Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 8 (24.5.1912)
- Date
- 1912-05-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Veite 4 Attische S0Of|Kn«e. Nr. 8 mente mchr, sie wollen nicht zur Erkenntnis gelangen und legen immer wieder diese Frage zu den andern Rückständigkeiten. So ist diese Frage zur Spezialität — zur Dornrose im botanischen Kunstgarten ihres Kultus geworden. Wann werden eS diese Herren endlich einsehen, daß unsere Gemeinde, die auf der schönsten, von Gott begnadeten ״Scholle Erde" liegt, wo uns so viele Gäste zuströmen, die materiellen Bedürfnisse der Gemeinde fundieren helfen — die einzige dies- und jenseits der Leitha ist, wo solche ungeordnete religiöse Verhältnisse herrschen? Meine Herren im Vorstande! So darf es nicht vleiben. Neben Sie doch, im Besitze der Rechte, ihre Pflichten aus! Wenn Sie auch nicht, wie unsere Altvordern, die am ,Berge Sinai' ״Masse Weniscbma" gesagt haben, sagen Sie doch wenigstens ״Nischma Wenasse" — das sie hören, erwägen und dann zur Tat übergehen wollen. Meinen Freunden und Gesinnungsgen osten und der ganzen Kehile wünscht ״Gut Schabbos". Ein Mitglied der israel. Kultusgemeinde in Baden. Diskonto-Gesellschaft bei der Nordösterreichischen Bank für־ Industrie, Handel und Landwirtschaft, registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung in Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt rieh für alle einschlägigen Bankgeschälte, hauptsächlich auch für den Eskompt offener Buchforderungen unter den allergünstigsten Bedingungen. Die ״Israelitische Allianz zu Wien. In dem bedeutsamen Moment, wo die ״Allianz" in ihr fünftes Dezenium tritt, stirbt ihr Präsident und Gründer David Ritter von Gutmann. Ein harter Verlust für einen Verein, der, mit reichen Mitteln arbeitend, für noch größere Leistungen herangezogen wird, und der an dem verstorbenen Präsidenten einen kräftigen Rückhalt besaß. Wenn wir rückschauend die Tätigkeit des Vereines resumieren, müssen wir anerkennen, daß derselbe, obwohl nicht allen Erwartungen gerecht werdend, doch in seinen Grenzen viel getan hat. Konnte auch das Vorurteil der Welt, die uns Haß und Schmach im reichen Maße zuteil werden läßt, nicht besiegt werden, vermochte man auch nicht die ersehnte Gleichberechtigung unserer verfolgten Brüder erzwingen, ist es der Wirksamkeit der ״Allianz" tm Laufe der Jahre doch zuzuschreiben, wenn großes Unglück verhütet, Bedrängten und Vrlastenen beigestanden wurde. Indem der Verein auf die öffentliche Meinung einen moralischen Druck ausüvte, weckte sie das schlummernde öffentltche Gewissen- Das abgelaufene Jahr kann als ein schweres und gefahrvolles bezeichnet werden. Rußland, Rumänien und selbst das ״freie" Amerika machten Schwierigkeiten, erhoben direkt und indirekt Blutzoll von den Aermsten der Armen. Das alte Märchen vom Ritualmord wurde unter bewährter Leitung neu in Szene gesetzt und Pogromme standen in Aussicht. Rußlands Judenpolitik ist eine blutig-unbluttge geworden; man hat das Niedermetzeln auf der Straße abgeschafft und eine still arbeitende Tortur eingeführt, die ihre Wirkung — die Zernierung der Judenschaft — nicht verfehlt. Ueber das Hilfswerk der ״Allianz" wird berichtet: Der Verein unterhätt in Galizien in mehreren Orten Schulen, die sich einer steigenden Frequenz erfreuen, obzwar die gutsituierten Kreise eine indolente Teilnahmslosigkeit zeigen. In Buzdanow, Niemirow, Olesko, Polok Zloty, Chrzanvw, und Brody bestehen diese Schulen seit mehreren Jahren und eine weitere Anzahl sollen, sobald die materiellen Bedingungen gegeben sind, eröffnet werden. Zur Unterstützung unserer russischen Glaubensgenossen hat der Verein im Jahre 1911 insgesamt 72,888 K aufgewendet, die für Emigrantenbcförderung und für das Fürsorge-Hilfswerk verausgabt wurden. Es wurden zirka 2000 Emigranten, welche entweder Schiffskarten oder