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Jüdische Volksstimme · 1912-05-24 · Heft 8 (24.5.1912) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 8 (24.5.1912)
Date
1912-05-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XIII|1. Jahrg. Nummer 8 Wiener Erscheint jede» Donnerstag. Wische N«ll!sßl«me. Bezugspreise: Für Österreich-Ungarn, halbjährig . . ganzjährig. Deutschland, ganzjährig. Rußland, ganzjährig. Kronen 520־ Kronen 10•— Mark 10 — Rubel 650׳ Herausgeber: Max Hickl. Inserate: die 8 spaltige Petitzeile 30 h. Buchhändlerische Vertretung: Otto Klemm. Leipzigs Geschäftsstelle: Wien, I.» Rotenturmstraße Nr. Sl. Telephon 300S/VIU. Sprechstunden von 10—12 Uhr. Balkan, Frankreich. Einzelne Nummer 20 h. Franks 12 — Unverlangteredaktionelle Beiträge werden nicht honoriert. - Manuskripten ist Rückporto beizusügen. Brünn—Budapest. Wien, l4sS«״l56?i Prag—Lemberg. Der Schelvuoth-Feiertage wegen erscheint! antisemitischen ÄNa§e Zajmy“, ein rüdes Organ w• «X ״/x SL t J. O w I eines gewesenen k. k. Fmanzwachaufsehers Huscheks dre Nummer 20 erst heute Frettag, den eingegangen sind, war die judenfeindstche Partei in Böhmen arg daran, denn sie hatte kein Preßorgan, durch dessen Vermittlung sie ihr zersetzendes _: Gift unter die Volksschichten spritzen konnte. Da fand sich ein im schwärzesten Rußland reich ge- 24. Mai (8. Silvan). Aus dem Inhalte: «־».'- ÄÄ.?-*SSTÄ das 20. Äkh.md.« .m ch-iswch-s Badener Brief, Brünner Nachrichten. — Rundschau. — Lucus a non lucendo! Denn mit wahrem Christen- Korrespondenzen. — Rabbi nische Don Quichoterien. — tum hat dieses Suoelblatt nicht das geringste zu' Jüdische Kunst. - Jda Barber, Wien. - Der Märtyrer tun. Die Tintenkulis haben wohl nur die eine seine au en .; Aufgabe, täglich so und so vielmal über ״die an _allem Unheil schuldigen, bösen Juden" herzufallen. Das wahrlich gewiß nicht philosemitische Klofaöorgan Und die österreichischeHierarchie? Nummer nur 175 mal von Inden spricht. Diese Seit der unseligen, bis heute der Lösung Preßkloake war es, welche den armen Juden Gans harrenden Affäre von Polna, da die Baxa, Schwer fast um die Existenz brachte! Was war eigentlich und ihre eigentlichen Drahtzieher über das Judengeschehen? Das Dienstmädchen Hofrichter (nomen tum durch Lüge, Verleumdung und Verdrehung e8t amen) verbreitete das Gerücht, ihr Dienstherr ״siegten", hat die Reaktion es an Vorstößen gegen hätte mit seiner ganzen Familie ihr zu jüdischdie Juden nicht fehlen lassen. Hier sei nicht von rituellen Zwecken Blut abzapfen wollen. Die geeichtpolitischen Schach-, richtiger Schacherzügen der liche Kommission fand an ihrem Körper nicht die Christlichsozialen und ihrer würdigen urteutonischen; geringste Verletzung! Vor Gericht wegen Ver- Maulhelden gesprochen, von Zurücksetzungen u. a.. jleumdung gestellt, verantwortete sich das wohl von was mehr weniger tief in unser Leben einschneidet.' Hintermännern vorgeschobene Mädchen dahin, sie Wir vertragen soziale und wirtschaftliche Schäden,; hätte alles — geträumt. Der Traum kam ihr allerso schwer es uns auch fallen mag. wogegen wir dings teuer zustehen. Sie bekam zehn Tage aber nicht genug laut und energisch protestieren. st re n gen Arrest; etwas viel für einen dazu noch müssen, das sind die Angriffe auf unsere Lehren, so bösen Traum! Die Einflüsterer gingen allerdings Axthiebe gegen den Baum jüdischer Erkenntnis,! leer aus, obwohl eigentlich sie allein auf die Anklagedie. ihr Licht der ganzen zivilisierten Welt zuteil j bank gehörten. werden ließ, — unsere Religion l > Ein zweiter Fall der die schwarze Sotuja Das ist unsere verwundbarste Stelle! Uns bei uns nicht zur Ruhe kommen läßt, betrifft die hier treffen״ heißt uns anS Leben gehen. Und da 21jährige Grundbesitzerstochter Domihelka aus der Lebenstrieb im Menschen auf das Höchste aus-j Opocinko bei Pardubitz, die aus unglücklicher Liebe gebildet ist. ist es gewiß jedes Juden Wunde — den Tod in der Elbe bei Rossitz gesucht und ge- und sei sie auch nur durch Nadelstiche uns beifanden hat. ״XX- Vektt hatte sofort den — Ritualgebracht, wenn von gegnerischer Seite durch die!mord auch hier fabriziert und es muß leider ge- Hydra der Verleumdung unsere am Sinai gegebene I sagt werden, daß es nicht nur die unteren Volks- Lehre verleumdet wird. Hier heißt es, sich aus schichten waren, die daran zu glauben begannen, allen Kräften wehren! Nicht mehr mit dem Geiste' sondern auch intelligenteren Klassen, die meinten, der Wissenschaft allein, den der anscheinend ver»! ״etwas müsse doch an der Sache sein"! Das untrottelte Judenhaß nicht begreifen will, hier