Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 8 (24.5.1912)
- Date
- 1912-05-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Euer Ehrwürden, hochverehrter Herr Oberrabbiuer! Durch zwei Dezennien haben Euer Ehrwürden mit kraftvoller Individualität mit -ausdauernder Schaffenskraft und aufrichtiger Hingebung den schönen und großen Ideen unserer erhabenen Religion, insbesondere aber denen der edelsten Menschenliebe gedient. Ihr heiliger Eifer erlahmte yie, wenn es galt, Institutionen inS Leben zu rufen, die der Linderung menschlichen Leids und Weh's geweiht sind und Euer Ehrwürden verstehen es auch, andere für Ihre lauteren Ideale zu gewinnen, für alles Wahre und Schöne zu begeistern. Wir bewundern in Euer Ehrwürden nicht nur >>en genialen Mann, den unerschrockenen Kämpfer und glänzenden Redner für das unverfälschte GotteLwort, sondern auch den warmherzigen Gründer der Vereine: Bikkur Cholim, Gemilus Chaffodim, Chorebh. Frauenverein in unserer Stadt, die Sie gründeten und eifrig förderten, da Ihnen das Wohltun heilige Pflicht und Bedürfnis ist. Die Unterzeichneten Vereine erachten eS daher für eine Herzenspflicht, Ihnen, ehrwürdiger und hochgeehrter Herr Oberrabbiner aus Anlaß Ihres bedauerlicheu Scheidens aus unserer Mitte für Ihre so hingebungsvoll Tätigkeit im Dienste der Humanität, sowie der Wege der jüdischen Wissenschaft und ihrer Literatur herzlich zu danken und Sie zu bitten, dieses ErinnerungLblatt als bescheidenes Zeichen unserer Sympathie und als Zeugnis allgemeiner warmer Anerkennung entgegenzunehmen. Unsere treue Anhänglichkeit und unbegrenzte Verehrung folgt Ihnen in Ihre neue Berufsgemeinde, begleitet von dem tiefempfundenen Wunsche, cs möge Euer Ehrwürden vergönnt sein, noch lange, lange Jahre in ungestörter Körperkrast und ungetrübter Geistessrische zu wirken und zu schaffen, für Gott und seine Lehre! Herr Dr. Jung verläßt Sonntag, den 26. Mai Ungarisch-Brod. HekmaunmLstec. Samstag, 11. d. stand unser Städtchen im Zeichen freudiger Erregung. Gegen 6 Uhr abs. versammelte sich eine große Menschenmenge mit Vereinen und verschiedenen Korporationen vor dem Schlosse des Fürsten KinSky, um den Weihbischof aus Königgrätz, Sr. Exzellenz Dr. Josef Doubrava, der in dieser Gegend die Firmung vornehmen sollte, feierlich zu begrüßen. Auch die israelitische Kultusgemeinde in Hermannmestec wurde von der hiesigen Dechantei offiziell dazu ein geladen. Der Kultusvorsteher Herr Alfred Falk und die Mitglieder des engeren Ausschusses mit dem ehrwürdigen Rabbiner Dr. Jsak Folkmann an der Spitze, leisteten der ehrenvollen Einladung Folge und erschienen unter den Deputationen. Nachdem der Direktor der fürstlichen Güter und der Bürger- Meister kurze Ansprachen an den Bischof richteten, wurde auch unser Rabbiner Dr. Jsak Folkmann vom Direktor Sr. Exzellenz vorgestellt. Der Herr Rabbiner begrüßte den Kirchenfürsten mit einer herzlichen und schwungvollen böhmischen Ansprache, die sowohl auf den Bischof als auch auf die versammelte christliche Bevölkerung einen mächtigen Eindruck machte. Unser ehrwürdige Herr Rabbiner wies in seiner Rede unter anderem auch darauf hin, daß die jüdische Bevölkerung mit den christliehen Mitbürgern in Frieden und freundschaftlichem Einvernehmen lebe, daß sie gegenseitig an Freuden und Leiden tcilnehmen, daß sie daher heute, an einem Tage, der für die hiesigen Mitbürger ein Freuden- und