bre Bahnkosten erhielten, befördert. , Rumänien, wo die empfindsame Carmen Sylva die Friedensleier schlägt, setzt seinen Stolz darein, ein kleines Rußland zu werden. Die gehäßige Agitation gegen die Juden nimmt immer kühnere und gewaltsamere Formen an. Die Regierung willfahrt bedingungslos die Forderungen des ״pattiotischen" Pöbels, der an den rechtlosen Juden sein Mütchen kühlt. Mit Genugtuung ist zu begrüßen, daß die rumänischen Juden eine Vereinigung gebildet haben, die ״Union des Jsraelites", was auch schon ein Fortschritt gegen das frühere passivduldende Verhalten genannt werden darf. Die interne Vereinsleitung, die in Händen des VereinSsekcetärs Dr. Kaminka liegt, wird — zu unserem Bedauern sei es gesagt — nicht immer von jenem Geiste humaner Weitherzigkeit geleitet, wie es den edlen Intentionen der Gründer entspricht. Es ist uns wiederholt zu Ohren gekommen, daß Emigranten oft tagelang das Bureau des Vereines belagern mußten, ehe sie die Bahnkarten erhielten. Mittlerweile verzehrten oft diese Armen das wenige Bargeld, das sie zur Lebensfristung mit sich führten- Wir wollen diesen Vorwurf nur bedingt erheben, denn wir wissen, wie schwer es in vielen Fällen ist. die richtige Entscheidung zu treffen. Aber es muß der oberste Grundsatz dieser großen Institution sein und bleiben. Daß schnelle Hilfe doppelte Hilfe ist, und daß man besser zehn Unwürdige beteilen, als auch nur einen Würdigen der Qual unterwerfen sollte. »X« —■=־־ vorm. Hotel Romania Neu eröffnet 1 Wien II., Kleine Sperlgasse Nr. 5. 5 Minuten vom Stadtzentrum, in unmittelbarer Nähe des Nord- und Nordwestbahnhofes. PRACHTNEUBAU! 100 ZIMMER. Elegantes Familienhotel. Zentralheizung. Kaltu. Warmwasser in jedem Zimmer. Bäder im Hause — Elegante Halle, Musik-, Schreib- und Lesezimmer — Exquisite und rituelle Küche. Zimmer von K 3*60 aufwärts. -HMD Besitzer Karl Geiringer. Marianische Kofgregation am Leitmerihcr Gymnasium. Der Unfug mit den marianischen Kongregationen zieht immer weitere Kreise. Ueberall an den Mittelschulen gründen die Geistlichen die e Vereine, die unter dem Aushängeschild der Verehrung Marias die Schüler zu Hetz-Aposteln im Dienste des Klerikalismus und zu Denunzianten ihrer Mitschüler erziehen. Wo immer eine solche marianische Kongregation entsteht, ist es mit der friedlichen Arbeit an der Anstalt aus. wie der besonders krasse Fall an der Mittelschule in Waidhofen beweist, wo die Jugend durch das ״segenreiche Wirken" der Kongregation in einen Schulstreik gehetzt wird. Auch in Leitmetitz hat die Kongregation am Gymnasium schon längst eine Dependance errichtet und wird von ״Oden" wirkungsvoll gefördert und ängstlich respektiert. Hier hat sie Professor Pater Wiplinger bodenständig gemacht, der sich schon früher als politischer Agitator im Dienste der christlichsozialen Partei ttaurige Verdienste erworben hat. Seiner organisatorischen Tätigkeit ist die Kongregation am Leitmeritzer Gymnasium zu danken. Weil er aber bei den älteren Schülern auf Widerstand zu stoßen fürchtete bcgannn er mit der Infizierung bei den Kleinen. So zeigt es sich nun, daß sich die Leitmeritzer Kongregation tatsächlich aus den Schülern der untersten Klassen zusammensetzt, aus 12- und 13jährigen Knaben, in deren Wachsgemüt der giftigen Samen des Rassen- Hasses und der Unduldsamkeit versenkt wird. Den jungen Mitgliedern ist strengstes Stillschweigen auferlegt, Stillschweigen über alles, was sie sehen, über ihre Versammlungen, Zusammenkünfte usw. Eine der Hauptregeln der Kongregation ist das ׳Meiden Andersgläubiger. Natürlich kommen hierzulande fast ausschließlich die Juden in Betracht, die eben von den Kongreganisten stets als etwas Unreines empfunden werden. Auch die Lektüre wird streng überwacht. Außer apologetischen Schriften dürfen die Knaben nur klerikale Zeitungen, Bonifaziusblätter und ähnliche Hetz- und