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Jüdische Volksstimme · 1912-05-24 · Heft 8 (24.5.1912) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 8 (24.5.1912)
Date
1912-05-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2. Jüdische Volksstimme Nkr. 8 Wiener Jüdisches Leben. David Ritter v. Gutmann. In seiner Villa in Baden bei Wien ist am 14. d. M. mittags der Präsident der ״Wiener Israelitischen Allianz", David Ritter von Gutmann, Seniorchef der Kohlenfirma Gebrüder Gut» mann, nach mehrmonatlicher Krankheit verschieden. David Ritter von Gutmann war erst im April nach Baden übersiedelt und stand hier in Be- Handlung des Dc. Schreiber, der von Zeit zu Zeit mit dem Professor Lamberger aus Wien Konsilien hatte. Me cs heißt, sollte an dem Patienten eine Operation vorgenommen werden, wovon jedoch wegen seiner Schwäche Abstand genommen werden mußte. Herr v. Gutmann, dessen Zustand schon seit einigen Tagen besorgniserregend war, starb um s/4l Uhr eines sanften Todes. Er hat das achtundsiebzigste Jahr erreicht. Die Lerche Gutmanns wurde von Baden nach Wien überführt und im Trauerhause IV., Schwindgasse 2, aufgebahrt. Das Leichenbegängnis. Zu einer großartigen Trauerkundgebung hat sich die Leichenfeier, die Donnerstag vormittags vom Trauerhause aus stattfand, gestaltet. Die Trauerfeier war an und für sich, einer der letztwilligen Verfügung des Verblichenen entsprechend, höchst einfach. Ihr Beginn war für II Uhr angesetzt, doch schon eine Stunde vorher begann vor dem Trauerhause die Zufahrt der Leidtragenden. Die Gäste kamen in solcher Zahl, daß sie nicht nur die Salons im ersten Stock, sondern auch im Vestibül und im geräumigen Hofe kaum Platz fanden. Die später Kommenden mußten sich vor dem Trauerhause versammeln. Rings um den Sarg, der in einem Salon im ersten Stock aufgebahrt war, nahmen die Mitglieder der Familie Aufftellung. Unter den Trauergästen waren u. a. zu sehen: Eisenbahnminister Dr. Freiherr v. Förster, Statthalter Freiherr v. Bienerth. Landeshauptmann Graf Barisch, Polizeipräsident v. Brezesowsky, Generalsekretär der Oesterr.-ung. Bank Hofrat v. Pranger, Oberst Felix Graf Thun, der deutsche Konsul Dr. v. Bivenot, der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, Landesschulrat Dr. Gustav Kohn, Gemeinderat Max Frank, der Rektor der israelitisch-theologischen Anstalt Dr. Schwarz mit dem Professorenkollegium, das RabbinatSkollegium und die Rabbiner der jüdischen Gotteshäuser in Wien, der Rabbiner der israelitisch, türkischen Gemeinde Papo, ferner Robert Freiherr v. Biedermann, Heinrich Freiherr v. Königswarter, Landtagsabgeordneter Dr. Philipp v. Gomperz, Verwaltungsrat Dr. Hans v. Mauthner, der Präsident deS israelitischen Humanitätsvereines Bnai Brith in Wien Richard Petschek, Regierungsrat Stuckart und Gemahlin, Direktor des israelitischen BlindeninstitutS Heller, der Präsident der Angloösterr. Bank Morawitz, Dr. Paul Cohn (Paul v. Hohenau), der Prokurist des Bankhauses Rotschild Dr. Pollak, Vizegouverneurstellvertreter der Oesterr.- ung. Bank v. Lieben, der Präsident des kaufmännischen Gremiums Pollak v. Parnegg, Adolf Eger, Julius Wolf. Max Zirner, Generaldirektor Tannenbaum, D- Rotter als Vertreter der ״Jca", vom Kaiser Franz Josef-Ferienheim Präsidentin Frau Sophie Grünfeld, Frau Dr. Zins. Frl. Fritzi ZinS, Frau Dr. Quittner, Generaldirektor PorgeS und Gemahlin vom Seehospitz Präsidentin deS Wohltätigkeitsvereines in Rudolfsheim Frau Landeis, Frau Dr. Frischauer vom ״Ferienhort", dessen Ehrenmitglied der Verblichene war. Frau Kopstein, Frau Olga v. Doctor und Frau Stiaßny mit dem Vorstand, der Verein zur Unterstützung mittelloser jüdischer Hochschüler, in Vertretung der Heilanstalt ״Alland" Regierungsrat Dr. Svetlin, als Abordnung der jüdischen Gemeinde Leipnik, der Vaterstadt deS Verblichenen, Bürgermeister Moritz Ritter. Ra biner Dr. Hillel, Vorstand D- Spitzer und KultuSrat Tauber, der Gesamtvorstand des RekonvaleSzenten- und Erholungsheimes ״Philantropia", eine Abordnung der Kultusgemeinde Baden, Dr. Horowitz. die Schriftsteller