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Jüdische Volksstimme · 1912-05-16 · Heft 7 (16.5.1912) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 7 (16.5.1912)
Date
1912-05-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 7 Jüdische Volksstimme spiel auch in anderen Kreisen Nachahmung finden, und bald werden sich viele emsige Hände regen, diesem Boden einen reichen Erlrag abzugewinnen. Und wenn dann mit Gottes Hilfe die fröhlichen Schnitter die Garben binden werden, dann werden, wie einst bei Josef, die Garben aller sich vor euren Garben verneigen. זרעו לבם לצהקה קצרו לפי־חסד נידו לבם ניר ועת לדרוש* את די עד יבוא ויודה צדק לסם. (הושע יי) Krankheiten der Nerven, des Magens, Darmes etc. werden mit Erfolg im Dr.Kutban$ Sanatorium in TISCHNOWITZ kuriert. — Proepekte. Badener Brief. Die Erzählung in meinem ״Badener Briefe" in Nr. 17 der ״Jüdischen Bolksstimme", welche Erfahrungen Salomon Leopold Felsinger mit seinen Pferdeeinkäufen gemacht hat, wurde vielseitig und verschieden kommentiert. Diese Erzählung hat, ich möchte sagen, instinkitv die edlen Eigenschaften des Pferdes intensiv nuanziert, ohne dabei Anstößiges deklarieren zu wollen. Ein Mehr lag gewiß nicht in ihrer Initiative. Bei objektiver Beurteilung muß dies jeder Leser zugestehen. Wie man die vorzüglichen Eigenschaften eines Menschen mit dem Adel eines Pferdes vergleichen kann, beweist folgende Reminiszenz: Als seinerzeit Graf Hatzfeld als Botschafter für London designiert wurde, erhielt er von der Kaiserin Friedrich an ihre königliche Mutter ein Empfehlungsschreiben, in dem die bezeichnende Stelle: ״Wir schicken Euch das beste Pferd aus dem Stalle!" vorkam. Von unserem ״passenden Kandidaten" wird also dasselbe verlangt. Und doch wurde von seiten eines distinguiert scheinenden, allezeit getreuen Gemeindeanhängers in boshafter Weise das Pferd ausgeschrotet, dabei der Schreiber des Badener Briefes mit Namen belegt, mit denen man sonst den berüchtigten Plattenbruder zu benamsen pflegt. Diesem Herrn sei es nahegelegt, sich für die Folge in vorsichtiger Reserve zu halten, da sonst Schreiber dieses aus seiner Anomität hervortreten und ihm den Standpunkt klar legen müßte. Zu dem Ausfall der Wahlen und zur Konstituierung des Kultusausschusses sei noch registriert: Daß gewisse Elemente die Resignation des gewesenen verdienstvollen Kultusbeirates, des Kaiserl. Rates Dr. Emil Raab als ״Sprungbrett" benützten um einen Ausflug in das Reich ihrer Ambitionen zu machen. Jeder ״Jsch Jisroel" weiß, daß jede Kultusgemeinde, jede Religionsgenossenschaft auf die Grundseiler ״Tauro, Awando und Gemilluschesed" aufgebaut werden muß. Eine Kultusgemeinde muß, so weit es ihre materielle Fundierung erlaubt, humanitäre Anstalten und religiöse Institutionen schaffen. Eine Gemeinde darf nicht, wie ein blutlerer Körper nur atmen und sich fortfristen, sondern muß leben und beleben, darf nicht die eingelaufenen Gelder nur verwalten, ihr ״Saldo-Konto" zum Jahreswechsel nur abschließen, sondern muß in zielbewußter und rationeller Weise schaffen, für Kultuszwecke, Wohlfahrtseinrichtungen sorgen, Bestehendes auszugestalten für ewige Zeiten. Die langjährigen Führer unserer Gemeinde, die erbgesessenen Praktiker am grünen Tische, werden sagen; Kritisieren ist leicht, aber Bessernrachen ist ungleich schwerer. Jawohl, ich kenne den Beruf, der in unserer Kultusgemeinde den Oppositionellen zufällt und kenne die Konsequenzen, mit denen im allgemeinen die Opposition zu rechnen hat und doch halte ich die Opposition für notwendig und unentbehrlich, besonders, wenn sich diese in einer unabhängigen publizistischen Betätigung fühlbar macht, denn sie führt oft zur Gesundung von Verhältnissen und ideale Ziele, wie auch diese nicht gleich zu erreichen sind, ihnen wenigstens näher zu kommen, die Wege ebnet. — Viel weniger nützen diebesten, erweiterten und ergänzten (?) Statuten. Die kosten nur Zeit und Geld. Die Publizität, wenn sie eine stabile, im Interesse des Friedens, der Erhaltung des Bestehenden und Schaffung des noch nicht Bestehenden, nicht gegen Personen gerichtet — wirkt — ist, wohltuend, aneifernd und sanierend. Mir noch die weitere Besprechung ü er das Ausüben von Tauro, Awaudo und Gem.