Festtag bedeute, nicht fern und abfeit« stehen wolle. Freud.g und gern folgte sie daher dieser ehrenvollen Einladung, wo es gilt, einen so vornehmen. und ausgezeichneten Gast zu begrüßen; denn Israel kam zu allen Zeiten den edlen und erleuchteten Männern mit besonder-r Hochachtung und Liebe entgegen und mochten sie welcher Nation immer und welchem Glaubensbekenntnisse immmer angehören. Die jüdische Gemeinde fteut sich daher, die Gelegenheit ergreifen zu können. Seiner Exzellenz ihre besondere Hochachtuvg zu bezeugen. Er schloß mit dem Wunsche, daß das Erscheinen des edlen Kirchenfürsten allen zum Frieden und Segen gereichen möge. Der Bischof erwiderte in ebenso herzlicher Weise. Er gab der Freude Ausdruck, daß ihn auch die jüdifche Gemeinde begrüßte und sagte unter anderem, daß er jede religiöse Ueberzeugung schätze und achte. Es gereiche ihm aber auch zur besonderen Genug tuung, daß die jüdische Bevölkerung mit den christlichen Mitbürgern in friedlichem Einvernehmen nebeneinander lebe. Man höre und staune! Der Herr Bischof wählte am darauffolgenden Sonntag um Thema seiner Predigt das prophetische Wort, mit welchem ihn unser Herr Rabbiner begrüßte und das also lautet: Friede, Friede sei dem von ferne Kommenden, sowie dem Nahen. Er ermahnte die Bevölkerung, stets in Frieden und Eintracht mit allen Bügern des Ortes zu leben. Der Herr Bischof zeichnete noch besonders unseren Rabbiner dadurch aus, daß er ihm vor seiner Abreise von Hermannmestec mit seinem Gefolge in seiner bescheidenen Behausung einen Besuch abstattete und ihm für den ihm zuteil gewordenen Empfang von Seiten dir jüdischen Gemeinde seinen Dank mit dem Bemerken aussprach, daß er die ihm erwiesene Ehre zu würdigen verstehe. Er verblieb beim Herrn Rabbiner über 20 Minuten und unterhielt sich mit ihm und seiner Gattin in leutseligster Weise. Er erkundigte sich über dessen Srudiengang. über die Zahl der jüdischen Mitglieder. Nachdem der Herr Bischof noch die Synagoge besichtigte, verabschiedete er sich vom Rabbiner und seiner Familie in herzlicher Weise. Diese hohe Ehre und AuS» Zeichnung, die unserem Herrn Rabbiner von dem edlen Kirchenfürsteu erwiesen wurde, darf wohl als ein seltenes Beispiel von Duldsamkeit angesehen werden. Möchte doch der niedere Klerus, der heute in der gehässigsten Weise gegen Juden und Judentum austritt, dem guten Beispiele dieses wahrhaft edlen, hohen Würdenträgers folgen. Dr. Rudolf Katbolicky gew. Letter der I.chttg.Hbleilung der Landerkrankenanrialt wohnt: Ecke Terdinandsflasse und Jobamusgass« <-««>» ׳״!»!-> ordiniert täglich von r dir 4 Uhr nachm. Fernsprecher Nr. 603. ürünncr MadmeKtcn. Siebzigster Geburtstag und fünfzigjähriges Lehrerjubiläum. In vollster Rüstigkeit und Frische steht Herr Religionslehrer Schoßberger vor einer seltenen Doppelseier. Der 27. d. M. bringt den 70. Geburtstag, und in diesem Jahre wird zugleich ein halbes Jahrhundert voll, daß Herr Schoßberger, der aus Paga in Ungarn stammt, hier in Brünn ununterbrochen als Lehrer wirkt, seit 1891 im Dienste der Kultusgemeinde als Religionsiehrer an Volks- und Bürgerschulen. Der herzlichst zu beglückwünschende Jubilar hat das Glück seine zwei Söhne in hervorragender Tätigkeit und Stellung zu sehen und darf nach menschlicher Voraussicht noch einem langen und gl icklichem Lebensabend entgegensehen. Offene Anfrage an Se. Excellenz dem Herrn Bischof Graf Huyn. _ Gestern abend veranstaltete die Ortsgruppe Brünn des katholischen Schulvereines (so schreibt der ״Mähr. Volksbote" ״Katholischer Schulverein". Welche Ironie! Anm. des Setzerlehrling) im Restaurationsgarten der Schwechater Bierhalle ein Familien-Gartenfest, bei welchem ein gewisser P. Schnee, der angeblich in Brünn die Maipredigten abhält, die Festrede hielt. Wenn Herr P. Schnee glaubt, daß dies eine Festrede war, so scheint er sich sehr gewaltig zu irren und muß er schon dies jemanden ganz anderen behufs Beurteilung überlassen. Denn außer dem fortwährenden Geheule ״Jud, Jud u!1d wieder Jud", konnte man aus dem Gewinsel nichts Gescheites entnehmen, was dieser Pater den paar alten Weibern und einigen jungen Mädchen, die dieses Gekläffe anhörten, vortrug. Pardon! einige ״Herren" waren auch dort, sogar auch einige vom ״Militär". Wir ftagen nun den obersten Kirchenfürsten der hiesigen Diezöse, Se. Excellenz den Herrn Grafen Huyn: ״Ist eS am Platze oder ist Ihnen überhaupt bekannt, daß Pater Schnee derlei gegen das Judentum aufhetzende, sagen wir Re^en hält, und noch dazu in einem öffentlichen Restaurationsgarten um 10 Uhr nachts, welcher von sehr vielen Parteien verschiedener Konfessionen bewohnt ist? Ist es am Platze, daß ein Priester gegen ein vom Staate anerkannte Religionsgenoffenschaft derartige Hetzreden vom Stappel läßt? Wie wäre es im entgegengesetzlen Falle? Schließlich ist es sehr verwunderlich, daß bei dieser Hetzrede kein Regierungsvertreter anwesend war?! Jüdisch-volkLiche Gedenktage. 8.—14. Sivan. 8. 5529 starb R. Simon MeiselS, bedeutender Talmudist und Rabbiner in Ziolkiew. 9. 5002 wurden in Paris einige zwanzig Wagenladungen von Thora- und Talmudexemplaren öffentlich verbrannt. 10. 4863 starb in Lucena 9t Jahre alt R. Jsak ben Jakob «lfasi (״Ris".) 11. 5318 entzog Kaiser Ferdinand den Juden.lhre.früheren Rechte. 12. 5665 starb R. Israel Chaim von Kork (Rußland), ein gefeierter und berühmter Chassidim-Rabbi. 13. 5289 wurde in Böstag bei Preßburg einige dreißig Juden verbrannt und deren Kinder gewaltsam getauft. 14. 5582 starb R. Chaim Wolostn, eine talmudische Auto» rilät in Rußland. Röntgen-Institut Durchleuchtungen der Brust und Baucheingeweidc. Photographien bei UustM- Verletzungen, Gelenksu Knochenkrankheit»». Heilbehandlung bei verschiedene» chrs» Nischen Krankheiten. Speziatarzt Ar. Kugen Kodon, Brünn, Großer Platz:1. (Bankhaus HerbwH Telephon 1444 (inicrariMi). 1912 Wochenkalender 5672. פיון Mai Festtage הפטרה F ח 24 אסרו חג E ט 25 פרק דאשק נשא ויהי איש אחד i S ר 26 M יא 27 D 28 M יג 29 סזק־ל D יד 30 F S טו טל 31 1 פיק שגי בהעלותך רני ושטחי Eigene Erzeugung! Eigene Erzeugung! Jenizcek & Gabriel Juweliere und Goldarbeiter Brünn, Rathausgasse Nr. 11. Reich sortiertes Lager stets vorrätig. Reparaturen werden prompt und billig effektuiert. Me »atürücheu Telephon Nr. 800 Hineral wösse r, Brnnnenprod ak|8 Mt* von den Heilquellen bezogen und von der Sanitür»- dehürde kontrolliert, empfiehlt da» Spezialgeschäst Andreas Gach, Brün». Raihausgasse. Restaurant mit Fremdenzimmer in größerem Orte Salzkammergut, auch für israelitische Restauration geeignet, günstigst verkäuflich oder zu verpachten. Auskunft erteilt ״ Ignaz Bruder, Linz a. D. + Küchen- und Gartengeräte ♦ in der größten Auswahl empfiehlt ---------- EISENHANDLUNG - Plachetka & Bouse (vormals A. 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