorger in tiefer Bewegung seine von Schwierig! iten aller Art erfüllte Wirksamkeit in der hiesigen Gemeinde schilderte, als er die Versammelten aufforderte, dem Judentume treu zu bleiben, da blieb kein Auge tränenleer. Reise Männer schluchzten in tiefstem Schmerze, Frauen und Kinder weinten herzbrechend. Nach der Rede begab sich eine Deputation zu Sr. Ehrw. deren Führer Herr Dr- Neufeld folgende Adresse verlas:

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