-Chesed. vorbehaltend, möchte ich nur noch das Verhältnis der Chewra-Kadischa zur Kultusgemeinde berühren. Die Existenzgrundlage unserer Kultusgemeinde mit Bezugnahme zur Chewra-Kadischa respektive die Berührungspunkte, die sich für die Chewra- Kadischa mit der Kültusgemeinde ergeben, welche den beiderseitigen Interessen entsprechend geregelt sind, sollen für die Zukunft richtig erkannt bleiben nnd durch keine experimentierende Statutenfabrikation tangiert werden. Indem ich noch unfern Herrn! Kultus- Präsidenten, der nach einem vierwöchentlichen Urlaube wieder die Leitung der Kultusgemeinde übernommen hat. freundlichst begrüße zeichne ich Ein Mitglied der Badener Kultusgemeinde. Ungk-Broder Brief. Die Mitglieder der hiesigen Kultsgemeinde wollen durch eine umfassende Aktion Herrn Rabbiner Dr. Jung bitten, der Berufung als Oberrabiner nach London keine Folge zu leisten. Sie erließen deshalb folgenden Aufruf: Löblicher Kultusausschuß! Die endesgefertigten Gemeindemitglieder können es nicht gleichgültig hinnehmen, daß unser all- Verehrtester Herr Rabbiner Dr. Moritz Jung, welcher in selbstloser, aufopfernder Weise sein Amt ehrenhaft mehr als Dezennien vertreten hat, unserer Gemeinde verlassen sollte, ohne daß der wiederholte Versuch gemacht wird, Sr. Ehrwürden von seinem Entschlüsse: dem Rufe als Oberrabbiner nach London zu folgen, abzubringen. Wenngleich diese Stelle einen Weltruf genießt und die ehrenvolle Berufung unsere Gemeinde mit größtem Stolze erfüllt, wollen wir doch kein Mittel unversucht lassen, um unserer Gemeinde dieses Kleinod eines Seelsorgers zu erhalten. Wir wollen unserer Gemeinde den hervorragenden Rabbiner unseren Kindern den Vorbildlichen Idealisten und tüchtigen Jugenderzieher, dem österreichischen Judentums eine seiner besten Kräfte bewahren! Wir wollen unserem Rabbiner nur den schuldigen Dank abstatten, indem wir ihn bitten, die Versicherung entgegenzunehmen, daß wir alle an seinen Verlust nicht glauben können, daß noch immer die Hoffnung in uns lebt, daß Sr. Ehrwürden uns erhalten bleiben könnte. Wie ein Mann wollen wir uns zusammentun, um unsere Sympathie in die Wirtlichkeit umzusetzen. Wir wollen darauf Hinweisen, daß das Klima in London der Gesundheit unseres Herrn Rabbiners vielleicht nicht zuträglich sein könnte, daß Sr. Ehrwürden nach einem so arbeitsreichen Wirken in unserer Gemeinde der Ruhe bedürftig erscheinen würde, daß der hohe Gehalt in London durch die größeren Repräsentationspflichten wettgemacht würde. Wir wollen Opfer bringen, Herrn Dr. Jung unserer Gemeinde zu erhalten; denn er ist ein Segen für unsere Gemeinde und soll uns ein Segen bleiben. Diesen Segen wollen wir uns erkämpfen, erringen. Unter diesen Voraussetzungen stellen wir das höfliche Ersuchen, ein löblicher Ausschuß möge nichts unversucht lassen, Sr. Ehrwürden zu bewegen, auch weiterhin die Zierde unserer Gemeinde zu bleiben. Wir haben uns Mühe gegeben, das Scheiden Sr. Ehrwürden durch eine künstlerisch ausgestattete Adresse und durch ein Ehrengeschenk zu ehren, bei welcher Gelegenheit es sich gezeigt hat, daß unser Herr Rabbiner sich der ungeteilten allgemeinen Sympathie und höchster Verehrung Unser aller Wunsch ist, unser Rabbiner möge hier bleiben. Wir alle würden es uns als Verbrechen an uns selbst empfinden, diesem aufrichtigen Wunsche nicht durch die Tat Ausdruck zu verleihen. Wir alle wollen hoffen, daß ein löblicher Vorstand sich dieser unserer Bitte korporativ anschließen wird. Es wird dies eine Ehrung für unsere Gemeinde sein, die Sr. Ehrwürden diesen Akt schuldet. Gestützt auf unsere aus tiefstem Herzen kommende Aufforderung wollen wir an Sr. Ehrwürden herantreten, mit der aufrichtigen Bitte, er möge uns nicht verlassen! Es wird uns dann sicherlich gelingen, von Sr. Ehrwürden die Erfüllung unseres Wunsches zu erlangen. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNG^ GESELL- SCHAFT, WIEN, I. ASPERNPLATZ 1 im eigenen Palais. — Versichertes^ Kapital cirlta 330 Miltonen. — Billigste Tarife, .Mitarbeiter werden überali gesucht. ־ Genaralagentur: Karl Blaudek, Brünn, Krapfengasse 18/20 Unser neuester Tarif mit 5״!!