Siegmund Münz, Dr. M. Lömy, Redakteur Jakob Fingermann, der Maler Isidor Kaufmann, Professor Veith, Bild- Hauer Taglang, der Dichter Friedrich Porges, Karl Blasel, von der Baron - Hirschstiftung kaiserlicher Rat Dr. Arnold Ascher, die Beamren der israelitischen Armenanstalt, Amtsleiter der israelitischen Kultusgemeinde Julius Braun. Bürgermeister von Mährisch-Ostcau Dr. Fiedler, u. a. Als Vertreter der ״Israelitischen Allianz" in Wien nahmen teil: Vizepräsident Dr. Kuranda, Generalrat Klein, kaiserlicher Rat v. Sachs. Prokurist Richard Bettelheim und Sekretär Dr. Kaminka- Mit dem Vortrag der rituellen Gesänge durch den Oberkantor Don Fuchs, der von den beiden Kantoren Jurberger und Matyas und dem gesamten Chorpersonal begleitet war. nahm die Trauerfe'er ihren Anfang. Kaiserlicher Rat Fürst nahm dann namens der Beamten des Hauses v. Gutmann von dem Verblichenen Abschied. Dann wurde der schwarze Metallsarg gehoben und vor das Tcauerhaus getragen. Dort stand ein einfacher zweispänniger Trauerfurgon, auf dem der Sarg gestellt wurde. Der fast unübersehbare Kondukt setzte sich dann nach dem Zentralfriedhofe in Bewegung. Hier hielt Oberrabbiner Dr. Güdemann dem Verstorbenen einen warmen Nachruf; er sagte u. a: ״Gutmann war ein Wohltäter im großen Stil, dabei von einer Demut, die auf keinen hinab, vielmehr zu den Aermsten hinaufsah, und von einer Einfachheit der Lebensführung, die ihn selbst auf dem Totenbett den Beistand von Dienern und Wärtern ablehnen ließ. Sein größter Vorzug aber bestand darin, daß er auf dem Gipfel nie den Aufstieg, die Schwierigkeiten des Anfanges vergaß und noch weniger verleugnete. Der Besitz von Millionen pflegt die Erinnerung an die Vergangenheit einzuschläfern. Bei ihm übte dieser Besitz die entgegengesetzte Wirkung, seine Erinnerung zu schärfen. Dadurch ist er immer derselbe, ist sein Herz sich stets gleich geblieben. Dieses Herz hat nun aufgehört zu schlagen, und viele werden diesen Herzschlag vermissen". Dann sprach für den Kultusvorstand der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, für die Israelitische Allianz Dr. Artur Kuranda und für die Heimatsgemeinde Leipnik Rabbiner Dr. Hillel. Hierauf wurde der Sarg gehoben und durch das Spalier der Bergknappen der Gutmannschen Werke, der Orlauer Steinkohlenwerke, der Witkowitzer Werke, dann der Mitglieder des Leitzniker Veteranenvereines zur Familiengruft getragen. Der Sarg wurde nun in die Tiefe gesenkt. Erdschollen fielen auf den Sargdeckel und Oberkantor Morgenstern stimmte die letzten Trauersänge an. Um halb 1 Uhr schloß die Totenfeier. Die Kondolenzen. Zum Tode David Ritter v. Gutmanns haben u. a. kondoliert: Fürst Karl Auersperg. Oberstküchenmeister Graf Bellegarde, Gesandter Nikolaus Th. Dumba, Herrenhausmitglied Freih. v. Sochor, Bezirkshauptmann Bleyleben, die Geheimräte Friedländer-Huld und Eduard Arnhold, Zentralinspektor der Nordbahn Fischmeister, Baronin Charlotte Ferstel, Max Freiherr v. Springer, die Reichsratsabgeordneten Nikolai v. Wassilko und Dr. Stephan Licht, der Klub der Industriellen durch Präsidenten Krupp, Großindustrieller Moritz Eichler, Julius Ritter Leon v. Wernburg. Hermann Pollaks Söhne, der Vizepräsident der Advokatenkammer Dr. Frei- Herr v. Mayr, u. a. Die Persönlichkeit des Verstorbenen. David Ritter v. Gutmann, der im 78. Lebensjahre stand, war ein Self made man im besten Sinne des Wortes. Aus den bescheidensten Ansängen hat er sich zu einer Großmachtstellung auf industriellem Gebiet emporgearbeitet. Das Haus Gutmann reicht heute an Bedeutung fast an das Haus Rothschild heran; das Vermögen der GutmannS ist allerdings kleiner, wenn es auch nach allgemeiner Schätzung 100 Millionen übersteigen soll. Die Firma befaßte sich zunächst mit dem Kohlenzwischenhandel. Zu einer Zeit, wo man den Wert der Kohle für Jndustriezwecke noch nicht I würdigte, waren es die Brüder Gutmann, die gewissermaßen von Haus zu Haus in Wien für die Einbürgerung der Kohlenheizuug tätig waren. Im Jahre 1851 übernahmen die Brüder Gutmann dann schon den kommissionsweisen Vertrieb der Kohle mehrerer