Schundleklure treiben, die sie mit den schamlosesten Verläumdungen der Juden, mit dem Ritualmord- Märchen und ähnlichem vertraut machen. Und das alles geschieht unter den Augen der Behörde trotz des Paragraphen der Disziplinarvorschriften, der Mittelschülern jegliches Korporationswesen verbietet. In Prag wurden vor Jahren jüdische Mittelschüler, die sich zur Bereicherung ihres Wissens in der jüdischen Geschichte und Literatur zusammengetan habet., gemaßregelt. Flugs kam ein landesschulrät licher Ukas heraus, der die Zusammenkünfte der Schüler verbot, die doch wirkltch harmlos waren. Die marianische Kongregation wird aber geschützt. Schwarz ist Trumpf in Oesterreich! Krankheiten der Nerven, des Magens, Darmes etc. werden mit Erfolg im Dr. Kutbans Sanatorium in TISCHNOWITZ kuriert. — Prospekte. Prager Brief. Für die Juden wird es immer wichtiger eine zielbewußte PoUnk einzuschlagen. In Böhmen dem klassischen Lande des Nationalitätenkampfes wird uns das von Tag zu Tag deutlicher zu Gemüte geführt. Hier haben sich die Grenzen zwischen liberalfortschrittl-ch und radikalantisemitisch wenigstens im deutschen Lager schon ganz verwischt. Der sprechendste Beweis dafür ist die Landtags- Kandidatur des Herrn Slruervetwalters Julius Hirsch in Teplitz. Für dieses durch den Tod des deutschfortschrittlichen Abgeordneten Dr. Maly erledigte Mandat kandidieren die deutschfortschrittlichen und deutschradikalen Parteien gemeinsam den Herrn Hirsch, der schon die bindende Erklärung abgegeben hat im Falle der Wahl der deutschradikalen Partei beizutreten, mehr Selbstverleugung kann man auch wirklich nicht verlangen als die deutschfortschrittlichen treiben. Wenn sie schon in Teplitz derartige politische Purzelbäume wagen, wie wirds erst bei den nächsten Wahlen in den kleinen Provinznestern werden? Im Uebrigen können die Deutschfortschrittlichen sich leicht in ihrer Rechnung irren, sie rechnen gar zu sicher mit der willenlosen Gefolgschaft der Juden, die nach manchen Symptomen gerade die Grenze überschritten hat. So wird z. B. schon jetzt eifrig von fortschrittlicher d. h. jüdischer Seite gerüstet um das Eindringen der deutschradikalen Antisemiten.in den Vorstand der Pensionskassa der deutschen Sparkassen unmöglich zu machen. Es wird wohl nicht lange mehr dauern, dis die Scheidung in der deutschfortschrittlichen Partei ganz reinlich und sauber erfolgt und die Deutschfortschrittlichen nur Juden zu ihrer Fahne zählen werden. Auch im tschechischen Lager wütet der Kampf. Das Gremium,׳ der Handelsagenten hat eine überwiegend jüdische Majorität unter seinen Mitgliedern dementsprechend wurden bei der konstituierenden Sitzung auch zumeist Juden einige deutsche Arier und nur 4 Tschechen gewählt, sehr zum Aerger der Tschechen, die jetzt zu Pontius und Pilatus laufen um die Wahlen kassieren zu lassen und mehr Tschechen oder was noch wichtiger ist weniger Juden in den Greir.ialvorstand wählen zu lassen. In all diesem Streit bot dieser Tage bas Parlament ein beruhigendes friedvolles Bild. Laut wurde die Notwendigkeit betont, den konfeffionellen Frieden zu schützen, auf die religiösen Gefühle Rücksicht zu nehmen 2c. Und die so eifrig für die Schonung der religiösen Gefühle eintraten waren noch dazu die Tschechischkterikalen, denen an religiöser Unduldsamkeit wohl niemand gleichkommt. Das Rätsel findet seine Lösung darin, daß diesmal die Tschechischradikalen sich nicht mit Unrecht in ihren religiösen Gefühlen durch die Immunisierung eines konfiszierten Macharschen' Buches gekränkt sahen. Es ist aber doch immerhin komisch diese Herren, die stets so gierig nach den Juden schnappen, die die jüdische Lehre stets mit ihrem Geifer ver- Herrenwäsche nach Mass und Herrenmodewaren kaufen Sie am besten im Spezialgeschäfte der Firma ״Derby“ V. DRESLER, Brunn Krapfengasse 24-36. Nur apparte‘Neuheit^ n. Feste Preise.