tut1 glückliche Mädchen wurde nach drei Wochen aufmehr not, als wir Juden in unserer Gesamtheit! gefischt, die Gerichtskommissisn stellte fest, daß es geben können. j sich um Selbstmord handelt, da die Leiche nicht Gelegentlich des letzten Osterfestes sind im!das geringste Zeichen eines gewaltsamen Todes fortschrittlichen Böhmen wieder da und dort die! aufwies. Das geht aber dem bestialischen ״XX. mittelalterlichen Märchen von Blutritus der Juden Vek“ gegen den Strich. ״Die Leiche war aufgetaucht. Ein kleiner jüdischer Krämer in Südblutleer", wird in der Gegend — wie die freiostböhmen namens Josef Gans, wurde plötzlich sinnige ״Osveta Lide“ schreibt — selbst unter von seinen christlichen Kunden gemieden, ohne den der Schuljugend kolportiert! Weiter zerbricht er geringsten Anlaß hiezu gegeben zu haben. Aber sich den Kopf, warum das Mädchen nicht daheim was schert die antisemitischen Dunkelmänner jüdiden Selbstmord verübt hat, sondern einige Kilosche Ehrlichkeit und Arbeitsamkeit, sofern sie nur Meter weiter usw. Und das freisinnige Blatt thr schmutziges Hetzgeschäft zur Blüte bringen und antwortet: Konnte das unabhängige Tagdlatt für die allgemeine Aufmerksamkeit von ihren eigenen j baS christliche Volk, der ״XX. Vek" beim Unter- Schlechtigkeiten abwenden können? Seit dem die gang der Titanic über die auf ihr befindlich gewordener Tscheche, der wohl dort Schule gemacht hat, als Retter in der Not und gründete ein tschechisch-antisemitisches Blatt in Prag ״XX. Vektt, wesenen Juden mit dem ärgsten ZyniSmns schreiben, ״die Mauicheln dürften sich vor dem Tode gewehrt haben!" Dann ist es kein Wunder, wenn es d׳e vorstehenden Albernheiten anführt." Auch ein zweites freiheitliches tschechisches Blatt nimmt Stellung zu diesen unsinnigen Gerichten der Pilsner 8״mer" beschuldigt die tschecbische Tagespcesse, namentlich das weitverbreitetste Blatt ״dläroclnl Politika", daß sie es ist, die solches Unheil stiftet. In der Rubrik ״Kirchliche Nachrichten" vom 17. April meldete das aus geistlichen Kreisen hierüber informierte Blatt: ״Heule ist der Gedenktag des hl. Rudolf, der als Knabe im Jahre 1287 in Bern von orthodoxen Juden zu Tode gestochen wurde. Die Täter wurden des Verbrechens überführt und hingerichtet." Aus dem Jahre 1287, aus der Zeit der Judenverbrennung und Jnquisition! Und tags darauf brachte ״Närodn» Politik“ eine stärkere Dosis: ״Heute ist der Gedenktag des hl. Werner, eines 14 jährigen Knaben, der wie der hl. Rudolf in Ober-Wesel bei Koblenz am Gründonnerstag von Juden unter dem Borwand von Taglöhnerarbeit in den Keller gelockt und dort durch Ausblutung gefoltert wurde." Hier — so schreibt Smer — ist die Quelle: ״Der katholische Kler>kalismus und die tschechisch-völkische Presse, deren Redakteure sich schämen sollten, daß ein so blöder Aberglauben in ihrem Blatt erscheint und das tschechische Volk vergiftet. Schreibet für diese Leute auch noch über Hexen, Blut schwitzende Kruzifixe und ähnliche Erscheinungen, daß wir Tschechen kulturell schon ganz verblödeln." Glücklicher Weise ist das Volk dem ,XX. VSk" diesmal nicht aufgesessen; verbürgt aber dafür uns Juden nicht im Geheimen schon jetzt ein zweites Polna von den Drahtziehern deS Giftbrunnens ״XX. V&k“ vorbereitet wird? Der Hydra muß man energisch an den Leib! Das Blatt nennt sich christlich, folglich hat die katholische Hierarchie in Böhmen auch ein Wort dreinzureden. Als sich jüngst der agrarische ״Venkov" wegen Verleumdung eines Parteigängers durch eine dem ״XX. V5k״ verwandte Pceßbestie in einem offenen Schreiben an den Kardinal Fürsterzbijchof Skrbensky von Prag um Abhilfe wandte, antivoriete dieser prompt, er bedaure jeden unwahren, persönlichen Angriff. Nicht die 98.000 Juden Böhmens, nein elf Mlllionen sind den niederträchtigsten, verleumderischen Angriffen der auch die Ecweckung der niedrigsten Jnsti ikre berechneten Hetznotizen des ״XX. Vek“ ausgesetzt! Vor einigen Wochen — so ichUeßt die oben zitierte Pardubitzer 0״;veta Lidu“ — hat der Bischof von Warschau erklärt, daß der Aberglauben von Ritualmord verabscheuungswücdig ist und daß sich alle Bischöfe und Größen der Kirche gegen ihn ausgesprochen haben. Bei uns in Prag, in Köaiggrätz und anderwärts hört man aber nichts dergleichen; anstatt der Bischöfe spricht der ״XX. V6k“. . N. K. Sie schlagen jede Konkurrenz! Wen» Sie einen gutsitzenden Anzug aus der Werkstätte eines Man respektiert Sie! Sie haben Erfolg! R«d«ls Goldstein Wien III, SwSpi Spezialist in Talaren > Reel.Gedlegen.Elegant.B1ll1gj Erstk,°!stg°r Zi»u. ״.

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