Kohlenproduzenten und gleichzeitig die Lieferung an große Abnehmer, Bahnen, Schifffahrtsgesellschaften und Zuckerfabriken. Größeren Umfang nahm dieses Geschäft an, als die Nordbahn selbst Kohlengruben erworben hatte. Im Jahre 1856 schritten Wilhelm und David Gutmann zur formellen Gründung der Firma Gebrüder Gutmann und von den sechziger Jahren ab erwarben sie umfangreiche Kohlenreviere. Die seither so eng gewordene Verbindung mit dem Hause Rothschild wurde 'vor 46 Jahren geknüpft; damals verpachtete das Haus Rothschild seine Kohlengruben in Orlau, Dobrau und Witkowitz an die Gebrüder Gutmann. Zu dieser Transaktion gesellten , sich später noch andere Bergbaupachtungen und Käufe in Böhmen und Galizien. Eine nicht weniger hervorragende Stellung errang sich die Firma aber auch in der Eisen- und Zuckerindustrie, sowie in anderen Industriezweigen. Als vor siebzehn Jahren der eine der Begründer der Firma, Wilhelm, starb, wurde David v- Gutmann Seniorchef. Der älteste Sohn des verstorbenen Ludwig v. Gutmann, Willi v. Gutmann, ein junger Mann von 23 Jahren, tritt nun in die Rechte seines Großvaters als Chef der Firma Gebrüder Gutmann ein. Gutmann als Wohltäter. David v. Gutmann, der von kleinen Anfängen unter unsäglicher Mühe, allerdings unter Aufwand ganz außerordentlicher Initiative und Energie, es zu einem der einflußreichsten Großindustriellen der Monarchie gebracht hat, bewahrte in den Tagen seines Glückes immer rührende Dankbarkeit für das Schicksal, das ihm so günstig gesinnt war. Es geht durchs sein ganzes Leben das Verständnis für den Kummer der Unglücklichen, die Sorgen für -die Unbemittelten. Es mag auch für die Großzügigkeit des Verstorbenen bezeichnend sein, daß er auch im Wohltun alles versäumte, was Linderung von nur heute auf morgen bringen könnte. Wenn David v. Gutmann helfen sollte, dann sollte es dauernd sein. Deswegen seine zahlreichen Stiftungen, in denen Kranke Unterkunft finden sollten, bis sie genesen sind, deswegen die Gründung von Vereinen, denen reiche Mittel die Erfüllung von schweren und humanen Pflichten ermöglichen sollen. David v. Gutmann hat viele und herbe Schicksalsschläge erlitten. In grausam knapper Aufeinanderfolge hat er seinen Sohn und seine Gattin verloren: Seinen Sohn Ludwig, den er zum Erben der groß und schwer gewordenen Ausgaben des Hauses Gutmann ausersehen hatte, seine Frau Sophie, die ihm in Zeiten seiner Anfänge eine treue Lebensgefährtin gewesen war. Darum galt seine Sorge den Kranken. Nach dem Tode seiner Frau erbaute er einen Pavillon der Heilanstalt ״Alland". Seit jener Zeit gehörte v. Gutmann dem Kuratorium dieser Anstalt an. Er ließ keine Gelegenheit verstreichen, ohne mit größeren Beträgen die Zwecke dieses humanen Instituts zu fördern. In seiner Geburtsstadt Leipnik schuf der Verstorbene gemeinsam mit seinem Neffen Max v. Gutmann das JnvalidenhauS. David v. Gutmann war auch Präsident des israelitischen Waisenhauses. Er nahm diese Funktion nicht lediglich als eine Ehrenstelle, sondern als eine Aufgabe mit schweren Pflichten. Seit dieser Zeit gab es für den Verein keine Verlegenheit. Man wandte sich nie vergeblich an David v. Gutmann. Angeregt durch seine Erfahrungen in dieser Funktion, erbaute er das israelitische Mädchenwaisenhaus in Döbling und vor zwei Jahren erst das Waisenhaus für israelitische Knaben. Als Präsident der ״Wiener Israelitischen Allianz" entfaltete der Verstorbene zugunsten der jüdischen Emigranten eine segensreiche Tätigkeit. Er förderte nicht nur durch reiche Mittel die guten Absichten der Gesellschaft, der er Vorstand, sondern er löste auch durch persönliche Intervention Komplikationen, von den denen in erster Linie seine verzagten Glaubensgenossen betroffen waren. Mährisch-schlesische Bank Brünn. Telephon Nr. 3B0, Dlrrittt—. FtrctttUUldsg&SSe Nr. 29 Telephon Nr. 10«. WethieNtobe. verzinst EINLAGEN gegen je II 01 gebundene Einlagen laut Überemkommen. Bank- Bichel » und in laufender Rechnung ■ft T0| 2| ־ geschäftenfler Art, B&neu-u.Wedafe rgrirhMi,

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