ähr.ich fallender garantierter Priimie. Generalagentur für Wien, I., Aspernplatz I, Leiter David Nebenzahl. Sub Direktion für Prag, Ferdinandsgasse 20, neu, Leiter Robert Gerste'. Sub Direktion für Lemberg, Szajnocha 3, Leiter Lobt Taubes. Aoere^ponäenzen Nng. Brod. Hier wurde der Gesangsverein ״Hazomir" gegründet. In der am 27. April l. I. stattgefundenen Generalversammlung wurden in den Ausschuß folgende Mitglieder gewählt: Herr Oberlehrer Ignatz Freschl zum Obmanne, Leopold Schindler zum Obmannstellvertreter und Schriftführer, M. Löwy zum Kassier und Archivar, Isidor Konrad-Kohn, Siegfried Schön, Frl- Helene Ascher (Lehrerin!, Gisella Frankl und Sldouie März. Als Ersatz wurden gewählt: Herr Siegfried Brammer, Ernst Winterstein und Leo Beck. Herr Oberkantor M. Körner wurde als Ehormeister und Dirigent gewählt. Es wird hecvorgehoben, daß dieser Verein weder nationale noch politische Tendenzen verfolgt, sondern einzig und allein die Pflege und Förüerung des Gesanges, der Musik, des guten Ein- Vernehmens unter der Bevölkerung und der Geselligkeit.im Auge hat. Der Verein zählt bereits zirka 90 ausübende und beitragende Mitglieder. Budapest. Ein Prozeß wegen des Davidschildes. Eine hiesige Bierbrauerei wählte als Schutzmarke für ihre Produkte das Tavidschild. Das Präsidium der hiesigen othodoxen Gemeinde überreichte deshalb eine Beschwerde an das Gericht, mit der Begründung, daß das Mögen David ein religiöses Symbol sei, das nicht zu geschäftlichen Reklamezwecken profaniert werden dürfte. Das Gericht holte nun bei der Budapester Neologengemeinde ein Gutachten über diese Frage ein. In diesem Gutachten erklärt das Rabbinat der Neologengemeinde, daß das Tavidschild von den Juden wohl als religiöses Snmbol benützt werde, jedoch bei den Juden durchaus nicht jene Heiligkeit besitze, wie zum Beispiel das Kreuz bei den Christen oder der Halbmond bei den Mohammedanern. Auf Grund dieses Gutachtens hat das Gericht den Einspruch der othodoxen Gegewiesen. Berlin. Die Zahl der Judentaufen in unserer Reichshauptstadt stellt im vergangenen Jahre einen Rekord dar; sie betrug 223 (148 Männer und 70 Frauen). Leipzig. Am Montag fand die Eröffnung der israelischen schule mit den Lehrzielen einer Realbezw. höheren Töchterschule statt. Die Anstatt steht unter der Leitung des Herrn Rabbiner Dr. E. Carlebach, dessen Jnititiative si!׳ ihre Entstehung verdankt. Die stattliche Zahl von .!00 Zöglingen, mit denen sie ins Leben tritt, beweist, daß sie einem wirklichen Bedürfnis entgegenkommt. Unter Anerkennung dieser Wünsche hat nach Prüfung der Bedürsnisfrage die kön. Regierung die Konzession zur Errichtung der Anstalt bereitwilligst erteilt. Mit wie großem Beifall der Plan innerhalb und außerhalb Leipzigs aufgenommen wurde, beweist die Tatsache, daß binnen vier Monaten von privater Seite die finanzielle Grundlage der Anstalt beschafft wurde. Für die Schule ist das Grundstück Gustav-Adolfstraße 7, käuflich erworben, auf dem ein geeigneter Neubau aufgeführt werden wird; bis zu dessen Vollendung sind die Räume des ״Volkswohl", Löhrstraße 7 und Humboldstraße l4, mietsweise bezogen worden. Dem Leiter der Anstalt steht ein beratendes Kuratorium zur Seite, dem u. a. angehören die Herren : Geh. Regierungsral Proffessvr Dr. Jakob Barth (Berlin), Pros. Dr. Eugen Miltwoch (Berlin), Justitzrat Tr. Waldstein. Mitglied des Reichstages und Abgeordnetenhauses, in Altona. In öffentlichem Akte in der Aula der Städtischen Schule sür Frauenberufe nahm Herr Dr. Müller nach Verpflichtung der städtischen Lehrer auch den Direktor an. das außer dem stellvertretenden Direktor Herrn Pros- Dr. Tram, aus 13 Lehrkräften bestehende Lehrerkolegium der neuen Anstalt in Pflicht. Er hob dabei hervor, daß mit dieser Anstalt unsere Stadt eine neue Schulgattung erhalte nämlich neben den evangelischen und katholischen Schulen nunmehr auch eine israelitische Wie beim Heben des Vorhanges vor einem Kunst werke der Zuschauer mit Spannung, Stolz un

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